Stolperstein Für Liselotte Herrmann

Einleitung

Im Herzen Stuttgarts erinnert der Stolperstein für Liselotte Herrmann auf bewegende Weise an eine der frühesten weiblichen Widerstandskämpferinnen gegen das NS-Regime, die hingerichtet wurde. Diese kleine Messingplakette im Pflaster der Hölderlinstraße 22 – dem Ort ihres Elternhauses und ihrer Verhaftung – lädt zur Reflexion über ihren Mut, ihr Opfer und den breiteren Kontext des Widerstands gegen Tyrannei ein. Als Teil der weltweit größten dezentralen Gedenkstätte, des Stolperstein-Projekts, verbindet dieser Ort persönliche Erinnerung mit öffentlichem Raum und bettet die Geschichten der NS-Opfer in den Alltag ein (Stolpersteine Stuttgart, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Stadtlexikon Stuttgart).

Dieser Leitfaden bietet einen umfassenden Überblick über den Stolperstein für Liselotte Herrmann, einschließlich historischem Hintergrund, praktischen Besucherinformationen, verwandten Stätten und Ressourcen für tiefergehende Erkundungen.


Historischer Hintergrund von Liselotte Herrmann

Frühes Leben und Ausbildung

Liselotte „Lilo“ Herrmann wurde am 23. Juni 1909 in Berlin in eine liberale, bürgerliche Familie geboren. Ihr Vater, Richard Herrmann, war Ingenieur und seine Arbeit führte die Familie häufig an neue Orte. Lilo legte 1929 ihr Abitur ab und strebte zunächst eine Karriere als Malerin an, entschied sich aber auf Anraten ihres Vaters für ein Chemiestudium an der Technischen Hochschule Stuttgart (Wikipedia, Frauen im Widerstand).

Politisches Erwachen und Aktivismus

Herrmanns politisches Engagement begann früh. 1928 trat sie dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) und dem Roten Studentenbund bei, später, 1931, wurde sie Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Während ihres Studiums in Stuttgart schloss sie sich einem Kreis um den Arzt Friedrich Wolf an und protestierte offen gegen Hitlers Aufstieg, was zu ihrem Ausschluss aus der Universität führte (Gedenkstätte Deutscher Widerstand).

Nach ihrem Umzug nach Berlin, wo sie Biologie studieren wollte, musste sie ihr Studium erneut wegen politischer Verfolgung aufgeben. Sie arbeitete als Kindermädchen und setzte ihren aktiven Widerstand fort, wobei sie sich auf die Aufdeckung der militärischen Aufrüstung des NS-Regimes konzentrierte (Stuvus Stuttgart).

Widerstandsaktivitäten und persönliches Opfer

Lilo Herrmann war in geheime KPD-Aktivitäten verwickelt, sammelte Informationen über die Rüstung des NS-Regimes und gab sie weiter. 1933 versteckte sie den Widerstandskämpfer Fritz Rau und wurde von ihm schwanger. Rau wurde noch im selben Jahr von den Nazis ermordet und sollte seinen Sohn Walter, der 1934 geboren wurde, nie kennenlernen. Trotz persönlicher Verluste und einer ständigen Gefahr setzte Herrmann ihren Widerstand in Stuttgart fort (Stuvus Stuttgart, Frauen im Widerstand).

Verhaftung, Prozess und Hinrichtung

Am 7. Dezember 1935 wurde Herrmann von der Gestapo in der Wohnung ihrer Familie verhaftet. Nach einem Jahr in Untersuchungshaft wurde sie am 12. Juni 1937 vom Volksgerichtshof wegen „Hochentweihung des Landes an einem mit der Vorbereitung des Hochverrats begangenen Verbrechen“ zum Tode verurteilt. Trotz internationaler Proteste wurde sie am 20. Juni 1938 im Gefängnis Berlin-Plötzensee durch die Guillotine hingerichtet, knapp vor ihrem 29. Geburtstag (Gedenkstätte Deutscher Widerstand).

