Das Stolperstein-Projekt: Ursprung und Zweck
Das Stolperstein-Projekt wurde 1992 vom deutschen Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen, um Opfer nationalsozialistischer Verfolgungen zu ehren. Jeder Stolperstein ist ein 10 x 10 cm großer Betonblock mit Messingbeschichtung, auf dem der Name, das Geburtsjahr, das Schicksal und, soweit bekannt, das Datum und Ort des Todes des Opfers eingraviert sind. Die Steine werden bündig in den Gehweg vor der letzten frei gewählten Adresse des Opfers eingelassen, wodurch die Erinnerung Teil des alltäglichen Stadtlebens wird (stolpersteine.eu).
Im Gegensatz zu traditionellen Denkmälern dezentralisieren Stolpersteine die Erinnerung und laden Passanten ein, sich – physisch und emotional – mit den Geschichten von Menschen auseinanderzusetzen, die einst in ihrer Nachbarschaft lebten. Die Basisbewegung des Projekts bezieht Familien, Gemeinschaften und Organisationen in die Forschung, Patenschaft und Pflege der Steine ein. Bis 2024 sind Stolpersteine in über 1.860 Gemeinden zu finden, und jedes Jahr werden Tausende neue Steine verlegt (stolpersteine.eu).
Stolpersteine in Mainz: Lokaler Kontext
Mainz, eine der ältesten Städte Deutschlands mit einem lebendigen jüdischen Erbe, hat das Stolperstein-Projekt zur Ehrung von Juden und anderen Opfern des Nationalsozialismus angenommen. Lokale Organisationen – wie das Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz und der Verein für Sozialgeschichte Mainz e.V. – koordinieren die Recherche und Verlegung von Stolpersteinen, pflegen eine umfassende Datenbank und bieten Bildungsressourcen (stolpersteine-mainz.de).
So findest du Stolpersteine in Mainz
Stolpersteine sind in ganz Mainz verteilt, insbesondere im Stadtteil Hechtsheim und im Stadtzentrum. Die Webseite Stolpersteine Mainz bietet eine interaktive Karte und Datenbank für die Planung deiner Route. Geführte Spaziergänge sind ebenfalls über lokale Kulturorganisationen und das Mainzer Tourismusamt erhältlich.
Die Geschichte von Margarethe Selig und ihrer Familie
Margarethe Selig (geb. Hirsch) gehörte zu einer alteingesessenen jüdischen Familie in Hechtsheim bei Mainz. Die Seligs waren Obst- und Getreidehändler und tief in der Gemeinschaft verwurzelt. Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus wurde die Familie zunehmend verfolgt: Ihr Haus wurde während der Reichspogromnacht 1938 zerstört, und bis Januar 1939 waren Margarethe und ihr Mann Berthold gezwungen, in ein designates "Judenhaus" in der Adam-Karrillon-Straße 54 umzuziehen. Diese Häuser wurden von den Nazis genutzt, um jüdische Bewohner unter Überwachung und unter überfüllten Bedingungen zu konzentrieren (beer-mainz.de; alemannia-judaica.de).
Am 25. März 1942 wurden die Seligs von Mainz aus in das Ghetto Piaski im besetzten Polen deportiert, zusammen mit Hunderten anderer Juden aus der Region. Ihr Schicksal ist ein tragisches Beispiel für die systematische Zerstörung der Mainzer jüdischen Gemeinde.
Besuch des Stolpersteins von Margarethe Selig: Praktische Informationen
Ort
Der Stolperstein für Margarethe Selig befindet sich im Mainzer Stadtteil Hechtsheim, an ihrer letzten frei gewählten Adresse. Der genaue Standort kann zusammen mit einer Karte auf der offiziellen Webseite Stolpersteine Mainz gefunden werden.
Barrierefreiheit
- Öffentliche Verkehrsmittel Mainz ist eine gut begehbare Stadt mit ausgezeichneten Straßenbahn- und Busverbindungen vom Hauptbahnhof nach Hechtsheim.
- Zu Fuß Der Stein ist in einen öffentlichen Gehweg eingelassen und 24 Stunden am Tag zugänglich. Die meisten Steine sind für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich, obwohl einige Gehwege uneben sein können.
- Touristenhilfe Für Hilfe bei Wegbeschreibungen und Barrierefreiheit kontaktiere das Mainzer Tourismusamt.
Besuchszeiten und Tickets
- Öffnungszeiten Der Stolperstein ist Teil des öffentlichen Straßenbildes und kann jederzeit besucht werden.
- Tickets Es fallen keine Eintrittsgebühren oder Tickets an.
