Rennes

Frankreich Aktualisiert May 2026

Fachwerkhäuser lehnen sich über das Kopfsteinpflaster der Rue du Chapitre wie klatschende Nachbarn; ihre schiefen Balken sind die Überlebenden eines Brandes aus dem Jahr 1720, der sieben Tage wütete und etwa tausend Gebäude des alten Rennes verschlang. Die Hauptstadt der Bretagne baute sich zweimal neu auf – einmal in Stein nach den Flammen, dann erneut in Glas und Ambition für die 60.000 Studenten, die sie heute zu einer der jüngsten Städte Frankreichs machen. Komm für das Parlement de Bretagne; bleib für die Bars in der Rue Saint-Michel, die bis zum Morgengrauen nicht leer werden und von den Einheimischen „la rue de la Soif“ – die Straße des Durstes – genannt werden.

Rennes, Frankreich
Attraktionen
12
Audio
6 h 50 min
Reisedauer
2-3 Tage
Beste jahreszeit
Spätsommer (August bis Anfang September)

Warum Rennes

Aus zitierten Quellen erstellt · Methode ansehen · Wie unsere Guides entstehen →

Rennes liegt dort, wo die Vilaine auf die Ille trifft, zwei Flüsse, die der Stadt ihren Handel und schließlich ihre Studenten brachten. Der mittelalterliche Kern entging dem großen Brand an seinem westlichen Rand, weshalb man in der Rue Saint-Georges und auf der Place du Champ-Jacquet noch immer unter Fachwerkfassaden aus dem 15. und 16. Jahrhundert spazieren kann, bevor man hinter einer Ecke auf den strengen grauen Granit und Tuffstein trifft, den der Architekt Jacques Gabriel nach 1720 vorschrieb. Zwei Städte, zusammengenäht entlang einer Brandlinie, die man noch immer auf einer Karte nachverfolgen kann.

Dies ist bretonisches Territorium, und das lässt man einen nicht vergessen. Straßenschilder sind zweisprachig in Französisch und Bretonisch verfasst, die schwarz-weiße Gwenn-ha-Du-Flagge weht auf den Balkonen, und das Musée de Bretagne innerhalb der Les Champs Libres stellt das eigensinnige Selbstverständnis der Region über die Jahrhunderte hinweg aus. Das Essen folgt diesem Muster – Galettes aus Buchweizen, gefüllt mit Ei und Schinken, dazu Cidre, der in Keramikschalen statt in Gläsern serviert wird.

Die Studentenbevölkerung gibt das Tempo vor. In den Cafés ist es laut, der Samstagsmarkt auf der Place des Lices füllt eine der größten Markthallen Europas mit rund 300 Ständen, und das Nachtleben ist so konzentriert, dass man das gesamte Vergnügungsviertel der Altstadt in zehn Minuten zu Fuß durchqueren kann. Eine funktionierende Regionalhauptstadt, die es versteht, das Leben in vollen Zügen zu genießen.

  • Bretagnes alter Machtsitz

    Das Parlement de Bretagne, erbaut ab 1655, war nach der Vereinigung mit Frankreich das souveräne Gericht des Herzogtums. Es überstand den großen Brand von 1720, brannte 1994 während eines Fischerprotests erneut und wurde mühsam mit seinen bemalten Decken aus dem 17. Jahrhundert restauriert.
  • Sich neigende Fachwerkgassen

    Der Brand von 1720 verschonte einen Teil des mittelalterlichen Kerns, und die Häuser dort neigen sich noch immer in Winkeln, die älter sind als die heutigen Bauvorschriften. Spaziere durch die Rue du Chapitre, die Rue Saint-Georges und über die Place du Champ-Jacquet, um zu sehen, wie sie sich über das Kopfsteinpflaster drängen.
  • Zehn Hektar auf den Knochen einer Abtei

    Der Parc du Thabor entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Benediktinerabtei und beherbergt heute einen französischen Garten, einen englischen Garten, einen Rosengarten und ein Orangerie-Gewächshaus mit tropischen Pflanzen. Über 3.000 Pflanzenarten, eine Voliere und kein Eintrittsgeld.
  • Eine junge Stadt

    Rund 60.000 Studenten bevölkern Rennes, eine der jüngsten Städte Frankreichs. Das zeigt sich nach Einbruch der Dunkelheit in der Rue Saint-Michel, der sogenannten „rue de la Soif“, der Straße des Durstes.

