Olympiaturm.

München Deutschland 48° N · 11° E

München baute diesen 291 Meter hohen Turm als Sendemast, bevor irgendjemand wusste, dass die Olympischen Spiele 1972 kommen würden. Jetzt ist er wegen einer Renovierung für 15 Millionen Euro bis Mitte 2026 geschlossen.

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Olympiaturm
Olympiaturm · München
2-3 Stunden (Park + Umgebung) Park kostenlos; Turm bis Mitte 2026 geschlossen Sommer (Juni-August)
Einführung

MMünchens bekanntestes Wahrzeichen der Olympischen Spiele war bereits halb fertig, bevor die Stadt überhaupt Olympische Spiele zugesprochen bekam. Der Olympiaturm ragt 291 Meter über der bayerischen Landeshauptstadt in Deutschland auf — ungefähr so hoch wie drei hintereinander gestellte Freiheitsstatuen — und von seiner Aussichtsplattform ziehen sich an klaren Tagen die Alpen über den Horizont. Doch den Weg hierher lohnt nicht bloß die Höhe. Jede Betonschicht erzählt eine Geschichte, die seine Erbauer nie erzählen wollten.

Als der Münchner Stadtrat am 29. Januar 1964 für den Bau des Turms stimmte, nannte man ihn schlicht Fernsehturm — weiter nichts. Die Stadt brauchte besseren Rundfunkempfang. Zwei Jahre später vergab das IOC die Olympischen Sommerspiele 1972 nach München, und aus einem halbfertigen Fernmeldemast wurde still und leise das vertikale Symbol eines neuen, demokratischen Deutschlands.

Der Turm steht auf dem Oberwiesenfeld, einem Gelände, das als militärischer Exerzierplatz, als einer der frühesten zivilen Flughäfen Deutschlands und als Abladeplatz für 1,4 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg diente. Aus diesem Schutt wurde der Olympiaberg geformt, ein 56 Meter hoher, grasbewachsener Hügel, der von der Aussichtsplattform auf 190 Metern gut zu sehen ist. Ein Blick nach unten genügt, und Sie sehen die verdichteten Reste einer zerstörten Stadt, umgeformt zu einem Park.

Die Baufirma Alfred Kunz GmbH verarbeitete 40.000 Tonnen Beton und 2.000 Tonnen Stahl in der Konstruktion — insgesamt 52.500 Tonnen, ungefähr das Gewicht von fünf Eiffeltürmen. Seit der Eröffnung am 22. Februar 1968 sind mehr als 43 Millionen Besucher mit den Aufzügen nach oben gefahren. Das Drehrestaurant vollendet eine ganze Umdrehung in 53 Minuten, genau das richtige Tempo für ein Essen und ein Panorama, das diesen Namen verdient.

01 Sehenswertes

Die Aussichtsplattformen

Die Aufzüge steigen mit sieben Metern pro Sekunde nach oben — schnell genug, dass die Ohren schon knacken, bevor das Gehirn begreift, dass der Boden unter Ihnen verschwunden ist. Dreißig Sekunden später stehen Sie 190 Meter über München auf der Außenplattform, wo der Wind selbst an Tagen gegen Sie drückt, an denen die Stadt darunter vollkommen reglos wirkt. Die Innenebene bietet Panoramaglas mit aufgedruckten Orientierungsskizzen, die jedes sichtbare Wahrzeichen mit Namen und Entfernung verorten — eine stille Geometriestunde, an der die meisten Besucher einfach vorbeigehen.

An Föhntagen, wenn warme Alpenwinde den Dunst aus Münchens Himmel fegen, wirkt die Zugspitze so nah, als hätte sie jemand über Nacht versetzt. Das Zeltdach des Olympiastadions — Frei Ottos und Günther Behnischs Geflecht aus Kabeln und Acryl — sieht von direkt oben völlig anders aus: flach, zerknittert, eher Spinnennetz als schwebendes Dach. Die beiden kupfernen Kuppeln der Frauenkirche verankern die Altstadt im Süden. An den klarsten Morgen glänzt im Nordosten am Rand des Blickfelds sogar der Flughafen München. Nehmen Sie Münzen für die Fernrohre mit.

