Schatzkammer

Wien, Österreich

Schatzkammer

Nicht ein einzelner Palast, sondern ein ganzer kaiserlich-republikanischer Stadtbezirk: Die Hofburg vereint Kirchenmusik, Staatszeremoniell, Ballkultur und die Erinnerung des Heldenplatzes in einem einzigen Spaziergang.

2-4 Stunden (ein oder zwei Flügel + Spaziergang über den Heldenplatz)
Je nach Ort unterschiedlich; jeder Flügel der Hofburg oder jedes Museum hat ein eigenes Ticket

Einführung

Wie kann ein einziger Palast zugleich wie ein Märchenschloss und wie eine Warnung vor Macht wirken? In der Hofburg in Wien, Österreich, bewegen Sie sich durch helle Höfe, eiserne Tore, hallende Hufschläge und Kapellenmusik, während hinter den historischen Mauern noch immer Staatsbüros arbeiten. Sie sollten kommen, weil hier Europas kaiserliche, faschistische und demokratische Epochen in einem einzigen zusammenhängenden Baukörper sichtbar werden.

Die erste Überraschung ist, dass die Hofburg nicht ein einzelnes Gebäude ist, sondern ein zusammengenähter Komplex, der sich über Jahrhunderte ausdehnte wie eine nach innen gefaltete Stadt. Die Quellen belegen mittelalterliche Festungssubstanz im Kern des Schweizerhofs, Renaissance-Statements wie das Schweizertor, barocke Zeremoniensäle und den unvollendeten kaiserlichen Gigantismus der Neuen Burg unter derselben Adresse.

Die zweite Überraschung ist Kontinuität: Die Praktiken starben nicht mit dem Ende des Kaiserreichs. Vieles deutet darauf hin, dass der tiefste Faden hier die rituelle Aufführung von Autorität ist, von Hofliturgie und Reitvorführungen bis zu modernen republikanischen Zeremonien auf und um den Ballhausplatz und Heldenplatz.

Sie besuchen die Hofburg also nicht nur, um Räume zu sehen; Sie besuchen sie, um einem Ort dabei zuzusehen, wie er eingesteht, dass Regime wechseln, während Bühnen, Klänge und Symbole immer wieder neu verwendet werden.

Sehenswertes

Sisi Museum & Kaiserappartements

Was die meisten überrascht, ist nicht der Glanz, sondern die Intimität: Sie gehen von Wachräumen und Audienzsälen weiter in Elisabeths Ankleide- und Turnzimmer, wo Sprossenwand und Ringe noch immer im Türrahmen hängen wie ein trotzig gehütetes Geheimnis. Das Museum setzt stärker auf Stimmung als auf Chronologie, dann ziehen Sie die Appartements in den kaiserlichen Alltag hinein, vom Arbeitszimmer über das Schlafzimmer bis zum Bad, mit Details so privat wie der toilettenschüsselförmigen Muschel in Delfingestalt. Nehmen Sie den kostenlosen Audioguide mit (14 Sprachen, die 12 Sterne der EU-Flagge plus zwei weitere Stimmen), und bleiben Sie dann noch in den ruhigeren Räumen, wo das Parkett knarrt und das polierte Holz schwach nach Wachs riecht. Praktischer Hinweis für Eingeweihte: Der Rundgang wird erweitert (Hinweis datiert auf den 12. Januar 2026), Besuche laufen normal weiter, und die Silberkammer bleibt geschlossen; die tägliche Führung ist derzeit bis zum 5. Oktober 2026 um 14:00 Uhr ausgeschrieben.

Hofszene in der Hofburg, Wien, Österreich, mit Touristen, Kopfsteinpflaster und einem Reiterstandbild zwischen den Flügeln des Palasts.
Die reich verzierte Fassade des Michaelertrakts und die grüne Kuppel der Hofburg in Wien, Österreich, mit Fiakern am Eingang.

Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek

Der Schock hier ist die Größe: Der Saal misst fast 80 Meter, etwa acht Londoner Doppeldecker Stoßstange an Stoßstange, und steigt 20 Meter hoch auf, also ungefähr so hoch wie ein sechsstöckiges Stadthaus, das zu einem Tempel für Bücher geworden ist. Dunkle Regale aus Nussbaumholz, Steinböden, marmorne Kaiserfiguren, goldene Details und das Kuppelfresko schaffen einen Raum, der kühler und klangvoller wirkt als die Prunkräume des Palasts, als müsste selbst der Schall hier gerader Haltung annehmen. Achten Sie auf die vier venezianischen Globen und schauen Sie dann noch einmal nach oben; dieser Raum belohnt den zweiten Blick. Wenn Sie historische Feinheiten mögen, gesteht dieses Gebäude eine davon ein: Offizielle Zeitlinien widersprechen sich beim Abschluss, denn die Nationalbibliothek nennt 1722 als Baubeginn, den Rohbau in den Jahren 1723 bis 1726 und die Vollendung der Innenräume bis 1730. Audioguides und Führungen sind verfügbar, und mit Stand vom 31. März 2026 wird die Sonderausstellung „The Global Power of Love“ angekündigt.

Ein Hofburg-Spaziergang in drei Stimmungen: Schweizertor, Heldenplatz, Burggarten

Beginnen Sie am rot-schwarzen Schweizertor im Schweizerhof und berühren Sie den ältesten Nerv der Hofburg: Die Rollen der Zugbrücke sind noch immer in der Mauer zu sehen, ein mittelalterlicher Mechanismus, verborgen im kaiserlichen Theater. Gehen Sie weiter durch die Anlage, die heute 18 Flügel, 19 Höfe und rund 2.600 Räume umfasst, eine Palaststadt, dicht genug, um sich wie eine kleine Hauptstadt hinter einer einzigen Adresse anzufühlen. Treten Sie hinaus auf den Heldenplatz mit der weiten Kurve der Neuen Burg und enden Sie dann im Burggarten, wo die steinerne Strenge in Rasenflächen, Baumschatten und das Glas-und-Eisen-Palmenhaus übergeht. Diese Abfolge verändert Ihren Blick auf Wien: nicht ein einzelner Palast, sondern ein zusammengenähtes Reich aus Festung, Bühne und Garten, alles in einem einzigen Spaziergang.

Amalienburg und der innere Hofburg-Hof in der Hofburg, Wien, Österreich, gesehen vom Platz In der Burg unter blauem Himmel.
Achten Sie darauf

Stellen Sie sich nahe in die Mitte des Heldenplatzes und schauen Sie zur gebogenen Balkonlinie, dem Altan, der Neuen Burg hinauf. Diese Terrassenkante übersieht man leicht, und doch verankert sie einen der aufgeladensten Erinnerungsorte Österreichs.

Besucherlogistik

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Anreise

Stand 2026 nutzen Sie den vorübergehenden Eingang am Kaisertor und denken die Hofburg eher als kleinen Stadtbezirk denn als einzelne Haustür. Die U3 bis Herrengasse ist die einfachste Route: Vom Westbahnhof sind es etwa 15 Minuten, also ungefähr eine Kaffeepause; vom Flughafen Wien nehmen Sie die S7 bis Wien Mitte und dann die U3, rund 60 Minuten, so lang wie eine ganze Fernsehfolge. Zu Fuß vom Stephansdom brauchen Sie etwa 10 bis 12 Minuten über Graben und Kohlmarkt, während Autofahrer Garagen nutzen sollten, weil das Kurzparken in der Nähe auf 2 Stunden begrenzt ist, kürzer als ein langsamer Besuch.

schedule

Öffnungszeiten

Stand 2026 sind das Sisi Museum und die Kaiserappartements täglich geöffnet, auch an Feiertagen, von 09:00 bis 17:30 Uhr, letzter Einlass um 16:30 Uhr, also ein Zeitfenster von 8,5 Stunden, fast so lang wie ein voller Arbeitstag. Sie dürfen sich im Sisi Museum bis 17:00 Uhr und in den Kaiserappartements bis 17:30 Uhr aufhalten. Die Silberkammer bleibt bis auf Weiteres geschlossen, und Hinweise aus dem Januar 2026 verlegten den Eintritt zum Kaisertor (offizielle Seiten nennen den 22. Januar oder den 29. Januar), also folgen Sie der Beschilderung am Besuchstag.

