Palais Ferstel

Wien, Österreich

Palais Ferstel

Das 1856 als Bank erbaute — nie als Palais gedachte — Palais Ferstel beherbergte im Café Central Trotzki, Freud und Zweig; derzeit ist es wegen Renovierung geschlossen.

30-60 Minuten
Kostenlos (Passage); bei Öffnung gelten die Preise des Café Central
Ganzjährig

Einführung

Der Gouverneur der österreichischen Nationalbank verlangte eine „streng wirtschaftliche Bauweise unter Vermeidung wertlosen Luxus“. Sein Architekt, siebenundzwanzig Jahre alt und brennend vor Ehrgeiz, gab 1,897,600 Gulden aus — heute ungefähr €25 million — und lieferte Marmorarkaden, einen Nixenbrunnen und den Raum, in dem Leon Trotzki später bei Kaffee eine Revolution planen würde. Das Palais Ferstel steht an der Freyung in Wien, Österreich — ein Gebäude, das schlicht bestellt wurde und stattdessen zu einem Plädoyer für Ungehorsam wurde.

Der Name führt in die Irre. Dies war nie die Residenz eines Adeligen. Als das Gebäude 1860 eröffnete, war es das Bank- und Börsengebäude: Hauptsitz der Österreichischen Nationalbank, Sitz der Wiener Börse, ein Geschäftsbazar und später auch das Café Central. Die Bezeichnung „Palais“ kam erst nach der Restaurierung von 1982 dazu, ein Marketing-Upgrade, das die ursprünglichen Nutzer wohl verblüfft hätte.

Durch die Tür zieht Sie die überdachte Passage, die Herrengasse und Freyung verbindet, nur einen Block von der Hofburg entfernt. Ihre Arkaden steigen unter Gewölbedecken auf, die an die Galleria in Mailand erinnern — kleiner im Maßstab, aber nicht weniger theatralisch. Im Zentrum steht der Donaunixenbrunnen, ein 1861 gegossener Brunnen mit Danube-Wassernymphen, der das Licht noch immer so einfängt wie damals, als Börsenmakler auf dem Weg zum Handel daran vorbeieilten.

Das Café Central, das hier am 16 April 1876 eröffnete, wurde zu einer der prägenden Institutionen Wiens — ein Raum, in dem Sigmund Freud, Stefan Zweig, Arthur Schnitzler und ein schachbesessener Exilant namens Lew Bronstein dieselbe Luft teilten. Das Gebäude wurde bombardiert, ausgeweidet, in einen Basketballplatz verwandelt und zweimal restauriert. Es kommt immer wieder zurück. Diese Hartnäckigkeit ist die eigentliche Geschichte.

Sehenswertes

Die Ferstel Passage und der Nixenbrunnen

Treten Sie durch das Rundbogenportal am Freyung-Platz — eingekeilt zwischen Palais Hardegg und Palais Harrach — und die Stadt fällt plötzlich von Ihnen ab. Das Gewölbe der Ferstel Passage steigt über Ihnen auf, mit fast gotischer Enge, höher als ein Doppeldeckerbus und doch so schmal, dass es sich anfühlt wie ein steinerner Hals, der Sie ganz verschluckt. Auf halber Strecke erscheint der Nixenbrunnen: ein Brunnen mit Wassernymphen, an dem die meisten Einkaufenden vorbeiziehen, ohne auch nur nach unten zu schauen. Ihr Pech. Das Plätschern des Wassers verstärkt sich unter dem Steingewölbe und schafft eine seltsame akustische Nische, in der der Lärm der Herrengasse nur noch als Murmeln ankommt. Heinrich von Ferstel entwarf diese Passage 1856 als Teil des damaligen Gebäudes der Österreichisch-Ungarischen Nationalbank — der Name "Palais Ferstel" setzte sich erst mit der Renovierung von 1982 durch, mehr als ein Jahrhundert nach seinem Tod. Heute sitzen in der Passage gehobene Boutiquen und Bars, doch die Architektur kümmert sich nicht um den Einzelhandel. Schauen Sie nach oben. Allein das Gewölbe lohnt den Umweg.

