Stiftung Sammlung E.G. Bührle

Einleitung

Die Stiftung Sammlung E.G. Bührle im Kunsthaus Zürich zählt zu den bedeutendsten privaten Kunstsammlungen Europas und ist berühmt für ihre Meisterwerke des französischen Impressionismus und Post-Impressionismus. Untergebracht in der modernen Chipperfield-Erweiterung des Kunsthauses Zürich, beherbergt die Sammlung Werke von Monet, Cézanne, Van Gogh, Renoir, Picasso und anderen. Das Erbe der Sammlung wird nicht nur durch ihre künstlerische Exzellenz, sondern auch durch ihre komplexe Provenienz geprägt, die die turbulente Geschichte Europas im 20. Jahrhundert und aktuelle ethische Debatten über Kunstbesitz widerspiegelt. Dieser umfassende Leitfaden bietet wesentliche Besucherinformationen, detaillierten historischen Kontext, Höhepunkte der Sammlung und praktische Reisetipps für einen bedeutungsvollen und gut informierten Besuch.


Historischer Überblick

Die Ursprünge der Stiftung Sammlung

E.G. Bührle

Emil Georg Bührle: Industrieller und Sammler

Emil Georg Bührle (1890–1956) war ein in Deutschland geborener Industrieller, der während des Zweiten Weltkriegs zum reichsten Mann der Schweiz aufstieg als Leiter von Oerlikon-Bührle, einem großen Waffenhersteller (buehrle.ch). Sein finanzieller Erfolg ermöglichte es ihm, zwischen 1936 und 1956 eine umfangreiche Sammlung von über 200 unschätzbaren Kunstwerken zu erwerben, hauptsächlich in einer Zeit tiefgreifender Umwälzungen auf dem europäischen Kunstmarkt, verursacht durch Krieg, Verfolgung und Zwangsverkäufe (kunsthaus.ch; swissinfo.ch).

Durch enge Beziehungen zur Zürcher sozialen und kulturellen Elite, einschließlich der Zürcher Kunstgesellschaft, leistete Bührle finanzielle Beiträge zum Kunsthaus Zürich und baute seine Sammlung strategisch mit der Anleitung etablierter Händler auf (news.uzh.ch).

Wachstum und Gründung der Sammlung

Bührles Sammeltätigkeit intensivierte sich während des Zweiten Weltkriegs, als viele Kunstwerke unter Druck auf den Markt kamen, oft infolge von Verfolgung oder NS-Raubkunst. Nach seinem Tod im Jahr 1956 gründete seine Familie im Jahr 1960 die Stiftung Sammlung E.G. Bührle zur Bewahrung und öffentlichen Zugänglichmachung der Sammlung. Bis 2021 war die Sammlung in einer Villa neben Bührles ehemaligem Wohnsitz untergebracht (buehrle.ch). Im Jahr 2021 wurden über 170 Werke als langfristige Leihgabe an das Kunsthaus Zürich übergeben, das nun eine eigene Etage im Chipperfield-Gebäude belegt (kunsthaus.ch; ticinowelcome.ch).

Kontroversen und Forschungen zur Provenienz

Die Sammlung Bührle steht im Fokus intensiver Kritik bezüglich des Erwerbs von Kunstwerken während der NS-Zeit. Die Provenienzforschung deutet auf mehrere Werke hin, deren Geschichte Zwangsumsiedlungen und NS-Raubkunst einschließt (swissinfo.ch). Berichte unabhängiger Historiker, wie Raphael Gross, kritisierten die Sammlung wegen mangelnder Transparenz und wegen der Auslassung ehemaliger jüdischer Besitzer aus den Unterlagen (The Art Newspaper). Als Reaktion darauf verstärkten die Stiftung und das Kunsthaus Zürich die Provenienzforschung, öffneten Archive und verabschiedeten neue Rahmenwerke zur Bewältigung dieser Herausforderungen (artdependence.com).

Vermächtnis und institutionelle Entwicklungen

Die Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Sammlung E.G. Bührle und dem Kunsthaus Zürich legt nun Wert auf Transparenz, öffentliche Zugänglichkeit und kontinuierliche Forschung. Ausstellungen wie „Eine Zukunft für die Vergangenheit“ kontextualisieren die Meisterwerke der Sammlung in ihren historischen, sozialen und ethischen Rahmenbedingungen (kunsthaus.ch).


Highlights der Sammlung E.G. Bührle

Besucher des Kunsthauses Zürich können eine bemerkenswerte Auswahl europäischer Kunst des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sehen, darunter:

  • Édouard Manets „La Sultane“ (ca. 1871): Kürzlich in eine Einigung mit den Erben des jüdischen Sammlers Max Silberberg verwickelt (The Art Newspaper).
  • Claude Monets „Garten in Giverny“ (1895): Eine ikonische impressionistische Landschaft.
  • Vincent van Goghs „Der alte Turm“ (1884): Ein ergreifendes frühes Werk von Van Gogh.
  • Paul Cézannes „Der Junge im roten Westen“: Ein Meisterwerk, das Impressionismus und Moderne verbindet.
  • Henri de Toulouse-Lautrecs „Porträt von Georges-Henri Manuel“ (1891): Eine dynamische Darstellung des Pariser Lebens.
  • Weitere namhafte Künstler: Gauguin, Degas, Renoir, Picasso, Pissarro, Sisley und Courbet.

