Aufstieg der mittelalterlichen Wittelsbacher
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1158
Das Gründungsgeschäft
Auf dem Reichstag zu Augsburg entschied Kaiser Friedrich Barbarossa zugunsten von Heinrich dem Löwen, der die Brücke und den Markt des Bischofs von Freising an der Salzstraße zerstört hatte. Heinrich verlagerte den Markt an einen neuen Ort an der Isar namens Munichen — „bei den Mönchen“. Die Stadt erhielt am 14. Juni ihre erste urkundliche Erwähnung und Geburtsurkunde. Innerhalb von zwei Jahrzehnten besaß sie Stadtrechte und Mauern. Dieser pragmatische Immobiliencoup legte den Grundstein für Münchens Zukunft als Handels- und politisches Zentrum.
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1255
München wird herzogliche Residenz
Nachdem Bayern zwischen rivalisierenden Wittelsbacher Linien aufgeteilt worden war, wurde München als Sitz Oberbayerns gewählt. Die kleine Marktstadt wurde plötzlich zur Hofstadt. Die Wittelsbacher sollten von hier aus, in einer oder anderen Form, bis 1918 regieren. Diese Entscheidung wandelte das Schicksal der Stadt von einem regionalen Handelsposten zur Hauptstadt.
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1314
Ludwig der Bayer wird zum König gekrönt
Herzog Ludwig IV. aus der Münchener Linie der Wittelsbacher wurde zum König der Deutschen gewählt. Vierzehn Jahre später wurde er Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Für eine kurze, berauschende Zeit erlebte München das Leben als kaiserliche Residenzstadt. Der Kaiserhof brachte Prestige, aber auch die üblichen mittelalterlichen Pestwellen und Pogrome.
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1349
Schwarzer Tod und Pogrom
Die Pest wütete in München. In der Panik und Hysterie des Jahres 1349 wurde die jüdische Gemeinde massakriert. Ähnliche Schrecken hatten sich bereits 1280 ereignet und wiederholten sich 1442 mit der vollständigen Vertreibung. Der Kreislauf aus Krankheit und Sündenbock hinterließ tiefe Narben in der jungen Stadt.
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1468
Die Frauenkirche entsteht
Der Bau der backsteingotischen Kathedrale begann, welche die Skyline von München prägen sollte. Die zwei charakteristischen Zwiebeltürme wurden 1525 hinzugefügt. In nur zwanzig Jahren erbaut, wurde die Frauenkirche sowohl zum spirituellen Herzen als auch zum unverwechselbaren Symbol der Stadt — so hoch, dass die Legende besagt, der Teufel habe im Kirchenschiff einen Fußabdruck hinterlassen, nachdem er eine Wette verloren hatte.
Wittelsbacher Hofstadt
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1525
Bollwerk der Gegenreformation
Herzog Wilhelm IV. erließ das erste anti-lutherische Religionsedikt. München positionierte sich bewusst als katholische Bastion gegen die protestantische Welle. Die Jesuiten kamen 1559, die St.-Michaels-Kirche entstand als Glaubensbekenntnis, und die Stadt verdiente sich den Spitznamen „Deutsches Rom“.
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1589
Gründung des Hofbräuhauses
Herzog Wilhelm V. gründete das Hofbräuhaus, um den Hof mit Bier zu versorgen. Die Institution sollte später zum berühmtesten Brauereinamen der Welt werden. In klassisch Münchener Manier löste der Herrscher sowohl ein Versorgungsproblem als auch ein Prestigeproblem mit einem einzigen entschlossenen Akt.
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1634
Die Pest verwüstet München
Während des Dreißigjährigen Krieges besetzten schwedische Truppen unter Gustav Adolf 1632 die Stadt. Dann schlug die Pest mit apokalyptischer Gewalt zu. Allein im Jahr 1634 starben etwa 7.000 Menschen — etwa ein Drittel der Bevölkerung. Aus Dankbarkeit für das Überleben der Stadt wurde 1638 die Mariensäule am Marienplatz errichtet.
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1664
Baubeginn von Schloss Nymphenburg
Der Bau der Sommerresidenz begann, die zu einem der prächtigsten Barockschlossanlagen Europas heranwachsen sollte. Über Generationen hinweg erweitert und bereichert, wurde Nymphenburg die Antwort der Wittelsbacher auf Versailles — komplett mit Kanälen, Pavillons und einer Porzellanmanufaktur.
Aufklärung und Königreich
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1789
Der Englische Garten wird angelegt
Der in Amerika geborene Graf Rumford, im Dienste des Kurfürsten, begann mit der Anlage eines der ersten großen öffentlichen Parks Europas in der Isarauenlandschaft. Im naturalistischen englischen Stil gestaltet, wurde er schnell zur grünen Lunge und sozialen Bühne der Stadt — zwei Jahrhunderte später ist er immer noch einer der beliebtesten Orte Münchens.
