Historischer Hintergrund: Die Familie Cantor in Mainz
Die Familie Cantor gehörte zu den vielen jüdischen Haushalten, die vor dem Holocaust zum pulsierenden Gemeinschaftsleben von Mainz beitrugen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren sie etablierte Bewohner in der Breidenbacher Straße 19. Tragischerweise wurde diese Adresse zur letzten frei gewählten Heimat für mehrere Familienmitglieder, bevor sie unter der Herrschaft der Nazis verfolgt und deportiert wurden (Mainz Stolperstein Liste, PDF).
Paul Cantor und seine Verwandten
- Paul Cantor (geb. 1876) Deportiert in das Ghetto Theresienstadt am 27. September 1942, dort weniger als einen Monat später, am 23. Oktober 1942, verstorben.
- Anna Cantor (geb. 1872) Mit Paul nach Theresienstadt deportiert, dort am 11. Mai 1944 verstorben.
- Ernst Cantor (geb. 1877) Deportiert nach Piaski/Lublin am 25. März 1942, dort ermordet.
- Ludwig Max Cantor (geb. 1870) Geflohen nach Berlin, dort am 17. Februar 1944 im Jüdischen Krankenhaus Suizid begangen (Mainz Stolperstein Liste, PDF).
Diese Stolpersteine wurden am 6. November 2007 im Rahmen der fortlaufenden Initiative von Mainz zur Ehrung der während der NS-Ära verfolgten Menschen verlegt.
Andere Verwandte, wie Alfred und Emilie Cantor, erlitten ähnliche Schicksale: Alfred wurde in Buchenwald ermordet und Emilie in Auschwitz getötet (Mainz Stolperstein Liste, PDF).
Das Stolperstein Projekt: Ursprünge und Bedeutung
Das von Gunter Demnig gegründete Stolperstein-Projekt ist eine dezentrale Gedenkstätte, die Opfer der NS-Verfolgung an ihrem letzten selbstgewählten Wohnort ehrt. Jede 10 x 10 cm große Messingtafel ist mit dem Namen, Geburtsdatum, Deportationsdatum und Schicksal des Einzelnen beschriftet (Wikipedia - Stolperstein; Stolpersteine Berlin). Im Gegensatz zu traditionellen Denkmälern sind Stolpersteine direkt in das alltägliche Leben integriert und laden Passanten ein, über die Geschichte zu "stolpern" und über die verlorenen Leben nachzudenken (pragueviews.com).
Mainz beteiligt sich seit den späten 1990er Jahren aktiv an dem Projekt. Heute werden die Stolpersteine in Mainz vom Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz und dem Verein für Sozialgeschichte Mainz e. V. koordiniert, wobei fortlaufend recherchiert und neue Biografien ergänzt werden (Haus des Erinnerns – Stolperstein Homepage).
Besuch des Paul Cantor Stolpersteins in Mainz
Standort und Erreichbarkeit
- Adresse Breidenbacher Straße 19, 55116 Mainz, Deutschland (Stolpersteine Mainz)
- Anreise Der Standort ist vom Stadtzentrum aus leicht zu Fuß erreichbar und liegt in der Nähe der S-Bahn-Station Mainz Römisches Theater (Travel Savvy Gal). Mainzer Nahverkehr (Straßenbahnen, Busse und sogar Tageskarten, die von Frankfurt gültig sind) macht die Anreise in die Altstadt bequem.
- Zugänglichkeit Der Stolperstein ist bündig mit dem Bürgersteig. Während das Gebiet generell flach und fußgängerfreundlich ist, sind einige Straßen in der Altstadt mit Kopfsteinpflaster versehen. Besucher mit Mobilitätshilfen sollten den Weg als machbar empfinden, möchten aber vielleicht für zusätzliche Orientierung auf Barrierefreiheitsressourcen zurückgreifen.
Besuchszeiten und Tickets
- Öffnungszeiten Der Stolperstein ist in den öffentlichen Bürgersteig eingelassen und rund um die Uhr zugänglich.
- Eintritt Es sind keine Tickets oder Gebühren erforderlich.