Der Arkadenhof

Etwa dreißig Meter nördlich vom Eingang des Café Central an der Herrengasse führt eine Tür zum bestgehüteten Geheimnis des Gebäudes: dem Arkadenhof, einem von Glas und Stahl überdachten Hof mit Arkaden. Ferstel setzte hier Stahl als Baumaterial ein, Jahre bevor er im Wiener Bauwesen üblich wurde — ein stiller Akt technischen Eigensinns im Jahr 1860, bei Gesamtkosten des Gebäudes, die heute ungefähr 25 Millionen Euro entsprächen. Das Ergebnis ist ein Hof voller weichen, gefilterten Tageslichts, leicht bernsteinfarben durch das viktorianische Glas, während Renaissancebögen in rhythmischen Schichten die Wände umziehen. Stellen Sie sich in die Mitte und schauen Sie nach oben: Die Bögen rahmen zugleich Himmel und Glas, Schatten und Licht wechseln sich in der Tiefe ab wie in einer Spiegelhalle aus Stein. Im Winter hält der geschlossene Raum die Wärme wie ein Gewächshaus fest. Die meisten Besucher von Wien gehen ins Café Central und finden diesen Hof nie — genau deshalb fühlt er sich wie Ihr eigener an, wenn Sie ihn doch entdecken.

Gehen Sie die ganze Folge: von der Freyung zur Herrengasse

Am besten erschließt sich das Gebäude als räumliches Erlebnis, wenn man es von einem Ende zum anderen durchläuft — zehn Minuten, in denen Sie durch drei völlig verschiedene Welten gehen. Beginnen Sie am Freyung-Platz, wo der Eingang zur Passage wie ein Portal wirkt, das in die von Palais gesäumte Straße geschnitten wurde. Betreten Sie die gewölbte Passage, halten Sie am Nixenbrunnen inne und gehen Sie dann weiter in den glasüberdachten Arkadenhof. Treten Sie schließlich auf die Herrengasse hinaus, wo die toskanische neorenaissancehafte Eckfassade — venezianische und florentinische Einflüsse, verbunden von einem 27-jährigen Architekten frisch aus Italien — den Block an der Strauchgasse verankert. Die Wiener Zeitung schrieb 1860, "wenige Gebäude haben die Aufmerksamkeit des gebildeten Publikums in solchem Maße auf sich gezogen." Der Kontrast zwischen offenem Platz, gedrängtem Tunnel und luftigem Hof ist der ganze Punkt: Ferstel baute eine Maschine für Übergänge. Eine Anmerkung zum Café Central, das den Säulensaal im Erdgeschoss einnimmt: Das Café, in dem Trotzki Schach spielte und über das Alfred Polgar schrieb, es sei "kein Kaffeehaus, sondern eine Weltanschauung", ist wegen Renovierung bis Herbst 2026 geschlossen. Der Säulensaal und seine Marmorspiegelungen kommen zurück. Vorerst tragen Passage und Hof die ganze Last — und sie tragen sie gut.

Achten Sie darauf

Schauen Sie in der Ferstel Passage beim Weg von der Herrengasse zur Freyung nach oben zur gewölbten Glasdecke — die eisernen Rippen und das natürliche Licht verändern sich je nach Tageszeit deutlich, und die meisten Besucher, die hastig hindurchgehen, halten nie inne, um die ganze Arkade über sich wahrzunehmen.

Besucherlogistik

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Anreise

Mit der U3 bis Herrengasse sind Sie nur zwei Minuten entfernt — die nächstgelegene und einfachste Option. Auch die Buslinien 1A und 2A halten an der Herrengasse. Zu Fuß brauchen Sie von Stephansplatz aus über Graben und Kohlmarkt zehn Minuten nach Nordwesten oder von der Hofburg über die Herrengasse acht Minuten. Das Gebäude hat zwei Eingänge: Strauchgasse 4 und Herrengasse 14, verbunden durch die Ferstel Passage, die gerade durch die Mitte führt.

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Öffnungszeiten

Die Ferstel Passage ist eine öffentliche Arkade — Sie können sie jederzeit bei Tag oder Nacht durchqueren, ganz ohne Ticket. Die oberen Stockwerke (Ballsäle, Veranstaltungshallen) sind private Veranstaltungsräume und nur bei gebuchten Events zugänglich. Stand 2026 schloss das Café Central am 16. März für eine umfassende Renovierung; prüfen Sie vor Ihrer Besuchsplanung auf cafecentral.wien den Stand der Wiedereröffnung.

