Vorislamisches Yathrib
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ca. 550 v. Chr.
Eine Oasensiedlung entsteht
Yathrib entwickelt sich im Hedschas zu einer kultivierten Oase, deren Dattelpalmen und Brunnen Menschen in die trockene Landschaft locken. Jüdische Stämme prägen nach und nach die fruchtbaren Zonen zwischen den Lavafeldern und schaffen ein Mosaik befestigter Dörfer. Der Duft feuchter Erde nach seltenem Regen und das Rascheln der Palmwedel bestimmen diese vorislamische Welt. Aus der unscheinbaren Siedlung sollte später eine neue Zivilisation hervorgehen.
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ca. 135 n. Chr.
Jüdische Stämme blühen auf
Nach der römischen Unterdrückung in Palästina festigen neue jüdische Siedlerwellen ihre Stellung in Yathrib. Sie entwickeln einen hochentwickelten Dattelanbau und bauen starke Stammesstrukturen auf, neben den arabischen Clans der Aws und Chasradsch. Die Oase wird für ihre Brunnen und Gärten bekannt, ein seltener grüner Rückzugsort in der Wüste. Unter der Oberfläche des Alltags schwelen jedoch Spannungen zwischen den Gruppen.
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617 n. Chr.
Schlacht von Bu'ath
Die Stämme der Aws und Chasradsch erschöpfen sich in Bu'ath in einem brutalen Bürgerkrieg. Blut tränkt die Palmenhaine, als jahrelange Rivalitäten ihren verheerenden Höhepunkt erreichen. Die geschwächten Gruppen beginnen, nach einem Außenstehenden als Schlichter zu suchen. Noch ahnt niemand, dass dieser Konflikt den Boden für einen Mann aus Mekka bereitet, der die Stadt für immer verändern wird.
Prophetische Zeit
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622 n. Chr.
Die Hidschra
Muhammad und seine Gefährten erreichen Yathrib nach ihrer gefährlichen Reise aus Mekka und markieren damit den Beginn des islamischen Kalenders. Die Oase erhält den Namen Madinat Rasul Allah. Der Prophet beginnt sofort damit, eine neue Gemeinschaft zu formen, die alte Stammesbindungen überwindet. Die Atmosphäre der Wüstenstadt scheint sich zu wandeln, als sie zur Wiege einer Weltreligion wird.
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622 n. Chr.
Die Verfassung von Medina
Muhammad verfasst die Verfassung von Medina und schafft damit die erste Umma, indem er Muslime, Juden und heidnische Stämme in einem gemeinsamen politischen Abkommen zusammenführt. Das wegweisende Dokument regelt Fragen von gegenseitiger Verteidigung bis hin zu Blutgeld. Aus dem einstigen Yathrib mit seinen rivalisierenden Gruppen wird ein geeintes Gemeinwesen. Seine Grundideen hallen durch Jahrhunderte islamischer Herrschaftsgeschichte nach.
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622 n. Chr.
Muhammad kommt an
Der Prophet Muhammad wandert nach Medina aus, richtet in seinem Hof die erste Moschee ein und prägt fortan das geistige und städtebauliche Gesicht der Stadt. Er lebt hier das letzte Jahrzehnt seines Lebens und formt zugleich Religion und Staat. Der schlichte Bau aus Lehmziegeln wird zum Vorbild für Moscheen in aller Welt. Durch seine Anwesenheit wird aus einer Oasenstadt ein heiliger Mittelpunkt des Islam.
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624 n. Chr.
Der Wechsel der Qibla
Während des Gebets an dem Ort, der später als Al-Qiblatain-Moschee bekannt wird, empfängt Muhammad die Offenbarung, sich von Jerusalem zur Kaaba in Mekka zu wenden. Die Betenden drehen sich mitten im Gebet und erleben einen Augenblick tiefgreifender Wende. Damit löst sich die junge Gemeinschaft von der bisherigen rituellen Ausrichtung und betont ihre eigene islamische Identität. Das Licht, das damals durch die Fenster fiel, war Zeuge eines historischen Einschnitts.
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625 n. Chr.
