Stuttgart

Deutschland Aktualisiert Oct 2026

Stuttgart in Deutschland lässt eine Autostadt wie eine Bergstadt wirken: Mehr als 400 Staffeln erklimmen das steile Becken, vorbei an Weinreben und Gartenmauern, während die Zahnradbahn Zacke nach Degerloch rattert. Lass den Motor aus. Oft wartet der beste Ausblick nach einem Aufstieg, wenn sich unter dir die Stadt mit Dächern, Reben und bewaldeten Höhen öffnet.

Stuttgart, Deutschland Foto: Margo Evardson / Pexels
Attraktionen
12
Reisedauer
2–3 Tage
Beste jahreszeit
Mai–September; im September für Spaziergänge zur Weinlese

Warum Stuttgart

Aus zitierten Quellen erstellt · Methode ansehen · Wie unsere Guides entstehen →

Das königliche Stuttgart gruppiert sich um den Schlossplatz, wo der spätbarocke Neue Palast auf weitläufige Rasenflächen blickt und das Alte Schloss hinter seinen Mauern einen Renaissancehof birgt. Nur einen kurzen Spaziergang entfernt macht James Stirlings Neue Staatsgalerie von 1984 den Museumsbesuch zu einem architektonischen Umweg – mit farbenfrohen Geländern und einer kreisförmigen Freiluftrotunde.

Die Hügel bringen das Umland ganz nah, und Wein aus der Region gehört zum Alltag: Bestelle ein Viertle, den traditionellen Viertelliter, zu einer Portion Maultaschen oder Kässpätzle. In der 1914 eröffneten Markthalle fällt das Licht durch das Oberlichtdach auf Stände mit regionalen Erzeugnissen und Lebensmitteln aus aller Welt.

Autos sind hier ebenso Teil der Geschichte wie der Industrie. Das Mercedes-Benz Museum zeichnet den Weg des Automobils von 1886 durch eine doppelhelixförmige Anlage mit neun Ebenen nach; im anderen Teil der Stadt, in Zuffenhausen, zeigt Porsches Sammlung Rennmodelle neben dem vertrauten 911. Gemeinsam lassen sie Stuttgarts Identität weniger wie einen Werbespruch wirken und mehr wie eine Stadt, die noch immer darüber debattiert, wie Menschen sich fortbewegen sollten.

  • Das Automobil, zweimal erzählt

    Die beiden Automobilmuseen Stuttgarts erzählen die Geschichte auf ganz unterschiedliche Weise: Das Mercedes-Benz Museum führt spiralförmig durch neun Ebenen eines doppelhelixförmigen Gebäudes, während im weißen, auskragenden Porsche-Museum in Zuffenhausen Rennwagen an den Stationen mit Motorengeräuschen zum Greifen nah sind. Gemeinsam zeichnen sie den Weg des Automobils von 1886 bis zur Rennstrecke nach.
  • Moderne Architektur vor Ort

    In der Weißenhofsiedlung stehen Le Corbusiers Häuser von 1927 als Teil eines UNESCO-gelisteten Experiments zum modernen Wohnen; auf der anderen Seite der Stadt macht James Stirlings Neue Staatsgalerie von 1984 den Museumsbesuch zu einem Spaziergang zwischen rosa Geländern, grünen Metallarbeiten und einer offenen Rotunde. Stuttgarts Architektur gibt sich selten mit Konventionen zufrieden.
  • Eine Stadt, die man zu Fuß erklimmt

    Mehr als 400 Treppenwege an den Hängen, die Staffeln, verbinden das Becken mit Weinbergen und stillen Wohnstraßen. Zur Belohnung taucht die Stadt immer wieder zwischen den Dächern auf. Für einen weiteren Blick fahre mit der Zahnradbahn Zacke vom Marienplatz bergauf oder erklimme den 217 Meter hohen Fernsehturm, den weltweit ersten Fernmeldeturm aus Stahlbeton.
  • Kunst jenseits der Galeriewände

    Die Staatsgalerie zeigt alte Meister neben den geometrischen Originalkostümen aus Oskar Schlemmers Triadischem Ballett von 1922, während das Stuttgarter Ballett John Crankos dramatisches Erbe auf die Bühne bringt. Hier kann ein Museumsbesuch mit einer Aufführung ein paar Straßen weiter enden.

