Römisch-Deutscher Kaiser und König von Böhmen
1316–1378
Karl IV.
Hier geboren; regierte von Prag aus
Karl IV. behandelte Prag wie eine Hauptstadt der Ideen, nicht nur der Macht: Er gründete 1348 die Karls-Universität und trieb die mittelalterliche Expansion der Stadt voran. Die nach ihm benannte Brücke choreographiert noch Jahrhunderte später das tägliche Leben. Er würde die Skyline wohl sofort erkennen – und dann staunen, in wie vielen Sprachen sie heute durchquert wird.
Kirchenreformator
ca. 1370–1415
Jan Hus
Studierte, lehrte und predigte in Prag
In Prag wandelte sich Hus vom Gelehrten zur moralischen Stimme der Öffentlichkeit, predigte in der Bethlehemskapelle und forderte die kirchliche Korruption heraus. Seine Hinrichtung machte ihn zum Märtyrer, doch seine Argumente verließen die Stadt nie wirklich. Auf dem Altstädter Ring fühlt sich sein Denkmal weniger wie Dekoration an denn wie ein unvollendetes Gespräch.
Astronom
1571–1630
Johannes Kepler
Lebte und arbeitete hier (1600–1612)
Kepler kam nach Prag, um mit Tycho Brahe zusammenzuarbeiten, und schuf inmitten von Hofintrigen und persönlichen Entbehrungen das Werk, das zu seinen Planetengesetzen wurde. In dieser Stadt schlug präzise Beobachtung ererbte Gewissheit. Die heutigen Nachtaussichten von den Uferpromenaden würde er wohl lieben – noch immer ein Ort, an dem Menschen aufblicken und bessere Fragen stellen.
Komponist
1756–1791
Wolfgang Amadeus Mozart
Häufiger Besucher; Uraufführung des Don Giovanni hier
Prag empfing Mozart mit einer Herzlichkeit, die ihm Wien nicht immer entgegenbrachte, und Don Giovanni erlebte hier 1787 im Ständetheater seine Uraufführung. Die Stadt hörte aufmerksam zu, nicht höflich. Käme er zurück, würde er wohl schnurstracks auf diese Bühne zugehen und über die Lebendigkeit seiner Musik in Prager Sälen schmunzeln.
Schriftsteller
1883–1924
Franz Kafka
Hier geboren und den größten Teil seines Lebens hier verbracht
Kafkas Prag war mehrsprachig, bürokratisch und psychologisch dicht – die perfekte Druckkammer für seine Prosa. Er lief durch Straßen, die zugleich schön und beengend waren, und beide Stimmungen koexistieren hier noch immer. Die heutigen Cafétische voller Laptops und Manuskripte wären ihm sehr vertraut.
Jugendstilkünstler
1860–1939
Alfons Mucha
Arbeitete ausgiebig in Prag; starb hier
Mucha kehrte nach internationalem Ruhm zurück, um seine Kunst in den Dienst tschechischer Identität zu stellen – von den Interieurs des Gemeindehauses bis zum leuchtenden Farbfenster im Veitsdom. In Prag lässt sich verfolgen, wie er vom Plakatprominenten zum Bürger-Künstler wurde. Er wäre wohl erfreut, dass die Menschen noch immer innehalten, aufblicken und beim Ornament verweilen.
Komponist
1841–1904
Antonín Dvořák
Studierte, arbeitete und starb in Prag
Dvořák baute seine Karriere über Prager Institutionen auf, bevor er zum Weltstar wurde, und trug tschechische Melodiesprache auf die Weltbühne. Die Stadt, die er kannte, war voll von Probenräumen, Kirchenorgeln und Ehrgeiz. Die heutige Festivalsaison würde er hören und denselben Hunger nach Live-Musik darin wiedererkennen.
Dramatiker, Dissident, Staatspräsident
1936–2011
Václav Havel
Hier geboren; zentrale Figur der Prager Samtenen Revolution
Havel bewegte sich zwischen Prager Theatern und Gefängniszellen, bevor er 1989 auf die Balkonmomente trat, die das Land neu formten. In dieser Stadt wurde Sprache zur politischen Handlung. Er würde Besucher wohl daran erinnern, dass Prags Schönheit am meisten zählt, wenn sie ein offenes bürgerliches Leben schützt.