Die Sammlung umfasst auch Gemälde von Alten Meistern, Barockkunst und Schweizer Werke, die den Besuchern einen umfassenden historischen Kontext bieten.


Besucherinformationen

Öffnungszeiten

  • Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag: 10:00–18:00
  • Donnerstag: 10:00–20:00
  • Montag: Geschlossen
  • Feiertage: 10:00–18:00
  • Geschlossen: 25. Dezember und 1. Januar (kunsthaus.ch)

Tickets und Eintrittsgelder

  • Ausstellungen einschließlich der Sammlung Bührle: CHF 31 (Standard), CHF 24 (reduziert)
  • Nur Sammlung: CHF 24 (Standard), CHF 17 (reduziert)
  • Kinder bis 13 Jahre und Museumsmitglieder: Kostenlos
  • Kauf online oder im Museum: Kunsthaus Zürich Ticketshop

Barrierefreiheit

  • Das Museum ist vollständig rollstuhlgängig, mit Aufzügen, angepassten Toiletten und Sitzbereichen.
  • Unterstützung für Besucher mit Behinderungen ist auf Anfrage erhältlich.

Standort und Anreise

  • Adresse: Kunsthaus Zürich, Heimplatz, 8001 Zürich
  • Öffentliche Verkehrsmittel: Tramlinien 3, 5, 9 und Buslinie 31 halten an der Haltestelle „Kunsthaus“.
  • Mit dem Auto: Kostenpflichtige Parkplätze in der Nähe (z.B. Parkhaus Hirschenplatz, Parkhaus Urania).

Annehmlichkeiten

  • Garderobe und Schließfächer: Vorhanden.
  • Café und Museumsshop: Vor Ort für Erfrischungen und Souvenirs.

Ihr Besuch verbessern: Führungen, Ressourcen und Reisetipps

Führungen & Veranstaltungen

  • Regelmäßige Führungen und Audioguides sind in mehreren Sprachen verfügbar.
  • Spezielle Thementouren konzentrieren sich auf Provenienz, ethische Fragen und historischen Kontext.
  • Besuchen Sie den Veranstaltungskalender für Vorträge, Ausstellungen und Programme des Zürcher Kunstjahres (kunsthaus.ch).

Digitale Ressourcen & Barrierefreiheit

  • Das Museum bietet virtuelle Touren und hochauflösende Bilder mit beschreibendem Alternativtext.
  • QR-Codes und digitale Displays in den Galerien bieten tiefgreifende Informationen zur Provenienz.

Fotografie

  • Fotografie (ohne Blitz) ist in den meisten Galerien gestattet. Stative und professionelle Ausrüstung erfordern eine vorherige Genehmigung.

Historische Stätten in der Nähe von Zürich

Kombinieren Sie Ihren Besuch mit einem Spaziergang durch die Zürcher Altstadt, einem Spaziergang entlang des Zürichsees oder einem Besuch des Schweizerischen Nationalmuseums. Das Kunsthaus ist ideal für einen umfassenden kulturellen Reiseplan.


Provenienz, Restitution und ethischer Kontext

Die Sammlung Bührle bleibt ein Brennpunkt internationaler Debatten über Kunstprovenienz und Restitution. Mindestens 62 Werke befanden sich zuvor im Besitz jüdischer Sammler, die während der NS-Zeit verfolgt wurden (swissinfo.ch). Die Stiftung und das Kunsthaus Zürich haben ihre Transparenz erhöht, unabhängige Forschung betrieben und vertrauliche Einigungen mit Erben erzielt (z.B. Manets „La Sultane“) (The Art Newspaper). Besucher werden ermutigt, sich sowohl mit den Kunstwerken als auch mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen, unterstützt durch kontextbezogene Informationen und die Expertise des Personals.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F: Was sind die Öffnungszeiten? A: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag: 10:00–18:00; Donnerstag: 10:00–20:00; montags geschlossen.

F: Wie kaufe ich Tickets? A: Tickets sind online (Kunsthaus Zürich Ticketshop) und am Museumseingang erhältlich.

F: Ist das Museum für Rollstuhlfahrer zugänglich? A: Ja, alle öffentlichen Bereiche sind rollstuhlgängig.

F: Sind Führungen verfügbar? A: Ja, Führungen und Audioguides werden in mehreren Sprachen angeboten.

F: Darf ich fotografieren? A: Ja, Fotografieren ohne Blitz ist in den meisten Galerien gestattet. Für professionelle Ausrüstung bitten Sie um Erlaubnis.

F: Was kann ich in der Nähe sonst noch besuchen? A: Die Zürcher Altstadt, das Schweizerische Nationalmuseum und der Zürichsee sind alle zu Fuß erreichbar.


Reisetipps

  • Beste Besuchszeit: Wochentags am Vormittag für ein ruhigeres Erlebnis.
  • Überprüfen Sie auf Updates: Einige Werke sind aufgrund laufender Provenienzforschung möglicherweise vorübergehend nicht verfügbar; prüfen Sie die offizielle Website, bevor Sie Ihren Besuch planen.
  • Nutzen Sie Audioguides: Verbessern Sie Ihren Besuch mit der Audiala-App für Expertenkommentare und interaktive Karten.

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