Viertel

Wo es sich zu schlendern lohnt, Viertel für Viertel — jedes mit eigenem Rhythmus.

  • Mitte

    Die Innenstadt ist eine kompakte Abfolge von Schlössern, Galerien und Lokalen: Beginne am Schlossplatz und schau anschließend in der Markthalle oder im Glaskubus des Kunstmuseums vorbei. Nach Einbruch der Dunkelheit füllen sich die Gassen rund um den Hans-im-Glück-Brunnen mit Weinstuben und Bars.
  • Bohnenviertel und Leonhardsviertel

    In diesen alten Vierteln sind enge Kopfsteinpflastergassen und der Charakter eines früheren Handwerker- und Weingärtnerviertels erhalten geblieben. Stöbere in Antiquitätengeschäften und Ateliers und kehre anschließend in eine Weinstube ein, um schwäbische Gerichte oder ein Glas Wein aus der Region zu genießen.
  • Lehenviertel und Stuttgart-Süd

    Südlich der Innenstadt säumen Gründerzeithäuser einen eher wohnlichen Stadtteil mit Cafés, Eisdielen und Kneipen. Der Marienplatz ist ein guter Ausgangspunkt für Erkundungen zu Fuß oder für eine Fahrt mit der Zacke bergauf.
  • Bad Cannstatt

    Stuttgarts ältester Stadtbezirk verbindet Mineralbäder und historische Straßen mit dem Fachwerkhaus Klösterle aus dem Jahr 1463. Der Bezirk erstreckt sich außerdem bis zum Neckarpark, in dem das Mercedes-Benz Museum und das Festgelände Cannstatter Wasen liegen.
  • Zuffenhausen

    Der Porscheplatz ist der Besuchermagnet dieses nördlichen Stadtbezirks: Im kantigen weißen Gebäude des Porsche-Museums sind historische Straßen- und Rennwagen zu sehen, darunter der 911 und der 917. Interaktive Stationen mit Motorengeräuschen machen die Sammlung nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar.
  • Weißenhof

    Die Weißenhofsiedlung entstand 1927 für eine vom Deutschen Werkbund veranstaltete Ausstellung unter der Leitung von Mies van der Rohe. Zu den Bauten der Moderne gehört das Doppelhaus von Le Corbusier und Pierre Jeanneret, das heute ein Museum beherbergt und Teil einer UNESCO-Welterbestätte ist.
  • Degerloch

    Fahre mit der Zacke vom Marienplatz den Hang hinauf, und das Stuttgarter Becken liegt nach und nach unter dir. In Degerloch lässt sich Stuttgarts steile Topografie gut nachvollziehen, ohne den Anstieg als bloße Mühe zu betrachten.
  • Killesberg

    Nördlich der Innenstadt bietet der 50 Hektar große Killesbergpark Gärten, eine Miniatureisenbahn und den schlanken, 40 Meter hohen Killesbergturm. Er bildet einen grünen Gegenpol zu den Museen und Schlossplätzen der Stadt.