Schlacht von Uhud
An den Hängen des Berges Uhud werden die Muslime von mekkanischen Truppen geschlagen; rund siebzig Menschen sterben, darunter Hamza, der Onkel des Propheten. Das Schlachtfeld nördlich der Stadt wird zu einem Ort der Trauer und der inneren Einkehr. Die Niederlage führt der Gemeinschaft vor Augen, dass selbst mit göttlichem Beistand kein Sieg selbstverständlich ist. Bis heute ziehen die Gräber der Märtyrer stille Besucher an, die zwischen den Steinen nachdenklich verweilen.
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627 n. Chr.
Die Grabenschlacht
Medina verteidigt sich während der Belagerung durch ein mekkanisch geführtes Bündnis mit einem Schutzgraben rund um die Stadt. Dieses ungewöhnliche Verteidigungswerk setzt die Angreifer fest und zwingt sie schließlich zum Rückzug. Frauen und Kinder helfen unter harten Bedingungen bei der schweren Arbeit. Der Erfolg sichert Medinas Überleben und festigt zugleich die politische Autorität des Propheten.
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632 n. Chr.
Der Tod des Propheten
Muhammad stirbt in Medina und wird in der Kammer seines Hauses beigesetzt, die später in die Prophetenmoschee integriert wird. Die Stadt versinkt in Trauer, während die Gemeinschaft begreift, dass ihr Gründer nicht mehr unter ihr ist. Das schlichte Grab unter der Grünen Kuppel zieht über die Jahrhunderte Millionen Menschen an. Dass er hier und nicht in Mekka starb, prägt Medinas besondere spirituelle Stellung bis heute.
Raschidun-Kalifat
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644 n. Chr.
Umar ibn al-Khattab wird ermordet
Der zweite Kalif Umar wird während des Gebets in der Prophetenmoschee tödlich verletzt. Sein Blut färbt den Gebetsraum, den er zuvor erweitert hatte, um den wachsenden Andrang der Gläubigen aufzunehmen. Der asketische Herrscher, unter dem Medina Hauptstadt eines rasch expandierenden Reiches wurde, stirbt innerhalb ihrer Mauern. Mit seinem Tod beginnt der langsame Abschied Medinas von seiner Rolle als politisches Zentrum.
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656 n. Chr.
Uthman wird ermordet
Kalif Uthman wird in seinem Haus in Medina von ägyptischen Rebellen getötet, während sein Blut auf den Koran tropft, den er gerade liest. Die Tat löst die Erste Fitna aus und stürzt die muslimische Welt in einen Bürgerkrieg. Die Gewalt innerhalb der heiligen Stadt erschüttert die frühe Gemeinschaft tief. Nach diesem Trauma setzt der politische Bedeutungsverlust Medinas endgültig ein.
Umayyadenzeit
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706-709 n. Chr.
Umayyadische Erweiterung der Moschee
Kalif al-Walid I. lässt die bescheidenen ursprünglichen Bauten abtragen und die Prophetenmoschee in weit größerem Maßstab neu errichten, einschließlich der Grabkammer. Handwerker aus dem ganzen Reich schaffen Mosaike und vergoldete Elemente, wie man sie im Hedschas zuvor nicht kannte. Der Ausbau ist Ausdruck von Frömmigkeit ebenso wie von imperialem Anspruch. Damit beginnt die Entwicklung der Moschee zu jenem architektonischen Wunderwerk, das Besucher heute kennen.
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ca. 715 n. Chr.
Geburt von Malik ibn Anas
Malik ibn Anas wird in Medina geboren und verbringt sein gesamtes Leben damit, Hadithe zu sammeln und zu lehren. In den schattigen Höfen der Stadt entsteht um ihn ein Gelehrtenkreis, aus dem die malikitische Rechtsschule hervorgeht, geprägt von der gelebten Praxis der Menschen in Medina. Sein Werk al-Muwatta zählt zu den grundlegenden Rechtstexten des Islam. Die Stadt formt ihn ebenso stark, wie er das islamische Denken prägt.
Mittelalter
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1256 n. Chr.
Brand und Vulkanausbruch
Ein verheerendes Feuer erfasst die Prophetenmoschee, während ein gewaltiger Ausbruch des Harrat Rahat Lava gefährlich nah an die Stadt heranführt. Diese doppelte Katastrophe stellt die Widerstandskraft der Bewohner auf eine harte Probe. Schwefelgeruch mischt sich mit dem Rauch brennender Holzbalken. Dennoch baut die Gemeinschaft alles wieder auf und beweist damit, wie stark die spirituelle Anziehungskraft Medinas selbst in Zeiten von Naturgewalten bleibt.