Was dich erwartet
- Erscheinungsbild Das Denkmal ist ein kleiner, messingbeschichteter Stein, bündig in den Gehweg eingelassen, mit der deutschen Inschrift: "Hier wohnte...", gefolgt von den Details von Margarethe Selig.
- Atmosphäre In einem Wohngebiet gelegen, ist der Ort in das tägliche Stadtleben integriert und bietet einen ruhigen Raum zur Reflexion.
Etikette und kulturelle Sensibilität
- Respekt Nähere dich dem Stein in Stille, halte inne, um die Inschrift zu lesen, und vermeide es, direkt auf ihm zu stehen.
- Gedenken Es ist Brauch, einen kleinen Stein oder eine Blume auf dem Stolperstein als Zeichen des Gedenkens abzulegen.
- Fotografie Erlaubt, aber bitte diskret und ohne Anwohner zu stören.
Instandhaltung
Lokale Freiwillige und Familienmitglieder reinigen Stolpersteine regelmäßig; Besucher können das Messing als Akt der Pflege und des Gedenkens sanft mit einem weichen Tuch polieren (Haus des Erinnerns).
Bereicherung deines Besuchs: Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Verbinde deinen Stolperstein-Besuch mit anderen bedeutenden Mainzer Sehenswürdigkeiten:
- Mainzer Dom Eine tausendjährige romanische Kathedrale.
- Gutenberg-Museum Das Erbe des Erfinders des Buchdrucks.
- Jüdisches Museum Mainz Chronik des jüdischen Erbes der Stadt.
- St. Stephan-Kirche Bekannt für die Glasfenster von Marc Chagall.
- Alter Jüdischer Friedhof Einer der ältesten jüdischen Friedhöfe Europas.
Für viele dieser Orte sind geführte Touren verfügbar. Für Details kontaktiere das Mainzer Tourismusamt.
Tipps für einen bedeutungsvollen Besuch
- Vorbereitung Informiere dich vorab über das Leben von Margarethe Selig und die jüdische Geschichte von Mainz (Leo Baeck Institute).
- Schuhwerk Trage bequeme Schuhe für Spaziergänge auf Kopfsteinpflasterstraßen.
- Wetter Kleide dich dem lokalen Klima entsprechend, da das Denkmal im Freien liegt.
- Sprache Die Inschrift ist auf Deutsch; erwäge die Mitnahme einer Übersetzungs-App.
- Führungen Plane eine geführte Tour für ein tiefgreifenderes Erlebnis.
- Digitale Ressourcen Nutze das digitale Archiv Stolpersteine Mainz für Hintergrundinformationen und Karten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
F: Benötige ich eine Eintrittskarte oder Reservierung, um den Stolperstein von Margarethe Selig zu besuchen? A: Nein, der Stolperstein ist ein öffentliches Denkmal, das jederzeit kostenlos zugänglich ist.
F: Sind Stolpersteine für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich? A: Im Allgemeinen ja – sie sind in öffentlichen Gehwegen eingelassen, obwohl einige Bereiche uneben sein können. Konsultiere das Mainzer Tourismusamt für spezifische Informationen zur Barrierefreiheit.
F: Darf ich Fotos machen? A: Ja, aber bitte sei respektvoll und diskret.
F: Sind Führungen verfügbar? A: Ja, über lokale Organisationen und das Tourismusamt. Eine Vorab-Buchung wird empfohlen, besonders in der Hochsaison.
Weiterführende Unterstützung und Kontaktinformationen
- Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz Für Bildungsprogramme, Freiwilligenarbeit oder zur Meldung von Schäden an einem Stolperstein. Haus des Erinnerns
- Mainzer Tourismusamt Allgemeine Besucherbeteiligung, Informationen zu Öffnungszeiten und Karten. Mainzer Tourismusamt
Mehr Entdecken
Der Stolperstein für Margarethe Selig ist nicht nur ein Zeichen im Bürgersteig – er ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die durch Intoleranz verlorenen Leben und die anhaltende Widerstandsfähigkeit der Erinnerung. Indem du ihre Geschichte besuchst, reflektierst und teilst, ehrst du ihr Andenken und trägst zu einer Kultur der Toleranz und des historischen Bewusstseins bei. Erkunde zusätzliche Online-Ressourcen, nimm an geführten Touren teil und beteilige dich an lokalen Gedenkveranstaltungen. Lade die Audiala-App für selbst geführte Touren herunter und folge lokalen Organisationen für Updates und neue Gedenksteine, um sicherzustellen, dass die Vergangenheit niemals vergessen wird.