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Bevor es losgeht

Anreise nach Stuttgart
Der Flughafen Stuttgart (STR) liegt etwa 13 km südlich des Zentrums und ist das wichtigste Eingangstor zur Stadt; der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) und der Flughafen Frankfurt (FRA) sind weiter entfernte Alternativen. Fernzüge kommen am Stuttgarter Hauptbahnhof an, regionale Verkehrsknotenpunkte sind Stuttgart-Bad Cannstatt, Stuttgart-Vaihingen und Flughafen/Messe. Über die Straße verbindet die A8 Karlsruhe und München, die A81 führt in Richtung Heilbronn und Singen, und die A831 kommt aus dem Südwesten hinzu.
Unterwegs in Stuttgart
Im Jahr 2026 umfasst das VVS-Netz die Stadtbahn mit 17 benannten Linien und die sieben S-Bahn-Linien S1–S6 und S60; Busse, die Zahnradbahn Zacke und die 1929 eröffnete Standseilbahn durch den Wald schließen die Lücken. Der Fahrradverleih RegioRadStuttgart verfügt über mehr als 250 Stationen, und der Grüne U verbindet Parks auf einer 8 km langen Strecke. Eine Tageskarte für eine Zone kostet laut Tarif 6,90 € in der App oder 7,40 € am Automaten; für den Flughafen ist eine Karte für zwei Zonen nötig. Mit der StuttCard PLUS ist die VVS-Nutzung im Museumseintritt enthalten.
Klima und beste Reisezeit
Die typischen monatlichen Tiefst- und Höchsttemperaturen liegen im Frühling bei etwa 1–19 °C, im Sommer bei 12–25 °C, im Herbst bei 2–20 °C und im Winter bei −2–6 °C. Das ganze Jahr über fällt Regen, mit niederschlagsreicheren Phasen und Sommergewittern etwa von Mai bis Juli; der Februar gehört zu den trockeneren Monaten. Von Mai bis September ist die geschäftige Freiluftsaison, während Ende November und im Dezember viele Besucher zu den Weihnachtsmärkten kommen. Mai, Juni und September bieten gute Chancen auf mildes Wetter und ausreichend Platz für Erkundungstouren.
Sprache und Währung
Die Amtssprache ist Deutsch. Neben dem üblichen Deutsch hört man auch den schwäbischen Gruß „Grüß Gott“; in großen Museen, Hotels und Verkehrsknotenpunkten ist Englisch weit verbreitet. In Deutschland wird mit dem Euro (€) bezahlt. Halte etwas Bargeld für kleine Bäckereien, traditionelle Weinstuben und öffentliche Toiletten bereit, auch wenn viele größere Geschäfte Karten akzeptieren.
Sicherheit in Stuttgart
Stuttgart gilt für Besucher allgemein als Stadt mit geringem Risiko. Behalte jedoch deine Taschen rund um den Stuttgarter Hauptbahnhof und den Arnulf-Klett-Platz im Auge, besonders spätabends. Rufe bei der Polizei die 110 und bei Feuer oder medizinischen Notfällen die 112 an.

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Vom Gestüt zur Autostadt

Ein württembergischer Herrschersitz, geprägt von Höfen, Industrie, Krieg und immer neuem Wandel

  1. um 90 n. Chr.

    Rom überschreitet den Neckar

    Römische Truppen errichteten im heutigen Bad Cannstatt ein Kastell und eine zivile Siedlung, um Straßen und Neckarübergänge zu sichern. Fragmente dieser Grenzwelt liegen noch immer unter einem Stadtbezirk, der heute eher für seine Quellen und Fabriken bekannt ist.

  2. um 950

    Ein Gestüt gibt der Stadt ihren Namen

    Der Überlieferung nach geht Stuttgarts Name auf ein Pferdezuchtgut, einen sogenannten Stuotgarten, im Nesenbachtal zurück. Die Geschichte verknüpft die Anfänge der Stadt eher mit Pferden als mit einer Burg oder einer Römerstraße, auch wenn das genaue Datum und der Gründer ungewiss bleiben.

  3. um 1083

    Konrad begründet eine Dynastie

    Konrad I. von Württemberg festigte seine Macht auf der Burg Wirtemberg, auf einem Hügel über dem Neckartal im heutigen Stuttgart. Die überlieferten Quellen sind lückenhaft, doch die Burg wurde zum Stammsitz der Familie und gab der Dynastie ihren Namen, die die Region jahrhundertelang regieren sollte.

  4. 1229

    Stuttgart wird erstmals urkundlich erwähnt

    Eine von Papst Gregor IX. ausgestellte Urkunde ist die älteste erhaltene formelle Erwähnung Stuttgarts. Zu dieser Zeit hatte die Siedlung bereits Stadtrecht und begann, auch über das Tal hinaus an Bedeutung zu gewinnen, das ihr Schutz bot.

  5. 1311–1315

    Eine Belagerung unterbricht die Herrschaft Württembergs

    Kaiserliche Truppen belagerten und eroberten Stuttgart während des sogenannten Reichsstädtekriegs. Die Stadt geriet unter die Kontrolle Esslingens, bevor die württembergische Herrschaft 1315 wiederhergestellt wurde; nach einer Belagerung konnte die Macht hier noch immer den Besitzer wechseln.