Viertel

Wo es sich zu schlendern lohnt, Viertel für Viertel — jedes mit eigenem Rhythmus.

  • Vieux Rennes (Altstadt)

    Das mittelalterliche Herz westlich der Brandlinie, wo die Fachwerkhäuser überlebten. Schlendere durch die Rue du Chapitre, Rue Saint-Georges und Place du Champ-Jacquet, wo eine Reihe von Häusern aus dem 17. Jahrhundert so stark geneigt ist, dass sie fast einzustürzen scheint. Die Portes Mordelaises, ein befestigtes Tor aus dem 15. Jahrhundert, markiert den Ort, an dem die Herzöge der Bretagne einst ihre Treue schworen, bevor sie die Stadt betraten. Hier befindet sich auch die Rue Saint-Michel — la rue de la Soif —, die ihre Bars auf einem kurzen Abschnitt konzentriert.
  • Centre / Place de l'Hôtel de Ville

    Der prachtvolle Wiederaufbau des 18. Jahrhunderts, ganz in Granit und Symmetrie nach dem Plan von Jacques Gabriel nach dem Brand. Das Rathaus mit seinem Glockenturm steht der Opéra de Rennes gegenüber — dem kleinsten Opernhaus Frankreichs, dessen Fassade von Apollo und den neun Musen gekrönt wird. Ein kurzer Spaziergang führt zum Parlement de Bretagne, dem prägendsten Denkmal der Stadt, das zwei Brände überstanden hat.
  • Thabor

    Das ruhige Wohnviertel rund um den Parc du Thabor, über zehn Hektar auf dem Gelände einer ehemaligen Benediktinerabtei. Französische Parterres, ein englischer Garten, ein berühmter Rosengarten, eine Voliere und das Glashaus der Orangerie mit seiner tropischen Sammlung. Die Einheimischen nutzen ihn als das Outdoor-Wohnzimmer der Stadt, besonders an Sonntagnachmittagen.
  • Sainte-Anne / Saint-Michel

    Das studentische Nachtleben-Viertel, dicht besiedelt mit Bars und günstigen Imbissen rund um die Place Sainte-Anne. Tagsüber ist es ruhiger, geprägt durch das Couvent des Jacobins — ein 1369 gegründetes Dominikanerkonvent, das 2018 restauriert und als Kongresszentrum wiedereröffnet wurde und nun auch das Tourismusbüro beherbergt. Gotische Gewölbe, die mit zeitgenössischem Beton verbunden sind — und es funktioniert.
  • Les Champs Libres / Colombier

    Südlich der Vilaine liegt der moderne kulturelle Ankerpunkt. Der Glaskomplex von Christian de Portzamparc aus dem Jahr 2008 beherbergt die Zentralbibliothek, das Musée de Bretagne und den Espace des Sciences mit seinem Planetarium. Das umliegende Viertel Colombier ist eher funktional als schön, aber die kulturelle Anziehungskraft ist enorm.