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Benötigte Zeit

Für die Passage selbst brauchen Sie 15–20 Minuten, um hindurchzugehen, den Danubiusbrunnen zu betrachten und die Arkaden der Neorenaissance zu fotografieren. Falls das Café Central wiedereröffnet hat, rechnen Sie für Kaffee und Kuchen mit mindestens 45–90 Minuten zusätzlich (plus möglicher Wartezeit). Ein ausführlicher Besuch mit Passage, Café sowie der umliegenden Freyung und Herrengasse dauert 2–3 Stunden.

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Kosten

Die Ferstel Passage ist völlig kostenlos — kein Ticket, kein Tor, keine zeitliche Beschränkung. Das Café Central verlangt, wenn es geöffnet ist, die üblichen Wiener Kaffeehauspreise: Rechnen Sie mit €5–8 für eine Melange und €6–9 für ein Stück Apfelstrudel, also insgesamt etwa €15–20 pro Person für Kaffee und Kuchen. Die gehobenen Geschäfte in der Passage sind eher teuer.

Tipps für Besucher

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Café Central geschlossen

Das Café Central hat am 16. März 2026 für eine umfassende Renovierung geschlossen — ein Wiedereröffnungstermin ist noch nicht bestätigt. Prüfen Sie vor Ihrem Besuch cafecentral.wien, sonst stehen Sie vor verschlossenen Türen und einer Menge enttäuschter Touristen.

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Besuch in der Dämmerung

Die Passage verwandelt sich, sobald die Menschenmengen des Tages dünner werden. Kommen Sie zur blauen Stunde für die beste Stimmung und die besten Fotos — die Beleuchtung der Arkaden gegen den dunkler werdenden Himmel unter dem Glasdach ist das Bild, das den meisten Besuchern entgeht.

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Fotografieren ohne Einschränkungen

Für Fotos der Passage oder des Äußeren gibt es keine Einschränkungen — fotografieren Sie frei, ganz ohne Genehmigung. Stative und kommerzielle Shootings in Veranstaltungsräumen brauchen die Erlaubnis des Hauses über palaisevents.at.

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Essen abseits des Platzes

Falls das Café Central geschlossen ist oder die Schlange absurd lang ausfällt, gehen Sie acht Minuten zum Café Landtmann an der Ringstraße — Freuds Stammcafé, ähnliche Preise, deutlich weniger Touristentrubel. Wenn Sie etwas Günstigeres wollen, serviert das Gasthaus Pöschl in der Weihburggasse richtige Wiener Küche zu Preisen der mittleren Kategorie.

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Auf die U3 achten

Der 1. Bezirk selbst ist äußerst sicher, doch auf der U3, auch in der Station Herrengasse, sind Taschendiebe unterwegs. Halten Sie Taschen geschlossen und Telefone auf dem Bahnsteig und in vollen Waggons in der Tasche.

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Mit der Herrengasse verbinden

Die Ferstel Passage verbindet die Herrengasse mit dem Freyung-Platz — nutzen Sie sie als Durchgang zwischen der Hofburg und dem Platz Am Hof. So erleben Sie in einem einzigen 20-minütigen Spaziergang drei Jahrhunderte aristokratischer Architektur, ganz ohne Umweg zurück.

Wo essen

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Das sollten Sie unbedingt probieren

Wiener Schnitzel — Kalbfleisch, goldbraun paniert und ausgebacken; der Wiener Klassiker Figlmüller-Schnitzel — die Schweinefleisch-Variante, berühmt für ihre Übergröße; eine lokale Institution Kartoffelsalat — auf Wiener Art mit einem Schuss Kürbiskernöl Melange — Wiener Kaffee mit Milchschaum; bestellen Sie ihn wie ein Einheimischer Torte und Kuchen — reichhaltige, kunstvolle Backwerke, die zur Kaffeehauskultur gehören Wiener Lebkuchen — Lebkuchen mit tiefer Würze und viel Tradition Schnitzelgerichte — in den Speisekarten des 1. Bezirks häufig, zart und fein

Metzger & Söhne - Original Wiener Lebkuchen

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Bäckerei €€ star 5.0 (55)

Bestellen: Original Wiener Lebkuchen — eine traditionelle Wiener Spezialität, die hier zur Perfektion gebracht wurde. Dazu passt eine Melange in einem nahegelegenen Café.

