Das Stolperstein-Projekt: Ursprung und Zweck
Das von Gunter Demnig initiierte Stolperstein-Projekt zielt darauf ab, die Namen und die Würde von Verfolgten des NS-Regimes – Juden, Sinti und Roma, politische Dissidenten, LGBTQ+-Personen und andere – wiederherzustellen. Jeder Stolperstein ist eine 10x10 cm große Messingplakette, die in den Bürgersteig eingelassen ist und mit dem Namen des Opfers, seinem Geburtsdatum, seinem Schicksal und, falls bekannt, dem Sterbedatum und -ort beschriftet ist (Stolpersteine.eu; Germany.info).
Das Leitprinzip des Projekts, „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, spiegelt eine talmudische Lehre wider und treibt die dezentrale, gemeinschaftsgetragene Natur der Gedenkstätten voran. In Wiesbaden sind Stolpersteine zu einem prägenden Bestandteil der Erinnerungskultur der Stadt geworden, mit über 784 Steinen an 427 Standorten im Jahr 2024 (am-spiegelgasse.de; wiesbaden-lebt.de; Wikipedia).
Leon Golomb: Leben, Verfolgung und Gedenken
Leon Golomb wurde 1897 in Vilnius (damals Wilna, Russisches Kaiserreich; heute Litauen) geboren. Er etablierte sich als Textilkaufmann in Wiesbaden, heiratete Anna Pewsner und hatte drei Kinder. Mit dem Aufstieg des nationalsozialistischen Regimes wurde Golombs Leben von zunehmender Verfolgung geprägt. Seine Töchter entkamen mit dem Kindertransport nach England, doch Leon wurde wegen angeblicher Steuerschulden an der Auswanderung gehindert, trotz Versuchen, eine Passage nach Shanghai zu erhalten (am-spiegelgasse.de).
Am 10. Juni 1942 wurde Leon Golomb in das Lager Theresienstadt deportiert, wo er ums Leben kam. Sein Stolperstein in der Neugasse 3 gedenkt seines Lebens und Schicksals und sorgt dafür, dass seine Geschichte weiter erzählt wird.
Stolpersteine in Wiesbaden besuchen: Standorte, Barrierefreiheit und praktische Tipps
Standort und Besuch
- Adresse Neugasse 3, 65183 Wiesbaden, Deutschland
- Zugang Der Stein ist in einen flachen, rollstuhlgerechten Bürgersteig im Stadtzentrum, nahe der Kirchgasse und bekannter Wahrzeichen, eingelassen.
- Öffentliche Verkehrsmittel Der Hauptbahnhof Wiesbaden ist etwa 1,2 km entfernt; Busse halten an „Dernsches Gelände“ oder „Luisenplatz“.
- Parken Öffentliche Parkhäuser wie das Parkhaus Markt und das Parkhaus Luisenplatz sind in der Nähe.
Besuchszeiten und Eintrittspreise
- Öffnungszeiten Täglich 24 Stunden, das ganze Jahr über.
- Eintritt Kostenlos; keine Reservierung oder Ticket erforderlich.
Praktische Besuchstipps
- Besuche tagsüber, um die beste Sichtbarkeit zu gewährleisten.
- Trage bequeme Schuhe, um zwischen den Gedenkstätten zu wandern.
- Bringe einen kleinen Stein oder eine Blume zum Gedenken mit; ein weiches Tuch kann verwendet werden, um die Plakette sanft zu reinigen.
- Respektiere die Feierlichkeit des Ortes – ruhige Reflexion wird empfohlen.
Führungen, Apps und bürgerschaftliches Engagement
- Führungen Angeboten vom Aktiven Museum Spiegelgasse und anderen lokalen Organisationen. Touren decken mehrere Stolpersteine ab und bieten tiefgreifende historische Kontexte (am-spiegelgasse.de).
- Stolpersteine-App Kostenlos für iOS und Android, bietet Karten, Biografien und Audioführer (wiesbaden-lebt.de).