  6. 1321

    Die Dynastie verlegt ihre Toten

    Graf Eberhard I. verlegte das württembergische Stiftskapitel und die Familiengrablege in die Stuttgarter Stiftskirche. Ihre Glocken und steinernen Gewölbe markierten einen Wandel in der Rolle der Stadt: Sie wurde zum Verwaltungs- und Zeremonialzentrum der Dynastie.

Ganze Zeitleiste zeigen (35 Momente)
  1. 1482

    Eine geteilte Grafschaft wird wiedervereint

    Der Münsinger Vertrag vereinte die württembergischen Gebiete, die zwischen Stuttgart und Urach geteilt gewesen waren. Eberhard V. machte Stuttgart zur Hauptstadt des wiederhergestellten Territoriums und sicherte der Stadt damit einen festeren Platz im Zentrum der regionalen Regierung.

  2. 1495

    Württemberg wird zum Herzogtum

    Auf dem Reichstag zu Worms erhob König Maximilian I. Eberhard V. zum Herzog. Stuttgart wurde zur Residenz eines Herzogtums, dessen Herrscher ihren Machtanspruch nun über die Grenzen einer Grafschaft hinaus geltend machen konnten.

  3. 1514

    Der Arme Konrad erhebt sich

    Bauern erhoben sich gegen die Steuern Herzog Ulrichs. Der Aufstand ist als Aufstand des Armen Konrad bekannt. Die Rebellion wurde niedergeschlagen, doch der anschließende Tübinger Vertrag sicherte den württembergischen Landständen Rechte und setzte der herzoglichen Macht Grenzen.

  4. 1534–1537

    Die Reformation setzt sich durch

    Nach der Rückeroberung Württembergs führte Herzog Ulrich die Reformation ein und machte das Luthertum zur Staatsreligion. Klosterbesitz wechselte den Eigentümer, und das Gemeindeleben in Stuttgart wurde durch neue Kirchenordnungen und eine andere Form des Gottesdienstes geprägt.

  5. 1553–1578

    Das Alte Schloss erhält Renaissancezüge

    Herzog Christoph ließ das Alte Schloss zu einem Renaissancewohnsitz umbauen. An die Stelle einer mittelalterlichen Festung traten ein Arkadenhof und repräsentativere Räume. In seinen Mauern ist der Wandel von der Wehrburg zum höfischen Wohnsitz noch heute spürbar.

  6. 1634–1648

    Der Krieg hinterlässt eine ausgehöhlte Stadt

    Nach dem katholischen Sieg bei Nördlingen besetzten kaiserliche und spanische Truppen Stuttgart, während Herzog Eberhard III. ins Exil floh. Plünderungen, Hunger und Pest trugen dazu bei, dass die Bevölkerung bis zum Kriegsende von etwa 10.000 auf rund 4.500 Menschen sank.

  7. 1693

    Französische Truppen fordern ihren Tribut

    Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs setzten die französischen Armeen unter Mélac Württemberg militärisch unter Druck und forderten hohe Geldzahlungen. Stuttgart bekam die Invasion durch Requisitionen und Kriegskontributionen zu spüren, während nahegelegene Orte noch direkter verwüstet wurden.

  8. 1738

    Joseph Süß Oppenheimer wird hingerichtet

    Nach dem Tod Herzog Karl Alexanders wurde der Finanzier am Hof, Joseph Süß Oppenheimer, verhaftet und in einem antisemitischen Schauprozess zum Tode verurteilt. Am 4. Februar 1738 wurde er vor den Toren Stuttgarts hingerichtet. Der Fall zeigte, wie schnell politische Schuldzuweisungen in Verfolgung umschlagen konnten.

  9. 1746–1807

    Ein neues Schloss ordnet das Zentrum neu

    Herzog Carl Eugen ließ auf dem Gelände gegenüber dem heutigen Schlossplatz den Bau des Neuen Schlosses beginnen. Der prachtvolle Residenzbau wurde erst Jahrzehnte später fertiggestellt. Nach Jahren, in denen sich der Hof zunehmend nach Ludwigsburg orientiert hatte, kehrte er nach Stuttgart zurück. Das Schloss verlieh dem Stadtzentrum eine neue repräsentative Dimension.