Der Turm ist wegen Sanierung bis Anfang 2027 geschlossen — beide Aufzüge, die Brandbekämpfungsanlage und die Lüftung werden ersetzt. Wenn er wieder öffnet, wird die Auffahrt ruhiger sein, doch der Blick bleibt genau derselbe.

Der Olympiaturm mit seiner markanten Spitze erhebt sich über München, Deutschland, vor blauem Himmel
Der Olympiaturm ragt an einem Sommertag hoch über die grünen Parkflächen des Olympiaparks in München, Deutschland

Restaurant 181

Das Restaurant liegt auf exakt 181 Metern — daher der Name — und dreht sich in rund 40 Minuten einmal vollständig, so langsam, dass Sie die Bewegung nicht spüren. Sie bestellen, schauen kurz zur Frauenkirche hinaus, wenden sich wieder Ihrem Teller zu und blicken dann auf, nur um festzustellen, dass die Alpen die Stadtsilhouette ersetzt haben. Diese leise Desorientierung ist der ganze Trick. Der feste Kern mit Küche und Aufzugsschacht bleibt stehen, während sich die Essfläche mit 230 Plätzen darum dreht — eine Ingenieursleistung, die wie ein kleiner Zaubertrick wirkt, sobald man sie bemerkt.

Der Abendservice ist der eigentliche Anziehungspunkt. München wechselt von tagsüber silbergrau zu warmem Bernstein, sobald die Straßenlaternen angehen, und an Veranstaltungsabenden zeichnen die Flutlichter des Olympiastadions helle Inseln in den dunklen Park darunter. Während des Oktoberfests leuchtet im Süden die Theresienwiese — Riesenräder und Festzeltdächer sind selbst aus dieser Höhe noch zu erkennen. Die Küche ist international und gehoben, die Preise passen zur Höhe. Kommen Sie wegen der Drehung. Der Sonnenuntergang kostet nichts.

Das unbeabsichtigte Wahrzeichen: Ein Spaziergang durch den Park darunter

Folgendes verändert Ihren Blick auf den Olympiaturm: Er wurde überhaupt nicht für die Olympischen Spiele gebaut. Der Münchner Stadtrat genehmigte am 29. Januar 1964 an diesem Standort einen Sendeturm. Im darauffolgenden Sommer begannen die Bauarbeiten. Die IOC-Vergabe der Spiele von 1972 an München erfolgte erst am 26. April 1966, als der Betonschaft bereits mit zwei Metern pro Tag wuchs — alle 24 Stunden kam die Höhe eines großen Mannes hinzu — und die 150-Meter-Marke längst überschritten hatte. Der Name „Olympiaturm“ kam erst im Nachhinein, ein neues Etikett für ein Stück Telekommunikationsinfrastruktur, das zufällig im richtigen Park zur richtigen Zeit stand.

Gehen Sie im Gelände nach Westen, um die Spannung zu sehen, die die Planer diesem Ort eingeschrieben haben. Behnischs organische Landschaft und die durchscheinenden Zeltdächer sollten demokratische Offenheit signalisieren — weich, anti-monumental, bewusst als Gegenbild zu den Berliner Spielen von 1936. Der Turm verkörpert die andere ideologische Strömung: technologisches Selbstvertrauen, 52.500 Tonnen Stahlbeton — schwerer als die Titanic —, die sich 291 Meter gerade in den Himmel stemmen, mit einer Zeitkapsel im Grundstein von 1965, in der von „einer Zeit, in der der Mensch beginnt, immer weiter in den Weltraum vorzudringen“ die Rede ist. Suchen Sie die Stelle, an der das Zeltdach in Ihrer Blicklinie auf den Turmschaft trifft. Zwei Vorstellungen des Nachkriegsdeutschlands, gerahmt in einem einzigen Foto.

