Einführung
In einer Dynastie, die für Krieger bekannt war, die eher Grasbrot aßen als zu kapitulieren, findet sich eine der raffiniertesten Ingenieursleistungen: ein Garten, in dem Frauen im künstlichen Regen tanzen konnten. Die Saheliyon ki Bari – der „Garten der Gefährtinnen“ – liegt direkt am Fateh-Sagar-See am nördlichen Rand von Udaipur. Das Besondere: Die Marmorfontänen funktionieren seit 300 Jahren einzig durch Schwerkraft, komplett ohne Pumpen. Besuchen Sie den Ort wegen der steinernen Elefanten und Lotusbecken, aber bleiben Sie, weil dies einer der wenigen Orte in Rajasthan ist, der ausschließlich dem Vergnügen von Frauen gewidmet war.
Der Name leitet sich von 'Saheliyan' ab, was Gefährtinnen gleichen gesellschaftlichen Standes bedeutet – keineswegs Dienerinnen. Überlieferungen zufolge schuf Maharana Sangram Singh II. diesen Rückzugsort für seine Königin und ihr Gefolge. Oft liest man von exakt 48 Begleiterinnen, doch diese Zahl ist eher ein Produkt der Tourismus-Folklore als historisch belegtes Faktum.
Was heute vor einem liegt, ist ein ummauertes Areal aus Pavillons, Wasserbecken und schattigen Kiosken. Der Garten ist kompakt – in zehn Minuten ist man einmal durchgelaufen –, aber die Dichte an Wasserspielen ist beachtlich. An einem heißen Nachmittag in Udaipur ist schon das bloße Rauschen der Fontänen das Eintrittsgeld wert.
Die wahre Überraschung ist technischer Natur. Das gesamte System nutzt den Druckunterschied zum nahegelegenen See. Keine elektrischen Pumpen, keine moderne Mechanik. Die Baumeister des 18. Jahrhunderts verstanden Strömungslehre so präzise, dass sie das Wasser durch Steinleitungen nach oben drückten – und das funktioniert bis heute tadellos.
Sehenswertes
Bin Badal Barsaat — Regen ohne Wolken
Fünf Fontänen schießen in diesem Hof gleichzeitig in die Höhe – ein Effekt, der genau das hält, was der Name verspricht: Regen unter wolkenlosem Himmel. Der feine Sprühnebel legt sich auf die Haut, noch bevor man begreift, woher er kommt. Am Beckenrand stehen lebensgroße Marmorstatuen von Zofen, die Wassergefäße halten und das Nass unaufhörlich ins Becken gießen. Ihre Gesichter sind individuell gemeißelt, keine Massenware; man spürt, dass hier im frühen 18. Jahrhundert jede der 48 Begleiterinnen der Königin mit einem eigenen Abbild gewürdigt wurde. Das eigentliche Wunder aber ist die Technik: Jeder Tropfen, der Sie hier erreicht, fließt allein durch Schwerkraft aus dem Fateh-Sagar-See durch unterirdische Kanäle hierher. Keine Pumpen, keine Motoren. Die hydraulische Anlage, die Maharana Sangram Singh II. um 1710 entwerfen ließ, funktioniert noch heute tadellos. Stellen Sie sich bei tiefstehender Sonne an den Rand des Hofes – das Licht bricht sich im Nebel und macht den künstlichen Monsun, der einst für die Hitzeperioden Rajasthans erdacht wurde, fast greifbar.
Kamal Talai — Das Lotosbecken und die Elefanten
Vier lebensgroße Elefanten aus Marmor säumen ein lotusförmiges Becken. Ihre Rüssel sind erhoben und sprühen Wasser in einem sanften Bogen auf die zentrale Blüte. ‚Lebensgroß‘ ist hier keine Übertreibung – diese Skulpturen sind höher als die meisten Besucher, und ihre Details verblüffen: Man erkennt jedes Schnallendetail des Geschirrs und die feinen Falten hinter ihren Ohren. Gehen Sie nah heran; die Steinmetzarbeit lohnt den Blick. Während der Monsunzeit blühen echte Lotosblumen im Becken um den steinernen Lotos in der Mitte – ein surrealer Anblick, bei dem sich Natur und dreihundert Jahre altes Handwerk spiegeln. Die Geometrie des Gartens folgt dem persischen Charbagh-Prinzip mit seinen vier Quadranten und klaren Sichtachsen, doch die Elefantenmotive und die Sandsteindetails sind unverkennbar Rajput-Mewar. Zwei Welten, die in einem Becken harmonisch aufeinandertreffen.