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Benötigte Zeit

Stand 2026 liegt die offizielle Schätzung für den Kernbesuch bei 60 Minuten, also ungefähr der Laufzeit einer kurzen Dokumentation. Ein zügiger Durchgang dauert meist 60 bis 75 Minuten, mit Audioguide eher 90 bis 120 Minuten, näher an einem ganzen Spielfilm. Wenn Sie Höfe oder andere Einrichtungen der Hofburg dazunehmen, planen Sie 2 bis 4 oder mehr Stunden ein, eher ein halber Tag als ein kurzer Halt.

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Barrierefreiheit

Stand 2026 ist die Hauptroute stufenfrei, mit Rampen, mobilen Rollstuhlschienen und einem Aufzug (125 cm breit, 129 cm tief, Türbreite 78,5 cm), ungefähr mit der Grundfläche eines großen Kleiderschranks. Rollstühle können gegen Hinterlegung eines Ausweises kostenlos ausgeliehen werden, Assistenzhunde sind erlaubt, und barrierefreie Toiletten befinden sich im Erdgeschoss und im ersten Stock, oben mit Unterstützung des Personals. Draußen kann das historische Pflaster holprig wirken, eher wie alte Kopfsteinpflastergassen als wie glatte Bahnhofsböden.

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Kosten/Tickets

Stand 2026 kostet der reguläre Eintritt EUR 20 für Erwachsene oder EUR 25 mit Führung; Kinder von 6 bis 18 zahlen EUR 12 und Studierende von 19 bis 25 EUR 18, wobei der Aufpreis für die Führung etwa einer zusätzlichen Tasse Kaffee entspricht. Der Sisi-Pass (Hofburg + Schloss Schönbrunn + Möbelmuseum) kostet EUR 57 und kann Geld sparen, wenn Sie mehrere kaiserliche Orte besuchen; Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt. Kaufen Sie Zeitfensterkarten nur über imperialtickets.com, denn das Museum warnt vor gefälschten Ticketseiten und nennt keinen allgemeinen kostenlosen Eintrittstag.

Tipps für Besucher

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Etikette in der Kapelle

In der Hofburgkapelle gelten während der Messe strengere Regeln: keine Nutzung von Telefon oder Kamera und keine großen Taschen, Schirme oder Kinderwagen im Innenraum. Kleiden Sie sich respektvoll und bewegen Sie sich leise, denn das ist ein lebendiger sakraler Raum und nicht bloß ein weiterer Saal auf einer Museumsrunde.

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Grenzen beim Fotografieren

Im Sisi Museum und in den Kaiserappartements sind private Fotos nur ohne Blitz, ohne Stativ und ohne Selfie-Stick erlaubt. Drohnenaufnahmen sind in der kontrollierten Zone im Zentrum von Wien stark eingeschränkt, behandeln Sie Luftbilder also als genehmigungspflichtig und nicht als spontane Idee.

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Schutz vor Ticketbetrug

Buchen Sie nur über imperialtickets.com; das Museum warnt ausdrücklich vor gefälschten Verkäufern, die offizielle Hofburg-Angebote nachahmen. Rund um Warteschlangen und Haltestellen sollten Wertsachen in verschlossenen Taschen vorne am Körper bleiben, denn Taschendiebstahl durch Ablenkung ist hier das häufigste Risiko.

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Früh anfangen

Nehmen Sie den frühesten Zeitslot und gehen Sie durch das Kaisertor hinein, denn der Sisi-Bereich füllt sich schneller, als die meisten erwarten. Nach den Innenräumen lohnt sich ein Gang in den Burggarten oder auf den Heldenplatz, um im offenen Licht und in frischer Luft wieder klarzukommen.

restaurant
Essensplan in der Nähe

Für nahe Optionen: Die Brasserie Palmenhaus liegt preislich in der Mitte und wirkt mit ihrem gläsernen Bau eindrucksvoll, das cook cafe im Weltmuseum ist günstig bis mittelteuer für einen schnellen Happen, und das Buxbaum ist die Adresse zum Ausgeben in einem ruhigeren Hof. Stand 2026 ist das Cafe Central wegen Renovierung bis zum Herbst geschlossen, suchen Sie sich also eine andere Kaffeepause.

garderobe
Leichtes Gepäck als Strategie

Es gibt keine Garderobe, und sperriges Gepäck wird abgewiesen. Verstauen Sie Taschen daher vor Ihrer Ankunft in den ÖBB-Schließfächern am Hauptbahnhof, Westbahnhof, Meidling, Praterstern oder Wien Mitte. Verbinden Sie die Hofburg dann zu Fuß mit der Prunksaal, der Spanischen Hofreitschule oder der Albertina, denn dieser Teil von Wien fügt sich zusammen wie verbundene Palasträume.