Der Olympiaturm in München, Deutschland, mit 291 Metern das höchste Bauwerk der Stadt im Olympiapark
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03 Besucherlogistik

Anreise

Nehmen Sie die U3 bis Olympiazentrum — vom Parkeingang sind es 5 Minuten zu Fuß nach Süden. Auch die Tram 20 bis Olympiapark West ist eine gute Option und nicht von den Bauarbeiten an der Landshuter-Allee-Brücke betroffen. Wenn Sie mit dem Auto kommen, parken Sie auf dem Parkplatz Parkharfe und nähern sich von Norden über den Georg-Brauchle-Ring; die Zufahrt über den Mittleren Ring ist wegen der laufenden Straßenarbeiten unerquicklich.

Öffnungszeiten

Stand 2026 ist der Olympiaturm wegen einer großen Renovierung geschlossen, die am 1. Juni 2024 begonnen hat; mit einer Wiedereröffnung ist frühestens ab Mitte 2026 bis zum 1. Quartal 2027 zu rechnen. Die Modernisierung für 15 Millionen Euro umfasst den Brandschutz, beide Personenaufzüge und die Restaurantküche. Prüfen Sie vor dem Besuch olympiapark.de — gehen Sie nicht einfach davon aus, dass der Turm schon wieder offen ist.

Benötigte Zeit

Wenn geöffnet, sollten Sie allein für die Aussichtsplattform 30 bis 45 Minuten einplanen. Rechnen Sie mit 90 Minuten zusätzlich, wenn Sie im Drehrestaurant auf 181 Metern essen. Der eigentliche Besuch ist aber der Park selbst — kalkulieren Sie zwei bis drei Stunden für Olympiasee, Aussichtspunkt Olympiaberg und die Gedenkstätte ein; die BMW Welt ist kaum 400 Meter entfernt.

Kosten & Tickets

Der zuletzt veröffentlichte Eintrittspreis lag bei 13 Euro pro Person; die Preise nach der Renovierung sind noch nicht bestätigt. Vor der Schließung gab es keine Online-Reservierung im Voraus. Bis dahin sind der Aussichtspunkt auf dem Olympiaberg und die Ausstellung in der BMW Welt kostenlos — und die Skylift-Fahrt im Park auf 70 Meter Höhe ist eine kostenpflichtige Alternative für Ausblicke von oben.

05 Tipps für Besucher

Zuerst zur BMW Welt

Die BMW Welt liegt 439 Meter vom Fuß des Turms entfernt, der Eintritt ist frei, und architektonisch ist sie außergewöhnlich — ein besseres zweistündiges Erlebnis, als es die Aussichtsplattform des Turms je war. Das kostenpflichtige BMW Museum nebenan lohnt das Ticket, wenn Sie sich für Designgeschichte interessieren und nicht nur für Autos.

Drohnen tabu

Private Fotografie ist im gesamten Park ohne Einschränkung erlaubt, Drohnen sind auf dem Gelände des Olympiaparks jedoch unabhängig von ihrer Gewichtsklasse vollständig verboten. Der Park verfolgt Verstöße aktiv mit Unterlassungsansprüchen und Schadensersatzforderungen. Für kommerzielle Aufnahmen ist mindestens eine Woche vorher eine schriftliche Genehmigung nötig.

Stattdessen auf den Olympiaberg

Während der Turm hinter Gerüsten schläft, bietet der Olympiaberg — ein Trümmerhügel aus den Resten des Zweiten Weltkriegs — an klaren Tagen kostenlose Panoramablicke über München bis zu den Alpen. Ein asphaltierter Weg windet sich bis nach oben, macht den Hügel gut zugänglich und schafft mehr Stimmung als jede Aufzugsfahrt.

