Prähispanische Zeit
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ca. 200 v. Chr.
Eine Pyramide aus Lehm erhebt sich
Auf einem sandigen Höhenzug über der Schwemmebene des Rímac beginnen Baumeister der Lima-Kultur, Millionen handgeformter Adobe-Ziegel zur Huaca Pucllana aufzuschichten. Die Stufenpyramide, 24 Meter hoch und 150 Meter lang, prägt die erste Skyline der Stadt; auf ihrer abgeflachten Spitze leuchtet der helle Lehm in der Küstensonne, während Priester in Ritualen über Aussaat und Bewässerung von Mais- und Baumwollfeldern entscheiden.
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ca. 1470 n. Chr.
Die Inka erreichen die Küste
Inka-Ingenieure ziehen ins Tal hinab, Schleudersteine klappern gegen Rüstungen aus Baumwolle. Sie gliedern Pachacámac ihrem Herrschaftsbereich ein und machen das bereits tausend Jahre alte Orakel zu einem der vier großen Heiligtümer des Reiches. Von den Lehmterrassen aus eilen Läufer 200 Kilometer bis nach Cusco und tragen Knotenschnüre mit Volkszählungen; Baumwolle von der Küste und getrockneter Fisch wandern nun in Lama-Karawanen ostwärts über die Anden.
Frühe Kolonialzeit
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1535
Pizarro gründet die Ciudad de los Reyes
Francisco Pizarro pflanzt ein Kreuz aus Zedernholz am Ufer des Rímac auf und ritzt mit der Schwertspitze ein Raster von 117 Häuserblöcken in den Boden. Innerhalb weniger Wochen entstehen 200 spanische Haushalte auf der Grundlage erzwungener Inka-Arbeit, während außerhalb des neuen Platzes die strohgedeckten Hütten des lokalen Herrschers Taulichusco qualmen. Die erste Messe der Stadt hallt in einer provisorischen Kapelle aus Schilf und Lehm wider: Lima wird als scharfe Klinge der spanischen Macht in Südamerika geboren.
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1536
Die Inka scheitern vor den Mauern
Im Morgengrauen stürmen 4.000 Inka-Krieger unter Quizu Yupanqui über die Brücke des Rímac und rufen "Taki unquy!", einen messianischen Schlachtruf, auf den die Pferde der Spanier mit eisenbeschlagener Panik antworten. Die 200 Konquistadoren schließen sich hinter Barrikaden aus Palmstämmen zusammen; nach fünf Monaten ziehen sich die Angreifer zurück. Seitdem weiß Lima, dass sein Überleben immer auch von Pulver und Glück abhängt.
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1541
Pizarro wird beim Abendessen ermordet
Während er in seinem Palast an der Plaza einen Kichererbseneintopf kostet, wird Pizarro von Anhängern der Almagristen mit vierzehn Stichen getötet. Sein Blut spritzt auf den frisch verlegten Zedernboden; der Gründer der Stadt stirbt mit einem Schwert in der Hand, das er nie ganz zu beherrschen wusste. Limas erster Trauerzug mit schwarzem Samt und läutenden Glocken setzt den Ton für jene barocke Prachtentfaltung, die das Leben in der Vizekönigszeit prägen wird.
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1546
Lima wird Erzbistum
Mit einer päpstlichen Bulle steigt Lima zur Metropole der Kirche auf und erhält geistliche Zuständigkeit von Panama bis Feuerland. Blattgold wird auf Maultieren herangeschafft, um das Retabel der neuen Kathedrale zu vergolden; in den Beichtstühlen flüstern 300 Konquistadoren ihre Sünden, noch immer nach Schießpulver und Andenblut riechend.
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1551
Die Universität San Marcos öffnet
Eine königliche Urkunde verwandelt ein Dominikanerkloster in die erste Universität des amerikanischen Kontinents. Unter offenen Zedernbalken hallen Vorlesungen auf Latein wider; bei Kerzenlicht schreiben Studenten Aristoteles ab, während draußen Frauen aus den Anden gefriergetrocknete Kartoffeln verkaufen, die man viel später einmal "Astronautennahrung" nennen wird.