Reise planen

Bevor es losgeht

Anreise
Die meisten Besucher kommen mit dem TGV: Die Strecke Paris-Montparnasse nach Rennes gare dauert etwa 1 Std. 25 Min. Der Flughafen Rennes–Saint-Jacques (RNS) liegt nur 7 km südwestlich des Zentrums und ist über die Buslinie C6 und den Bus 57 in etwa 20 Minuten mit der Place de la République verbunden (1,50 € Bordpreis im Jahr 2026). Die A84 führt nördlich Richtung Caen und die N157/A81 verläuft östlich Richtung Le Mans und Paris.
Fortbewegung
STAR betreibt zwei fahrerlose VAL-Metrolinien — Linie a (eröffnet 2002) und Linie b (eröffnet 2022) —, die sich im Zentrum kreuzen, sowie ein dichtes Netz an Chrono-Buslinien C1–C7. Ein Einzelticket kostet 2026 1,70 € für eine Stunde inklusive Metro- und Busumstiegen; man kann direkt an den Metro-Schranken mit einer kontaktlosen Bankkarte bezahlen. Das Bike-Sharing-System STAR le vélo verfügt über etwa 650 Fahrräder an 55 Stationen, wobei die ersten 30 Minuten kostenlos sind.
Klima & Beste Reisezeit
Das subozeanische Wetter der Bretagne sorgt für milde und feuchte Bedingungen: Im Januar liegt der Durchschnitt bei etwa 6 °C, im Juli und August bei etwa 19 °C, mit insgesamt rund 695 mm Regen über das Jahr verteilt. Oktober und Dezember sind die nassesten Monate; der August ist mit etwa 40 mm am trockensten. Die beste Reisezeit ist von Mitte Mai bis Mitte September, wobei Ende August bis Anfang September das wärmste und trockenste Zeitfenster bietet.
Sprache & Währung
Französisch ist Amtssprache, aber du wirst Bretonisch (Brezhoneg) auf zweisprachigen Schildern sehen, auch in der Metro, als Anerkennung der regionalen Herkunftssprache. Die Währung ist der Euro, Karten und kontaktloses Bezahlen funktionieren fast überall, einschließlich der Transit-Schranken. Der Service ist in den Restaurantrechnungen enthalten — Aufrunden oder ein Euro oder zwei in bar sind völlig ausreichend. Beginne jede Anfrage mit einem „Bonjour“, bevor du etwas anderes sagst.
Sicherheit
Das touristische Zentrum rund um das Parlament und die Kathedrale Saint-Pierre ist belebt und gut beleuchtet. Vorsicht ist vor allem nachts in der Rue Saint-Michel geboten, der Bar-Meile, in der es nach Mitternacht häufig zu alkoholbedingten Problemen kommt. Die äußeren Wohnbezirke wie Le Blosne oder Maurepas bieten keine Attraktionen für Besucher, sodass es kaum Gründe gibt, diese aufzusuchen.

Von Condate zur Hauptstadt: Rennes am Scheideweg der Bretagne

Zweitausend Jahre am Zusammenfluss von Ille und Vilaine

  1. 2. Jh. v. Chr.

    Die Riedonen besiedeln den Zusammenfluss

    Ein gallisches Volk, die Riedonen, schlägt im Osten Armoricas Wurzeln und sammelt sich dort, wo die Ille in die Vilaine fließt. Sie nennen den Ort Condate, das keltische Wort für Zusammenfluss, und dieser Name wird noch drei Jahrhunderte lang an der Stadt haften bleiben. Es gibt hier keine dramatische Gründung, sondern lediglich Menschen, die der praktischen Logik zweier aufeinandertreffender Flüsse folgen.

  2. frühes 1. Jh. v. Chr.

    Die Riedonen prägen eigene Münzen

    Bevor Rom eintraf, prägten die Riedonen Billon-Münzen – lokale Kopien der Goldstatere von Philipp II. von Makedonien, die über Handelsrouten nach Westen gelangt waren. Die Gesichter auf den Münzen vermischen makedonische Vorbilder mit etwas Fremdartigerem und Keltischerem. Dass es schon so früh Geld gab, zeigt, dass der Zusammenfluss bereits für Menschen weit über die Region hinaus von Bedeutung war.

  3. 52 v. Chr.

    Krieger folgen Vercingetorix

    Als Vercingetorix die Stämme Galliens zum Aufstand gegen Cäsar aufrief, entsandten die Riedonen Kämpfer. Es war der Höhepunkt des Widerstands und zugleich der Beginn vom Ende. Innerhalb einer Generation würde der Zusammenfluss zu Rom gehören, und Condate würde nach römischem Geschmack neu aufgebaut werden.

  4. ca. 15-10 v. Chr.

    Rom gründet Condate Riedonum

    Unter Augustus legten die Römer eine eigentliche Stadt an, die erste dichte Siedlung an diesem Ort, und machten sie zur Hauptstadt der civitas Riedonum. Straßen strahlten wie ein Stern davon aus, die wichtigste führte westlich über die Gebiete der Osismii in Richtung Vorgium. Fast drei Jahrhunderte lang hatte die Stadt keinerlei Mauern, was zeigt, wie sicher der römische Friede hier empfunden wurde.

  5. ca. 80 n. Chr.

