Einleitung
Die mittelalterliche Stadt Laon in Nordfrankreich, die auf einem dramatischen Kalksteinfelsen thront, zeigt eine einzigartige Stadtlandschaft, in der jahrhundertealte Architektur die moderne Unterstadt und die umliegenden Ebenen überragt. Jahrzehntelang stellte diese steile Höhe eine erhebliche Herausforderung für Einwohner und Besucher dar, die zwischen Laons "ville haute" (Oberstadt) und "ville basse" (Unterstadt) verkehren wollten. Als Reaktion darauf führte die Stadt 1989 die Poma 2000 ein – ein innovatives, vollautomatisches, seilgezogenes städtisches Transportsystem, das die vertikale Kluft von fast 100 Metern überbrückte. Obwohl die Poma 2000 ihren Betrieb 2016 einstellte, lebt ihr Erbe als bemerkenswerte Leistung der Ingenieurskunst und als Symbol des zukunftsorientierten Geistes von Laon weiter. Dieser Leitfaden befasst sich mit der Geschichte, der Bedeutung, der Schließung und der Erhaltungsbewegung der Poma 2000 sowie mit praktischen Besucherinformationen für die Erkundung ihres Erbes und der weiteren Attraktionen der Stadt (Rail Passion, INA, Offizielle Tourismus-Website von Laon).
Die Herausforderung der städtischen Mobilität in Laon
Laons historische Oberstadt, die auf einem hohen Plateau liegt, ist seit jeher geografisch von ihren unteren Stadtvierteln getrennt. Bereits im späten 19. Jahrhundert experimentierte die Stadt mit Lösungen zur Verbindung der beiden, beginnend mit einer Decauville-Bahn im Jahr 1888, die bald durch die Chemin de fer de Laon – eine Zahnradbahn, die vom SNCF-Bahnhof zum Hôtel de Ville fuhr – ersetzt wurde. Diese für das Stadtleben lebenswichtige Straßenbahn wurde 1971 stillgelegt, als betriebliche und finanzielle Schwierigkeiten zunahmen (Rail Passion).
Der Verlust dieser Verbindung hinterließ eine deutliche Lücke in der städtischen Mobilität von Laon, insbesondere für diejenigen, die keine Privatfahrzeuge nutzen konnten. Die Stadt suchte nach einer modernen Lösung, um den steilen Anstieg und den Bedarf an effizientem, zugänglichem Verkehr zu bewältigen.
Das Poma 2000: Konzept, Bau und Technologie
In den späten 1970er Jahren stellten Stadtplaner und das französische Verkehrsministerium ein hochmodernes, fahrerloses Seiltransportsystem vor. Das resultierende Projekt Poma 2000, das Pomagalski (POMA) – einem renommierten Spezialisten für seilgezogene Systeme – übertragen wurde, wurde als Hybrid zwischen Standseilbahn und Metro konzipiert, mit Schwerpunkt auf Automatisierung und Zuverlässigkeit (INA).
Wichtige Merkmale:
- Strecke: 1,5 Kilometer mit einem Höhenunterschied von 100 Metern, der den Bahnhof (Gare), Faubourg de Vaux (Mittelstation) und das Hôtel de Ville (Oberstadt) verbindet.
- Fahrzeuge: 3-4 automatisierte, eiförmige Kabinen ("œuf"), von denen jede bis zu 33 Passagiere aufnehmen kann.
- Betrieb: Vollautomatisch und fahrerlos, mit Abfahrten aller 2,5 Minuten zu Spitzenzeiten.
- Geschwindigkeit: Bis zu 36 km/h, was die Fahrzeit über den Hang auf etwas mehr als drei Minuten verkürzt.
- Sicherheit: Fortschrittliche Seil- und Bremssysteme sorgten auch bei Stromausfällen für die Sicherheit der Passagiere.
Die Poma 2000 war eines der weltweit frühesten fahrerlosen städtischen Transportsysteme, ein Prototyp, der die Zuverlässigkeit von Seilbahnen mit der Frequenz und dem Komfort einer Metro verband (INA).
Betriebsjahre und städtische Auswirkungen
Die am 4. Februar 1989 eingeweihte Poma 2000 wurde schnell zu einem integralen Bestandteil des täglichen Lebens in Laon. Sie ermöglichte:
- Schnelle Verbindung zwischen dem Bahnhof und dem Herzen der Oberstadt.
- Teilweise Fußgängerzone im mittelalterlichen Zentrum durch Reduzierung des Autoverkehrs.
- Tourismusentwicklung, da das System selbst zur Kuriosität wurde und Transportenthusiasten anzog.
Auf ihrem Höhepunkt beförderte die Poma 2000 bis zu 500.000 Passagiere jährlich. Als einzigartiges System war sie jedoch teuer im Unterhalt, wobei die Fahrgeldeinnahmen nur einen Bruchteil der Betriebskosten deckten. Sonderteile und spezielle Wartung machten ihre langfristige Nachhaltigkeit zunehmend schwierig (INA).
