Einleitung
Die Stolpersteine, oder „stolpernde Steine“, sind eine ergreifende und innovative Form der Holocaust-Erinnerung, die die Tragödie der nationalsozialistischen Verfolgung durch kleine Messingplaketten im Bürgersteig personalisiert und den letzten frei gewählten Wohnsitz der Opfer markiert. Das vom deutschen Künstler Gunter Demnig in den 1990er Jahren ins Leben gerufene Projekt hat sich zum größten dezentralen Holocaust-Mahnmal weltweit entwickelt, mit über 100.000 Steinen in mehr als 21 europäischen Ländern im Jahr 2023. Diese Denkmäler laden Passanten ein, innezuhalten, nachzudenken und sich an Einzelpersonen zu erinnern, die während der nationalsozialistischen Ära gewaltsam entwurzelt, deportiert und oft ermordet wurden (stolpersteine.eu; mainz.de).
Mainz, eine Stadt mit reichem jüdischem Erbe und einer Vorkriegsgemeinde von etwa 2.600 Einwohnern, beteiligt sich seit 2007 aktiv am Stolperstein-Projekt und hat über 350 Steine und eine größere Stolperschwelle zur Erinnerung an Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung installiert. Unter diesen Denkmälern sticht der Stolperstein für Ernst Josef May in der Jahnstraße 21 in Mainz-Gonsenheim als tief persönliche Ehrung hervor. Ernst Josef May und seine Familie, einst angesehene Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Mainz, wurden 1942 auf tragische Weise in das Vernichtungslager Treblinka deportiert, und ihre Geschichten werden durch diese Gedenksteine bewahrt (stolpersteine-mainz.de; mapcarta.com).
Der Besuch des Stolpersteins für Ernst Josef May bietet nicht nur einen Moment der feierlichen Erinnerung, sondern auch die Gelegenheit, sich mit dem breiteren jüdischen Erbe von Mainz auseinanderzusetzen. Die Steine sind jederzeit öffentlich zugänglich, ohne Eintrittsgeld, und sind in Führungen und Bildungsprogramme integriert, die von lokalen Organisationen wie dem Haus des Erinnerns und dem Verein für Sozialgeschichte Mainz e. V. angeboten werden. Digitale Werkzeuge, darunter interaktive Karten und mobile Apps, verbessern das Besuchererlebnis und erleichtern das Auffinden und Kennenlernen dieser Denkmäler (stolpersteine-mainz.de; haus-des-erinnerns-mainz.de).
Dieser umfassende Leitfaden möchte Besuchern detaillierten historischen Kontext, praktische Informationen zum Besuch des Stolpersteins für Ernst Josef May und Einblicke in die kulturelle Bedeutung der Stolpersteine in Mainz bieten und so eine respektvolle und bedeutungsvolle Begegnung mit dieser lebendigen Gedenklandschaft gewährleisten.
Fotogalerie
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Das Stolpersteine-Projekt: Geschichte und Bedeutung
Das Stolpersteine-Projekt wurde Mitte der 1990er Jahre vom deutschen Künstler Gunter Demnig initiiert. Diese kleinen, Pflasterstein-großen Messingplatten sind mit den Namen und Lebensdetails von Holocaustopfern beschriftet und werden vor ihren letzten frei gewählten Wohnsitzen in den Boden eingelassen (stolpersteine.eu). Was als eine Basisbewegung der Erinnerung in Köln begann, hat sich zum größten dezentralen Holocaust-Mahnmal der Welt entwickelt, mit über 100.000 Steinen in mehr als 21 europäischen Ländern (Stand 2023) (mainz.de). Das Projekt ist eine eindringliche Erinnerung an die persönlichen Geschichten hinter den Statistiken nationalsozialistischer Verfolgung und verwandelt alltägliche öffentliche Räume in Stätten der Reflexion und Erinnerung.
Stolpersteine in Mainz: Lokale Implementierung
Mainz mit seinem reichen jüdischen Erbe wurde 2007 Teil des Stolpersteine-Projekts. Die Stadt hatte vor dem Zweiten Weltkrieg eine lebendige jüdische Gemeinde von rund 2.600 Einwohnern, aber zwischen 1.300 und 1.400 Mainzer Juden wurden während des Holocaust getötet (mainz.de). Seit Beginn des Projekts vor Ort wurden über 350 Stolpersteine und eine Stolperschwelle (ein größerer Schwellenstein) in Mainz und Mainz-Kastel installiert. Installationen werden oft von Familien, Lokalhistorikern und Organisationen wie dem Haus des Erinnerns und dem Verein für Sozialgeschichte Mainz e. V. vorangetrieben (haus-des-erinnerns-mainz.de; stolpersteine-mainz.de).
Die Inschriften auf den Steinen enthalten üblicherweise den Namen des Opfers, das Geburtsjahr, das Datum der Deportation oder Verhaftung und sein Schicksal, was eine tief persönliche Verbindung zur Vergangenheit ermöglicht.