Rang Mahal — Das oft übersehene Farbenspiel
Die meisten Besucher eilen zu den Elefanten und zum ‚Regen-Hof‘. Das Rang-Mahal-Becken hingegen liegt etwas abseits und wird oft kaum beachtet. Ein Fehler. Das Becken ist von Buntglasfenstern umgeben, deren Farben – Rot, Bernstein, Grün – bei Nachmittagssonne wie flüssige Ölfarben über das Wasser und den Marmor wandern. Je nach Bewölkung verändert sich das Bild: Volle Sonne sorgt für gesättigte Farbspritzer auf dem weißen Stein, bei bedecktem Himmel wirkt alles wie ein sanftes Aquarell. Ein offener Chhatri-Pavillon spendet Schatten und rahmt die Spiegelungen ein. Wer zwischen 15 und 17 Uhr kommt, erlebt das Becken als eine Art Sonnenuhr, die die Zeit nicht in Schatten, sondern in Farben misst.
Ein Rundgang durch die vier Becken
Saheliyon ki Bari erstreckt sich über etwa 2,4 Hektar. Viele sind nach einer halben Stunde fertig; planen Sie lieber 90 Minuten ein. Beginnen Sie am Sawan-Bhado-Hauptbecken, wo kleine Vögel aus den Säulen der Pavillons Wasser spucken – ein Detail, das die meisten beim Fotografieren übersehen. Folgen Sie dann der Route über Kamal Talai zu Rang Mahal und beenden Sie den Rundgang bei Bin Badal Barsaat, um sich im Sprühnebel abzukühlen. Der Garten ist als Abfolge konzipiert, nicht als bloße Ansammlung von Becken. Detours durch den Rosengarten am Rande lohnen sich, besonders wenn der Duft der Blumen mit dem Geruch von Wasser auf heißem Stein verschmilzt. Vormittags vor 11 Uhr ist das Licht auf dem Marmor am schönsten und der Andrang gering. Das kleine Museum bietet einen Einblick in die Mewar-Epoche, zehn Minuten genügen hier völlig. Der Eintritt liegt bei etwa 30 ₹ für Inder und 100 ₹ für ausländische Gäste. Geöffnet täglich von 9 bis 19 Uhr.
Fotogalerie
Entdecke Sahelion Ki Bari in Bildern
Der elegante Brunnenpavillon aus Marmor in Saheliyon Ki Bari, einem historischen Garten in Udaipur, Indien, eingerahmt von üppigen Bougainvilleen.
Dan Lundberg · cc by-sa 2.0
Eine wunderschön geschnitzte Bank aus weißem Marmor steht in den ruhigen Gärten von Saheliyon ki Bari, einem historischen Wahrzeichen in Udaipur, Indien.
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Der historische Garten Saheliyon Ki Bari in Udaipur, Indien, bietet diesen atemberaubenden zentralen Brunnenpavillon, umgeben von üppigem Grün und weißen Palastmauern.
Ankur P · cc by-sa 2.0
Eine Nahaufnahme der kunstvollen Steinmetzarbeiten in Saheliyon ki Bari, einem historischen Garten in Udaipur, Indien, eingerahmt von leuchtenden Bougainvilleen.
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Der verzierte Brunnen in Saheliyon-ki-Bari in Udaipur, Indien, zeigt kunstvolle Handwerkskunst vor der Kulisse historischer Rajasthani-Architektur.
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Der historische Garten Saheliyon ki Bari in Udaipur, Indien, verfügt über kunstvolle steinerne Elefantenbrunnen inmitten eines ruhigen Lotusteichs.