Wo essen

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Das sollten Sie unbedingt probieren

Wiener Schnitzel Sachertorte Apfelstrudel Tafelspitz Kaiserschmarrn Gulasch Käsespätzle Krautfleckerln Eierschwammerl Käsekrainer

Glasswing Restaurant

gehobene kueche
Österreichisch-französische gehobene Küche €€ star 4.8 (161)

Bestellen: Das Sieben-Gänge-Degustationsmenü ist Pflicht, besonders mit den Upgrades aus Foie gras und Hummer. Lassen Sie sich auch das hausgemachte Brot oder das Kiwi-Pre-Dessert mit Weißweinbegleitung nicht entgehen.

Hier trifft österreichische Tradition punktgenau auf französische Finesse. Das 3.5-stündige Erlebnis wirkt vielleicht lang, aber jeder Gang lohnt die Wartezeit. Pluspunkt: großartige alkoholfreie Cocktails für alle, die nichts trinken.

schedule

Öffnungszeiten

Glasswing Restaurant

Montag geschlossen; Dienstag-Mittwoch 6:00 PM–11:00 PM
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Joyce Café Restaurant

lokaler favorit
Koreanisch-österreichische Fusionsküche €€ star 4.7 (862)

Bestellen: Das koreanische Dakgangjeong mit hausgemachter Sauce hat fast schon Legendenstatus - knusprig, süß und unvergesslich. Probieren Sie auch das Bibimbap, von dem selbst heikle Esser schwärmen.

Dieser wenig bekannte Favorit verbindet Wiens Liebe zum Schnitzel mit koreanischen Klassikern. Die offene Küche wirkt glaubwürdig, und das Team bleibt selbst dann herzlich, wenn es voll wird.

schedule

Öffnungszeiten

Joyce Café Restaurant

Montag-Samstag 11:30 AM–10:00 PM
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Verde

lokaler favorit
Italienisch €€ star 4.6 (1428)

Bestellen: Die hausgemachte Pasta ist eine Offenbarung - Gnocchi und Spaghetti aglio e olio stechen heraus. Dazu passen ihre spektakulären Cocktails für ein rundes italienisches Abenteuer.

Der Ort hat städtischen Charme, ohne geschniegelt zu wirken. Die Leidenschaft des Teams fürs Essen - vor allem Sammys Charme - lässt alles eher wie die Küche eines Freundes wirken.

schedule

Öffnungszeiten

Verde

Montag-Sonntag 9:00 AM–12:00 AM
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Hofburgstüberl

schneller imbiss
Wiener Wurstimbisse €€ star 4.7 (67)

Bestellen: Lassen Sie die Touristenfallen links liegen und bestellen Sie eine Käsekrainer - würzige Wurst mit Senf und Essiggurken. Perfekt für einen schnellen, bezahlbaren Happen in der Nähe der Schatzkammer.

Ein echter Wiener Favorit, versteckt in der Hofburg-Passage. Freundlicher Service und faire Preise machen den Ort ideal für einen schnellen, authentischen Imbiss.

schedule

Öffnungszeiten

Hofburgstüberl

Montag-Samstag 8:00 AM–5:00 PM
map Karte language Web
info

Restaurant-Tipps

  • check In Wien wird viel mit Bargeld bezahlt; für kleinere Cafés und Märkte sollten Sie immer etwas dabeihaben.
  • check Trinkgeld gibt man, indem man aufrundet oder 10% dazugibt. Nennen Sie dem Servicepersonal den Gesamtbetrag.
  • check Die meisten Restaurants öffnen nicht zum Mittagessen - rechnen Sie mit Abendservice ab 6 PM.
  • check Märkte wie der Naschmarkt sind samstags am vollsten; kommen Sie früh für die beste Auswahl.
  • check Am Sonntag sind die Öffnungszeiten eingeschränkt - viele Stände schließen, und Restaurants bieten womöglich kleinere Speisekarten an.
Food-Viertel: Rund um den Naschmarkt für Märkte und internationale Küche 1. Bezirk für traditionelle Cafés und gehobene Küche 7. Bezirk für angesagte Brunch-Lokale 2. Bezirk (Karmelitermarkt) für Bio-Produkte

