Frühe Siedlungen in der Lagune
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421
Gründungslegende auf dem Rialto
Der venezianischen Überlieferung nach wurde die Stadt am 25. März 421 um Mittag mit der Weihe von San Giacomo di Rialto geboren. Flüchtlinge vom Festland hatten sich nach dem Fall des Weströmischen Reiches bereits auf den schlammigen Inseln zusammengedrängt. Salz und Fisch hielten sie am Leben. Die Legende zählt mehr als das genaue Datum.
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568
Lombardische Invasionen treiben die Besiedlung voran
Als die Langobarden in Norditalien einfielen, flohen Tausende in die Sicherheit der Lagune. Zu Fischern und Salzarbeitern kamen Patrizierfamilien aus Altino und Aquileia. Torcello wurde zum ersten wirklichen Zentrum. Die Lagune war nun kein vorübergehender Zufluchtsort mehr.
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697
Der erste Doge wird gewählt
Der Überlieferung nach war Paolo Lucio Anafesto der erste Doge. Die eigentliche Macht lag noch bei byzantinischen Beamten, doch die Wahl markierte den Beginn einer eigenständigen venezianischen Identität. Die Gemeinden der Lagune fügten sich langsam zu einem politischen Ganzen zusammen.
Von Byzanz zur unabhängigen Republik
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828
Der Leichnam des heiligen Markus kommt an
Venezianische Kaufleute stahlen die Gebeine des Apostels in Alexandria und schmuggelten sie unter Schichten von Schweinefleisch an muslimischen Zollbeamten vorbei. Der Geruch half offenbar. Die Ankunft hob Venedig sofort über die rivalisierenden Städte der Lagune hinaus. San Marco wurde zur Seele der Stadt.
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1063
Der Bau der heutigen Basilika beginnt
Doge Domenico Contarini legte die Fundamente für die Basilika, die wir heute kennen. Acht Jahre später wurden die ersten Mosaiken angebracht. Das Gebäude orientierte sich bewusst an der Kirche der Heiligen Apostel in Konstantinopel. Venedig verkündete seine Ambitionen in Stein und Gold.
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1082
Byzanz gewährt Handelsprivilegien
Kaiser Alexios I. gab Venedig zollfreien Zugang im ganzen Byzantinischen Reich. Das Abkommen machte die Stadt beinahe über Nacht aus einem kleinen Akteur zu einer Handelsmacht. Die Schiffe kehrten beladen mit Gewürzen, Seide und Ideen zurück. Der Geruch des Geldes verdrängte den von Fisch.
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ca. 1172
Die Republik nimmt Gestalt an
Der Doge verlor seine fast monarchische Macht, während Räte und Versammlungen an Autorität gewannen. Venedig erfand leise eine neue Regierungsform, die noch sechs Jahrhunderte bestehen sollte. Keine Könige, keine Diktatoren, nur Ausschüsse und sorgfältiges Gleichgewicht.
Seemacht
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1204
Vierter Kreuzzug und die Plünderung Konstantinopels
Statt ins Heilige Land zu segeln, lenkten die Venezianer den Kreuzzug gegen ihre früheren byzantinischen Förderer. Die Plünderung brachte die bronzenen Pferde, die Pala d’Oro und genug Beute für einen Bauboom. Venedig wurde ein Reich, nur dem Namen nach nicht.
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1297
Serrata des Großen Rates
Die Mitgliedschaft im regierenden Rat wurde auf die bereits zugelassenen Familien beschränkt. Die Republik wurde faktisch zu einer Oligarchie. Dreihundert Jahre Verfassungsentwicklung endeten mit einem stillen Staatsstreich der Kaufmannsaristokratie.
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1291
Glasmacher werden nach Murano verlegt
Der Große Rat ordnete an, alle Glasöfen auf die Insel zu verlegen, um Brände in der hölzernen Stadt zu verhindern. Ganz nebenbei entstand so die größte Konzentration von Glaskunst auf der Welt. Die Öfen von Murano brennen seither ohne Unterbrechung.
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1348
Der Schwarze Tod erreicht die Lagune
Die Pest kam per Schiff und tötete vielleicht die Hälfte der Bevölkerung. Monatelang lag der Geruch des Todes über den Kanälen. Venedig erholte sich schneller als die meisten Städte, weil der Handel sich nicht lange aufhalten ließ.
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1381
Sieg im Krieg von Chioggia
Nachdem Genua Chioggia besetzt und Venedig beinahe erwürgt hatte, schlug die Stadt mit verzweifelter Brillanz zurück. Der Frieden von Turin bestätigte die venezianische Vorherrschaft in der Adria. Die Republik hatte ihre bislang knappste Begegnung mit der Zerstörung überstanden.
Goldenes Zeitalter
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ca. 1400
Giovanni Bellini meistert das Licht
Bellini veränderte mit Farbe, wie die Venezianer ihre Stadt sahen. Seine Madonnen leuchten in demselben weichen Lagunenlicht, das noch heute am späten Nachmittag über San Marco fällt. Jeder spätere venezianische Maler lernte zuerst von ihm.
