Stolperstein Für Ruth Behrendt

Einleitung

Der Stolperstein für Ruth Behrendt in Münster ist ein eindringliches Zeugnis für das jüdische Erbe der Stadt und eine bewegende Erinnerung an das Schicksal derer, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Das von Gunter Demnig initiierte Stolperstein-Projekt ist die weltweit größte dezentrale Gedenkinitiative, die Opfer des Holocaust und der nationalsozialistischen Unterdrückung direkt im städtischen Raum ehrt. Dieser Leitfaden bietet Besuchern einen umfassenden Überblick: historischen Kontext, praktische Informationen für den Besuch, die Geschichte hinter dem Stolperstein für Ruth Behrendt und die anhaltende kulturelle und pädagogische Bedeutung dieses einzigartigen Gedenkprojekts.


Was sind Stolpersteine? Ursprünge und Zweck

Das Stolperstein-Projekt wurde 1992 von Gunter Demnig initiiert. Jeder Stolperstein ist ein mit Messing beschichteter Betonwürfel von 10 x 10 cm, der in den Gehweg vor der letzten frei gewählten Wohnstätte eines Opfers nationalsozialistischer Verfolgung eingelassen ist. Auf jedem Stein befindet sich eine schlichte Inschrift: Name des Verstorbenen, Geburtsdatum, Deportationsdatum und – falls bekannt – Sterbedatum und -ort. Die Steine dienen als individuelle, greifbare Erinnerung, die Passanten einlädt, über die Erinnerung an die Menschen zu "stolpern", die einst dort lebten.

Demnigs zentrale Philosophie wird durch den Satz „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ zusammengefasst. Das Projekt gibt den Namen und Geschichten der sonst anonymen Tragödie des Holocaust wieder und verwebt die Erinnerung in den Alltag.


Das Stolperstein-Projekt in Münster: Umfang und gesellschaftliche Auswirkung

Seit seiner Einführung in Münster im Jahr 2004 durch den Verein „Spuren Finden e.V.“ hat das Stolperstein-Projekt stadtweit über 295 Steine verlegt. Diese Gedenkstätten ehren jüdische Bürger wie Ruth Behrendt, aber auch Sinti und Roma, politische Gegner, Zeugen Jehovas, Homosexuelle sowie Opfer von Zwangssterilisation und Euthanasie. Das Projekt ist eine gemeinschaftlich getragene Initiative, bei der lokale Historiker, Schüler und Nachkommen von Opfern an Forschung und Finanzierung beteiligt sind. Jede Verlegung verwandelt einen öffentlichen Raum in einen Ort der Reflexion, macht Erinnerung sichtbar und gegenwärtiger.


Ruth Behrendt: Biografischer Hintergrund

Ruth Behrendt wurde 1927 in Münster geboren. Ihre Familie war, wie viele jüdische Einwohner, vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten tief in das kulturelle und kommerzielle Leben der Stadt eingebunden. Die Gemeinschaft war zwar klein, aber lebendig und trug wesentlich zum Charakter Münsters bei. Nach 1933 führten eskalierende antisemitische Gesetze und Gewalt zu Massenverfolgung, Deportation und Vernichtung.

Ruth Behrendt wurde zusammen mit ihrer Familie im Dezember 1941 in das Ghetto Riga deportiert und im November 1943 in Auschwitz ermordet. Der ihr gewidmete Stolperstein verankert ihre Geschichte in der städtischen Landschaft Münsters und verwandelt den abstrakt großen Umfang der Holocaust-Statistiken in eine persönliche Begegnung.


Besuch des Stolpersteins für Ruth Behrendt: Standort und praktische Informationen

Genaue Lage

  • Adresse: Emdener Straße 19, 48155 Münster, Deutschland
  • GPS-Koordinaten: 51.954495, 7.64311
  • Der Stein befindet sich im Bürgersteig vor dem Hauseingang im Stadtteil Erphoviertel, östlich des Stadtzentrums von Münster.

Physische Beschreibung

Der Stolperstein für Ruth Behrendt ist eine Messingplakette von 10 x 10 Zentimetern, auf der eingraviert ist:

Hier wohnte Ruth Behrendt
Geb. 1927
Deportiert 1941
Ermordet in Auschwitz 1943

Er ist Teil einer Gruppe von Stolpersteinen unter dieser Adresse, die mehrere Mitglieder der Familien Behrendt und Sax gedenken. Die Steine sind in einer Reihe angeordnet, jeder mit dem Namen und dem Schicksal eines Familienmitglieds beschriftet.

