Landesgericht Für Strafsachen Wien

Einleitung

Das Landesgericht für Strafsachen Wien, auch bekannt als das „Graue Haus“, ist ein monumentales Symbol der österreichischen Justizgeschichte und ein Ort des Gedenkens. Es ist nicht nur das größte Strafgericht Österreichs, sondern auch eine Gedenkstätte für die Opfer nationalsozialistischer Unrechtstaten. Die beeindruckende Architektur im Stil toskanischer Renaissancepaläste des 19. Jahrhunderts spiegelt seine historische Bedeutung und seine fortwährende Rolle im Rechtssystem wider.

Besucher können die vielschichtige Geschichte des Gerichts erkunden – von seinen mittelalterlichen Wurzeln über die Reformen der Habsburger-Monarchie, sein dunkles Kapitel während der NS-Zeit bis hin zu seiner heutigen Funktion als Zentrum für Justiz und Bildung. Führungen und Gedenkausstellungen vermitteln Einblicke in die Rechtsentwicklung Österreichs und die Bedeutung der Menschenrechte. Das Landesgericht liegt verkehrsgünstig in der Nähe anderer Wiener Sehenswürdigkeiten und ist somit ein lohnendes Ziel für geschichtsinteressierte Besucher.

Dieser Leitfaden bietet klare und detaillierte Informationen zu Besuchszeiten, Tickets, Barrierefreiheit, besonderen Merkmalen und praktischen Reisetipps, um Ihren Besuch optimal zu gestalten. Aktuelle Informationen und Buchungen für Führungen finden Sie auf der offiziellen Website des Gerichts und der Österreichischen Gesellschaft für Rechtslinguistik.


  1. Geschichte des Landesgerichts für Strafsachen Wien
  2. Architektonisches Design und Merkmale
  3. Kulturelle Bedeutung und Gedenken
  4. Praktische Besucherinformationen
  5. Justizstruktur und Funktion
  6. Häufig gestellte Fragen (FAQs)
  7. Planen Sie Ihren Besuch und zusätzliche Ressourcen
  8. Referenzen und offizielle Links

1. Geschichte des Landesgerichts für Strafsachen Wien

Ursprünge und frühe Entwicklung (1440–1839)

Die Geschichte der Wiener Strafjustiz beginnt mit der Bürgerschranne am Hohen Markt 5, die von 1440 bis 1839 als Hauptgericht für Strafsachen diente. Kaiser Joseph II. fasste 1773 lokale und regionale Gerichte zum "Kriminalgericht" zusammen. Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Einrichtungen jedoch veraltet, was Pläne für einen Neubau erforderlich machte (Wikipedia).

Bau des „Grauen Hauses“ (1839–1850)

Der Bau begann 1839 unter Architekt Johann Fischer, der sich von Renaissancepalästen in Florenz inspirieren ließ. Das imposante neue Gebäude, fertiggestellt 1850, ist 223 Meter lang und erstreckt sich über eine Fläche von 21.872 m². Sein festungsähnlicher Charakter, die verschiedenen Trakte, Innenhöfe, das Gefängniskrankenhaus und die Kapelle spiegeln die Ansätze des 19. Jahrhunderts für Justiz und Inhaftierung wider (Austria-Forum).

Erweiterung und Wandel (1850–1918)

Das Gerichtsgebäude wurde 1850 zu einer staatlichen Institution – Österreichs größtes Strafgericht – und wuchs mit Wien. Die angrenzende Justizanstalt Wien-Josefstadt ist nach wie vor die größte Strafvollzugsanstalt des Landes (Wikipedia).

Zwischenkriegszeit und NS-Ära (1918–1945)

1920 wurde zur Bewältigung steigender Fallzahlen ein zweites Strafgericht eingerichtet. Unter der nationalsozialistischen Besatzung wurde das Landesgericht zu einem Ort des Terrors: Zwischen 1938 und 1945 wurden hier mindestens 1.184 Menschen, darunter viele politische Gefangene, in einer speziell errichteten Guillotinenkammer hingerichtet (Haus der Geschichte Österreich). Dieses dunkle Erbe ist heute zentral für die Gedenkfunktion des Ortes.

Nachkriegsjustiz und Abschaffung der Todesstrafe (1945–1950)

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das Gericht seinen regulären Betrieb wieder auf. Bis zur Abschaffung der Todesstrafe in Österreich im Jahr 1950 fanden noch 31 weitere Hinrichtungen statt. Seit 1967 dient die Hinrichtungskammer als Gedenk- und Bildungsstätte (Wikipedia).


2. Architektonisches Design und Merkmale

Das Landesgericht für Strafsachen Wien ist ein herausragendes Beispiel frühe Renaissance-inspirierter Architektur in Wien. Die 223 Meter lange Fassade und das robuste, symmetrische Design verweisen auf italienische Paläste, insbesondere auf den Palazzo Pitti und den Palazzo Pandolfini in Florenz (Austria-Forum; austriasites.com).

Zu den wichtigsten Merkmalen gehören:

  • Drei Haupttrakte mit großen Innenhöfen für Licht und funktionale Trennung
  • Festungsartiges Äußeres mit rustizierter Steinbearbeitung, zentralem Turm und repräsentativen Eingängen
  • Spezialisierte Einrichtungen: Gefängniskrankenhaus, Kapelle und integrierte Verwaltung
  • Direkte Nachbarschaft zur Justizanstalt Wien-Josefstadt

Das Gebäude wurde im Laufe der Zeit angepasst, einschließlich einer bedeutenden Erweiterung entlang der Alser Straße im Jahr 1872, doch es bleibt das Herzstück der österreichischen Strafjustiz (Infoblatt für Schüler).