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1806
Bayern wird ein Königreich
In der napoleonischen Neuordnung Europas wurde Max I. Joseph zum König erhoben. München wurde offiziell zur königlichen Hauptstadt. Dieser Schritt brachte neuen Status, neue Territorien und den Beginn der Verwandlung Münchens in die prächtige neoklassizistische Stadt, die wir heute kennen.
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1810
Das erste Oktoberfest
Am 12. Oktober beinhalteten die Hochzeitsfeierlichkeiten für Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen ein Pferderennen auf den Feldern vor der Stadt. Die Veranstaltung erwies sich als so populär, dass sie im folgenden Jahr wiederholt wurde — und wird seitdem fast ohne Unterbrechung fortgesetzt.
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1825
Ludwig I. gestaltet München neu
Der neue König startete ein außergewöhnliches Bauprogramm, das München den Spitznamen „Isar-Athen“ einbrachte. Königsplatz, Ludwigstraße, die Glyptothek, die Alte Pinakothek und die Ruhmeshalle stammen alle aus seiner Regierungszeit. Er verwandelte eine Provinzhauptstadt in eine Museumsstadt von europäischem Rang.
Bohemisches Schwabing
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1896
Kandinsky kommt nach München
Der russische Maler ließ sich in München nieder und studierte an der Akademie. Hier lernte er Gabriele Münter und Franz Marc kennen und gründete schließlich die Gruppe „Der Blaue Reiter“. Die avantgardistische Atmosphäre der Stadt half ihm, sich vom figurativen Maler zu einem der Pioniere der abstrakten Kunst zu entwickeln.
Revolution und Dunkelheit
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1919
Bayerische Räterepublik
Nach der Ermordung von Kurt Eisner riefen Radikale in München die Bayerische Räterepublik aus. Für einige chaotische Wochen im April wehten rote Fahnen über der Stadt. Regierungstruppen zerschlugen die Republik Anfang Mai mit Straßenkämpfen und standrechtlichen Exekutionen. Das Trauma trug zur Radikalisierung der bayerischen Politik bei.
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1923
Hitler-Putsch
In der Nacht zum 8. November versuchten Adolf Hitler und seine Anhänger, in München die Macht zu ergreifen, indem sie vom Bürgerbräukeller in Richtung Feldherrnhalle marschierten. Der Putsch scheiterte am nächsten Morgen in einem Schusswechsel. Sechzehn Nazis und vier Polizisten starben. Hitler wurde verhaftet und nutzte seinen Prozess, um nationale Bekanntheit zu erlangen.
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1943
Widerstand der Weißen Rose
An der Ludwig-Maximilians-Universität verteilten die Geschwister Hans und Sophie Scholl zusammen mit Freunden anti-nazistische Flugblätter, die zum Widerstand aufriefen. Sie wurden am 18. Februar verhaftet, nachdem Sophie die letzten Flugblätter im Atrium der Universität verteilt hatte; sie wurden innerhalb weniger Tage vor Gericht gestellt und mit dem Beil hingerichtet. Ihr Mut hallt in München bis heute nach.
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1945
Die Stadt liegt in Trümmern
Als amerikanische Truppen am 30. April in München einzogen, hatte die Stadt 73 Bombenangriffe überstanden. Die Altstadt war zu etwa 90 % zerstört, die gesamte Stadt zu etwa 50 % in Trümmern. Über 6.000 Zivilisten waren tot. Die stolze Wittelsbacher Hauptstadt war zu Schutt und Asche geworden.
Moderne Metropole
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1972
Olympia und Massaker in München
Die Olympischen Sommerspiele sollten ein neues, demokratisches und modernes Deutschland präsentieren. Stattdessen ermordeten palästinensische Terroristen am 5. September 11 israelische Athleten und Trainer im Olympischen Dorf. Die Spiele wurden nach einem Gedenkgottesdienst fortgesetzt. Die Tragödie prägt bis heute, wie München sich an jenen Sommer erinnert.
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2005
Eröffnung der Allianz Arena
Das futuristische, aufblasbare Stadion am nördlichen Stadtrand begrüßte am 30. Mai sein erstes Spiel. Seine leuchtende Außenhülle kann je nach spielendem Team die Farbe wechseln. Es wurde schnell sowohl zu einem modernen Wahrzeichen als auch zur neuen spirituellen Heimat des FC Bayern München.
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2006
Einweihung der neuen Synagoge
An der Stelle der ehemaligen Hauptsynagoge, die 1938 zerstört wurde, wurde die neue Ohel-Jakob-Synagoge am St.-Jakobs-Platz eröffnet. Ihr Granitwürfel und das Bronzegitter stehen sowohl für Beständigkeit als auch für Zerbrechlichkeit. Das Gebäude markierte einen tiefgreifenden Akt jüdischer Erneuerung in der Stadt, die einst versucht hatte, diese Präsenz auszulöschen.