Stolperstein Für Max Tschornicki

Einleitung

Der Stolperstein für Max Tschornicki in Mainz, Deutschland, ist ein eindrucksvolles Mikrodenkmal, das die Erinnerung an die während des Nazi-Regimes verfolgten Menschen personalisiert. Stolpersteine – kleine Messingplatten, die in Gehwege eingelassen sind – erinnern an Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung an ihrem letzten frei gewählten Wohnort. Das 1992 vom Künstler Gunter Demnig initiierte Projekt ist heute das größte dezentrale Mahnmal der Welt mit über 100.000 Steinen in mehr als 1.800 Städten (Stolpersteine.eu; Wikipedia).

Ein solcher Stein, der sich in der Großen Bleiche 38 in Mainz befindet, ehrt Max Tschornicki – einen jüdischen Anwalt, Widerstandskämpfer gegen die Nazis und ein Symbol des Mutes. Dieser Leitfaden stellt den historischen Hintergrund von Tschornicki vor, bietet praktische Besucherinformationen und schlägt Möglichkeiten für eine tiefere Auseinandersetzung mit dem jüdischen Erbe Mainzer und dem Stolpersteinprojekt vor.


Historischer Hintergrund: Max Tschornicki

Frühes Leben und Ausbildung

Max Tschornicki wurde am 9. August 1903 in Rüsselsheim, Deutschland, als Kind orthodoxer Juden russischer Abstammung geboren. Sein Vater, Jakob Tschornicki, war ein religiöser Beamter und Schochet (Schlachter). Die Familie zog nach Mainz, wo Max das „Alte Gymnasium“ besuchte und sich in jüdischen Jugendorganisationen wie dem Jung-Jüdischen Wanderbund und dem Jungzionistischen Kreis Mainz engagierte. Beeinflusst vom politischen Klima trat er in seiner Jugend der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) bei (stolpersteine-mainz.de).

Juristische Karriere und politisches Engagement

Tschornicki setzte sein Jurastudium fort und wurde schließlich ein praktizierender Rechtsanwalt in Mainz. Er war besonders bekannt für die Verteidigung von Sozialdemokraten und Mitgliedern des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, einer republikanischen paramilitärischen Organisation, die sich für die Verteidigung der Demokratie während der Weimarer Republik einsetzte (Wikipedia: Max Tschornicki). Sein politisches Engagement und seine rechtliche Arbeit machten ihn zu einem prominenten Gegner des aufkommenden Nationalsozialismus.

Verfolgung und Widerstand

Mit der Machtübernahme der Nazis 1933 war Tschornicki als jüdischer Anwalt und Sozialist Ziel von Verfolgung. Er wurde mehrmals verhaftet und am 24. Mai 1933 im Konzentrationslager Osthofen gemäß der „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ interniert. Am 3. Juli 1933 gelang Tschornicki und Wilhelm Vogel die einzige bekannte erfolgreiche Flucht aus Osthofen (projektosthofen-gedenkstaette.de).

Exil und letzte Jahre

Nach seiner Flucht floh Tschornicki zunächst in das Saarland und später nach Frankreich. Im Exil setzte er seine Widerstandsarbeit fort und bemühte sich um die Freilassung seiner Verlobten und deren Mutter, die verhaftet worden waren. Nach der deutschen Besetzung Südfrankreichs wurde er in Lyon von der Gestapo gefasst. Tschornicki überlebte die Haft in mehreren Lagern, starb aber am 20. April 1945 im Außenlager Allach des Konzentrationslagers Dachau, wenige Tage vor der Befreiung (projektosthofen-gedenkstaette.de).


Das Stolperstein-Projekt und seine Bedeutung

Gunter Demnigs Stolperstein-Projekt ist eine dezentrale und partizipative Form der Erinnerung. Jeder Stolperstein – ein mit Messing überzogener Kopfstein – trägt den Namen, das Geburtsjahr und das Schicksal eines Opfers und wird an dessen letztem frei gewählten Wohnort platziert (mainz.de). In Mainz wurden seit 2007 über 350 Stolpersteine installiert, die alle als tägliche Erinnerung an durch NS-Verfolgung unterbrochene Leben dienen (stolpersteine-mainz.de).

Der Stolperstein für Max Tschornicki, der am 17. April 2019 in der Großen Bleiche 38 verlegt wurde, markiert nicht nur ein einzelnes Leben, sondern auch die breitere Geschichte jüdischen Widerstands und Leids in Mainz. Die Geste des Innehaltens und Lesens der Inschrift zwingt Besucher oft, den Kopf zu senken und symbolisch Respekt vor dem Opfer zu zollen.