Essen abseits der üblichen Wege

Lassen Sie die Restaurants im Park links liegen und gehen Sie nach Osten zu Asian Dong Do für preiswertes vietnamesisches Essen, das auch Einheimische gutheißen. Für eine richtige bayerische Mahlzeit fahren Sie mit der U3 zwei Stationen nach Süden bis Schwabing — an der Leopoldstraße finden Sie alles von Bierhallen bis zu Kebabständen für die späte Stunde.

Die Gedenkstätte von 1972

In der Nähe des Stadions steht eine stille Gedenkstätte für die elf israelischen Athleten, die während der Olympischen Spiele 1972 ermordet wurden. Die meisten Reiseführer streifen sie nur am Rand. Einheimische nicht. Nehmen Sie sich zehn ruhige Minuten dafür — der Park trägt sowohl städtischen Stolz als auch historisches Gewicht, und beides anzuerkennen zählt.

Keine E-Scooter erlaubt

Fahren und Abstellen von E-Scootern ist im gesamten Olympiapark verboten. Stellen Sie Ihren Roller vor dem Betreten des Geländes ab, sonst droht die Beschlagnahmung. Der Park ist flach und kompakt genug, dass sich alles bequem in 15 Minuten zu Fuß erreichen lässt.

Wo essen

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Das sollten Sie unbedingt probieren

Weißwurst — feine weiße Kalbswurst mit süßem Senf und Bretzel Käsespätzle — bayerische Käsespätzle mit knusprig gerösteten Zwiebeln Bretzel — weiche, warme Salzbrezel Flammkuchen — dünner elsässischer Fladen mit Crème fraîche, Zwiebeln und Speck Maß Bier — 1-Liter-Bierkrug (der Münchner Standard) Schweinshaxe — gebratene Schweinshaxe, knusprige Kruste und zartes Fleisch
blueskycoffee Olympiaturm

blueskycoffee Olympiaturm

Café
Café €€ star 4.4 (165) directions_walkVor Ort

Bestellen: Die Espressogetränke und frischen Teilchen — hier bekommen Sie direkt am Turm den besten Kaffee, ohne das Gelände zu verlassen.

Direkt im Olympiaturm gelegen, ist blueskycoffee ein solides Refugium für Koffein und einen schnellen Happen ohne den Aufschlag typischer Touristenfallen. Hier holen sich Einheimische ihren Morgenkaffee, bevor sie zur Aussichtsplattform hinauffahren.

Augustiner Biergarten am Olympiasee

Augustiner Biergarten am Olympiasee

Liebling der Einheimischen
Bayerischer Biergarten €€ star 3.7 (176) directions_walk5 Min. zu Fuß

Bestellen: Eine Maß (1-Liter-Krug) Augustiner mit Weißwurst und einer weichen Bretzel — das ist das echte München-Erlebnis, ganz ohne Abkürzungen.

Augustiner ist eine Münchner Institution mit einer Geschichte von mehreren Jahrhunderten, und dieser Biergarten liegt direkt auf dem Olympiagelände mit echter bayerischer Atmosphäre. Hier kommen tatsächlich Einheimische her, nicht Touristen auf der Jagd nach Instagram-Fotos.

schedule

Öffnungszeiten

Augustiner Biergarten am Olympiasee

Montag–Mittwoch 11:00 Uhr – 19:00 Uhr
mapKarte languageWeb
Restaurant 181

Restaurant 181

Gehobene Küche
Modern europäisch €€€ star 4.1 (1642) directions_walkVor Ort (an der Turmspitze)

Bestellen: Prüfen Sie nach der Wiedereröffnung die aktuelle Speisekarte — der Reiz liegt vor allem im Drehrestaurant-Erlebnis mit 360°-Blick über München.