    Titus Flavius Postuminus, der erste namentlich bekannte Bürger

    Um das Jahr 80 diente ein Mann namens Titus Flavius Postuminus als Duumvir, einer der beiden Hauptmagistrate der Stadt. Er ist der älteste Einwohner von Rennes, dessen Namen wir tatsächlich kennen; er taucht in einer Inschrift und nicht in einer Chronik auf. Jeder vor ihm ist ein Volk, eine Münze, eine Mauer. Er ist die erste Person.

  6. 275 n. Chr.

    Die Ziegelmauern werden errichtet

    Da barbarische Überfälle immer tiefer in Gallien eindrangen, ummauerte sich die offene Stadt schließlich mit Ziegeln. Der Name Condate begann zu verblassen, während der Ort stillschweigend den Namen seines Volkes annahm, Civitas Riedonum, der Keim des Wortes Rennes. Letztlich war es die Angst, die der Stadt sowohl ihre Verteidigungsanlagen als auch ihren heutigen Namen gab.

Ganze Zeitleiste zeigen (31 Momente)
  1. 453 n. Chr.

    Ein Bistum wird eingerichtet

    Der Heilige Stuhl von Rennes wurde Mitte des fünften Jahrhunderts gegründet und pflanzte die Kirche im Zentrum einer Stadt, die die römische Ordnung gerade aufgab. Innerhalb weniger Jahrzehnte würde an der Stelle der heutigen Kathedrale ein Gotteshaus stehen. Die Bischöfe sollten bald zur beständigsten Macht in der Stadt werden.

  2. 497 n. Chr.

    Bischof Melaine vermittelt den Frieden

    Während die Bretonen in die westliche Halbinsel vordrangen und die Franken den Osten hielten, handelte Bischof Melaine von Rennes einen Vertrag zwischen den beiden aus. Er war ein Geistlicher, der die Arbeit eines Diplomaten in einer Grenzstadt leistete, die zwischen zwei expandierenden Welten gefangen war. Rennes lag genau auf dieser Nahtstelle, weshalb es immer wieder Friedensstifter hervorbrachte.

  3. 851 n. Chr.

    Nominoe macht Rennes bretonisch

    Um 850 zwangen die bretonischen Anführer Nominoe und Lambert II. ihren Weg nach Rennes und zogen die Stadt nach Jahrhunderten an der fränkischen Grenze vollständig in die bretonische Umlaufbahn. Die Grenze hatte sich endlich verschoben, und Rennes landete auf der bretonischen Seite. Von hier an wird die Geschichte der Stadt zur Geschichte der Bretagne.

  4. 1338

    Ein junger Du Guesclin gewinnt die Turniere

    Bei einem Turnier in Rennes anlässlich der Hochzeit von Charles de Blois und Jeanne de Penthievre stieß ein unbekannter Teenager namens Bertrand du Guesclin einen Champion nach dem anderen vom Pferd. Er sollte Konstable von Frankreich und der größte Soldat seiner Zeit werden, doch Rennes sah in ihm zuerst einen groben Provinzjungen, von dem niemand etwas erwartet hatte. Die Stadt, die seinen Sieg beobachtete, würde ihn bald zum Kämpfen brauchen.

  5. 1356-1357

    Du Guesclin verteidigt die Belagerung

    Während des Bretonischen Erbfolgekriegs zog Henry of Grosmont, Herzog von Lancaster, mit seinem Heer vor die Mauern von Rennes. Bertrand du Guesclin antwortete nicht mit einer offenen Schlacht, sondern mit Überfällen und Guerilla-Taktik, wobei er die Engländer so lange bedrängte, bis die Belagerung abgebrochen wurde. Es war der Feldzug, der seinen Ruf begründete, gekämpft, um seine eigene Stadt frei zu halten.

  6. 1369

    Die Dominikaner bauen die Jacobins

    Das Couvent des Jacobins wurde 1369 als Dominikanerkloster gegründet und wurde bald zu einem Wallfahrts- und Begräbnisort im Herzen des mittelalterlichen Rennes. Seine gotischen Gewölbe überstanden sechs Jahrhunderte voller Krieg, Feuer und Revolution. 2018 restauriert und als Kongresszentrum wiedereröffnet, beherbergt es nun das Tourismusbüro unter denselben Steingewölben, die einst Mönche schützten.