Posthume Anerkennung und Kontroverse

Herrmanns Vermächtnis wurde in der ehemaligen DDR gefeiert, aber die Anerkennung in Stuttgart und Westdeutschland war langsam und teilweise umstritten. Aktivisten und Jugendorganisationen kämpften für Gedenkstätten zu ihren Ehren, was zur Aufstellung eines einfachen Gedenksteins und schließlich zur Installation des Stolpersteins vor ihrem Elternhaus führte (Wikipedia, Stadtlexikon Stuttgart).


Das Stolperstein-Projekt: Überblick und Bedeutung

Was ist ein Stolperstein?

Das Stolperstein-Projekt, das vom Künstler Gunter Demnig in den frühen 1990er Jahren ins Leben gerufen wurde, ist das weltweit größte dezentrale Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus. Jeder Stolperstein ist ein kleiner, mit Messing beschichteter Betonwürfel, der mit dem Namen und den Details eines Opfers graviert ist und in den Gehweg vor dessen letztem frei gewählten Wohn- oder Arbeitsort eingelassen wird. Das Projekt personalisiert die Erinnerung und integriert die Erinnerung in die Struktur des täglichen Lebens (Stolpersteine.eu).

Umfang und Wirkungsidee

Bis 2025 wurden über 100.000 Stolpersteine in mehr als 1.800 Städten in 28 Ländern installiert, die Juden, Sinti und Roma, politische Gegner, behinderte Menschen, LGBTQ+-Personen, Zeugen Jehovas und andere von den Nazis Verfolgte ehren. Allein in Stuttgart bilden über 1.200 Stolpersteine ein Erinnerungsnetzwerk in der gesamten Stadt (Stolpersteine Stuttgart Kartenüberblick).


Der Stolperstein für Liselotte Herrmann in Stuttgart

Standort und Beschreibung

Der Stolperstein für Liselotte Herrmann ist in der Hölderlinstraße 22, Stuttgart, am Standort ihres Elternhauses und des Ortes ihrer Verhaftung, eingelassen. Der 2008 installierte Stein trägt ihren Namen, ihr Geburtsjahr, das Datum ihrer Verhaftung sowie den Ort und das Datum ihrer Hinrichtung und bietet ein prägnantes und doch aussagekräftiges Zeugnis ihres Lebens und ihres Opfers (Stolpersteine Stuttgart).

Hier wohnte
Liselotte Herrmann
Jg. 1909
Verhaftet 1935
Hingerichtet 1938
in Berlin-Plötzensee

Die zentrale Lage des Stolpersteins im Stuttgarter Westen macht ihn leicht zugänglich, und seine Nähe zur Universität Stuttgart und zum Stadtgarten fördert sowohl spontane als auch geplante Besuche.


Besucherinformationen: Standort, Öffnungszeiten und Zugänglichkeit

Adresse und Zugang

  • Adresse: Hölderlinstraße 22, 70193 Stuttgart, Deutschland
  • Öffentliche Verkehrsmittel:
    • S-Bahn: Haltestelle „Stuttgart Universität“ (S1, S2, S3) – ca. 10–15 Minuten zu Fuß
    • U-Bahn: Haltestelle „Schwabstraße“ (U2, U9, U29, U34) – ca. 10 Minuten zu Fuß
    • Bus: Haltestellen in der Nähe in der Rotebühlstraße und Schwabstraße
  • Zu Fuß/Fahrrad: Gut erreichbar vom Stadtzentrum und Campus der Universität
  • Mit dem Auto: Parkplätze an der Straße sind begrenzt; öffentliche Parkhäuser an der Schwabstraße oder am Rotebühlplatz werden empfohlen (Germany with Amy)

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

  • Öffnungszeiten: 24/7, da der Stolperstein in einen öffentlichen Gehweg eingelassen ist
  • Eintritt: Kostenlos; kein Ticket erforderlich

Barrierefreiheit

  • Der Gehweg ist eben und für Besucher mit eingeschränkter Mobilität geeignet, obwohl einige Kopfsteinpflasterabschnitte und schmale Gehwege geringfügige Herausforderungen darstellen können.