Restaurant 181 ist das ikonische Drehrestaurant an der Spitze des Olympiaturms und bietet einen unvergleichlichen Blick über die Stadt. Es ist derzeit jedoch wegen Renovierung geschlossen, ohne bestätigtes Wiedereröffnungsdatum — kontaktieren Sie das Restaurant direkt oder prüfen Sie die Website auf aktuelle Informationen, bevor Sie einen Besuch planen.

Restaurant Olympiasee

Restaurant Olympiasee

Liebling der Einheimischen
International €€ star 3.7 (1510) directions_walkVor Ort (am Seeufer)

Bestellen: Nach der Wiedereröffnung erwartet Sie entspannte Küche am Seeufer — schauen Sie auf die Website für saisonale Spezialitäten.

Das Restaurant Olympiasee liegt direkt am Olympiasee mit schönem Blick über den Park. Derzeit wegen Renovierung geschlossen, mit einer vorläufigen Wiedereröffnung im Mai 2026 — prüfen Sie den aktuellen Stand vor Ihrem Besuch, denn in Betrieb ist es ein sehr schöner Ort.

info

Restaurant-Tipps

  • check Restaurant 181 und Restaurant Olympiasee sind derzeit beide wegen Renovierung geschlossen — prüfen Sie die Wiedereröffnungstermine, bevor Sie dort ein besonderes Essen planen.
  • check Der Augustiner Biergarten hat eingeschränkte Öffnungszeiten (werktags bis 19:00 Uhr) — kommen Sie früh, besonders am Wochenende.
  • check Der Augustiner Biergarten ist wetterabhängig; Sommerabende sind ideal, doch Besuche im Winter können weniger angenehm sein.
  • check In bayerischen Biergärten bestellt man entweder am Ausschank oder wartet auf Bedienung am Tisch — gehen Sie nicht automatisch von Kellnerservice wie in einem klassischen Restaurant aus.
  • check Eine Maß (1-Liter-Krug) ist die Standardbestellung für Bier in Münchner Biergärten; kleinere Größen können auffallen, sind aber immer völlig in Ordnung.
Food-Viertel: Neuhausen — 1.2–1.5 km entfernt, mit italienischen, mexikanischen und entspannten internationalen Restaurants, die bei Einheimischen beliebt sind Schwabing-West — 1.7–1.9 km entfernt, hervorragend für griechische, japanische, indische und gehobene deutsche Küche Milbertshofen — direkt angrenzend, mit unkomplizierten Lokalen und Take-away-Möglichkeiten

Restaurantdaten bereitgestellt von Google

04 Historischer Kontext

Für das Fernsehen gebaut, von der Geschichte vereinnahmt

Jedes große Wahrzeichen hat eine Ursprungsgeschichte, und die meisten davon sind großzügige Überarbeitungen. Die offizielle Erzählung des Olympiaturms — er sei als aufragendes Symbol der Olympischen Spiele 1972 in München erdacht worden — verdreht die tatsächliche Abfolge der Ereignisse um mehr als zwei Jahre.

Die wirkliche Geschichte beginnt mit schlechtem Fernsehempfang. Ende der 1950er Jahre konnte Münchens bestehender Antennenmast in der Blutenburgstraße den Sendeanforderungen der Stadt selbst nach seiner Verlängerung auf 100 Meter nicht mehr genügen, und am 29. Januar 1964 beschloss der Stadtrat den Bau eines richtigen Turms auf dem Oberwiesenfeld. Was dann folgte, war ein Jahrzehnt aus Bauarbeiten, bürokratischen Kompromissen, geopolitischem Glück und einem der dunkelsten Tage der olympischen Geschichte — alles eingeschrieben in 291 Meter Stahlbeton.