Osmanische Zeit
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1517 n. Chr.
Beginn der osmanischen Herrschaft
Nach der Eroberung Ägyptens bringt Sultan Selim I. Medina unter osmanische Kontrolle. Es folgen Jahrhunderte der Fürsorge für die heiligen Stätten und die Infrastruktur der Pilger, trotz gewaltiger Entfernungen innerhalb des Reiches. Osmanische Statthalter und Architekten hinterlassen feine, aber dauerhafte Spuren im Stadtbild. Medina wird zu einer geschätzten Provinz in einem Imperium, das sich von Wien bis zum Indischen Ozean erstreckt.
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1908 n. Chr.
Die Hedschasbahn erreicht Medina
Der letzte Abschnitt der Hedschasbahn erreicht Medina und verkürzt die Reise von Damaskus von vierzig Kameltagen auf nur fünf Tage. Dampfpfeifen hallen durch die Wüste, als osmanische Ingenieurskunst die alten Karawanenrouten übertrifft. Der große Bahnhof wird zum Symbol von Modernisierung und imperialer Kontrolle zugleich. Pilger kommen nun im Rhythmus der Züge an statt im Klang von Kamelglocken.
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1916-1919 n. Chr.
Belagerung von Medina
Der osmanische Kommandeur Fakhri Pascha hält Medina während des Arabischen Aufstands trotzig, lange nachdem das Reich anderswo bereits zusammengebrochen ist. Die Stadt erlebt Jahre der Belagerung, während die Bahnlinie immer wieder sabotiert wird. Die Verteidiger essen schließlich ihre Pferde, während die heilige Moschee mitten im Leid bestehen bleibt. Erst 1919 endet die Belagerung und damit das letzte Kapitel osmanischer Herrschaft in der heiligen Stadt.
Moderne saudische Zeit
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1925 n. Chr.
Die saudische Eroberung
Im Dezember 1925 nehmen die Truppen Ibn Sauds Medina ein und gliedern die Stadt in den entstehenden saudischen Staat ein. Die Stadt erlebt fortan die strenge Auslegung des Islam, wie sie von den Wahhabiten vertreten wird. Zahlreiche traditionelle Schreine und Markierungen werden im Einklang mit dieser Sichtweise entfernt. Damit beginnt Medinas Wandel von einer osmanischen Heiligenstadt zu einer saudischen.
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1984-1994 n. Chr.
König Fahds große Erweiterung
Unter König Fahd erlebt die Prophetenmoschee ihre bislang tiefgreifendste Erweiterung: Weite Höfe und automatische Schirmdächer heben die Kapazität auf mehr als 400.000 Gläubige. Moderne Ingenieurskunst trifft hier auf jahrhundertealte Ehrfurcht, während der Komplex alle früheren Dimensionen überragt. Aus der einst bescheidenen Moschee wird eine der größten der Welt. Medina verändert sich baulich grundlegend, um Millionen moderner Pilger aufnehmen zu können.
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2018 n. Chr.
Haramain-Hochgeschwindigkeitsbahn
Die Haramain-Hochgeschwindigkeitsbahn nimmt den Betrieb auf und verbindet Medina in nur zwei Stunden mit Mekka. Glänzende Züge gleiten nun durch die Wüste, wo einst Kamele tagelang unterwegs waren. Was früher die Hingabe der Pilger auf die Probe stellte, wird zu einer mühelosen Reise. Medina tritt in das Zeitalter schneller Verbindungen ein und bleibt doch fest in seiner heiligen Vergangenheit verankert.
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2022 n. Chr.
Vision Rua Al Madinah
Als Teil der Vision 2030 startet das ehrgeizige Projekt Rua Al Madinah, das die Umgebung der Prophetenmoschee mit 47.000 neuen Hotelzimmern neu gestalten soll. Riesige Baukräne ragen rund um das heilige Areal auf, während sich die Stadt auf 30 Millionen Besucher pro Jahr vorbereitet. Staub liegt über dem Himmel der Wüste, denn hier entsteht das größte Stadterneuerungsprojekt in Medinas Geschichte. Wieder einmal formt sich die Stadt neu für ihre ewige Rolle.