- Bürgerschaftliches Engagement Steine werden oft von lokalen Schulen, Religionsgemeinschaften und Familien gesponsert und gepflegt. Zeremonien und Bildungsprogramme fördern ein Gefühl der gemeinsamen Verantwortung (jewiki.net).
Kultureller Kontext und aktuelle Relevanz
Die Stolpersteine in Wiesbaden sind in das alltägliche Leben der Stadt integrierte Erinnerungsmale an ihre verlorenen jüdischen und anderer verfolgter Gemeinschaften. Ihre Installation wird von Stadtbehörden unterstützt und von öffentlichen Debatten begleitet, die den fortlaufenden Dialog über Erinnerung und Gedenken widerspiegeln (am-spiegelgasse.de). Gemeinschaftliche Zeremonien, Bildungsveranstaltungen und app-basierte Erkundungen tragen zur Erhaltung dieser wichtigen Gedenkstätten bei.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
- Aktives Museum Spiegelgasse Tiefgreifende Ausstellungen zur jüdischen Geschichte (am-spiegelgasse.de).
- Marktkirche und Schlossplatz Bedeutende historische und architektonische Wahrzeichen.
- Weitere Stolpersteine Zahlreiche Steine sind zu Fuß erreichbar für eine selbst geführte Gedenkwanderung.
FAQ: Wichtige Besucherinformationen
Wo befindet sich der Stolperstein für Leon Golomb? Neugasse 3, Stadtzentrum Wiesbaden.
Sind Führungen verfügbar? Ja, über das Aktive Museum Spiegelgasse und lokale Organisationen.
Ist der Ort für Rollstuhlfahrer zugänglich? Ja, der Bürgersteig ist flach und zugänglich, obwohl leichte Unebenheiten auftreten können.
Werden Tickets benötigt? Nein, das Denkmal ist frei und jederzeit öffentlich zugänglich.
Wie kann ich mehr erfahren? Nutze die Stolpersteine-App oder besuche das Aktive Museum Spiegelgasse für Hintergrundinformationen, Biografien und Wanderrouten.
Überblickstabelle: Wichtige Details
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Name | Leon Golomb |
| Stolperstein-Standort | Neugasse 3, 65183 Wiesbaden |
| Besuchszeiten | 24/7 zugänglich, kostenlos |
| Barrierefreiheit | Öffentlicher Bürgersteig, flach, rollstuhlgerecht |
| Digitale Ressourcen | iOS App, Android App |
| Führungen | Aktives Museum Spiegelgasse und lokale Organisationen |
| Sehenswürdigkeiten in der Nähe | Aktives Museum Spiegelgasse, Marktkirche, Schlossplatz |
| Empfohlene Handlungen | Inschrift lesen, Stein/Blume niederlegen, Plakette reinigen, App nutzen |
Abschließende Tipps und Empfehlungen
Der Besuch des Stolpersteins für Leon Golomb ist ein Akt des Gedenkens, der Besucher mit Wiesbadens vielschichtiger Geschichte und der breiteren europäischen Bewegung der Holocaust-Erinnerung verbindet. Nimm dir Zeit zum Nachdenken, nutze die digitalen Ressourcen und erkunde nahegelegene Orte, um dein Verständnis zu vertiefen. Die Teilnahme an Reinigungsaktionen, Zeremonien oder Bildungsprogrammen trägt dazu bei, das Andenken an Leon Golomb und unzählige andere zu bewahren (am-spiegelgasse.de; Germany.info; wiesbaden-lebt.de; Stolpersteine.eu).
Für ein umfassendes Erlebnis nutze die Stolpersteine-App oder nimm an einer Führung teil, und folge lokalen Kulturorganisationen für Updates zu neuen Installationen und Veranstaltungen. So trägt jeder Besucher dazu bei, die wichtige Arbeit der Erinnerung und Bildung in Wiesbaden und darüber hinaus aufrechtzuerhalten.