Der Bürgermeister, der Grundstein und ein neuer Name

Am 10. August 1965 stand Münchens Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel auf dem Oberwiesenfeld und sah zu, wie Arbeiter eine Zeitkapsel in das Fundament eines Fernsehturms einließen. Die Inschrift darin endete Berichten zufolge mit dem Wunsch, „dass dieses große technische Werk, der höchste Stahlbetonturm Mitteleuropas, vor Zerstörung durch Naturgewalten oder menschliche Gewalt bewahrt bleibe“. Niemand vor Ort nannte ihn Olympiaturm — München hatte noch keine Olympiabewerbung.

Acht Monate später, am 26. April 1966, entschied das IOC, die Olympischen Sommerspiele 1972 an München zu vergeben. Vogel — noch immer Oberbürgermeister, nun plötzlich olympischer Oberbürgermeister — erkannte, was der halbfertige Turm werden konnte. Die Baustelle wurde in Günther Behnischs weit ausgreifenden Masterplan „Olympia im Grünen“ aufgenommen, und aus dem Fernsehturm wurde beinahe über Nacht der Olympiaturm.

Für Vogel stand mehr auf dem Spiel als kommunale Infrastruktur. Es waren Deutschlands erste Olympische Spiele seit Berlin 1936, und jede Gestaltungsentscheidung trug das Gewicht dieses Erbes. Wo Albert Speer Monumente der Einschüchterung errichtete, sollte München Transparenz und Leichtigkeit bauen — und ein für Fernsehsignale geplanter Betonturm wurde durch nachträgliche Benennung zu einer Aussage über Demokratie, die seiner eigenen olympischen Verbindung um zwei Jahre vorausging.

Was unter dem Turm liegt

Das Oberwiesenfeld diente München mehr als ein Jahrhundert lang als militärischer Exerzierplatz, bevor es 1909 zu einem der ersten zivilen Flughäfen Deutschlands wurde und später wieder militärisch genutzt wurde. Nach 1945 brachten Münchnerinnen, Münchner und Arbeiter 1.4 Millionen Kubikmeter Bombenschutt auf das Gelände und formten daraus den Olympiaberg — einen 56 Meter hohen künstlichen Hügel, den die UNESCO in der vorläufigen Welterbeliste nüchtern als „einen Berg aus Trümmern des Zweiten Weltkriegs“ beschreibt. Wer vom Turm hinunterschaut, sieht einen sanften, grasbewachsenen Hang, gebaut aus den verdichteten Resten dessen, was alliierte Bomben zerstört haben.

5. September 1972

Am 5. September 1972 nahmen acht Mitglieder der palästinensischen Gruppe Schwarzer September elf israelische Athleten im Olympischen Dorf — vom Aussichtsniveau des Turms aus sichtbar — als Geiseln, während die Sender des Olympiaturms selbst die Live-Berichterstattung über die 21-stündige Belagerung in die Welt übertrugen. Ein missglückter Rettungsversuch auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck kostete alle elf Geiseln, einen deutschen Polizisten und fünf der Angreifer das Leben. Mehr als fünfzig Jahre später bleiben Dokumente weiterhin unter Verschluss, und eine internationale Kommission am Münchner Institut für Zeitgeschichte untersucht noch immer, was schiefging.

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06 Häufig gefragt

Ist der Olympiaturm in München derzeit geöffnet? add

Nein — der Olympiaturm wurde am 1. Juni 2024 für eine umfassende Sanierung geschlossen und öffnet frühestens Anfang 2027 wieder. Die Modernisierung für 15 Millionen Euro umfasst Brandschutzsysteme, beide Personenaufzüge und die Küche des Drehrestaurants. Während der Turm geschlossen ist, bleibt der Olympiapark selbst geöffnet, und die Skylift-Fahrt (bis 70 Meter) sowie der kostenlose Aussichtspunkt auf dem Olympiaberg bieten alternative Panoramablicke über München.