  10. 1770

    Hegel wird in Stuttgart geboren

    Georg Wilhelm Friedrich Hegel wurde in Stuttgart geboren und verbrachte hier seine Kindheit. Er besuchte das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, bevor er zum Studium fortging. Sein Geburtshaus in der Eberhardstraße ist heute ein Museum – eine stille Adresse für einen Philosophen, dessen Ideen weit über die Stadt hinausreichen sollten.

  11. 1775

    Schiller tritt in die Karlsschule ein

    Friedrich Schiller wechselte an die Militärakademie Herzog Carl Eugens in Stuttgart, wo strenge Abläufe und engmaschige Aufsicht seine frühen Jahre als Schriftsteller prägten. Als Schüler entwarf er „Die Räuber“; deren aufrührerische Kraft sollte den jungen Dramatiker bald zum Problem für den Hof machen.

  12. 1818

    Ein Erntedankfest nimmt seinen Anfang

    Nach den Hungerjahren infolge des Ausbruchs des Tambora unterstützten König Wilhelm I. und Königin Katharina Maßnahmen zur Linderung der Not und zur Verbesserung der Landwirtschaft. Das erste Cannstatter Volksfest verband Vieh, Feldfrüchte und öffentliche Feierlichkeiten: Aus einer königlichen Reaktion auf den Hunger wurde ein jährliches Fest.

  13. 1845

    Die Eisenbahn erreicht den Neckar

    Württembergs erste Eisenbahnstrecke wurde zwischen Cannstatt und Esslingen eröffnet und beförderte Fahrgäste und Waren am Neckar entlang. Die neue Verbindung verkürzte Entfernungen, für die man zuvor auf Straßen und Flussschifffahrt angewiesen war, und trug dazu bei, das Tempo des industriellen Wachstums Stuttgarts zu bestimmen.

  14. 1849

    Das Rumpfparlament wird auseinandergetrieben

    Nach dem Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung versammelten sich die verbliebenen demokratischen Abgeordneten in Stuttgart als Rumpfparlament. Am 18. Juni lösten württembergische Truppen die Versammlung gewaltsam auf und beendeten damit den letzten Versuch, die deutsche Revolution durch Debatten am Leben zu halten.

  15. 1886

    Daimler und Maybach bauen ein Kraftfahrzeug

    In Bad Cannstatt bauten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach ihren kompakten Benzinmotor in eine vierrädrige Kutsche ein. Ihre Werkstatt gehörte zu einer Stadt, die gerade begann, technische Experimente in einen Industriezweig zu verwandeln – auch wenn die Geschichte des Automobils mehr als einen Erfinder kennt.

  16. 1886

    Bosch eröffnet eine Werkstatt

    Robert Bosch gründete in Stuttgart eine Werkstatt für Feinmechanik und Elektrotechnik. Sie begann bescheiden, doch das Unternehmen sollte sich einen Namen damit machen, praktische Probleme im Inneren von Maschinen zu lösen – darunter die zuverlässige Zündung schnell laufender Motoren.

  17. 1918

    Die Monarchie weicht

    Als die Revolution Deutschland erfasste, dankte König Wilhelm II. am 30. November in Stuttgart ab. Württemberg wurde innerhalb der neuen deutschen Ordnung zu einer demokratischen Republik, und die königlichen Residenzen verloren fast über Nacht ihre bisherige politische Bedeutung.

  18. 1927

    Die Moderne nimmt auf dem Weissenhof Gestalt an

    Unter der Leitung von Mies van der Rohe errichtete der Deutsche Werkbund die Weißenhofsiedlung als öffentliches Plädoyer für modernes Wohnen. Zu den beteiligten Architekten gehörten Le Corbusier, Walter Gropius und weitere. Die beiden Häuser Le Corbusiers wurden 2016 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

  19. 1938–1944

    Die Verfolgung erreicht die Stadt

    Während des Novemberpogroms 1938 wurde die Alte Synagoge in der Hospitalstraße in Brand gesteckt und zerstört. Von 1941 bis 1944 wurden mehr als 2.500 jüdische Menschen aus Stuttgart und Württemberg deportiert, viele über das Durchgangslager Killesberg. Auch Menschen mit Behinderungen wurden im Rahmen des sogenannten Euthanasieprogramms des NS-Regimes ermordet.

