Ursprung und Zweck des Stolperstein-Projekts
Das Stolperstein-Projekt wurde 1992 vom deutschen Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen. Sein Hauptziel ist es, einzelne Opfer des Nazi-Regimes – Juden, Sinti und Roma, politische Dissidenten, LGBTQ+-Personen und andere – zu ehren, indem kleine Messingplaketten in den Bürgersteig an ihrem letzten frei gewählten Wohnort eingelassen werden (IamExpat; Germany.info). Jeder Stolperstein beginnt mit „Hier wohnte“, gefolgt vom Namen des Opfers, Geburtsdatum, Schicksal und (falls bekannt) Todesdatum und -ort.
Die dezentrale Natur der Stolpersteine stellt sicher, dass die Erinnerung in das tägliche Gefüge europäischer Städte und Gemeinden eingewoben wird und der Abstraktion der Holocaust-Geschichte entgegenwirkt, indem die individuellen Namen und Geschichten ins öffentliche Bewusstsein zurückgerufen werden (Mainz.de). Gunter Demnig zitiert oft die talmudische Lehre „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ als Leitprinzip des Projekts (Germany.info).
Der Stolperstein für Henriette Sichel: Lokaler und historischer Kontext
Der Stolperstein für Henriette Sichel befindet sich in Mainz-Gonsenheim, in der Jahnstraße 36 (Beer-Mainz Stolpersteine). Henriette Sichel, geboren 1879, wurde während des Holocaust ermordet – ihr Stolperstein markiert die letzte Wohnstätte, in der sie frei lebte. Die Platzierung des Steins direkt vor ihrem ehemaligen Wohnhaus macht ihre Erinnerung zu einer physischen, öffentlichen Mahnung, die Vergangenheit und Gegenwart verbindet.
Vor der NS-Zeit hatte Mainz eine blühende jüdische Gemeinde mit etwa 2.600 Mitgliedern. Systematische Verfolgung, Deportationen und Ermordungen während des Holocaust verwüsteten diese Bevölkerung; bis zum Kriegsende überlebten nur wenige (Mainz.de). Die Stolpersteine in Mainz, einschließlich desjenigen von Henriette Sichel, dienen als beständige Zeugen dieses Verlusts und als Brennpunkte des Gedenkens.
Besucherinformationen: Standort, Öffnungszeiten und Barrierefreiheit
Standort: Jahnstraße 36, Mainz-Gonsenheim. Der Stolperstein ist in den Bürgersteig vor dieser Adresse eingelassen, in einer ruhigen Wohngegend.
Besuchszeiten: Es gibt keine eingeschränkten Öffnungszeiten – der Stolperstein ist rund um die Uhr zugänglich, da er Teil des öffentlichen Bürgersteigs ist.
Eintritt: Kein Ticket oder Eintrittspreis erforderlich.
Barrierefreiheit: Der Ort ist rollstuhlgerecht, da er sich auf einem öffentlichen Bürgersteig befindet. Wie in vielen europäischen Städten können einige Bürgersteige jedoch uneben sein.
Anreise: Vom Hauptbahnhof Mainz nimm die Straßenbahnlinien 50 oder 51 Richtung Finthen und steig in Gonsenheim aus. Die Jahnstraße ist nur einen kurzen Spaziergang von der Haltestelle entfernt.
Nahegelegene Sehenswürdigkeiten: Weitere Stolpersteine, die an Opfer aus Mainz-Gonsenheim erinnern, befinden sich ebenfalls in der Nähe, darunter die für die Familien May und Lichten in der Jahnstraße 21 und für Albert Strass in der Jahnstraße 36 (Beer-Mainz Stolpersteine).
Erinnerungskultur und praktische Tipps
- Innehalten und Nachdenken Nimm dir Zeit, die Inschrift zu lesen und über das Leben und Schicksal von Henriette Sichel nachzudenken.
- Gedenktafel respektieren Tritt nicht direkt auf den Stein. Die Geste der Verbeugung, um die Inschrift zu lesen, ist eine symbolische Geste des Gedenkens.
- Reinigungstradition Es ist üblich, Stolpersteine vorsichtig mit einem weichen Tuch zu polieren, insbesondere vor Gedenktagen wie dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust (27. Januar).
- Zeichen der Erinnerung Besucher hinterlassen oft Blumen oder kleine Steine neben dem Stolperstein als Zeichen des Respekts.
- Fotografie Diskret ist Fotografieren erwünscht, aber bitte nimm Rücksicht auf die Anwohner.
- Stadtführungen Mainz bietet Stadtführungen in mehreren Sprachen an, die sich mit jüdischer Geschichte und Stolpersteinen befassen (Mainz Tourismus Stadtführungen).
- Kombiniere Besuche Plane eine Erkundungstour durch das jüdische Erbe von Mainz mit anderen Gedenkstätten und historischen Stätten.
Gemeinschaftliches Engagement und Gedenkaktivitäten
Das Stolperstein-Projekt wird durch aktive Beteiligung der Gemeinschaft getragen. Lokale Schulen, Gemeindegruppen und Nachkommen recherchieren oft Biografien, sponsern Steine und organisieren Installationszeremonien (Stolpersteine Mainz). Die Installation von Stolpersteinen wird von Lesungen, Musik und Schweigeminuten begleitet, was ein Gefühl gemeinschaftlicher Verantwortung und Erinnerung fördert.
Am Holocaust-Gedenktag und an anderen wichtigen Terminen reinigen und schmücken Anwohner und Besucher Stolpersteine mit Kerzen und Blumen, was die Tradition des lebendigen Gedenkens stärkt.
Digitale Ressourcen und weiterführendes Engagement
- Online-Karten Nutze OpenStreetMap oder die WikiMap, um Stolpersteine in Mainz zu finden.
- Fotos und virtuelle Touren Die Website Stolpersteine Mainz bietet Bilder, Karten und Biografien.
- Lehrmaterialien Lokale Geschichtsvereine und das Stolperstein-Projekt bieten Broschüren und Lehrmaterialien an.
- Audiala App Lade die App für selbstgeführte Audiotouren und interaktive Karten herunter.
- Soziale Medien Folge lokalen Organisationen für Updates zu Installationen, Veranstaltungen und Bildungsinhalten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was sind Stolpersteine? Kleine Messingplaketten, die in Bürgersteige eingelassen sind und an Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung an ihren letzten Wohnorten erinnern.
Wo befindet sich der Stolperstein für Henriette Sichel? In der Jahnstraße 36, Mainz-Gonsenheim.
Gibt es Tickets oder Gebühren? Nein, der Stolperstein ist jederzeit zugänglich und kostenlos.
Sind Führungen verfügbar? Ja, Führungen zur jüdischen Geschichte und zu Stolpersteinen werden von lokalen Organisationen angeboten (Mainz Tourismus Stadtführungen).
Ist der Ort barrierefrei? Ja, der Stein befindet sich auf einem öffentlichen Bürgersteig und ist für die meisten Besucher zugänglich, auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.