Shahakshay58 · cc by-sa 3.0
Der wunderschöne Stufenbrunnen in Saheliyon Ki Bari in Udaipur, Indien, eingerahmt von üppigem tropischem Blattwerk und einem ruhigen, mit Lotusblumen gefüllten Teich.
Claustrophobhia · cc by-sa 4.0
Ein kunstvoller steinerner Elefantenbrunnen sprüht Wasser in einen mit Seerosen gefüllten Teich im historischen Garten Saheliyon Ki Bari in Udaipur, Indien.
Schwiki · cc by-sa 3.0
Der historische Garten Saheliyon Ki Bari in Udaipur, Indien, ist berühmt für seine kunstvollen steinernen Elefantenbrunnen und sein wunderschönes architektonisches Design im Rajasthani-Stil.
Schwiki · cc by-sa 3.0
Das wunderschöne Saheliyon ki Bari in Udaipur, Indien, präsentiert einen atemberaubenden Stufenbrunnen inmitten eines ruhigen, mit Lotusblumen gefüllten Teichs und einer lebendigen Gartenlandschaft.
Murtaza Balaiyawala · cc by-sa 4.0
Ein malerischer Vintage-Laternenpfahl, eingebettet inmitten blühender weißer Vegetation im historischen Garten Saheliyon ki Bari in Udaipur, Indien.
Schwiki · cc by-sa 3.0
Der elegante Eingang aus weißem Marmor von Saheliyon ki Bari in Udaipur, Indien, rahmt den Blick auf die üppige Landschaft und die Spazierwege des historischen Gartens ein.
Dennis G. Jarvis · cc by-sa 2.0
Stehen Sie nahe bei den zentralen Fontänen und suchen Sie nach den Zuleitungen – es gibt dort nirgendwo Pumpen. Das Wasser fließt allein durch Schwerkraft vom Fateh-Sagar-See. Wenn man den Linien im Stein folgt, erkennt man genau, wie die Ingenieure des 18. Jahrhunderts den Wasserdruck rein physikalisch bändigten.
Besucherlogistik
Anreise
Vom City Palace oder dem Jagdish-Tempel aus bringt Sie ein Auto-Rikscha für etwa 60 bis 100 ₹ in 10 bis 15 Minuten ans Ziel. Der Garten liegt direkt an der Uferstraße des Fateh Sagar Sees im Stadtteil Panchwati. Wenn Sie ohnehin an der Promenade spazieren, sind es nur fünf Minuten zu Fuß nach Norden. Uber und Ola funktionieren in Udaipur tadellos; am effizientesten ist es, eine Rikscha für eine Halbtagestour zu mieten, um den Fateh Sagar, die Saheliyon ki Bari und das Moti Magri Denkmal in einem Rutsch zu besuchen.
Öffnungszeiten
Die Anlage ist täglich von 08:00 bis 19:00 Uhr geöffnet, ohne Ruhetag. Der letzte Einlass erfolgt meist eine halbe Stunde vor Schließung. Da sich die Zeiten je nach Saison leicht verschieben können, empfiehlt sich ein kurzer Blick auf die Aushänge am Eingang oder ein Anruf bei der Rajasthan Tourism Hotline (+91-141-5110591).
Zeitbedarf
Der Garten ist überschaubar – etwa so groß wie zwei Fußballfelder. Mit 45 bis 60 Minuten Zeit kommen Sie gut durch alle vier Höfe und zum Lotus-Becken. Wer fotografieren will, sollte 90 Minuten einplanen. Viele hetzen in 20 Minuten hindurch, aber das wird der hydraulischen Ingenieurskunst des 18. Jahrhunderts nicht gerecht. Bleiben Sie stehen und beobachten Sie die Brunnen.
Eintrittspreise
Mit etwa 30 ₹ für Einheimische und 150 ₹ für internationale Gäste zählt dieser Garten zu den günstigsten Sehenswürdigkeiten in Rajasthan. Tickets gibt es nur vor Ort gegen Bargeld – online ist nichts buchbar. Die Warteschlangen sind meist kurz. Für professionelle Kameraausrüstung kann eine zusätzliche Gebühr von 20 bis 50 ₹ anfallen.
