Ursprünge und Konzept der Stolpersteine
Das Projekt „Stolpersteine“ begann Mitte der 1990er Jahre, inspiriert vom Engagement Gunter Demnigs, die Geschichten der Holocaust-Opfer gerade in den Vierteln ans Licht zu bringen, die sie einst ihr Zuhause nannten. Jeder Stolperstein ist ein 10x10 cm großer Messing-Kopfstein, der in den Bürgersteig vor der letzten freiwilligen Wohnstätte eines Opfers nationalsozialistischer Verfolgung eingelassen ist. Der Stein ist mit dem Namen des Opfers, seinem Geburtsjahr, seinem Schicksal und, wenn bekannt, dem Datum und Ort seines Todes eingraviert, um seine Individualität wiederherzustellen (Stolpersteine.eu).
Die Leitphilosophie des Projekts wird durch das talmudische Prinzip zusammengefasst: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Bis 2024 wurden allein in Wiesbaden über 784 Stolpersteine verlegt, Tausende weitere in ganz Europa, jeder lädt Passanten dazu ein, über Erinnerung und Geschichte zu stolpern (Aktives Museum Spiegelgasse).
Die Geschichte von Karolina Berney und ihrer Familie
Karolina Berney, geborene Löser, wurde am 30. Mai 1890 in Laufersweiler (Kreis Simmern) geboren. Sie lebte mit ihrem Ehemann Heinrich Berney (geb. 22. April 1888, Wörrstadt) und ihren Kindern Alfred (geb. 1915) und Beate (Bettina, geb. 1923) in der Luisenstraße 17 in Wiesbaden (Erinnerungsblatt Berney). Heinrich betrieb von zu Hause aus ein Schneidereiunternehmen, das die Familie 1939 aufgrund antisemitischer Gesetze und Verfolgung verlor. In immer schlimmere Umstände gezwungen, vermietete die Familie Zimmer zum Überleben und litt unter Zwangsarbeit. Wie Tausende andere in Wiesbaden wurde ihr Schicksal von den eskalierenden Politikmaßnahmen der Diskriminierung, Enteignung und Gewalt des NS-Regimes geprägt.
Der Stolperstein vor ihrer ehemaligen Wohnstätte ist ein stilles, aber eindrucksvolles Zeugnis für das Leben, die Würde und die Tragödie der Familie.
Besuch des Stolpersteins in Wiesbaden
Standort und Zugang
- Adresse Luisenstraße 17, Stadtteil Westend, Wiesbaden.
- Anfahrt Leicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln Wiesbadens erreichbar. Der Hauptbahnhof ist in der Nähe und lokale Busse bedienen das Westend. Für Autofahrer gibt es begrenzte Parkplätze an der Straße.
Besuchszeiten und Tickets
- Öffnungszeiten Stolpersteine sind rund um die Uhr, 7 Tage die Woche zugänglich. Es gibt keine Besuchsembargo.
- Tickets Es ist kein Eintrittsgeld oder Ticket erforderlich. Das Mahnmal ist für alle frei zugänglich.
Barrierefreiheit
- Der Stolperstein ist bündig in den Bürgersteig eingelassen und somit für die meisten Besucher, auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, zugänglich. Einige angrenzende Gehwege können aufgrund von Kopfsteinpflaster uneben sein; geeignete Schuhe werden empfohlen.
- Für sehbehinderte Besucher können taktile Karten und Audioguides über lokale Tourismusdienste verfügbar sein.
Historische Stätten in der Nähe
Kombiniere deinen Besuch mit anderen wichtigen Sehenswürdigkeiten in Wiesbaden, um dein Verständnis der Stadtgeschichte zu vertiefen:
- Jüdisches Museum Wiesbaden Bietet Ausstellungen zum jüdischen Leben und zur jüdischen Geschichte in der Region.
- Stadtschloss Wiesbaden Sitz des Hessischen Landtags (Mapcarta).
- Luisenplatz Ein lebhafter Platz mit historischen Gebäuden und Cafés.
- Sankt Bonifatius Eine neugotische Kirche in fußläufiger Entfernung.
Führungen und Bildungsressourcen
- Führungen Angeboten vom Aktiven Museum Spiegelgasse und anderen Kulturorganisationen. Diese Führungen bieten historischen Hintergrund und persönliche Geschichten über die geehrten Personen.
- Digitale Ressourcen Die Stolpersteine-App und interaktive Karten helfen Besuchern bei der Lokalisierung der Steine und dem Abruf biografischer Informationen.
- Bildungsmaterialien Publikationen des AMS enthalten detaillierte Biografien und Kontext (Aktives Museum Spiegelgasse).
Gemeinschaftliches Engagement und Veranstaltungen
Lokale Schulen, Organisationen und Anwohner beteiligen sich regelmäßig an Veranstaltungen wie:
- Gedenkzeremonien Insbesondere am Holocaust-Gedenktag (27. Januar) und am Jahrestag der Reichspogromnacht (9. November).
- Reinigung und Polieren der Steine Um sicherzustellen, dass die Namen sichtbar bleiben und die Erinnerung gewahrt wird.
- Workshops und Gedenkstättenwanderungen Förderung von Reflexion und aktivem Gedenken.
Besucherverhalten und praktische Tipps
- Respektvolles Verhalten Nähere dich dem Stein nachdenklich; halte inne, um die Inschrift zu lesen und zu reflektieren. Vermeide es, direkt auf dem Stein zu stehen. Das Niederlegen von Blumen oder kleinen Steinen ist eine bedeutungsvolle Geste des Gedenkens.
- Fotografie Erlaubt, aber bitte diskret sein und die Privatsphäre der Anwohner respektieren.
- Beste Besuchszeiten Tageslichtstunden sind ideal für gute Sicht und deine Sicherheit.
- Sicherheit Wiesbaden ist im Allgemeinen sicher; bleibe aufmerksam für deine Umgebung und sichere Wertsachen.
- Sprache Die meisten Informationen vor Ort sind auf Deutsch, aber viele Einheimische sprechen Englisch. Übersetzungs-Apps können bei Inschriften helfen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
F: Gibt es bestimmte Besuchszeiten oder sind Tickets erforderlich? A: Nein. Stolpersteine sind öffentliche Mahnmale, die rund um die Uhr kostenlos zugänglich sind.
F: Ist der Stolperstein-Standort für Rollstuhlfahrer zugänglich? A: Ja, der Stein ist bündig in den Bürgersteig eingelassen, aber die Gehwege in der Nähe können uneben sein.
F: Wie finde ich diesen und andere Stolpersteine? A: Verwende die AMS Stolperstein-Listen, die Stolpersteine-App oder frage im Aktiven Museum Spiegelgasse nach.
F: Sind Führungen verfügbar? A: Ja, Führungen können über lokale Museen und Touristenbüros gebucht werden.
F: Kann ich an Gedenkveranstaltungen teilnehmen? A: Ja, solche Veranstaltungen sind für die Öffentlichkeit zugänglich und werden oft über lokale Kulturinstitutionen beworben.