Wie hoch ist der Olympiaturm in München? add

Der Olympiaturm ist 291.28 Meter hoch — ungefähr so hoch wie ein Gebäude mit 97 Stockwerken und damit das höchste Bauwerk Münchens. Der Stahlbetonschaft reicht bis 248 Meter; eine im April 2005 von einem russischen Spezialhubschrauber montierte digitale Sendeantenne brachte die letzten Meter hinzu. Der Turm wiegt 52.500 Tonnen und besteht aus 40.000 Tonnen Beton und 2.000 Tonnen Stahl.

Wie komme ich aus der Münchner Innenstadt zum Olympiaturm? add

Nehmen Sie die U3 bis zur Station Olympiazentrum — von Marienplatz sind es etwa 15 Minuten Fahrt. Vom Bahnhof aus erreichen Sie den Turm in ungefähr 10 Minuten zu Fuß durch den Park. Die Tramlinie 20 hält am Olympiapark West und ist von den laufenden Brückenarbeiten auf der Landshuter Allee nicht betroffen. Wenn Sie mit dem Auto kommen, fahren Sie von Norden über den Georg-Brauchle-Ring und parken auf dem Parkplatz Parkharfe.

Wurde der Olympiaturm für die Olympischen Spiele 1972 gebaut? add

Nein, und genau das ist das bestgehütete Geheimnis des Turms. Der Münchner Stadtrat beschloss am 29. Januar 1964 seinen Bau als schlichten Sendeturm mit dem Namen „Fernsehturm“ — einzig für besseren Fernsehempfang. Das IOC vergab die Spiele von 1972 erst am 26. April 1966 an München, also mehr als zwei Jahre später, als das Fundament des Turms schon längst im Boden war. Der Name „Olympiaturm“ und seine symbolische Rolle als Wahrzeichen des Parks wurden vollständig nachträglich aufgesetzt.

Was sollte ich im Olympiapark München auf keinen Fall übersehen? add

Die Gedenkstätte für das Olympia-Attentat von 1972 verdient einen stillen Besuch — sie erinnert an die elf israelischen Athleten und Trainer, die während der Spiele getötet wurden, und viele Besucher gehen daran vorbei, ohne sie wahrzunehmen. Die BMW Welt direkt neben dem Park ist kostenlos zugänglich und architektonisch außergewöhnlich. Der Olympiaberg, ein 56 Meter hoher Hügel aus Münchens Trümmern des Zweiten Weltkriegs, bietet einen kostenlosen Panoramablick. Im Sommer finden im Theatron kostenlose Open-Air-Konzerte statt, die eher Münchner als Reisegruppen anziehen.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch des Olympiaturms? add

An einem Föhntag — wenn warme Alpenwinde den Dunst aus Münchens Himmel treiben — wirken die Alpen von der Aussichtsplattform aus so nah und scharf, dass sich einzelne Gipfel einschließlich der Zugspitze erkennen lassen. Föhntage im Winter bieten die beste Sicht, auch wenn die Außenplattform auf 190 Metern bitterkalt sein kann. Sommerabende eignen sich am besten für das Drehrestaurant, dann bleibt es bis nach 21 Uhr hell. Prüfen Sie vor der Planung unbedingt den Wiedereröffnungsstatus: Der Turm bleibt wegen Sanierung mindestens bis Anfang 2027 geschlossen.

Wie viel kostet ein Besuch des Olympiaturms? add

Vor der aktuellen Schließung kostete ein Standardticket 7 € pro Person, eine Online-Vorabreservierung war nicht möglich. Kostenlose Eintrittstage gab es nicht. Während der Turm geschlossen ist, kann das Gelände des Olympiaparks kostenlos erkundet werden, einschließlich des Aussichtspunkts auf dem Olympiaberg. Die Skylift-Fahrt im Park ist eine kostenpflichtige Alternative bis 70 Meter Höhe.