Ernst Josef May und Familie: Historischer Hintergrund
Ernst Josef May, geboren am 10. August 1925 in Mainz, war das einzige Kind von Alfred und Sophie May. Die Familie lebte von 1928 bis 1939 in Jahnstraße 21 im Stadtteil Gonsenheim in einem Haus, das ihnen gehörte (Stolpersteine Mainz – Familie May). Alfred May leitete die örtliche Schuhfabrik Weis & Co., bis diese aufgrund der globalen Wirtschaftskrise geschlossen wurde. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 veränderte ihr Leben radikal: Ernst Josef musste aufgrund antisemitischer Gesetze seine örtliche Schule verlassen, und nach der Kristallnacht 1938 wurde die Familie gezwungen, ihr Haus zu verkaufen, wahrscheinlich aufgrund finanziellen Drucks und der „Arisierung“.
1941 wurde die Familie May in ein „Judenhaus“ in der Adam-Karrillon-Straße 13 umgesiedelt, was die segregations- und Enteignungspolitik des NS-Regimes widerspiegelt. Am 30. September 1942 wurden Ernst Josef May und seine Eltern von Darmstadt in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Es gibt keine weiteren Spuren von ihnen (Stolpersteine Mainz – Familie May).
Der Stolperstein für Ernst Josef May in der Jahnstraße 21, der am 25. Oktober 2018 installiert wurde, ist eine persönliche und gemeinschaftliche Ehrung, Teil eines Netzwerks von Gedenkstätten für die Familie May und andere Opfer in Mainz (stolpersteine-mainz.de; mapcarta.com).
Besuch des Stolpersteins für Ernst Josef May: Öffnungszeiten, Standort und Barrierefreiheit
- Standort: Jahnstraße 21, Mainz-Gonsenheim. Der Stein ist im öffentlichen Bürgersteig vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie May eingelassen (mapcarta.com).
- Besuchszeiten: Stolpersteine sind jederzeit zugänglich, da sie Teil des öffentlichen Raums sind; es gibt keine Eintrittspreise oder Tickets.
- Barrierefreiheit: Der Standort ist im Freien und im Allgemeinen rollstuhlgerecht. Einige Bereiche von Mainz können unebene Gehwege haben, daher sollten Besucher mit Mobilitätseinschränkungen dies berücksichtigen.
Geführte Touren, digitale Ressourcen und Reisetipps
- Geführte Touren: Lokale Organisationen, darunter das Haus des Erinnerns und der Verein für Sozialgeschichte Mainz e. V., bieten geführte Rundgänge an, die sich auf das jüdische Erbe von Mainz und die Stolpersteine konzentrieren. Diese Touren bieten tiefere Einblicke und beleuchten persönliche Geschichten hinter den Steinen.
- Digitale Ressourcen: Die Stolpersteine Guide App und die Website Stolpersteine Mainz bieten interaktive Karten, Biografien und Routenvorschläge. Die kostenlose MAINZ-App bietet ebenfalls Navigation und historische Inhalte.
- Reisetipps:
- Mainz ist mit dem Zug und öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar; Gonsenheim ist nur eine kurze Fahrt vom Stadtzentrum entfernt.
- Tragen Sie bequeme Schuhe für Spaziergänge zwischen den Steinen.
- Bringen Sie ein kleines Tuch mit, falls Sie einen Stolperstein reinigen möchten – eine respektvolle Tradition.
- Kombinieren Sie Ihren Besuch mit anderen Gedenkstätten des jüdischen Erbes, wie der Mainzer Synagoge oder dem jüdischen Museum.
Besucherverhalten und Bildungsengagement
- Respektvolles Verhalten: Halten Sie inne, um die Inschrift zu lesen; vermeiden Sie es, direkt auf die Plakette zu treten. Das Niederlegen kleiner Steine, Blumen oder das Anzünden einer Kerze sind respektvolle Erinnerungsgesten (fabriziomusacchio.com).
- Fotografie: Diskrete Fotografie ist gestattet, aber berücksichtigen Sie stets die Ernsthaftigkeit des Ortes.
- Pädagogischer Wert: Schulen und Gruppen integrieren Stolperstein-Besuche häufig in Bildungsprogramme, um den Dialog über Geschichte und Toleranz zu fördern.
FAQs
Was ist ein Stolperstein? Eine kleine Messingplakette im Bürgersteig, die an ein Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung an seiner letzten frei gewählten Adresse erinnert.
Wo befindet sich der Stolperstein für Ernst Josef May? In Jahnstraße 21, Mainz-Gonsenheim. Verwenden Sie die interaktive Karte von Stolpersteine Mainz für Wegbeschreibungen.
Sind Gebühren oder Eintrittskarten erforderlich? Nein, Stolpersteine sind kostenlos und jederzeit öffentlich zugänglich.
Sind geführte Touren verfügbar? Ja, lokale Organisationen bieten geführte Stolperstein- und jüdische Erbe-Touren an – prüfen Sie deren Websites für Zeitpläne.
Ist der Standort barrierefrei? Im Allgemeinen ja, aber einige Bürgersteige können uneben sein. Digitale Ressourcen und geführte Touren bieten zusätzliche Unterstützung für die Barrierefreiheit.
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