Restaurantdaten bereitgestellt von Google

Historischer Kontext

Wo die Macht immer neue Kostüme anzieht

Die Quellen zeigen, dass die Hofburg seit dem Mittelalter ein funktionierender Sitz der Herrschaft ist, auch wenn sich Dynastien, Verfassungen und Flaggen änderten. Die Kapelle ist 1296 belegt, wurde zwischen 1423 und 1426 in gotischer Form neu gebaut und beherbergt noch heute die Sonntagsmesse mit der Wiener Hofmusikkapelle, in einer Tradition, die die Institution selbst auf mehr als fünf Jahrhunderte zurückführt.

Was hier fortbesteht, ist nicht ein einzelner Herrscher, sondern eine Funktion: öffentlich sichtbare Macht durch Ritual. Die Choreografie wechselte vom Kaiserhof zur modernen Republik, doch dieselbe Anlage inszeniert noch immer Gottesdienst, Zeremonie, Musik, Reitkunst und staatliche Symbolik.

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Der Tag, an dem Ferdinand II. den Palast beinahe verlor

Auf den ersten Blick lesen die meisten Besucher die Hofburg als geschlossene habsburgische Kontinuität, einen Palast, der mit der Zeit einfach immer reicher wurde. Die Fassaden fördern genau diese Erzählung: geordnet, monumental und scheinbar unerschütterlich.

Doch lokale Berichte schildern einen Bruch am 5. Juni 1619, als protestantische Adelige Ferdinand II. in der Hofburg zur Rede stellten. Für Ferdinand stand ganz unmittelbar seine politische Zukunft auf dem Spiel, vielleicht sogar sein Leben, in der Anfangskrise des Dreißigjährigen Krieges. Der Wendepunkt kam, als bewaffnete Reiter eingriffen, den Druck brachen und der Hof standhielt.

Die eigentliche Kontinuität der Hofburg ist nicht ruhige Dynastie, sondern wiederholte Inszenierung unter Druck. Wenn man das einmal weiß, liest sich die Anlage heute anders: Kapellenmusik, Paradeplätze und Präsidentschaftsrituale sind keine dekorativen Überbleibsel, sondern die jüngsten Akte auf einer Bühne, auf der seit Jahrhunderten Legitimität beansprucht wird.

Was sich verändert hat

Vieles spricht dafür, dass nahezu jede politische Ordnung der österreichischen Geschichte diesen Ort neu beschrieben hat: Aus einer mittelalterlichen Befestigung wurde eine kaiserliche Residenz, dann ein Megaprojekt der Ringstraßenzeit, dann die Kulisse für Hitlers Erklärung vom 15. März 1938 und schließlich ein republikanisches Staatszentrum. Sogar die Chronologie ist stellenweise umstritten, von der frühesten Gründungsgeschichte der Hofburg bis zu einzelnen Baudaten des 19. Jahrhunderts.

Was geblieben ist

Dokumentierte Praktiken bestehen bis heute fort: Liturgie in der Hofburgkapelle, klassische Reittradition in der Stallburg und der Winterreitschule sowie formelle Staatszeremonien rund um Heldenplatz und Ballhausplatz. Praktisch gesagt tut die Hofburg noch immer, was sie immer getan hat: Sie versammelt Körper, Klang, Symbole und Autorität in einem kontrollierten städtischen Theater.

Über die Geburtsurkunde der Hofburg wird noch immer gestritten: Manche offiziellen Darstellungen schreiben den ersten Kern Ottokar II. um 1275 zu, während die aktuelle Forschung der OEAW die entscheidende Gründungsphase in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts unter dem Eingreifen Kaiser Friedrichs II. legt. Der Palast, den die meisten für etwas Feststehendes halten, hat also weiterhin eine offene Entstehungsgeschichte.