Barrierefreiheit
Das Gelände ist weitgehend flach und gepflastert, was es für Rollstuhlfahrer oder Familien mit Kinderwagen auf den Hauptwegen gut befahrbar macht. Vorsicht jedoch bei den erhöhten Brunnenpodesten oder älteren Mosaikabschnitten; dort gibt es vereinzelt kleine Stufen und unebenes Pflaster. Einfache öffentliche Toiletten befinden sich in der Nähe des Eingangs.
Tipps für Besucher
Die richtige Uhrzeit
Kommen Sie vor 09:00 Uhr an einem Wochentag. Das Licht steht dann flach auf dem weißen Marmor und die Besuchermassen der Reisebusse bleiben aus. Alternativ bietet der späte Nachmittag ab 16:00 Uhr eine angenehme Atmosphäre, besonders wenn Sie den Besuch mit einem Sonnenuntergang am Fateh Sagar verbinden möchten.
Brunnen-Technik
Die Brunnen sprudeln nicht ununterbrochen. Fragen Sie direkt am Ticketschalter nach den aktuellen Vorführzeiten. Das System ist ein technisches Meisterwerk: Es wird rein durch Schwerkraft aus dem Fateh Sagar See gespeist – ganz ohne Pumpen oder Motoren.
Vorsicht vor 'Guides'
Am Eingang lauern oft selbsternannte Fremdenführer mit überzogenen Preisen. Sparen Sie sich das Geld. Der Garten ist klein, die Schilder sind aussagekräftig genug. Wenn Sie eine Führung wünschen, buchen Sie diese über offizielle Kanäle von Rajasthan Tourism und fixieren Sie den Preis vorab.
Kulinarik am See
Meiden Sie die Kioske direkt am Eingang. Laufen Sie fünf Minuten Richtung Seeufer: Dort gibt es echten Kulhad-Chai und gerösteten Mais. Für eine authentische Rajasthani-Thali-Erfahrung fahren Sie zum Natraj Dining Hall nahe dem Chetak Circle – dort essen die Einheimischen, nicht die Touristen.
Fotografie
Fotos sind überall erlaubt, doch Drohnen sind ohne offizielle Genehmigung der Behörden strikt verboten – das gilt in ganz Rajasthan. Die besten Motive finden Sie an den schwarzen Marmorelefanten und dem Lotus-Becken.
Tourenplanung
Kombinieren Sie den Besuch mit dem Fateh Sagar See, dem Moti Magri Denkmal und einer Bootsfahrt zum Nehru Garden auf der Insel. Mit einer Rikscha für einen halben Tag decken Sie diese nördliche Route für weniger als 300 ₹ ab.
Wo essen
Das sollten Sie unbedingt probieren
Punchaitea
cafeBestellen: Bestellen Sie ihren charakteristischen Chai und das frisch gebackene Gebäck — die Einheimischen schwören auf die gleichbleibende Qualität hier. Die Teeauswahl ist wirklich durchdacht und nicht nur für Touristen gedacht.
Mit 60 Bewertungen und einer hervorragenden Bewertung von 4,9 ist Punchaitea der Ort, an dem die echten Bewohner von Udaipur ihren Nachmittags-Chai trinken. Es ist die Art von Ort, der Stammkunden hat, weil das Produkt ehrlich und die Atmosphäre entspannt ist.
Sardar Ji Ki Jordaar Lassi
quick biteBestellen: Ihr Lassi ist das einzig Wahre — dickflüssig, cremig und auf traditionelle Weise hergestellt. Dies ist ein Betrieb, der sich auf eine Sache konzentriert, also bestellen Sie ihn pur oder mit einem Hauch von Obst.
Die perfekte Bewertung von 5,0 und die Lage direkt am Eingang des Denkmals machen dies zu einem idealen Zwischenstopp nach der Erkundung von सहेलियों की बाड़ी. Es ist ein authentischer, schnörkelloser Ort, an dem tatsächlich Einheimische essen, keine Touristenfalle.