Eine echte lokale Bäckerei in der Herrengasse, nur wenige Schritte vom Palais Ferstel entfernt, die authentischen Wiener Lebkuchen und Gebäck verkauft. Hier kaufen Einheimische tatsächlich ihre Süßigkeiten, nicht Touristen auf der Suche nach Souvenirs.

schedule

Öffnungszeiten

Metzger & Söhne - Original Wiener Lebkuchen

Montag–Mittwoch 10:00 – 18:00 Uhr
map Karte language Web

Cafétscherl

cafe
Café €€ star 5.0 (13)

Bestellen: Kaffee (Melange) und ein Stück Torte — um die Kuchen des Hauses dreht sich die Wiener Kaffeehauskultur. Setzen Sie sich ans Fenster mit Blick auf die Freyung.

Versteckt an der Freyung und direkt durch die Ferstel Passage erreichbar, fängt dieses intime Café das Wesen des alten Wien ein, ohne die Touristenmassen des Café Central. Ideal für einen echten Kaffeehausmoment.

schedule

Öffnungszeiten

Cafétscherl

Montag–Mittwoch 10:00 – 19:00 Uhr
map Karte language Web

Piana Vyshnia

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Bar €€ star 5.0 (18)

Bestellen: Ein Glas österreichischen Wein oder einen saisonalen Cocktail — hierher kommt man für Getränke und Gespräche, nicht für eine komplette Mahlzeit. Ideal als Aperitif vor oder nach der Erkundung des Palais.

Eine stilvolle Bar an der Freyung mit lokalem Flair und nur wenig touristischem Filter. Perfekt für einen Drink am Abend, wenn die Architektur des Platzes im Sonnenuntergang leuchtet.

schedule

Öffnungszeiten

Piana Vyshnia

Montag–Mittwoch 10:00 – 21:00 Uhr
map Karte

The Lounge

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Bar €€ star 5.0 (2)

Bestellen: Einen Kaffee oder ein leichtes Getränk — dies ist eine Hotellounge, also bestellen Sie etwas Schlichtes und genießen die kultivierte Atmosphäre. Perfekt für einen stillen Moment abseits des Trubels im Ferstel.

Diese Lounge im Park Hyatt am Platz Am Hof, nur wenige Schritte vom Palais Ferstel entfernt, ist ein ruhiger, gehobener Rückzugsort mit Blick auf den 1. Bezirk von Wien. Eine elegante Alternative zu den belebteren Cafés.

schedule

Öffnungszeiten

The Lounge

Montag–Mittwoch 9:00 – 18:00 Uhr
map Karte language Web
info

Restaurant-Tipps

  • check Reservieren Sie im Voraus im Café Central (direkt im Palais Ferstel) — selbst im Winter gibt es das ganze Jahr über Warteschlangen. Die Reservierung lohnt sich für das UNESCO-anerkannte Kaffeehauserlebnis und das historische Interieur.
  • check Die Ferstel Passage (die innere Arkade, die Herrengasse und Freyung verbindet) ist Ihre stimmungsvolle Abkürzung zwischen den Restaurants und bietet kleine Cafés für einen schnellen Imbiss.
  • check Auf dem Freyung-Platz finden saisonale Märkte statt — prüfen Sie die Termine und Zeiten vor Ort bei Ihrer Ankunft.
  • check In Wiener Cafés können Sie stundenlang bei nur einer Tasse Kaffee sitzen, ohne dass jemand Sie drängt, mehr zu bestellen. Das gehört zur Kultur.
Food-Viertel: Freyung — direkt durch die Ferstel Passage erreichbar; Heimat von Cafétscherl und Piana Vyshnia, umgeben von historischer Architektur Korridor der Herrengasse — hier liegt Metzger & Söhne; die traditionelle Hauptachse des 1. Bezirks von Wien mit lokalen Bäckereien und kleinen Läden Am Hof — nur wenige Schritte entfernt; ruhiger als die Freyung, mit der Park Hyatt Lounge und gehobener Gastronomie im 1. Bezirk

Restaurantdaten bereitgestellt von Google

Historischer Kontext

Der Raum, der sich nicht schließen lässt

Jede Funktion, für die das Palais Ferstel gebaut wurde, ist verschwunden. Die Nationalbank zog 1925 aus. Die Börse ging 1877. Die Läden im Basar wechselten Dutzende Male. Und doch hat der eigentliche Zweck des Gebäudes überlebt: einen öffentlichen Raum zu bieten, in dem Wiener Leben stattfindet. Die Architektur ist die Hülle. Das Zusammensein ist der Organismus darin.