Wenn Sie am 15 March 1938 genau an dieser Stelle gestanden hätten, würden Sie verstärkte Stimmen hören, die von den Steinen der Hofburg zurückgeworfen werden, und das Brüllen einer Menge, das wie eine Stadionwelle über den Heldenplatz rollt. Fahnen peitschen über dicht gedrängten Körpern, Stiefel scharren, und Stimmen verschmelzen zu einem einzigen Sprechchor, der den Platz übertönt. Die Luft fühlt sich zugleich elektrisch und beklemmend an, während imperiale Architektur vor Ihren Augen in eine NS-Bühne verwandelt wird.

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Häufig gefragt

Lohnt sich ein Besuch der Hofburg? add

Ja, die Hofburg ist einen Besuch wert, weil sie Jahrhunderte von Macht, Kunst und politischer Erinnerung in einer einzigen begehbaren Anlage verdichtet. Sie bewegen sich durch 18 Flügel, 19 Höfe und rund 2.600 Räume, was eher wirkt, als würden Sie eine aus Stein gebaute Miniaturstadt durchqueren, statt einen einzelnen Palast zu besichtigen. In einem einzigen Besuch hören Sie die Akustik der Kapelle, sehen kaiserliche Privaträume und stehen an dem Ort, an dem 1938 die Anschlussrede gehalten wurde.

Wie viel Zeit braucht man für die Hofburg? add

Für das Sisi Museum und die Kaiserappartements brauchen Sie etwa 90 Minuten, für einen umfassenderen Tag in der Hofburg 3 bis 4 Stunden. Die offizielle Schätzung für den Kernbesuch liegt bei etwa 60 Minuten, ungefähr ein Spielfilm, doch Andrang und Audioguides ziehen den Besuch meist in die Länge. Wenn Sie den Prunksaal, die Schatzkammer und die Spanische Hofreitschule dazunehmen, planen Sie lieber ein halbtägiges Tempo ein.

Wie komme ich von Wien zur Hofburg? add

Vom Zentrum von Wien ist die einfachste Route die U3 bis Herrengasse, dann ein 4- bis 6-minütiger Fußweg zur Hofburg. Dieser Weg ist kürzer als ein üblicher Umweg um einen Häuserblock und dauert meist weniger lang als das Warten auf eine weitere Zugverbindung. 2026 ist die Wegeführung zum Eingang vorübergehend auf das Kaisertor verlegt, also achten Sie bei Ihrer Ankunft auf die tagesaktuellen Schilder.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch der Hofburg? add

Die beste Zeit ist an einem Wochentag morgens zur Öffnung, gegen 09:00 Uhr. Dann bekommen Sie ruhigere Räume, weicheres Licht auf den steinernen Höfen und weniger Engstellen, bevor Gruppenführungen die Route gegen späten Vormittag verdichten. In den heißeren Monaten erspart Ihnen der frühe Eintritt auch den Weg über aufgeheizte freie Plätze zur stärksten Mittagshitze.

Kann man die Hofburg kostenlos besuchen? add

Teilweise ja: Einige Erlebnisse in der Hofburg sind kostenlos, die Hauptroute des Museums aber ist kostenpflichtig. Sisi Museum plus Kaiserappartements kosten für Erwachsene EUR 20, während Kinder unter 6 Jahren freien Eintritt haben und auch eine registrierte Begleitperson für berechtigte blinde Besucher oder Rollstuhlnutzer kostenlos mitkommt. Die Hofburgkapelle können Sie außerdem zu festgelegten Besichtigungszeiten an Werktagen kostenlos besuchen, während die Sonntagsmesse ticketpflichtig ist.

Was sollte ich in der Hofburg auf keinen Fall verpassen? add

Verpassen Sie nicht das Schweizertor, den Prunksaal, Sisis erhaltenes Turnzimmer und eine Pause auf dem Heldenplatz. Der Prunksaal ist fast 80 Meter lang und 20 Meter hoch, also etwa drei aneinandergereihte Straßenbahnen und so hoch wie ein sechsstöckiges Gebäude, mit einem Innenraum aus Nussbaumholz und Fresken, dessen Echo fast theatral wirkt. Die Spuren der Festung am Schweizertor und die Geschichte des Balkons am Heldenplatz verwandeln den Besuch gemeinsam von kaiserlicher Nostalgie in etwas Schärferes und Ehrlicheres.

Quellen

Zuletzt überprüft:

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