  7. ca. 1440

    Das Mordelaises-Tor entsteht

    Die Portes Mordelaises wurden als Haupttor der befestigten Stadt errichtet, komplett mit einer Zugbrücke über den Graben. Die Herzöge der Bretagne legten hier ihren Treueid ab, bevor sie in die Stadt einzogen. Es ist das letzte große Überbleibsel der Stadtmauern, und wenn man darunter steht, betritt man genau die Schwelle, die jeder Herzog überschritt.

  8. 1491

    Die Belagerung, die die Bretagne mit Frankreich vermählte

    Karl VIII. führte ein französisches Heer vor die Mauern von Rennes und belagerte die darin befindliche Herzogin Anne von Bretagne. Das Patt endete nicht in einem Blutbad, sondern in einer Hochzeit: Der Vertrag von Rennes im November vermählte Anne mit dem französischen König. Massengräber aus den Kämpfen, die 2021 ausgegraben wurden, erinnern daran, dass die diplomatische Ehe mit gewöhnlichen Menschenleben bezahlt wurde.

  9. 1532

    Die Bretagne wird Teil Frankreichs

    Das Unionsedikt band die Bretagne formell an die französische Krone und beendete Jahrhunderte der Unabhängigkeit des Herzogtums. Rennes, die alte bretonische Hauptstadt, musste nun seinen Platz in einem viel größeren Königreich finden. Dies tat sie auf charakteristische Weise, indem sie zum Sitz des Rechts wurde.

  10. 1554

    Das Parlement de Bretagne wählt Rennes

    Als das souveräne Gericht der Bretagne eingerichtet wurde, setzte sich Rennes gegen seinen reicheren Rivalen Nantes durch, um es zu beherbergen. Das Parlement machte die Stadt zur juristischen und administrativen Hauptstadt der Provinz, ein Status, der alles Folgende prägte. Anjuristen, nicht Kaufleute, gaben in Rennes für die nächsten zwei Jahrhunderte den Ton an.

  11. 1563-1640

    Pestwelle nach Pestwelle

    Vom großen Ausbruch 1563 bis zur letzten großen Welle 1640 kehrte die Pest immer wieder nach Rennes zurück – mehr als ein Dutzend dokumentierte Wellen in achtzig Jahren. 1597, während auf dem Land Hungersnöte herrschten, verweigerte die Stadt den Armen an den Toren den Zutritt aus Angst vor Ansteckung. Die Mauern, die Armeen ferngehalten hatten, wurden am Ende gegen die Hungrigen gewendet.

  12. 1618-1655

    Der Palast des Parlaments

    Erbaut über fast vierzig Jahre nach einem Entwurf von Salomon de Brosse, dem Architekten des Palais du Luxembourg in Paris, verlieh der Parlamentspalast Rennes sein prächtigstes Gebäude. Er verband klassische Ordnung mit bretonischem Charakter und beherbergte das höchste Gericht der Provinz. Er überlebte das Feuer, das alles um ihn herum zerstörte, und wäre beinahe 1994 trotzdem abgebrannt.

  13. 1720

    Der große Brand ebnet die Altstadt

    In der Nacht vom 22. Dezember 1720 brach in der Rue Tristin ein Feuer aus, das tagelang wütete. Es zerstörte 945 Häuser, fast die Hälfte der bebauten Stadt, und ließ etwa 8.000 Menschen in der Dezemberkälte obdachlos zurück. Die Flammen stoppten kurz vor dem Parlament und verschonten so das eine Gebäude, das für den Stolz der Stadt am wichtigsten war.

  14. 1720-1760

    Jacques Gabriel baut in Stein neu auf

    Aus der Asche heraus legte der Architekt Jacques Gabriel ein rationales Raster aus geraden Steinstraßen an, wo zuvor ein mittelalterliches Labyrinth aus Fachwerk gestanden hatte. Die Place de l'Hôtel de Ville, das 1743 fertiggestellte Rathaus und später die Oper stammen alle aus diesem Wiederaufbau. Deshalb wirkt das Zentrum von Rennes so anders als das Fachwerk-Gewirr, das an den Rändern überlebte; das Feuer zog eine harte Linie zwischen zwei Städten.