  20. 1940–1945

    Luftangriffe verwüsten Stuttgart

    Alliierte Flugzeuge griffen Stuttgart in 53 größeren Luftangriffen an und nahmen sowohl Bahnstrecken und Industriebetriebe als auch die Stadt selbst ins Visier. Bis Kriegsende hatten die Bombardierungen etwa 68 Prozent des Stadtzentrums zerstört und rund 4.500 Menschen das Leben gekostet, darunter Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

  21. 1945

    Französische Truppen nehmen die Stadt ein

    Französische Truppen rückten am 21. und 22. April in Stuttgart ein und beendeten damit die NS-Herrschaft in der Stadt. Bereits im Juli wechselte die Besatzungsmacht: Stuttgart wurde Teil der amerikanischen Besatzungszone. Damit waren die Rahmenbedingungen für den Wiederaufbau nach dem Krieg gesetzt.

  22. 1952

    Stuttgart wird Landeshauptstadt

    Durch den Zusammenschluss von Württemberg-Baden, Baden und Württemberg-Hohenzollern entstand das Land Baden-Württemberg mit Stuttgart als Hauptstadt. Eine vom Krieg gezeichnete Stadt beherbergte nun die Institutionen eines neu geschaffenen Bundeslandes.

  23. 1956

    Ein Betonturm verändert die Stadtsilhouette

    Der 217 Meter hohe Fernsehturm auf dem Hohen Bopser wurde eröffnet; entworfen hatte ihn der Ingenieur Fritz Leonhardt. Als weltweit erster Fernsehturm aus Stahlbeton erhob er sich wie ein schlanker Aussichtsturm über der Stadt. Seine Bauform wurde bald weit über Stuttgart hinaus übernommen.

  24. 1961–1973

    John Cranko erneuert das Ballett

    Der südafrikanische Choreograf John Cranko übernahm die Leitung des Stuttgarter Balletts und formte ein Ensemble, das für ausdrucksstarke Handlungsballette wie „Onegin“ und „Romeo und Julia“ bekannt wurde. Probenräume und Bühnen in Stuttgart bildeten die Heimat einer Compagnie, die international für Aufsehen sorgte, ohne ihrer Stadt den Rücken zu kehren.

  25. 1977

    Stammheim wird zum nationalen Brennpunkt

    Der Prozess gegen die Führung der Roten Armee Fraktion in Stuttgart-Stammheim rückte das Gefängnis und den eigens errichteten Gerichtssaal ins Zentrum der politischen Krise der Bundesrepublik. Am 18. Oktober starben Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis, nachdem die Entführung des Lufthansa-Flugs 181 gescheitert war.

  26. 1984

    Stirlings Staatsgalerie wird eröffnet

    James Stirlings Neue Staatsgalerie wurde neben dem älteren Museum eröffnet. Heller Stein trifft dort auf ein leuchtend grünes Geländer und eine rosafarbene Rampe. Der spielerische Weg durch das Gebäude macht schon den Eintritt ins Kunstmuseum zu einem Teil der architektonischen Aussage.

  27. 2006–2009

    Das Auto bekommt zwei Museen

    Das Mercedes-Benz Museum wurde 2006 in Bad Cannstatt eröffnet. Seine neun Ebenen umfassende Doppelhelix ordnet Fahrzeuge entlang der langen Geschichte des Automobils an. Porsche eröffnete 2009 ein Museum in Zuffenhausen. So wurde Stuttgarts industrielle Identität zu etwas, das die Stadt nicht nur herstellen, sondern auch betrachten konnte.

  28. 2010–2011

    Bürgerinnen und Bürger stellen Stuttgart 21 infrage

    Die Pläne, den Hauptbahnhof durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof zu ersetzen, lösten große Demonstrationen aus. Am 30. September 2010 kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstrierenden. Bei einem Volksentscheid 2011 wurde der Ausstieg des Landes aus dem Projekt abgelehnt. In der Nähe eröffnete zudem die neue Stadtbibliothek und veränderte die Architektur des Zentrums auf markante Weise.