Zugänglichkeit und Etikette

  • Offener Zugang: Stolpersteine sind rund um die Uhr zugänglich, ohne dass eine Eintrittskarte oder Gebühr erforderlich ist.
  • Barrierefreiheit: Der Bürgersteig in der Emdener Straße 19 ist eben und für Rollstühle und Kinderwagen geeignet.
  • Etikette: Als Gedenkstätten wird von Besuchern erwartet, dass sie ruhig und respektvoll sind. Kleine Steine oder Blumen auf den Stolperstein zu legen, ist eine traditionelle Geste des Gedenkens. Fotografie ist gestattet, aber Besucher sollten es vermeiden, den Bürgersteig zu blockieren oder die Anwohner zu stören.

Anreise

  • Zu Fuß/Mit dem Fahrrad: Etwa 1,5 km östlich des Prinzipalmarktes, des zentralen Platzes von Münster.
  • Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Leicht mit Stadtbussen erreichbar; nahegelegene Haltestellen sind in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar.

Touren, Veranstaltungen und digitale Ressourcen

Geführte Touren und Bildungsprogramme

  • Villa ten Hompel: Bietet geführte "Ins Stolpern Kommen"-Spaziergänge an, die den Stolperstein von Ruth Behrendt und andere besuchen, mit historischem Hintergrund und persönlichen Geschichten.
  • Buchung: Über die Villa ten Hompel oder die Tourist-Information Münster.
  • Dauer: 1,5 bis 2 Stunden. Für geführte Gruppen kann eine Gebühr anfallen.
  • Schulbesuche: „Spuren Finden e.V.“ organisiert Bildungswanderungen und Unterrichtsmaterialien.

Selbst geführte Erkundung

  • Stolpersteine-App: Kostenlose App mit Biografien, Fotos und Karten für die Stolpersteine in Münster.
  • Digitales Geoportal: Online-Karte und Routen für selbst geführte Touren.

Sonderveranstaltungen

  • Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust (27. Januar): Zeremonien an Stolperstein-Standorten.
  • Verlegungsveranstaltungen: Öffentlich bekannt gemachte Veranstaltungen unter Beteiligung von Familien, Schülern und Gemeindemitgliedern.

Nahegelegene historische Stätten und Sehenswürdigkeiten

  • Villa ten Hompel: Gedenk- und Forschungszentrum zur nationalsozialistischen Geschichte.
  • Historisches Rathaus: Das historische Rathaus von Münster.
  • Weitere Stolpersteine: Mehrere Steine in der Umgebung erinnern an weitere Mitglieder der Familien Behrendt und Sax.
  • Jüdisches Museum Westfalen: Für einen breiteren Kontext zum jüdischen Leben in der Region.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F: Gibt es Öffnungszeiten oder Eintrittspreise für den Stolperstein von Ruth Behrendt? A: Nein. Der Stolperstein ist jederzeit zugänglich, ohne dass Eintrittskarten benötigt werden.

F: Ist der Standort rollstuhlgerecht? A: Ja, der Bürgersteig ist für Rollstühle und Kinderwagen zugänglich.

F: Wie finde ich weitere Stolpersteine in Münster? A: Nutzen Sie die Stolpersteine-App, das digitale Geoportal oder Karten des städtischen Tourismusamtes und der Villa ten Hompel.

F: Kann ich an Verlegungszeremonien oder Instandhaltungsarbeiten teilnehmen? A: Ja, öffentliche Beteiligung ist sowohl bei Veranstaltungen als auch bei der regelmäßigen Reinigung willkommen. Kontaktieren Sie „Spuren Finden e.V.“ für Details.


Kulturelle und pädagogische Bedeutung

Der Stolperstein für Ruth Behrendt und andere Steine dienen nicht nur als Gedenkstätten, sondern auch als Bildungswerkzeuge. Durch Führungen, Schulprojekte und digitale Ressourcen fördert das Projekt historische Bildung, Empathie und bürgerschaftliches Engagement. Die physische Platzierung von Steinen in alltäglichen Räumen verankert die Erinnerung im täglichen Leben und sorgt dafür, dass die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung im öffentlichen Bewusstsein präsent bleiben.

Die anhaltende Beteiligung der Gemeinschaft, mit Forschung und Sponsoring durch Anwohner, stärkt Münsters Erinnerungskultur. Der dezentrale Ansatz des Projekts ermöglicht es jeder Gedenkstätte, als Ort der Reflexion und des Dialogs zu dienen, wodurch Geschichte greifbar und relevant wird.


Planen Sie Ihren Besuch

  • Laden Sie die Stolpersteine Münster App herunter, für interaktive Karten und Biografien.
  • Buchen Sie eine geführte Tour über die Villa ten Hompel oder erkunden Sie auf eigene Faust.
  • Besuchen Sie nahegelegene historische Stätten, um Ihr Verständnis der Vergangenheit Münsters zu vertiefen.
  • Folgen Sie lokalen Organisationen wie „Spuren Finden e.V.“ und der Villa ten Hompel in den sozialen Medien für aktuelle Informationen.

Hören Sie die ganze Geschichte in der App

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