Führungen und Bildungsprogramme
- Führungen Das Haus des Erinnerns und andere lokale Organisationen bieten Führungen an, die sich mit den Stolpersteinen und der jüdischen Geschichte von Mainz befassen (Haus des Erinnerns – Kontakt). Führungen sind auf Anfrage auf Englisch verfügbar, und Gruppenbuchungen werden empfohlen.
- Sonderveranstaltungen Jährliche Gedenkveranstaltungen, insbesondere rund um den Holocaust-Gedenktag, beinhalten oft Zeremonien wie die Reinigung der Stolpersteine, Lesungen und öffentliche Zusammenkünfte. Für aktuelle Informationen konsultiere die zum Haus des Erinnerns oder die Website der Stadt Mainz.
Etikette und Bräuche
- Respektvolles Verhalten Nimm dir Zeit, die Inschriften zu lesen und nachzudenken. Das Ablegen eines kleinen Steins oder einer Blume ist ein traditionelles Friedenszeichen, aber optional.
- Fotografie Erlaubt, sollte jedoch diskret erfolgen und weder Anwohner noch den Fußgängerverkehr behindern.
- Stille Besinnung Das laute Vorlesen von Inschriften oder das Einhalten einer Schweigeminute kann eine bedeutungsvolle Art sein, die Opfer zu ehren (Germany.info).
Kombination deines Besuchs mit anderen historischen Stätten in Mainz
Der zentrale Standort des Stolpersteins ermöglicht eine einfache Integration in die breitere Erkundung des jüdischen und kulturellen Erbes von Mainz. Erwäge Besuche bei:
- Mainzer Synagoge und Synagogenplatz Standort der ehemaligen Synagoge, heute markiert durch eine Gedenktafel (Travel Savvy Gal).
- St. Stephansdom Mit berühmten Chagall-Fenstern, Symbolen der Versöhnung.
- Gutenberg-Museum Johannes Gutenberg und die Geschichte des Buchdrucks gewidmet.
- Mainzer Dom und Marktplatz Ein tausend Jahre alter Dom und lebendiger öffentlicher Platz.
Offizielle Selbstführungen und Karten sind über die Mainzer Tourismuswebsite erhältlich.
Weiterführende Informationen und Engagement
- Forschung und Archive Das Haus des Erinnerns – Für Demokratie und Akzeptanz führt eine Datenbank der Mainzer Stolpersteine mit Biografien und Fotos.
- Bildungsmaterialien Der Verein für Sozialgeschichte Mainz e. V. bietet historische Ressourcen für weiterführende Studien.
- Unterstützung und Beteiligung Erfahre mehr über das Sponsoring von Stolpersteinen oder die Teilnahme an Gedenkveranstaltungen auf der Website der Stadt Mainz.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Benötige ich Tickets, um den Stolperstein für Paul Cantor zu besuchen? Nein, der Stolperstein ist ein öffentliches Denkmal und kann jederzeit kostenlos besucht werden.
Was sind die Besuchszeiten? Der Standort ist rund um die Uhr zugänglich; Tageslicht bietet die beste Sicht.
Ist der Standort rollstuhlgerecht? Ja, der Stolperstein befindet sich auf einem öffentlichen Bürgersteig, der generell flach und zugänglich ist. Einige angrenzende Kopfsteinpflasterbereiche können uneben sein.
Gibt es geführte Touren? Ja, geführte Touren mit Schwerpunkt auf Stolpersteinen und der jüdischen Geschichte von Mainz werden von lokalen Organisationen angeboten. Prüfe die zum Haus des Erinnerns auf Zeitpläne.
Wie kann ich mehr über die Familie Cantor erfahren? Hintergrundinformationen und Biografien findest du in der Mainz Stolperstein Liste, PDF und auf Waymarking.
Tipps für einen bedeutungsvollen Besuch
- Bringe einen kleinen Stein oder eine Blume mit, die du als Zeichen des Gedenkens hinterlassen kannst.
- Nimm dir Zeit für stille Reflexion.
- Lies vor dem Besuch über die Familie Cantor, um mehr Kontext zu erhalten (Waymarking).
- Respektiere die Privatsphäre der aktuellen Bewohner in der Breidenbacher Straße 19.
- Erkunde nahegelegene jüdische Gedenkstätten für eine umfassendere historische Perspektive.