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1579
Der heilige Martín de Porres wird geboren
In einem beengten Mietshaus am Rand des afroperuanischen Viertels kommt der Sohn einer freigelassenen Sklavin zur Welt. Martín wird drei Jahrzehnte lang die Böden der Dominikanerkrankenstation in Lima kehren, Kranke mit Kräuterauflagen pflegen und eine Demut verkörpern, die so tief ist, dass selbst die Pferde des Vizekönigs vor ihm niederknien. Seine Heiligsprechung im Jahr 1962 macht Lima zum Geburtsort des ersten schwarzen Heiligen Amerikas.
Goldenes Zeitalter des Vizekönigreichs
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1687
Ein Erdbeben zerreißt die Kathedrale
Um zwei Uhr morgens bebt drei Minuten lang die Erde, stürzt Türme ein und lässt bronzene Glocken wie schreiende Monde über die Plaza rollen. 600 Menschen sterben unter eingestürzten Lehmwänden; Vizekönig Melchor de Navarra ordnet einen weiteren Wiederaufbau der Kathedrale an, diesmal mit breiteren Strebepfeilern und einem Gewölbe, das fest genug ist, um den wachsenden Stolz der Stadt widerhallen zu lassen.
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1746
Ein Tsunami löscht Callao aus und verwüstet Lima
Eine Störung am Meeresboden reißt auf; das Wasser zieht sich zurück, legt Wracks frei und kehrt dann als 24 Meter hohe Wand zurück, die den Hafen von Callao in vier Minuten ausradiert. In Lima, drei Kilometer landeinwärts, bleiben von 3.000 Häusern nur 25 stehen. Die Luft riecht nach Salz und zerriebenem Kalk, während Überlebende im Schutt wühlen, der noch die Wärme der Siesta vom Vortag gespeichert hat.
Geburt der Republik
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1821
San Martín ruft die Unabhängigkeit aus
Am Mittag des 28. Juli tritt José de San Martín auf den hölzernen Balkon an der Plaza, das Sonnenlicht blitzt auf seinem Säbel. "¡Perú, sea libre!" hallt zwischen frisch gekalkten Arkaden wider und wird von 6.000 Limeños aufgenommen, die das spanische Wappen von den Türen des Vizekönigspalasts reißen. Zum ersten Mal seit 286 Jahren läuten die Glocken von San Marcos für keinen König mehr, den in Lima je jemand gesehen hätte.
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1833
Ricardo Palma wird geboren
In einem Zimmer im zweiten Stock mit Blick auf jenen Platz, auf dem die Unabhängigkeit ausgerufen wurde, kommt ein Junge zur Welt, der die kurze, ironische Form peruanischer Geschichtserzählung prägen wird. Mit seinen *Tradiciones peruanas* macht Palma aus staubigen Archiven Geschichten, die klingen wie Klatsch aus der Bar; Lima lernt, über die eigenen Legenden zu lachen. Die Nationalbibliothek, die er nach der chilenischen Besatzung wiederaufbaut, wird zur säkularen Kathedrale der Stadt.
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1881
Chilenische Truppen besetzen die Hauptstadt
Nach den Schlachten von San Juan und Miraflores marschieren chilenische Soldaten mit blau-weißen Helmen die Avenida Colmena hinunter. Sie plündern die Nationalbibliothek und tragen 20.000 Bücher wie Kriegstrophäen davon; Offiziere speisen auf Silber aus der Vizekönigszeit im Regierungspalast, während Limas Elite in die Anden flieht. Die Besatzung dauert zwei bittere Jahre und hinterlässt Narben im Selbstbild der Stadt.
Moderne Metropole
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1920
Chabuca Granda wird geboren
Im bohemischen Barranco atmet ein kleines Mädchen den Duft von Meersalz und Jasmin ein. Später wird sie "La flor de la canela" schreiben, jenen Walzer, der Limas alte Holzbrücke weltweit zum Sinnbild verlorener Liebe macht. Ihre Stimme, rau von Zigaretten und Nostalgie, lehrt die Stadt, ihrer eigenen Melancholie zuzuhören.