Garden Cafe and Fast Food
quick biteBestellen: Denken Sie nicht zu viel nach — bleiben Sie bei ihren indischen Fast-Food-Grundlagen: Paneer-Gerichte, Dals oder einfache Currys. Es ist ehrlich, sättigend und wird Sie nicht enttäuschen, wenn Sie nach dem Besichtigen der Denkmäler hungrig sind.
Das Garden Cafe liegt direkt am Eingang des Denkmals und hat lange Öffnungszeiten. Es ist die pragmatische Wahl für Familien oder preisbewusste Reisende, die eine schnelle, unkomplizierte Mahlzeit wünschen, ohne die Gegend verlassen zu müssen.
Restaurant-Tipps
- check Alle vier empfohlenen Restaurants sind zu Fuß erreichbar (oder liegen direkt gegenüber) von सहेलियों की बाड़ी — Sie müssen sich nach Ihrem Besuch nicht weit entfernen.
- check Die meisten Einrichtungen öffnen zwischen 8:30 und 10:30 Uhr und schließen gegen 22:00 bis 23:00 Uhr; planen Sie entsprechend, wenn Sie früh morgens oder spät abends unterwegs sind.
- check Lassi und Chai sind die inoffiziellen Getränke von Udaipur — probieren Sie Sardar Ji Ki Jordaar Lassi für eine authentische, erfrischende Pause.
- check Die Gegend um सहेलियों की बाड़ी ist kompakt und fußgängerfreundlich; Sie können problemlos mehrere Cafés innerhalb von 5 Minuten zu Fuß erkunden.
Restaurantdaten bereitgestellt von Google
Historischer Kontext
Der König, der für die Stille baute
Maharana Sangram Singh II. regierte Mewar von etwa 1710 bis 1734. Er übernahm ein Königreich, das sich über Generationen hinweg nur durch Widerstand definiert hatte. Als er den Thron bestieg, löste sich die existenzielle Bedrohung, die Mewar so lange verzehrt hatte, langsam auf. Die Frage war nicht mehr: Wie überleben wir? Sondern: Was bauen wir?
Seine Antwort war keine weitere Festung. Die Saheliyon ki Bari ist das Bauwerk, das im kollektiven Gedächtnis von Udaipur blieb. Ein Lustgarten für die königlichen Frauen, integriert in die Hydrologie der Stadt mit der Präzision eines Aquädukts. Es war eine Friedensdividende, gegossen in Marmor und fließendes Wasser.
Ein Garten, in dem der König nur Gast war
Sangram Singh II. stand vor einer ungewöhnlichen Herausforderung. Die Identität Mewars war in Opferbereitschaft geschmiedet worden. Doch um 1710 begann das Mogulreich zu zerbröckeln, und der große Feind verschwand. Für eine Dynastie, deren Prestige auf Widerstand basierte, erforderte der Frieden eine ganz neue Art der Vorstellungskraft.
Der Garten, den er am Fateh-Sagar-See in Auftrag gab, war ein radikaler Akt der Ruhe. Er diente als Refugium, in dem die Königin und ihr Kreis Monsoon-Feste wie Teej feiern konnten, zwischen Lotusbecken wandelten oder sich unter Fontänen stellten, die echten Regen simulierten. Die Ingenieurskunst war ehrgeizig: Wasser aus dem See wurde durch Steinleitungen geleitet, um ohne mechanische Hilfe als sprühende Fontänen zu enden. Es war eine bewusste Entscheidung, den Reichtum Mewars in einen Ort des reinen Vergnügens zu investieren.
Sangram Singh II. starb um 1734. Kurz darauf überzogen Maratha-Armeen das Land mit Raubzügen. Ob der Garten damals Schaden nahm, ist ungewiss. Dennoch überdauerte der Ort die Krisen, die britische Kolonialzeit und den Wandel der Jahrhunderte. Das langlebigste zivile Werk der Kriegerdynastie ist ironischerweise jener Ort, an dem der König selbst nicht im Mittelpunkt stand.