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1454
Caterina Cornaro wird geboren
Geboren in eine der mächtigsten Familien Venedigs, wurde sie später als Werkzeug venezianischer Politik mit dem König von Zypern verheiratet. Ihre spätere Rückkehr als wohlhabende Witwe verschaffte der Republik einen weiteren strategischen Halt.
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1508
Die Liga von Cambrai entsteht
Fast jede Macht Europas verbündete sich gegen die venezianische Gier. Die Niederlage bei Agnadello 1509 war verheerend. Doch das Bündnis zerfiel innerhalb weniger Monate. Venedig behielt den Großteil seines Festlandsreichs dank schierer diplomatischer Raffinesse.
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1516
Das Ghetto wird eingerichtet
Am 29. März wies der Senat alle Juden in ein verlassenes Gießereiviertel ein. Das erste Ghetto der Welt war geboren. Nachts wurden die Tore verschlossen. Drinnen blühte eine eigene Gesellschaft auf, aus der Komponisten, Drucker und Kaufleute hervorgingen.
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1518
Tintoretto wird in Venedig geboren
Jacopo Robusti kam in einem engen Haus nahe dem Rialto zur Welt. Er malte mit einer Geschwindigkeit und Dramatik, die seine Zeitgenossen erschreckte. Seine riesigen Leinwände beherrschen die Scuola Grande di San Rocco noch immer mit theatralischem Licht von oben.
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1571
Schlacht von Lepanto
Venezianische Galeeren halfen dabei, die osmanische Flotte vor Westgriechenland zu vernichten. Der Sieg wurde in der ganzen Stadt mit Freudenfeuern gefeiert. Doch Zypern war bereits verloren. Das Kräfteverhältnis im Mittelmeer hatte sich für immer verschoben.
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1575
Die Pest fordert 30 Prozent der Bevölkerung
Die Krankheit kehrte mit erschreckender Geschwindigkeit zurück. Tizian starb vermutlich bei diesem Ausbruch. Der Senat gelobte, Il Redentore zu bauen, falls die Stadt überlebte. Die Kirche steht noch heute auf ihrer Insel, als Dank und als Warnung.
Barockes Venedig
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1630
Die letzte große Pest
Weitere vierzigtausend Menschen starben. Die Überlebenden errichteten Santa Maria della Salute am Eingang zum Canal Grande. Baldassare Longhenas weiße Kuppel begrüßt seit 1687 jedes ankommende Schiff. Ein dauerhaftes Dankeschön aus Stein.
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1678
Vivaldi wird nahe der Lagune geboren
Der rothaarige Priester wurde in der Kirche San Giovanni Battista in Bragora getauft. Einen Großteil seiner Musik schrieb er für die Mädchen des Ospedale della Pietà, deren Aufführungen Besucher aus ganz Europa anzogen. Der Klang Venedigs veränderte sich für immer.
Fremdherrschaft
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1797
Die Republik endet
Am 12. Mai legte Doge Ludovico Manin zum letzten Mal den corno ducale ab. Napoleons Truppen marschierten ohne Widerstand ein. Die tausendjährige Republik starb leise. Die Franzosen raubten, was sie tragen konnten.
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1849
Manins Republik fällt
Daniele Manin führte einen heldenhaften, aber aussichtslosen Versuch an, die Unabhängigkeit wiederherzustellen. Die Stadt hielt siebzehn Monate lang dem österreichischen Bombardement stand. Erst der Hunger zwang im August zur Kapitulation. Der Traum von der alten Republik starb zäh.
Moderne
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1866
Venedig wird Teil Italiens
Nach Österreichs Niederlage gegen Preußen wurden Venedig und Venetien an das neue Königreich Italien abgetreten. Die Eisenbahnbrücke verband die Stadt seit 1846 bereits mit dem Festland. Die Lagune war nun Teil eines Staates.
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1902
Der Campanile stürzt ein
Am 14. Juli fiel der 99 Meter hohe Glockenturm sanft auf die Piazza, wie ein müder alter Mann. Erstaunlicherweise kam niemand ums Leben. Die Stadt baute ihn Stein für Stein genau so wieder auf, wie er gewesen war. „Com’era, dov’era“ wurde zum Motto der Stadt.
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1966
Rekordhochwasser verwüstet die Stadt
Am 4. November erreichte das Wasser 194 Zentimeter über dem Meeresspiegel. Der Markusplatz wurde zu einem See. Antike Mosaiken wurden zerstört. Der Welt wurde endlich klar, dass Venedig sinkt. Die Fotos schockieren noch immer.
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1987
UNESCO-Welterbeeintrag
Die gesamte Lagune und die Stadt wurden in die Welterbeliste eingetragen. Die Anerkennung brachte Geld und Aufmerksamkeit. Sie machte auch sichtbar, wie fragil das Gleichgewicht zwischen Wasser, Stein und Menschen geworden war.
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2019
Acqua alta von 187 cm
Im November traf die zweitschlimmste Überschwemmung der Neuzeit die Stadt. Geschäfte und Wohnungen liefen voll Wasser. Zwei Menschen starben. Die Bilder von Touristen, die knietief durch den Markusplatz wateten, zwangen die Politik schließlich zum Handeln.