Besuch des Max Tschornicki Stolpersteins in Mainz

Standort und Erreichbarkeit

Adresse: Große Bleiche 38, Mainz Altstadt (mapcarta.com)

  • Entfernung vom Mainzer Hauptbahnhof: 10–15 Minuten zu Fuß, erreichbar mit lokalen Bussen und Straßenbahnen.
  • Nähe zu Sehenswürdigkeiten: In der Nähe des Landesmuseums Mainz, des Neuen Brunnens und der historischen jüdischen Stätten der Stadt.

Besuchszeiten und Eintritt

  • 24/7 geöffnet: Der Stolperstein ist in einen öffentlichen Gehweg eingelassen und kann jederzeit das ganze Jahr über besucht werden.
  • Freier Eintritt: Es sind keine Tickets oder Reservierungen erforderlich.

Barrierefreiheit

  • Der Standort befindet sich auf Straßenniveau und ist für Besucher mit Mobilitätseinschränkungen generell zugänglich. Nachbarstraßen können jedoch Kopfsteinpflaster oder unebene Beläge aufweisen.

Tipps für Besucher

  • Beste Zeiten: Besuche am frühen Morgen oder späten Nachmittag bieten eine ruhigere, kontemplativere Atmosphäre.
  • Fotografie: Dezentrale Fotos sind gestattet; bitte zeigen Sie Respekt gegenüber den Anwohnern und der Feierlichkeit des Ortes.
  • Gedenken: Viele Besucher reinigen die Messingplatte während ihres Besuchs; das Ablegen eines kleinen Steins oder einer Blume ist eine traditionelle Geste des Gedenkens.
  • Einrichtungen: Cafés, Restaurants und öffentliche Toiletten sind in der Nähe verfügbar. Das Landesmuseum Mainz bietet zusätzliche historische Ausstellungen (happytowander.com).

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Pädagogischer Wert und gesellschaftliches Engagement

Der Stolperstein für Max Tschornicki dient nicht nur als Denkmal, sondern auch als Bildungsressource:

  • Geschichte personalisieren: Das Verweilen am Ort macht die Tatsache greifbar, dass der Holocaust Einzelpersonen und Stadtviertel betraf (stolpersteine.eu).
  • Interdisziplinäres Lernen: Das Denkmal wird von Schulen und Bildungseinrichtungen für Geschichts-, staatsbürgerkundliche und Kunstprojekte genutzt (Körber-Stiftung).
  • Gemeinschaftsveranstaltungen: Installationen und Gedenkmärsche beziehen oft lokale Einwohner und Nachfahren ein und stärken die Erinnerung als gemeinsame Bürgerpflicht.

Besucher-FAQs

F: Wie sind die Besuchszeiten für den Stolperstein Max Tschornicki? A: Der Stolperstein befindet sich im öffentlichen Raum und ist rund um die Uhr, das ganze Jahr über zugänglich.

F: Gibt es Eintrittspreise oder benötige ich Tickets? A: Nein, der Besuch des Stolpersteins ist für alle kostenlos.

F: Wie erreiche ich den Stolperstein vom Mainzer Hauptbahnhof aus? A: Es sind 10–15 Gehminuten vom Mainzer Hauptbahnhof zur Großen Bleiche 38. Öffentliche Verkehrsmittel sind ebenfalls verfügbar.

F: Sind geführte Touren verfügbar? A: Ja, lokale Organisationen und das Mainzer Tourismusamt bieten Führungen an, die sich auf jüdische Geschichte und Stolpersteine konzentrieren.

F: Darf ich am Standort fotografieren? A: Ja, respektvolle Fotografie ist gestattet.


Kultureller und pädagogischer Kontext

Der Stolperstein für Max Tschornicki ist ein Brennpunkt der Reflexion über Widerstand, Gerechtigkeit und Demokratie während der NS-Zeit. Indem das Projekt den letzten frei gewählten Wohnort eines verfolgten Einzelnen markiert, wirkt es der historischen Auslöschung entgegen und personalisiert die Geschichte des Holocaust (mainz.de; stolpersteine-mainz.de). Es fördert auch den fortlaufenden Dialog über Menschenrechte und Erinnerungskultur in Mainz und darüber hinaus.


Das Beste aus Ihrem Besuch machen

  • Besuche kombinieren: Erkunden Sie nahegelegene Stolpersteine und jüdische Gedenkstätten für ein umfassenderes Verständnis von Mainz’ Geschichte.
  • An Veranstaltungen teilnehmen: Nehmen Sie an öffentlichen Gedenkmärschen oder Stolperstein-Reinigungsevents teil, insbesondere an Gedenktagen wie dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.
  • Digitale Ressourcen nutzen: Viele Stolpersteine sind mit Online-Datenbanken oder QR-Codes verknüpft, die erweiterte Informationen und Biografien bieten (stolpersteine.eu).

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