  15. 1794

    Jean Leperdit zerreißt die Liste

    Jean Leperdit, ein Schneider, der Bürgermeister wurde, regierte Rennes während der schlimmsten Zeit des Terrors. Die Geschichte besagt, dass er eine Liste von Bürgern zerriss, die zum Guillotinen verurteilt waren, und sich gegen Paris auflehnte, um seine Nachbarn zu retten. Er starb 1823 in Rennes und wird weniger für seine Politik als für diesen einen Akt des Mutes erinnert.

  16. 1794

    Das Museum für Bildende Künste wird geboren

    Das Musée des Beaux-Arts wurde aus Gütern gegründet, die während der Revolution beschlagnahmt worden waren; es öffnete seine Türen mit Kunstwerken, die Kirchen und emigrierten Adligen entwendet worden waren. Seine Sammlung reicht heute von ägyptischen Antiquitäten bis hin zu Zeichnungen, die Leonardo und Rembrandt zugeschrieben werden. Ein Museum, erbaut aus dem, was die Revolution wegnahm.

  17. 1793-1800

    Die Chouannerie auf dem Land

    Als die Republik 1793 eine Massenaushebung von 300.000 Männern ordnete, erhoben sich royalistische Bauern im gesamten Departement Ille-et-Vilaine zum Aufstand. Die Chouannerie verwandelte die Gassen und Hecken rund um Rennes in einen langen, hässlichen Guerillakrieg. Die Stadt hielt für die Republik stand, während das Umland um sie herum blutete.

  18. 1816-1845

    Kathedrale Saint-Pierre fertiggestellt

    Nachdem das alte Langhaus abgerissen worden war und die Revolution die Arbeiten gestoppt hatte, wurde die neoklassizistische Cathédrale Saint-Pierre schließlich 1845 vollendet. Mathurin Crucy begann sie und Louis Richelot beendete sie, hinter einer Fassade, die älter ist als die Kirche, vor der sie steht. Tritt man ein, wirkt das vergoldete, schwere Innere fast imperial – weit entfernt von der mittelalterlichen Kirche, die sie ersetzte.

  19. 1857

    Die Eisenbahn kommt an

    Als der Bahnhof 1857 eröffnet wurde, begann Rennes südlich der Vilaine in Richtung der Gleise zu wachsen. Die Eisenbahn lenkte das Wachstum der Stadt in eine neue Richtung und band die bretonische Hauptstadt fest an Paris. Die mittelalterliche und klassische Stadt hatte nun einen industriellen Nachbarn.

  20. 1873

    Alfred Jarry träumt von Père Ubu

    Der Dramatiker Alfred Jarry besuchte das Lycée in Rennes, und dort, während er einen pompösen Physiklehrer verspottete, entwarfen er und seine Klassenkameraden den monströsen Père Ubu. Ubu Roi sollte später auf den Pariser Bühnen einschlagen und half, das absurde Theater zu erfinden. Der groteske König des modernen Dramas wurde aus dem Spott von Schuljungen in einem Klassenzimmer in Rennes geboren.

  21. 1899

    Der zweite Dreyfus-Prozess

    Im Sommer 1899 fand der Wiederprozess gegen Alfred Dreyfus im Lycée von Rennes statt, und die Weltpresse strömte in die Stadt. Wochenlang war Rennes die Bühne, auf der Frankreich über Gerechtigkeit, Antisemitismus und die Armee mit sich selbst stritt. Ein provinzieller Gerichtssaal wurde für kurze Zeit zum Gewissen einer Nation.

  22. 1940

    Bombardierung und Besatzung

    Am 17. Juni 1940 tötete ein deutscher Angriff auf einen Munitionstransport am Bahnhof in einer einzigen katastrophalen Explosion etwa tausend Menschen. Am nächsten Tag marschierten deutsche Truppen in Rennes ein und begannen eine vierjährige Besatzung. Der Krieg war plötzlich angekommen, in Feuer, an der Eisenbahn, die einst nur Fortschritt versprochen hatte.

