MÜber Mogadishu in Somalia liegt der Geruch von gegrilltem Fisch und Diesel, vermischt mit dem Klang der Wellen an einer Küste, die seit tausend Jahren Aufstieg und Fall von Reichen erlebt hat. An Donnerstagabenden zieht der Lido Beach dreißigtausend Menschen an, die beobachten, wie die Dämmerung über dem Indischen Ozean liegt, eine Szene ganz gewöhnlichen Lebens, die in einer Stadt, die so oft über Konflikt definiert wurde, fast unwirklich wirkt. Mogadishu, die Weiße Perle, ist ein Ort, an dem die Narben der Geschichte an jeder kolonialen Fassade sichtbar bleiben und dessen Puls doch von neuer, trotziger Energie schneller schlägt.
Mogadishu wurde etwa im 10. Jahrhundert gegründet und war eine der frühesten arabischen Siedlungen an dieser Küste. Über Jahrhunderte war die Stadt ein bedeutender Hafen des Ajuran-Sultanats, ein Knotenpunkt für Handel und Kultur. Dieses Erbe steckt in den geisterhaft stillen, gut zu Fuß erkundbaren Gassen des Viertels Hamarweyne, wo die Arba-Rucun-Moschee zu den ältesten islamischen Stätten der Stadt gehört.
Das 20. Jahrhundert brachte die italienischen Kolonialherren, die den Leuchtturm errichteten, der noch immer über den alten Hafen blickt. Ihre Kathedrale ist heute eine Ruine, ein stummer Zeuge des Bürgerkriegs, der 1991 begann, und der berüchtigten Schlacht um Mogadishu im Jahr 1993. Seitdem erzählt die Stadt von einer schmerzhaften, langsamen Rückkehr.