  29. 2024

    Stuttgart richtet Spiele der Europameisterschaft aus

    Die MHPArena Stuttgart war während der UEFA Euro 2024 Austragungsort mehrerer Spiele und empfing Nationalmannschaften und Fans in einem Stadion mit langer Geschichte und wechselnden Namen. Die internationale Bühne der Stadt hatte sich vom Königshof und den Industriewerkstätten hin zum Fußball unter Flutlicht verlagert.

Wer hier lebte

  • Ingenieur und Erfinder · 1834–1900

    Gottlieb Daimler

    Arbeitete in Cannstatt, das heute zu Stuttgart gehört

    Daimler richtete seine Werkstatt in Cannstatt ein und entwickelte dort gemeinsam mit Wilhelm Maybach einen kompakten, schnelllaufenden Motor. Das Mercedes-Benz Museum führt dieses lokale Experiment weit in die Zukunft fort und zeigt, wie das frühe Kraftfahrzeug Teil des Alltags wurde.

  • Fahrzeugingenieur · 1875–1951

    Ferdinand Porsche

    Gründete 1931 sein Konstruktionsbüro in Stuttgart

    Porsche eröffnete 1931 sein Konstruktionsbüro in Stuttgart, noch bevor ein Auto seinen Namen trug; zunächst bearbeitete das Unternehmen technische Aufträge anderer Kunden. Das Museum in Zuffenhausen macht aus diesem unspektakulären Anfang eine Geschichte, erzählt anhand von Prototypen, Straßen- und Rennwagen.

  • Künstler und Choreograf · 1888–1943

    Oskar Schlemmer

    In Stuttgart geboren

    Der in Stuttgart geborene Schlemmer ließ Tänzer in seinem erstmals 1922 aufgeführten Triadischen Ballett wie bewegte Geometrie wirken. Die Staatsgalerie bewahrt Originalkostüme aus dem Werk; ihre prägnanten Formen wirken noch immer überraschend passend in einer Stadt, die viel auf Gestaltung gibt.

  • Choreograf · 1927–1973

    John Cranko

    Leitete das Stuttgarter Ballett von 1961 bis 1973

    Cranko übernahm 1961 die Leitung des Stuttgarter Balletts und prägte mit erzählerischen Werken wie Onegin dessen internationalen Ruf. Sein Name ist weiterhin mit der Ballettschule und dem Repertoire der Stadt verbunden – ein Vermächtnis, das sich daran zeigt, wie Tänzer seine Werke lernen und aufführen.

Wo essen

Wo Einheimische wirklich zum Abendessen einkehren — keine Touristenmenüs.

Insider- Tipps

Kleine Dinge, die verändern, wie die Stadt dir begegnet.

  • Mit der S-Bahn vom Flughafen

    Vom Flughafen Stuttgart fährst du mit der S2 oder S3 zum Hauptbahnhof; die Fahrt dauert etwa 25–27 Minuten. Der Flughafen liegt in Zone 2. Prüfe daher vor der Fahrt den Fahrpreis für zwei Zonen.
  • Die Staffeln nicht unterschätzen

    Stuttgarts historische Staffeln führen steile Hänge hinauf, während die zentrale Fußgängerzone größtenteils eben ist. Trage Schuhe mit gutem Profil, wenn du zu Aussichtspunkten oder Weinbergen hinaufgehen möchtest.
  • Etwas Bargeld dabeihaben

    Halte etwas Bargeld für kleine Bäckereien, Metzgereien, traditionelle Weinstuben und öffentliche Toiletten bereit. In vielen größeren Geschäften kannst du mit Karte bezahlen, in kleineren ist Bargeld aber weiterhin praktisch.
  • Ticketzonen prüfen

    Wenn du mehrmals mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährst, vergleiche das VVS-Tagesticket mit Einzelfahrten. Gruppen mit bis zu fünf Personen können ein Gruppen-Tagesticket nutzen. Aktuelle Preise und Zonen findest du in der App.
  • Auf deutsche Art Trinkgeld geben