  23. 1944

    Patton befreit Rennes

    Am 4. August 1944 befreite die US-amerikanische Third Army unter General Patton die Stadt, während die zurückweichenden Deutschen die Brücken über die Vilaine hinter sich sprengten. Alliiertenbombardements im Vorjahr hatten bereits hunderte Leben gekostet. Die Befreiung erfolgte um den Preis einer zerstörten, gezeichneten Stadt, die Jahrzehnte für den Wiederaufbau brauchen würde.

  24. 1970er

    Le Mabilais und das Minitel

    Im Gebäude Mabilais, entworfen von Louis Arretche, entwickelten Ingenieure das Minitel und die Smartcard – zwei Technologien, die Rennes an die Spitze der französischen Telekommunikation brachten. Lange bevor man von einem Tech-Hub sprach, erfand die Stadt stillschweigend die Werkzeuge eines vernetzten Frankreichs. Das Gebäude ist heute das Symbol für French Tech Rennes und baut immer noch auf dem Durchbruch der 1970er Jahre auf.

  25. 2002

    Die kleinste Metro der Welt

    Am 19. März 2002 wurde die fahrerlose VAL-Metrolinie A eröffnet, womit Rennes zur kleinsten Stadt der Welt mit einem Metrosystem wurde. Für einen Ort mit kaum 200.000 Einwohnern war dies eine kühne Wette auf die Zukunft. Die Linie B folgte 2022 und verbindet 15 Stationen in einer Stadt, die beschlossen hatte, viel größer zu denken, als sie eigentlich ist.

Wer hier lebte

  • Romanautor · 1816–1887

    Paul Féval

    Hier geboren

    Féval wurde im Hôtel de Blossac geboren und wuchs in den Steinstraßen auf, die Rennes nach dem Brand von 1720 wieder aufbauen musste. Er schuf für Frankreich den schwertschwingenden Lagardère aus „Le Bossu“, eine Art Mantel-und-Degen-Romanze aus Paris, die weit über seine Heimatstadt hinaus bekannt wurde. Er würde es vermutlich amüsant finden, dass seine Stadt heute eher auf Minitel und Metrolinien als auf Melodramen setzt.

  • Dramatiker · 1873–1907

    Alfred Jarry

    Schulzeit hier 1888–1891

    Jarry kam als Schüler an das Lycée und entwickelte gemeinsam mit Mitschülern eine grausame Karikatur ihres Physiklehrers zu „Père Ubu“. Dieser groteske Tyrann wurde zu „Ubu Roi“, dem Stück, das 1896 das moderne Theater sprengte. Der Absurdist, der Paris skandalisierte, wurde gewissermaßen in einem Klassenzimmer in Rennes geboren.

  • Bürgermeister und Schneider · 1752–1823

    Jean Leperdit

    Lebte und starb hier

    Leperdit, ein arbeitender Schneider, der während der Schreckensherrschaft zum Bürgermeister wurde, zerriss Berichten zufolge eine Liste von Bürgern, die zum Guillotine-Tod verurteilt waren, anstatt das Urteil zu vollstrecken. Diese Geste machte ihn zu einem lokalen Symbol für Anstand unter Druck. Eine Statue ehrt noch heute den Mann, der das Gewissen über die Befehle stellte.

  • Konstabler von Frankreich · 1320–1380

    Bertrand du Guesclin

    Machte sich hier einen Namen

    Du Guesclin erregte erstmals bei einem Turnier im Jahr 1338 in Rennes Aufmerksamkeit, als er als unbekannter junger Breton erfahrene Champions vom Pferd stieß. Zwei Jahrzehnte später leitete er die Guerilla-Verteidigung der Stadt gegen die Belagerung durch den Herzog von Lancaster 1356–57. In Rennes lernte der zukünftige Konstabler von Frankreich, dass er gewinnen konnte.

Wo essen

Wo Einheimische wirklich zum Abendessen einkehren — keine Touristenmenüs.

Insider- Tipps

Kleine Dinge, die verändern, wie die Stadt dir begegnet.