Sprache

  • Die Inschrift ist auf Deutsch, aber Hintergrundinformationen auf Englisch sind online verfügbar (Stadtlexikon Stuttgart).

Praktische Tipps und Besucheretikette

  • Innehalten und Nachdenken: Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um die Inschrift zu lesen und Herrmanns Geschichte zu bedenken.
  • Ein Denkzeichen hinterlassen: Das Ablegen eines kleinen Steins oder einer Blume ist ein traditionelles Zeichen des Gedenkens.
  • Respektieren Sie den Raum: Achten Sie auf die Anwohner und vermeiden Sie es, Eingänge oder Fußwege zu blockieren.
  • Fotografie: Dezente Fotografie ist erlaubt; behindern Sie andere nicht.
  • Reinigung: Es wird geschätzt, wenn Besucher Stolpersteine als Geste der Pflege sanft mit einem weichen Tuch reinigen.

Historische Stätten in der Nähe und weitere Erkundungen

  • Hotel Silber: Ehemaliges Gestapo-Hauptquartier, heute ein Museum und Bildungszentrum (Hotel Silber)
  • Gedenkstein im Stadtgarten: Gedenkstein in der Nähe der Universität, 1988 vom Stadtjugendring aufgestellt (Stadtlexikon Stuttgart)
  • Lilo-Herrmann-Haus: Kulturzentrum in Heslach, benannt nach Herrmann, das Veranstaltungen und Ausstellungen anbietet.
  • Weitere Stolpersteine: Die interaktiven Karten von Stuttgart ermöglichen es den Besuchern, Routen zu mehreren Standorten zu planen (Stolpersteine Stuttgart Kartenüberblick)

Bildungs- und Gemeinschaftswirkung

Der Stolperstein für Liselotte Herrmann ist in lokale Bildungsinitiativen, Gedenkwanderungen und Schulprojekte integriert. Jährliche Reinigungskampagnen und Gedenkfeiern verbinden die Gemeinde mit dieser Geschichte. Ihre Geschichte wird in kulturellen Werken, Ausstellungen und Stadtführungen thematisiert, um fortlaufendes Engagement und Dialog zu gewährleisten (Stuvus Stuttgart, Frauen im Widerstand).


Jährliche Gedenkfeiern

Jeweils am 20. Juni, dem Jahrestag von Herrmanns Hinrichtung, halten lokale Gruppen und die Universitätsgemeinschaft Gedenkveranstaltungen am Stolperstein und an anderen Gedenkstätten ab. Diese Treffen fördern die Reflexion über die Bedeutung des Widerstands und die fortwährende Verantwortung des Erinnerns (Stuvus Stuttgart).


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F: Gibt es eine Eintrittsgebühr oder ein Ticket, um den Stolperstein zu besuchen?
A: Nein, er ist kostenlos und jederzeit zugänglich.

F: Sind Führungen verfügbar?
A: Lokale Organisationen bieten gelegentlich geführte Gedenkwanderungen an, die den Stolperstein einschließen. Aktualisierungen finden Sie auf der Veranstaltungsseite Stolpersteine Stuttgart.

F: Ist die Stätte für Menschen mit Behinderungen zugänglich?
A: Der Gehweg ist im Allgemeinen zugänglich, obwohl einige Kopfsteinpflasterbereiche Vorsicht erfordern können.

F: Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?
A: Es werden Tageslichtstunden aus Sicherheitsgründen und für klare Sicht empfohlen.

F: Können Besucher den Stolperstein reinigen?
A: Ja, das sanfte Reiben mit einem weichen Tuch ist eine geschätzte Geste.


Bilder und interaktive Ressourcen

  • Bilder:
    Stolperstein für Liselotte Herrmann in der Hölderlinstraße 22
    Alternativtext: Stolperstein Messingplakette für Liselotte Herrmann in der Hölderlinstraße 22, Stuttgart.

  • Interaktive Karten:
    Diesen und weitere Stolpersteine finden Sie über die interaktive Karte von Stolpersteine Stuttgart.

  • Digitale Führer:
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