Bevor hier Heinrich von Ferstels Bau aufragte, stand auf dem Grundstück seit 1651 ein Palais der Familie Abensperg-Traun. Quellen belegen, dass es 1652 Wiens erste private Wasserversorgung erhielt — ein häuslicher Luxus in einer Stadt, in der man noch Eimer schleppte. Dieses Palais brannte während der osmanischen Belagerung von 1683 nieder, wurde um 1700 wieder aufgebaut und stand, bis die Nationalbank das Grundstück 1855 kaufte. Seit fast vier Jahrhunderten ist dieser Ort ein Platz von Gewicht. Die Gebäude ändern sich. Die Anziehungskraft nicht.

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Der Siebenundzwanzigjährige, der ein Denkmal des Übermaßes schuf

Heinrich von Ferstel war siebenundzwanzig, als er 1855 den Architekturwettbewerb für Österreichs neues Bank- und Börsengebäude gewann. Er war begabt, in diesem Maßstab ungetestet und arbeitete für Josef Ritter von Pipitz, den Bankgouverneur, der ausdrücklich Sparsamkeit verlangt hatte. Was Pipitz stattdessen bekam, war eine toskanische Renaissancefantasie mitten im habsburgischen Wien: Marmorsäulen, Arkaden aus Eisen und Glas, vergoldete Decken und ein Zierbrunnen — für eine Summe, mit der sich ein kleines Palais hätte bauen lassen. Das Budget sollte einen Tresorraum finanzieren. Ferstel baute eine Bühne.

Das Wagnis prägte seine Karriere. Das Gebäude wurde 1860 eröffnet, und seine schiere visuelle Selbstgewissheit half dabei, Ferstel als einen jener Architekten zu etablieren, die das Wien der Ringstraßenzeit formen sollten. Später entwarf er die Votivkirche und das Hauptgebäude der Universität Wien. Doch das Palais Ferstel blieb der Machbarkeitsbeweis — das Projekt, bei dem ein junger Architekt entschied, dass auch ein Finanzinstitut schön sein durfte, und es wagte, einem Bankier zu widersprechen.

Die endgültige Rechtfertigung kam ein Jahrhundert nach Ferstels Tod im Jahr 1883. Als das Gebäude 1982 restauriert und wiedereröffnet wurde, erhielt es nicht den Namen der Bank oder der Börse, sondern seinen: Palais Ferstel. Wien benannte ein Gebäude nach dem Architekten, der sich weigerte, es langweilig werden zu lassen.

Was verschwand

Die Börse wurde hier siebzehn Jahre lang betrieben, bevor sie 1877 in ihr eigenes Ringstraßengebäude zog. Die Österreichisch-Ungarische Bank folgte 1925 und übersiedelte an den Otto-Wagner-Platz. Das Café Central, der berühmteste Mieter des Gebäudes, schloss 1943, nachdem Bombentreffer im Krieg den Säulensaal zerstört hatten. Bis 1951 war das Wrack gerade so weit notdürftig instand gesetzt, dass die Wiener Basketballszene es als Turnhalle nutzen konnte — geführt als "Halle Herrengasse", mit täglichen Spielen in einem Raum, der für imperiale Finanzmacht entworfen worden war. Die eigentliche Restaurierung begann erst 1975.

Was blieb

Die überdachte Passage zwischen Herrengasse und Freyung hat nie aufgehört, als öffentlicher Durchgang zu funktionieren. Seit 1860 gehen Menschen diesen Weg, durch den Zusammenbruch des Kaiserreichs, Bombenangriffe aus der Luft und die sowjetische Besatzung. Das Café Central eröffnete 1975 wieder und kehrte 1986 in seinen ursprünglichen Säulensaal zurück, womit eine Tradition von Kaffee, Zeitungen und Streitgesprächen wiederaufgenommen wurde, die 1876 unter der Leitung von Wenzel Prückel begonnen hatte. Der Donaunixenbrunnen steht noch immer im Zentrum der Passage, seine Bronzefiguren blicken auf denselben Marmorboden hinab, den sie seit mehr als 160 Jahren sehen.