Schließung und Niedergang
Warum schloss die Poma 2000? In den 2010er Jahren trafen mehrere Faktoren zusammen:
- Rückgang der Fahrgastzahlen aufgrund von Bevölkerungsveränderungen und Mobilitätsgewohnheiten.
- Steigende Wartungskosten für alternde, maßgeschneiderte Infrastruktur.
- Haushaltseinschränkungen der Gemeinde und die Anziehungskraft flexiblerer, erschwinglicherer Busdienste.
Nach sorgfältiger Prüfung stellte die Stadt die Poma 2000 im August 2016 ein und ersetzte sie durch Busse. Die Schließung stieß auf Enttäuschung, weckte aber auch das öffentliche Interesse an der Erhaltung dieses einzigartigen Ingenieurwerks (Rail Passion).
Erhaltungsbemühungen und Status als Monument Historique
Interessenvertretung und Denkmalschutz
Nach der Schließung mobilisierte die Vereinigung "Agir pour le Poma", um das System vor dem Abriss zu retten. Ihre Bemühungen umfassten:
- Öffentlichkeitskampagnen und Unterschriftensammlungen.
- Interessenvertretung für die Anerkennung des technologischen und historischen Werts der Poma 2000.
- Antrag auf den Status eines Monument Historique bei der DRAC, der die Infrastruktur schützen und eine zukünftige Restaurierung ermöglichen würde (France 3 Régions).
Aktueller Status und Initiativen
Obwohl eine definitive Denkmalschutzklassifizierung aussteht, bleibt die Infrastruktur der Poma 2000 intakt. Erhaltungsbefürworter bieten weiterhin Führungen, Bildungsveranstaltungen und Vorschläge zur Schaffung eines Verkehrsmuseums oder eines historischen Wanderwegs entlang der ehemaligen Route an.
Besuch der Poma 2000-Stätte heute
Was können Besucher sehen?
- Ehemalige Bahnhöfe: Die Bahnhöfe in Gare, Faubourg de Vaux und Hôtel de Ville stehen noch und können von außen besichtigt werden.
- Historische Führungen: Gelegentliche Führungen werden von "Agir pour le Poma" und lokalen Tourismusämtern angeboten, die Einblicke in die Geschichte und Technologie des Systems geben.
- Informationstafeln: Einige Bereiche sind mit Informationstafeln zur Poma 2000 und zur Verkehrsgeschichte von Laon versehen.
Fahrkarten und Öffnungszeiten
- Kein regulärer Betrieb: Die Poma 2000 ist nicht in Betrieb, es gibt keine regulären Fahrkarten oder Öffnungszeiten.
- Sonderführungen: Fahrkarten für Führungen müssen im Voraus über die Vereinigung oder die örtlichen Tourismusämter gebucht werden. Informieren Sie sich auf deren Websites über aktuelle Fahrpläne.
Barrierefreiheit und Reisetipps
- Anreise: Der Bahnhof Laon (SNCF) liegt neben dem ehemaligen unteren Bahnhof der Poma 2000. Von dort aus sind die Oberstadt und der ehemalige Bahnhof Hôtel de Ville zu Fuß erreichbar (steiler Aufstieg oder Pendelverkehr).
- Mobilität: Das steile Gelände der Stadt kann eine Herausforderung darstellen. Einige Bereiche sind mit Rampen und Aufzügen ausgestattet; erkundigen Sie sich im Tourismusbüro nach barrierefreien Routen und Unterkünften.
- Beste Reisezeit: Frühling und Sommer bieten angenehmes Wetter für Stadtrundgänge und die Erkundung der historischen Stätten von Laon.
Attraktionen in der Nähe von Laon
- Kathedrale von Laon: Ein Meisterwerk der frühen Gotik mit Panoramablick über die Stadt.
- Mittelalterliche Stadtmauern: Spazieren Sie auf den Wällen und genießen Sie Ausblicke auf die Landschaft.
- Musée d’Art et d’Archéologie: Erfahren Sie mehr über die Kultur- und Stadtgeschichte von Laon.
- Historische Oberstadt: Entdecken Sie gepflasterte Straßen, charmante Plätze und lokale Cafés.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
F: Ist die Poma 2000 heute in Betrieb? A: Nein, sie ist seit 2016 geschlossen.
F: Kann ich die ehemaligen Bahnhöfe der Poma 2000 besuchen? A: Ja, die Außenbereiche sind zugänglich und gelegentlich werden Führungen angeboten – buchen Sie im Voraus.
F: Gibt es barrierefreie Einrichtungen? A: Teile von Laon wurden angepasst, aber das hügelige Gelände kann schwierig sein. Erkundigen Sie sich im Tourismusbüro nach barrierefreien Routen.
F: Wie buche ich eine Führung? A: Über "Agir pour le Poma" oder die Offizielle Tourismus-Website von Laon.
F: Was bedeutet der Status Monument Historique? A: Es handelt sich um eine französische Kulturerbeklassifizierung, die bedeutende Stätten vor Abriss oder Veränderung schützt.
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