Kann man oben im Olympiaturm essen? add

Wenn geöffnet, befindet sich Restaurant 181 auf 181 Metern in der drehbaren oberen Gondel des Turms und vollzieht in etwa 40 Minuten eine vollständige 360-Grad-Drehung — so langsam, dass Sie die Veränderung erst bemerken, wenn Sie vom Teller aufblicken. Das Restaurant hat rund 230 Plätze und serviert gehobene internationale Küche. Derzeit ist es zusammen mit dem restlichen Turm wegen der Sanierung geschlossen; die Küche wird komplett erneuert.

Quellen
  • verified
    Muenchen.de — Offizieller Stadtführer

    Architekt Sebastian Rosenthal, Eröffnungsdatum, Turmmaße, Gewicht, Streit um die Doppelkanzel, Antenneninstallation 2005, Treppe mit 1.230 Stufen, Aufzugsgeschwindigkeit, Schließung wegen Renovierung

  • verified
    Olympiapark München — Offizielle Website

    Bestätigung der Schließung, Details zur Renovierung, Skylift als Alternative, Verfügbarkeit des Audioguides, Besucherinformationen, Regeln für Drohnen und Fotografie

  • verified
    Deutsche Wikipedia — Olympiaturm

    Bauzeit, Datum der Stadtratsabstimmung, Datum der IOC-Vergabe, Grundsteinlegung, Baufirma Alfred Kunz, Kompromiss mit Doppelkanzel, Kapazität des Drehrestaurants, ursprüngliche Bezeichnung „Fernsehturm“

  • verified
    Süddeutsche Zeitung

    Renovierungsbudget von 15 Millionen Euro, Mengen der verbauten Materialien, Startdatum der Bodenvorbereitung

  • verified
    UNESCO-Welterbezentrum — Vorschlagsliste

    Olympiapark auf Deutschlands UNESCO-Vorschlagsliste, Olympiaberg als Trümmerberg aus 1,4 Millionen Kubikmetern Kriegsschutt beschrieben, Gestaltungsphilosophie des Parks

  • verified
    Institut für Zeitgeschichte (IfZ) München

    Laufende historische Forschungskommission zum Olympia-Attentat von München 1972, als geheim eingestufte Dokumente, internationales Historikerteam

  • verified
    tz.de — Münchner Regionalnachrichten

    Ursprüngliche Bezeichnung „Fernsehturm“ vor der Olympia-Umbenennung, Zeitpunkt der IOC-Vergabe, Asbestfund im Olympiastadion und Verzögerungen bei der Renovierung

  • verified
    SWM Magazin

    Modernisierungsprogramm für den Olympiapark, Schließung des Atrium-Gebäudes seit Juni 2024

  • verified
    IntroducingMunich.com

    Fußwege zu nahegelegenen Sehenswürdigkeiten (BMW Welt, BMW Museum), geschätzter Zeitplan für die Wiedereröffnung

  • verified
    TripAdvisor — Bewertungen zum Olympiaturm

    Ticketpreise vor der Schließung, Berichte zum Besuchserlebnis, Restaurantempfehlungen in der Nähe, Olympiaberg als alternativer Aussichtspunkt

  • verified
    Reddit r/Munich

    Erfahrungsberichte aus erster Hand zur Rotationsdauer des Drehrestaurants, Restaurantempfehlungen in der Nähe, Diskussion zur Drohnenregulierung

  • verified
    Olympiapark-Facebook-Seite

    Offizieller Abschiedsbeitrag („Servus lieber Olympiaturm, bis in 2 Jahren!“), der die zweijährige Schließung bestätigt

  • verified
    ArchDaily — Münchner Olympiastadion

    Architektonischer Kontext von Behnischs und Frei Ottos anti-monumentaler Gestaltungsphilosophie des Parks im Kontrast zur vertikalen Geometrie des Turms

  • verified
    Günter-Behnisch-Archiv

    Gestaltungsphilosophie hinter dem Olympiapark als bewusster Gegenentwurf zum Monumentalismus der Berliner Spiele von 1936

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