Vor dem Garten: Die lange Belagerung
Über 150 Jahre lang war Mewar in einem ständigen Abwehrkampf gegen die Moguln gefangen. Maharana Prataps Guerillakrieg gegen Akbar wurde zum Gründungsmythos, und seine Nachfolger pflegten diesen Stolz auch noch, als Amar Singh I. 1615 erste Verhandlungen mit Jahangir aufnahm. Das architektonische Erbe dieser Zeit ist fast ausnahmslos militärisch geprägt: Die 36 Kilometer lange Mauer von Kumbhalgarh oder die vernarbten Festungswälle von Chittorgarh. Die Saheliyon ki Bari brach radikal mit diesem Muster. Es war das erste bedeutende Bauprojekt Mewars, das weder der Verteidigung noch der Religion diente, sondern schlicht dem menschlichen Komfort – und zwar nach den Regeln der Frauen.
Nach Sangram Singh: Stille und Bestand
Die spätere Geschichte des Gartens bleibt rätselhaft. Ein 300 Jahre alter Marmorgarten in der trockenen Hitze Rajasthans überlebt nicht ohne Pflege, doch die genauen Restaurierungskampagnen sind kaum dokumentiert. Maharana Fateh Singh, der von 1884 bis 1930 regierte, gilt als wahrscheinlicher Bewahrer, doch offizielle Belege fehlen. Heute wird der Garten als staatliches Erbe verwaltet. Das kleine Museum vor Ort zeigt zwar königliche Artefakte, spielt aber wissenschaftlich kaum eine Rolle. Die Anlage zeugt vor allem von der Meisterschaft der Handwerker aus dem 18. Jahrhundert – und dem Wasser, das noch immer stetig vom Fateh-Sagar-See herabfließt.
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Häufig gefragt
Lohnt sich ein Besuch der Saheliyon ki Bari? add
Definitiv. Besonders wenn Sie ein Faible für Ingenieurskunst haben. Das gesamte Wasserspiel speist sich allein durch die Schwerkraft aus dem Fateh Sagar See. Ein dreihundert Jahre altes System, das völlig ohne Pumpen oder elektrische Motoren auskommt. Auf den knapp sechs Hektar finden Sie ein angenehmes Mikroklima, das die Hitze Rajasthans vergessen lässt. Die Kombination aus den berühmten Regen-Brunnen und den lebensgroßen Marmorelefanten ist in Udaipur einzigartig.
Wie viel Zeit sollte ich einplanen? add
Die meisten Besucher planen 45 bis 60 Minuten ein – das reicht völlig aus, um die vier Innenhöfe, den Lotus-Teich und das kleine Museum zu sehen. Wer allerdings fotografieren möchte, sollte 20 bis 30 Minuten extra kalkulieren. Die Details an den Vogel-Wasserspeiern und das Lichtspiel im Rang Mahal verlangen nach Geduld. Einheimische sagen scherzhaft: Wer in 20 Minuten durch ist, hat Udaipur eigentlich gar nicht richtig besucht.
Wie komme ich vom Stadtzentrum am besten hin? add
Ein Auto-Rikscha-Fahrer bringt Sie vom City Palace aus in 10 bis 15 Minuten ans Ziel. Rechnen Sie mit 60 bis 100 Rupien – verhandeln Sie den Preis unbedingt vor Fahrtantritt. Die Anlage liegt am Nordrand der Stadt, etwa 3 bis 4 Kilometer von der Altstadt entfernt. Auch Uber und Ola sind in Udaipur gut verfügbar. Wenn Sie ohnehin am Fateh Sagar See spazieren, sind es nur noch 5 bis 10 Minuten zu Fuß bis zum Eingang.
Wann ist die beste Besuchszeit? add
Kommen Sie früh. Zwischen 8 und 10 Uhr morgens fällt das Licht perfekt auf den bearbeiteten Marmor, und die Besuchermassen bleiben aus. Oktober bis März ist klimatisch am angenehmsten. Mein Geheimtipp: Die Monsunzeit (Juli bis September). Dann laufen die Brunnen mit maximalem Druck, die Lotusblüten stehen in voller Pracht und man hat den Garten fast für sich allein – allerdings sind die Wege dann etwas rutschig.