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Häufig gefragt

Lohnt sich ein Besuch im Palais Ferstel? add

Ja — allein die Ferstel Passage rechtfertigt einen Umweg, und sie ist kostenlos. Eine gewölbte Arkade im Stil der Neorenaissance durchschneidet den Block von der Herrengasse bis zum Platz Freyung, während der Nixenbrunnen unter der steinernen Decke widerhallt. Die Passage, der Arkadenhof und die Außenfassaden bieten Ihnen in weniger als fünfzehn Minuten drei klar unterschiedliche Architekturerlebnisse.

Kann man das Palais Ferstel kostenlos besuchen? add

Die Ferstel Passage und der Arkadenhof sind kostenlos öffentlich zugänglich. Sie können die überdachte Arkade jederzeit von der Herrengasse zur Freyung durchqueren — sie dient als öffentlicher Fußweg, gesäumt von gehobenen Geschäften. Die Veranstaltungssäle in den oberen Stockwerken sind nur bei privaten Veranstaltungen oder während der jährlichen Kunstmesse WIKAM zugänglich.

Ist das Café Central im Palais Ferstel im Jahr 2026 geöffnet? add

Das Café Central schloss am 16. März 2026 für eine umfassende Renovierung; die Wiedereröffnung ist für den Herbst 2026 geplant. Prüfen Sie vor Ihrem Besuch auf cafecentral.wien den aktuellen Stand. Die Ferstel Passage und der Innenhof bleiben auch während der Schließung des Cafés zugänglich.

Wie komme ich vom Stadtzentrum von Wien zum Palais Ferstel? add

Nehmen Sie die U3 bis zur Station Herrengasse — das Gebäude ist von dort in zwei Minuten zu Fuß erreichbar. Wenn Sie vom Stephansdom kommen, gehen Sie etwa zehn Minuten nordwestlich über den Graben und den Kohlmarkt. Die Hofburg liegt ungefähr acht Gehminuten südlich entlang der Herrengasse.

Wie viel Zeit braucht man für das Palais Ferstel? add

Für einen Gang durch die Passage und einen Blick in den Innenhof brauchen Sie 15 bis 30 Minuten. Wenn das Café Central geöffnet ist, rechnen Sie für Kaffee und Kuchen mit mindestens 45 Minuten zusätzlich — an Wochenenden länger, wenn sich Schlangen bilden. Zusammen mit dem Palais, der nahen Freyung und den Fassaden der Herrengasse ergibt das einen lohnenden Spaziergang von etwa einer Stunde.

Was sollte ich im Palais Ferstel auf keinen Fall verpassen? add

Den Nixenbrunnen in der Passage — die meisten laufen daran vorbei, ohne stehen zu bleiben, dabei lohnt schon der Klang des Wassers, das unter der gewölbten Steindecke widerhallt, eine Pause. Den Eingang zum Arkadenhof finden Sie etwa 30 Meter nördlich der Tür des Café Central in der Herrengasse: Das Glas-Stahl-Dach, das Ferstel Ende der 1850er Jahre entwarf, war avantgardistische Ingenieurskunst und ging der üblichen Stahlbauweise in Wien um Jahre voraus.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch im Palais Ferstel? add

In der Dämmerung. Die Passage leert sich, wenn die Geschäfte schließen, die gewölbte Arkade fängt das letzte gefilterte Licht ein, und am Brunnen stellt sich eine Ruhe ein, die Sie mittags nicht hören werden. Zum Fotografieren eignet sich die blaue Stunde an der Ecke Herrengasse-Strauchgasse, wenn gelegentlich Fiaker vor der beleuchteten Renaissancefassade vorbeiziehen.

Wofür wird das Palais Ferstel heute genutzt? add

Im Erdgeschoss befinden sich die Einkaufspassage Ferstel Passage und das Café Central, während die oberen Stockwerke als private Veranstaltungsräume für Galas, Hochzeiten und Konferenzen genutzt werden — mit Platz für bis zu 700 Gäste. Das Gebäude war tatsächlich nie ein Wohnpalais; es eröffnete 1860 als Sitz der Österreichischen Nationalbank und der Wiener Börse, und der Name „Palais Ferstel“ setzte sich erst nach einer Renovierung im Jahr 1982 durch.

Quellen

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Images: Thomas Ledl (wikimedia, cc by-sa 3.0)