  • Tippen und Fahren

    Die Schranken der Metro in Rennes akzeptieren kontaktlose Bankkarten direkt, es wird kein Ticket benötigt. Eine Einzelfahrt kostet 1,70 € und beinhaltet den Umstieg von der Metro auf den Bus innerhalb einer Stunde.
  • Erste 30 Minuten gratis

    Das Leihrad-System „STAR le vélo“ verfügt über 55 rund um die Uhr geöffnete Stationen, und die ersten 30 Minuten jeder Fahrt sind kostenlos. Der historische Kern ist klein genug, dass die meisten Fahrten innerhalb dieses Zeitfensters enden.
  • Vorsicht in der rue de la Soif

    Die Rue Saint-Michel, genannt „Straße des Durstes“, ist die Bar-Meile und wird nach Mitternacht turbulent. Für einen Drink ist sie prima, aber behalte spät in der Nacht deinen Verstand und deine Wertsachen im Auge.
  • Spätsommer ist am trockensten

    In der Bretagne regnet es oft, aber im August fallen im Durchschnitt nur 40 mm, und von Ende August bis Anfang September ist die Regenwahrscheinlichkeit am niedrigsten. Pack trotzdem eine leichte Jacke ein.
  • Taxi vom RNS vermeiden

    Der Flughafen liegt 7 km außerhalb; die Buslinie C6 oder die Linie 57 erreicht die zentrale Place de la République in etwa 20 Minuten. Ein Taxi kostet für dieselbe Strecke etwa 18 €.
  • Kostenlos im Thabor

    Der Parc du Thabor bietet einen Rosengarten, ein tropisches Orangerie-Gewächshaus und über 3.000 Pflanzenarten auf 10 Hektar – alles kostenlos. Einheimische kommen wegen der Voliere und der botanischen Beete.

Häufig gefragt

Lohnt sich ein Besuch in Rennes?

Ja, besonders wenn du die Bretagne ohne die Menschenmassen an der Küste erleben möchtest. Die mittelalterliche Altstadt überstand den Brand von 1720, der 945 Häuser vernichtete, was zu einem markanten Kontrast zwischen den schiefen Fachwerkgassen und Jacques Gabriels steinernem Gitternetz-Wiederaufbau führte. Mit 60.000 Studenten ist die Stadt jünger und günstiger als die meisten französischen Städte, und allein das Parlement de Bretagne macht die Reise lohnenswert.

Wie viele Tage braucht man in Rennes?

Zwei Tage reichen aus, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten bequem zu besichtigen. Tag eins für die Altstadt, das Parlement de Bretagne und den Parc du Thabor; Tag zwei für Les Champs Libres, das Musée des Beaux-Arts und das Couvent des Jacobins. Füge einen dritten Tag hinzu, wenn du einen Ausflug an die Küste oder zum Mont-Saint-Michel machen möchtest.

Wie kommt man vom Flughafen Rennes ins Stadtzentrum?

Nimm den Bus C6 oder die Linie 57 zur Place de la République, etwa 20 Minuten für 1,50 €. Die Busse fahren täglich alle 20 bis 30 Minuten; die Haltestelle liegt etwa 300 m vom Terminal entfernt. Ein Taxi kostet rund 18 € und ist rund um die Uhr auf Abruf verfügbar.

Ist Rennes sicher für Touristen?

Ja. Das touristische Zentrum rund um das Parlament und die Kathedrale ist belebt und gut beleuchtet. Die problematischen Wohnviertel wie Le Blosne und Maurepas liegen weit entfernt von allem, was ein Besucher sehen muss. Standardmäßige Vorsicht gilt rund um den Bahnhof und die Bar-Meile Saint-Michel in den späten Abendstunden.

Wie kommt man von Paris nach Rennes?

Der TGV von Paris Montparnasse erreicht Rennes in etwa 1 Stunde und 25 Minuten. Der Bahnhof liegt an der Metrolinie B und ist ein wichtiger Busknotenpunkt, sodass du das Zentrum innerhalb weniger Minuten nach der Ankunft erreichen kannst.

Wofür ist Rennes bekannt?

Rennes ist die Hauptstadt der Bretagne und Sitz des Parlement de Bretagne, dem ehemaligen souveränen Gerichtshof der Region. Es ist zudem eine der jüngsten und studentenreichsten Städte Frankreichs, der Geburtsort des Minitel und der Smartcard in Le Mabilais sowie der Schauplatz des zweiten Dreyfus-Prozesses im Jahr 1899.

Alle Sehenswürdigkeiten.

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