NDie Fahrt nach Naypyidaw fühlt sich an, als würde man sich einem Filmset nähern, nachdem alle nach Hause gegangen sind. Zuerst fällt die Stille auf, ein leises Summen dort, wo eigentlich ein Dröhnen sein müsste, unterbrochen nur vom Flüstern der Reifen auf einer der 20-spurigen Autobahnen der Stadt. Das ist die Hauptstadt Myanmars, eine Stadt monumentalen Maßstabs, gebaut für mehr als eine Million Menschen, und doch bewegt sie sich mit der gelassenen Ruhe einer Landstraße. Sie widerspricht jeder Erwartung, die man an eine südostasiatische Metropole haben könnte.
Die Stadt wurde 2006 vorgestellt und ersetzte Yangon als Regierungssitz. Ihr Name bedeutet „Wohnsitz der Könige“, und ihr Entwurf spiegelt diesen Anspruch wider: riesige Zonen für Ministerien, Parlament und Zeremonien, getrennt durch Entfernungen, für die man ein Auto braucht. Daraus entsteht eine fast surreale Ruhe. Überfüllte Märkte, die auf die Straße ausufern, oder die fiebrige Energie Mandalays werden Sie hier nicht finden. Naypyidaw ist ruhig, geordnet und beinahe meditativ.
Kultur zeigt sich hier durch Glauben und Architektur, nicht durch Nachtleben. Die 99 Meter hohe Uppatasanti-Pagode, eine fast exakte Kopie der Shwedagon-Pagode in Yangon, beherrscht die Skyline mit einer Ruhe, die ihr überlaufenes Vorbild nie erreichen könnte. Auf der anderen Straßenseite grasen weiße Elefanten in einem Garten. Gerade in diesem Kontrast liegt der Reiz der Stadt: die Chance, modernen Nationenbau auf einer riesigen, leeren Bühne zu erleben und an einem Ort, der für Macht gebaut wurde, tiefe Ruhe zu finden.