3. Kulturelle Bedeutung und Gedenken

Symbol für Justiz und Autorität

Das „Graue Haus“ ist ein starkes Symbol der Rechtsautorität in Wien, doch seine Geschichte spiegelt auch Perioden der Ungerechtigkeit und Unterdrückung wider. Sein ernster Beiname spielt auf die Schwere von Entscheidungen und Ereignissen an, die sich innerhalb seiner Mauern abgespielt haben (Austria-Forum).

Mahnmale und Gedenkkunst

Zehn historische Tafeln an der Fassade erzählen die Entwicklung der Strafgerichtsbarkeit von 1839 bis heute. Das Stahlpyramiden-Mahnmal „369 Wochen“ (errichtet 2015) mit seiner nächtlichen Lichtinstallation erinnert an die 369 Wochen NS-Herrschaft und die hier hingerichteten Hunderten von politischen Opfern.

Gegenüber dem Gericht erinnert die „Namensmauer“ im Ostarrichipark an die etwa 65.000 österreichischen jüdischen Holocaust-Opfer (hdgoe.at).

Bildungs- und Kulturprogramme

Regelmäßige Führungen, Sonderausstellungen und Gedenkveranstaltungen finden in Zusammenarbeit mit Organisationen wie dem Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus und dem Haus der Geschichte Österreich statt (justiz.gv.at).


4. Praktische Besucherinformationen

Standort

Adresse: Landesgerichtsstraße 11, 1080 Wien, Österreich

Besuchszeiten und Tickets

  • Führungen & Gedenkstättenbesuch: In der Regel am ersten Dienstag eines jeden Monats um 15:00 Uhr; Vorabreservierung erforderlich.
  • Öffentliche Verhandlungen: Werktags, typischerweise 8:00 – 16:00 Uhr. Die meisten Strafverhandlungen sind öffentlich zugänglich; ein Blick auf den offiziellen Zeitplan ist ratsam.
  • Eintritt: Kostenfrei für die Gedenkausstellung und öffentliche Verhandlungen. Für einige spezielle Führungen kann eine geringe Gebühr anfallen.

Buchung und Zugang

  • Führungen: Reservierung über die offizielle Website des Gerichts oder das Haus der Geschichte Österreich.
  • Gruppen: Vorausbuchung (2–3 Monate im Voraus) wird für Schulklassen und größere Gruppen empfohlen.
  • Barrierefreiheit: Das Gebäude ist barrierefrei und bietet Dienstleistungen für Besucher mit Behinderungen; kontaktieren Sie das Gericht bezüglich spezieller Bedürfnisse.

Sicherheit und Etikette

  • Sicherheit: Alle Besucher müssen eine Sicherheitskontrolle passieren. Nur notwendige Taschen/Gegenstände sind erlaubt.
  • Fotografie: In öffentlichen Bereichen während Führungen gestattet; nicht in Gerichtssälen oder sensiblen Gedenkbereichen.
  • Kleiderordnung: Gepflegte Kleidung wird erwartet; kein Huttragen in Gerichtssälen.

Anreise

  • Öffentliche Verkehrsmittel: U-Bahn Linien U2 und U3 (Haltestellen Josefstädter Straße, Volkstheater) sowie Straßenbahnlinien 43/44.
  • Parken: Begrenzt; nächstgelegene Garage am Otto-Wagner-Platz 2 (300 m entfernt); öffentliche Verkehrsmittel werden empfohlen.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

  • MuseumsQuartier
  • Volkstheater
  • Stephansdom
  • Wiener Innenstadtkern

Für weitere Ideen zur Stadtbesichtigung siehe Wien.info.


5. Justizstruktur und Funktion

Das Landesgericht für Strafsachen Wien ist Österreichs Hauptgericht erster Instanz für schwere Straftaten und steht über den Bezirksgerichten sowie unter den Oberlandes- und Obersten Gerichten (Gerichtsorganisation in Österreich). Es bearbeitet schwere Fälle (Mord, organisierte Kriminalität, Terrorismus) und aufsehenerregende Prozesse mit Berufsrichtern und bei schwersten Verbrechen mit Schöffen oder Geschworenen.

Im Gerichtsgebäude ist auch die Staatsanwaltschaft Wien untergebracht, die größte Anklagebehörde Österreichs, die eng mit dem Gericht zusammenarbeitet.

Mehr Informationen zum österreichischen Rechtssystem finden Sie unter e-Justice Austria.


6. Häufig gestellte Fragen (FAQs)

F: Was sind die Besuchszeiten? A: Führungen finden in der Regel am ersten Dienstag eines Monats um 15:00 Uhr statt. Öffentliche Verhandlungen können werktags von 8:00 bis 16:00 Uhr besucht werden.

F: Gibt es Eintrittsgebühren? A: Nein, der Zugang zu Gedenkausstellungen und öffentlichen Verhandlungen ist kostenlos. Einige spezielle Führungen können eine kleine Gebühr kosten.

F: Wie buche ich eine Führung? A: Reservieren Sie über die offizielle Website oder Partnerorganisationen. Frühzeitige Buchung wird empfohlen.

F: Ist die Stätte für Menschen mit Behinderungen zugänglich? A: Ja, das Gebäude ist barrierefrei. Kontaktieren Sie den Besucherservice für spezifische Bedürfnisse.

F: Darf ich drinnen fotografieren? A: Nur in ausgewiesenen öffentlichen Bereichen und Ausstellungen; nicht in Gerichtssälen oder sensiblen Gedenkstätten.

F: Was kann ich in der Nähe noch unternehmen? A: Der Bezirk liegt in der Nähe des MuseumsQuartiers, des Volkstheaters und des historischen Zentrums von Wien – ideal für einen Tag kultureller Erkundungen.


7. Planen Sie Ihren Besuch und zusätzliche Ressourcen

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