Wie hoch ist der Eintrittspreis? add
Der Eintritt ist moderat. Für indische Staatsbürger liegt er bei etwa 30 Rupien, ausländische Gäste zahlen meist zwischen 100 und 150 Rupien. Die Preise können leicht variieren, verlassen Sie sich also auf die Schilder am Eingang. Tickets gibt es nur vor Ort. Handyfotos sind kostenlos, für professionelles Equipment inklusive Stativ wird oft eine kleine Gebühr von 20 bis 50 Rupien erhoben.
Was darf ich auf keinen Fall verpassen? add
Der Hof 'Bin Badal Barsaat' – 'Regen ohne Wolken'. Fünf Brunnen erzeugen hier einen feinen Sprühnebel, der sich wie echter Monsunregen auf der Haut anfühlt. Verpassen Sie nicht das Rang Mahal: Die farbigen Glasfenster werfen am späten Nachmittag magische Lichtreflexe auf das Wasser. Werfen Sie auch einen genauen Blick auf die Vögel an den Sawan-Bhado-Pavillons: Das Wasser fließt aus den individuell gemeißelten Schnäbeln, bei denen man jedes Federdetail erkennt.
Wer hat den Garten erbaut und warum? add
Maharana Sangram Singh II. ließ den Garten Anfang des 18. Jahrhunderts als Rückzugsort für die Königin und ihre 48 Begleiterinnen anlegen. Es war eine Zeit des Friedens, in der Mewar erstmals in Lebensqualität statt nur in Verteidigung investieren konnte. 'Saheliyan' bezeichnet dabei keine Dienstmädchen, sondern ebenbürtige Gefährtinnen. Es ist einer der seltenen Orte in Rajasthan, der konsequent auf die Freiheit und den Zeitvertreib der Hofdamen ausgerichtet war.
Quellen
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verified
Rajasthan Tourism — Udaipur
Offizielles Tourismusportal des Bundesstaates, das den Erbauer des Gartens (Sangram Singh II.), seinen Status als eine der wichtigsten Attraktionen Udaipurs und grundlegende Besucherinformationen bestätigt
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verified
Incredible India — Saheliyon ki Bari
Tourismusseite der indischen Regierung mit wichtigen technischen Details zu den schwerkraftbetriebenen Springbrunnen aus dem Fateh Sagar See, dem Baudatum im 18. Jahrhundert und dem Regenbrunnen
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verified
Eternal Mewar (House of Mewar)
Offizielle Quelle des Hauses Mewar zum kulturellen Erbe, die Saheliyon ki Bari unter den architektonischen Werken von Sangram Singh II. auflistet und den dynastischen Kontext erläutert
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verified
Eternal Mewar Newsletter
Zusätzlicher Kontext zum kulturellen Erbe Mewars über die Regierungszeit und die architektonische Förderung durch Sangram Singh II.
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verified
Tripoto — Saheliyon ki Bari
Sekundäre Reisequelle mit den Namen der Becken (Sawan Bhado, Kamal Talai, Rang Mahal, Bin Badal Barsaat), Details zum Grundriss und der unbestätigten Behauptung über aus England importierte Regenbrunnen
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verified
Padharodesh — Saheliyon ki Bari Facts
Reiseblog mit Details zu den architektonischen Materialien, Hinweisen zu saisonalen Schwankungen und Beschreibungen der Gartenanlage
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verified
Apricot One Hotels — Saheliyon ki Bari Guide
Lokaler Hotelführer mit einer Schätzung der Gartengröße (ca. 6 Acres), Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und Tipps für den Besuch je nach Saison
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verified
Wanderlog — Top Things to Do in Udaipur
Zusammenstellung von Besucherbewertungen und lokalen Tipps, einschließlich Sicherheitswarnungen vor überhöhten Preisen bei Auto-Rikschas und Hinweisen auf nahegelegene Attraktionen
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