Historischer Überblick: Vom mittelalterlichen Ursprung zur barocken Pracht
Frühe Fundamente
Das Gelände des Palais Mollard-Clary reicht bis etwa 1250 zurück, als Seifried von Mödling die erste dokumentierte Struktur entlang dessen, was die Herrengasse wurde, errichtete (austriasites.com). In der Nähe des Minoritenkirchenklosters wechselte das Anwesen häufig den Besitzer und überstand das zerstörerische Feuer von 1326/27. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es umgebaut und erweitert. Bis 1563 wurde das Gut von Peter von Mollard erworben, dessen Familie es in eine prächtige Residenz umwandelte.
Barocke Transformation
Die bedeutendste Umgestaltung erfolgte zwischen 1695 und 1698, als der italienische Architekt Domenico Martinelli beauftragt wurde, das Palais im barocken Stil neu zu gestalten (Burghauptmannschaft Österreich). Martinellis Vision brachte Symmetrie, Pracht und Theatralik in das Gebäude: eine stattliche Fassade, ein prächtiges Treppenhaus und reich verzierte Innenräume. Stuckarbeiten, mythologische Fresken von Andrea Lanzani sowie Innengestaltungen von Christian Alexander Oedtl und Johann Lukas von Hildebrandt prägten den neuen Charakter des Palais.
Die Ära der Clary-Aldringen und intellektuellen Salons
1760 kaufte Graf Franz Wenzel von Clary und Aldringen das Palais und ließ repräsentative Räume und die Fassade mit eleganten Pilastern aufwerten (rjontour.com). Das Palais wurde zu einem Zentrum der Wiener Elite und war Schauplatz von Kaiser Josephs II. berühmter „Tischrunde“, wo führende Aristokraten Politik, Philosophie und Kunst diskutierten (Wikipedia). Diese Tradition förderte eine Kultur des intellektuellen Austauschs, die Wiens Geschichte nachhaltig prägte.
Die Familie Clary gründete zudem eine bedeutende private Bibliothek und Kunstsammlung, die ihr Engagement für Wissen und Kultur widerspiegelte (Wikipedia).
20. – 21. Jahrhundert: Öffentliches Museum und Nationalbibliothek
Übergang zur öffentlichen Nutzung
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert diente das Palais Mollard-Clary diplomatischen Zwecken und beherbergte verschiedene Botschaften und Gesandtschaften. Ab 1922 war es Sitz des Niederösterreichischen Landesmuseums, überstand Kriegsschäden und wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut (geschichtewiki.wien.gv.at). 1999 erwarb die österreichische Regierung das Palais, was den Weg für seine heutige Rolle ebnete.
Österreichische Nationalbibliothek
Eine umfassende Renovierung von 2002 bis 2005 modernisierte das Palais für die öffentliche und wissenschaftliche Nutzung (austriasites.com). Heute beherbergt das Palais Mollard-Clary:
- Globenmuseum Das einzige öffentliche Museum, das Globen gewidmet ist, mit über 380 historischen und wissenschaftlichen Globen (shunculture.com).
- Esperantomuseum Dokumentiert Esperanto und andere geplante Sprachen mit seltenen Büchern, Manuskripten und interaktiven Ausstellungen (wien.info).
- Musiksammlung Eines der wichtigsten Musikarchive Österreichs, das sich über mehrere Stockwerke erstreckt (Wikipedia).
Architektonische Höhepunkte
Das Palais Mollard-Clary verkörpert barocke Raffinesse mit seiner harmonischen, symmetrischen Fassade, einem repräsentativen Bogenportal und Ornamenten, die die Bedeutung des Piano Nobile (Hauptgeschoss) unterstreichen. Das prächtige Treppenhaus mit geschwungenen Balustraden und dramatischer Beleuchtung dient als funktionales und theatralisches Zentrum (planet-vienna.com). Die Innenräume sind mit mythologischen Fresken, vergoldeten Stuckaturen und Marmorsäulen ausgestattet, die eine Atmosphäre intellektueller Grandezza schaffen.
Bemerkenswerte Räume sind der Kartensaal, der die Kartensammlung der Nationalbibliothek beherbergt, sowie die ehemaligen Staatsgemächer, die für Sonderausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden.
Informationen für Besucher
Öffnungszeiten
- Dienstag bis Sonntag 10:00 – 18:00 Uhr
- Geschlossen Montags und an Feiertagen
(Österreichische Nationalbibliothek – Besucherinformation)
Tickets und Eintrittspreise
- Allgemeiner Eintritt 8 € (für das Globen- oder Esperantomuseum)
- Studenten, Senioren, Gruppen 6 €
- Kinder unter 19 Jahren Kostenlos
- Kombitickets Für beide Museen erhältlich
- Vienna Pass-Inhaber Freier Eintritt
Tickets können online oder am Eingang erworben werden (Österreichische Nationalbibliothek – Besucherinformation).
Barrierefreiheit
- Vollständig rollstuhlgerecht (Aufzüge, Rampen)
- Barrierefreie Toiletten
- Hilfe nach vorheriger Anfrage verfügbar
Führungen und Sonderveranstaltungen
- Regelmäßige Führungen (Deutsch/Englisch) mit Schwerpunkt auf Architektur, Sammlungen und spezifische Themen.
- Gruppenführungen und Workshops nach Voranmeldung verfügbar.
- Sonderausstellungen und Veranstaltungen im Laufe des Jahres; überprüfe die offizielle Website für Aktualisierungen.
Praktische Reisetipps
- Fotografie Nicht-Blitz-Fotografie ist gestattet; für bestimmte Ausstellungen können Einschränkungen gelten.
- Garderobe Große Taschen müssen abgegeben werden.
- Sprache Ausstellungstexte auf Deutsch und Englisch; Mitarbeiter sprechen fließend Englisch.
- Beste Besuchszeit Wochentags morgens für ein ruhigeres Erlebnis; Juni ist ideal für angenehmes Wetter.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Das Palais Mollard-Clary liegt nur wenige Schritte von wichtigen Wiener Wahrzeichen entfernt:
- Hofburg
- Volksgarten
- Spanische Hofreitschule
- Kunsthistorisches Museum
- Wiener Staatsoper
Seine zentrale Lage und die Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln erleichtern die Kombination deines Besuchs mit einer Führung durch Wiens historische Mitte (Google Maps).
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
F: Wo befindet sich das Palais Mollard-Clary? A: Herrengasse 9, 1010 Wien, Österreich.
F: Was sind die Öffnungszeiten? A: Dienstag bis Sonntag, 10:00 – 18:00 Uhr; Montags und an Feiertagen geschlossen.
F: Wie viel kostet der Eintritt? A: 8 € für Erwachsene; 6 € für Studenten/Senioren/Gruppen; kostenlos für Kinder unter 19 Jahren.
F: Ist das Palais rollstuhlgerecht? A: Ja, mit Rampen, Aufzügen und barrierefreien Einrichtungen.
F: Gibt es geführte Touren? A: Ja, auf Deutsch und Englisch; Voranmeldung für Gruppen empfohlen.
F: Ist Fotografie erlaubt? A: Nicht-Blitz-Fotografie ist in den meisten Bereichen gestattet.
F: Kann ich Tickets online kaufen? A: Ja, über die Website der Österreichischen Nationalbibliothek.