    Bei einer Mahlzeit im Restaurant ist es üblich, aufzurunden oder etwa 5–10 % Trinkgeld zu geben. Sage dem Servicepersonal den Gesamtbetrag, den du bezahlen möchtest, bevor du Bargeld überreichst oder mit Karte zahlst.
  • Gepäck im Blick behalten

    Behalte Taschen und Wertsachen in der Nähe des Hauptbahnhofs gut im Blick, besonders in Menschenmengen und spätabends. Sei so aufmerksam wie an jedem stark frequentierten Verkehrsknotenpunkt.
  • Milde Monate wählen

    Von Mai bis September eignen sich die Monate für Spaziergänge an den Hängen und Mahlzeiten im Freien; im September beginnt die Weinlese. Nimm eine leichte Regenjacke mit, denn im Sommer gibt es häufig Schauer.
  • Die Stuttgarter Markthalle besuchen

    In der 1914 errichteten Markthalle bieten mehr als 30 Stände regionale und internationale Speisen unter dem Oberlichtdach an. Hier kannst du bequem an einem Ort verschiedene Spezialitäten probieren.

Häufig gefragt

Lohnt sich ein Besuch in Stuttgart?

Ja, besonders wenn du dich für Automobilgeschichte, moderne Architektur und Ausblicke von steilen Hängen begeisterst. Die Mercedes-Benz- und Porsche-Museen machen die Geschichte des Autos erlebbar, während die Weißenhofsiedlung und die Staffeln eine ganz andere Seite der Stadt zeigen.

Wie viele Tage sollte man für Stuttgart einplanen?

Plane 2–3 Tage für die Sehenswürdigkeiten im Zentrum und eines oder beide Automobilmuseen ein. Ein weiterer Tag lohnt sich, wenn du die Wilhelma besuchst, Aussichtspunkte an den Hängen erkundest oder einen Ausflug ins nahe Esslingen oder Ludwigsburg unternehmen möchtest.

Wie kommt man vom Flughafen Stuttgart ins Stadtzentrum?

Nimm die S2 oder S3 von Flughafen/Messe zum Stuttgarter Hauptbahnhof oder zur Stadtmitte; die Fahrt zum Hauptbahnhof dauert etwa 25–27 Minuten. An Werktagen fahren die Bahnen ungefähr alle 15 Minuten. Für die Fahrt vom Flughafen ins Zentrum benötigst du ein Ticket für zwei Zonen.

Ist Stuttgart für Touristen sicher?

Mit den üblichen Vorsichtsmaßnahmen ist Stuttgart für Besucher gut zu bereisen. Achte rund um den Hauptbahnhof auf deine Taschen und sei spätabends in belebten Gegenden aufmerksam – wie in anderen Städten auch.

Was kostet der öffentliche Nahverkehr in Stuttgart?

Die Fahrpreise hängen davon ab, durch welche Zonen du fährst und wie du dein Ticket kaufst. Die Stuttgarter Innenstadt liegt in Zone 1, der Flughafen in Zone 2. Vergleiche VVS-Tagestickets mit Einzelfahrten und prüfe die aktuellen Preise in der App.

Ist Stuttgart für Besucher teuer?

Deine Ausgaben hängen davon ab, wie viele kostenpflichtige Sehenswürdigkeiten du besuchst und wie oft du öffentliche Verkehrsmittel nutzt. Wenn du mehrere Museen besuchen möchtest, vergleiche die StuttCard mit den einzelnen Eintrittspreisen. Bei mehreren Fahrten solltest du prüfen, ob ein VVS-Tagesticket zu deinen Plänen passt.

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Bildnachweise (8)
  1. Margo Evardson — Pexels License (https://www.pexels.com/license/) — Quelle: https://www.pexels.com/photo/37549125/
  2. Margo Evardson — Pexels License (https://www.pexels.com/license/) — Quelle: https://www.pexels.com/photo/37549124/
  3. Zhenning SHI — Pexels License (https://www.pexels.com/license/) — Quelle: https://www.pexels.com/photo/12463988/
  4. GIUSEPPE DE BERGOLIS — Pexels License (https://www.pexels.com/license/) — Quelle: https://www.pexels.com/photo/36498844/
  5. Pham Ngoc Anh — Pexels License (https://www.pexels.com/license/) — Quelle: https://www.pexels.com/photo/27972133/
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