Seine Identität ist im Boden verwurzelt — sowohl in der fruchtbaren Terra-roxa-Erde, die ein Kaffeeimperium nährte, als auch in der eigentlichen Taipa (Stampflehm), aus der seine dauerhaftesten Wahrzeichen wie die Catedral Metropolitana gebaut wurden. Wer durch das historische Zentrum geht, folgt den Spuren jener Barone, deren Reichtum den ornamentreichen Jockey Club und den großen Mercado Municipal aus Schmiedeeisen von 1908 hervorbrachte. Doch dies ist keine in Bernstein konservierte Stadt. Der alte Bahnhof der Fepasa pulsiert heute als Estação Cultura, ein Ort für Konzerte und Kunst, während das skelettartige Gerüst der Torre do Castelo, eines ehemaligen Wasserturms, einen 360-Grad-Blick auf eine Metropole bietet, die ihre Vergangenheit nahtlos in ihre Gegenwart einnäht.
Die eigentliche Seele von Campinas findet sich jedoch in seinen Grünräumen. Sie liegt im gefleckten Licht, das durch die alten Jequitibá-Bäume des Bosque fällt, wo sich das Geplapper der Affen mit dem Kinderlachen aus dem Mini-Zoo mischt. Sie liegt in der Abendbrise an der Pedreira do Chapadão, einem weiten öffentlichen Platz, der aus einem ehemaligen Steinbruch herausgeschnitten wurde, und in der konzentrierten Stille des Jean-Nicolini-Observatoriums, wo Sie in klaren Nächten durch Teleskope auf die Sterne der Südhalbkugel blicken können. Das ist eine Stadt zum Umherstreifen, zum zufälligen Entdecken einer Springbrunnenshow am Wochenende an der Lagoa do Taquaral oder zum Finden des Grabmals des Komponisten Carlos Gomes auf einem Platz in der Innenstadt. Campinas lädt Sie ein, genau hinzusehen, zuzuhören und den widerstandsfähigen, erfinderischen Geist des brasilianischen Binnenlands zu begreifen.