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1940
Ein Erdbeben setzt die Hauptstadt neu in Gang
Das Beben von 1940 fordert 300 Todesopfer und lässt die neue Betonkuppe der Kathedrale wie eine Eierschale brechen. Geld für den Wiederaufbau strömt in die Stadt und finanziert Art-déco-Kinos sowie die ersten Bürohäuser mit Glasfassaden an der Avenida Wilson. Lima entdeckt in den Trümmern die Moderne und verbreitert seine Straßen für die Chevrolet-Flotten und die Zuwanderung aus den Anden der 1950er Jahre.
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1960
Der Flughafen Jorge Chávez eröffnet
Propellerflugzeuge weichen dem Jet-Zeitalter, als sich Limas Tor zur Welt vom staubigen Limatambo auf ein aufgeschüttetes Küstenareal in Callao verlagert. Die neue 3.400 Meter lange Startbahn kann endlich eine Boeing 707 aufnehmen; mit dem Dröhnen der Turbinen endet die Isolation der Stadt. Beatlemania, Peace-Corps-Freiwillige und bald auch Reisende mit Appetit auf Ceviche landen nun in Lima.
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1988
Das historische Zentrum wird Welterbe
Mit der UNESCO-Auszeichnung an der Plaza Mayor wird eine über 600 Jahre gewachsene Stadtlandschaft gewürdigt: unten Inka-Steine, darüber barocke Balkone, dazwischen eingeklemmte Art-déco-Fassaden. Die Ernennung rettet Dutzende Herrenhäuser vor dem Abriss, doch nachts hört man weiterhin Meißel, wenn Eigentümer koloniale Fliesen für den Schwarzmarkt herausbrechen.
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1992
Der Anschlag in der Tarata-Straße erschüttert Miraflores
Um 21:17 Uhr explodiert in der von Bäumen gesäumten Tarata-Straße ein Wagen des Leuchtenden Pfads, tötet 25 Menschen und zertrümmert die Glasfronten jener Cafés, in denen Limeños gerade Espresso trinken. Der drei Meter breite Krater wird zu einer moralischen Bruchlinie: Lima begreift, dass der Terror auch seine bürgerlichsten Viertel erreicht. Später wird ein Hain aus 25 Olivenbäumen dort mit Windspielen aus verbogenem Autometall rauschen.
Zeitgenössische Hauptstadt
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2007
Der Circuito Mágico del Agua eröffnet
Im lange vernachlässigten Parque de la Reserva schießen 13 computergesteuerte Brunnen ihre bis zu 80 Meter hohen Wasserstrahlen im Takt peruanischer Walzer in den Himmel. Familien, die in den 1990er Jahren vor der Gewalt geflohen waren, kehren in großer Zahl zurück, ihre Kinder laufen durch regenbogenfarbenen Nebel. Lima erobert sich den öffentlichen Raum mit Licht und Wasser zurück und verwandelt Angst in Spektakel.
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2011
Die Metro-Linie 1 nimmt den Betrieb auf
Nach 30 Jahren stockender Planungen gleiten die ersten U-Bahn-Züge Limas lautlos auf Stelzen über die verstopfte Panamericana. Die Migranten aus den Anden, inzwischen rund 70 Prozent der Bevölkerung, gewinnen einen silbernen Verkehrsstrang, der eine 90-minütige Busfahrt auf 25 Minuten verkürzt. Die Wüstenmetropole rückt endlich näher zusammen.
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2019
Lima richtet die Panamerikanischen Spiele aus
Beachvolleyballfelder blühen neben dem Pazifiknebel auf, und Peru holt in Punta Rocas seine erste Surfgoldmedaille überhaupt. Siebzehn Tage lang schwenken die Limeños die rot-weiße Flagge ohne Ironie; die Stadt entdeckt, dass sie mehr choreografieren kann als nur ihre Verkehrsstaus.
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2025
Das neue Flughafenterminal setzt auf
Neben den alten, dünenartigen Flächen erhebt sich eine 660.000 Quadratmeter große Glaswelle, die die Kapazität auf 40 Millionen Passagiere verdoppelt. Im Inneren serviert eine Ceviche-Bar Oktopus unter einem lebenden vertikalen Garten mit 3.000 Orchideen: Lima begrüßt die Welt mit Salz auf den Lippen und Dschungel in der Lunge.