Das Stolperstein-Projekt: Geschichte und Zweck
Ursprünge und Philosophie
Das Stolperstein-Projekt wurde 1992 von Gunter Demnig als dezentrale Möglichkeit ins Leben gerufen, Opfer des Holocaust und der NS-Verfolgung zu gedenken. Anstatt ein einzelnes Denkmal zu errichten, konzipierte Demnig ein Netzwerk kleiner, individueller Gedenkstätten, die direkt vor den letzten frei gewählten Wohnorten oder Arbeitsplätzen der Opfer platziert werden (stolpersteine.eu). Jeder Stein ist ein 10 x 10 cm großer Betonblock mit einer Messingplatte, auf der der Name des Opfers, sein Geburtsjahr, sein Schicksal und, sofern bekannt, Deportations- und Todesdaten eingraviert sind. Die Inschriften beginnen typischerweise mit „Hier wohnte…“, was eine persönliche und reflektierende Verbindung schafft (beer-mainz.de).
Die Philosophie hinter den Stolpersteinen ist es, Passanten aufzufordern, im Alltag über die Geschichte zu "stolpern" und so Momente des Gedenkens und der Empathie außerhalb traditioneller Gedenkstätten zu ermöglichen (mainz1933-1945.de).
Kulturelle Bedeutung in Mainz
Die jüdische Gemeinde von Mainz, die vor 1933 etwa 2.600 Mitglieder zählte, war bis zu ihrer Dezimierung durch den Holocaust integraler Bestandteil des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens der Stadt. Heute sind Stolpersteine Schlüsselelemente der Mainzer Erinnerungskultur und ehren nicht nur jüdische Opfer, sondern auch Roma, politische Dissidenten, Menschen mit Behinderungen und andere vom NS-Regime Verfolgte (mainz.de). Bis Mai 2025 wurden in Mainz und Mainz-Kastel über 350 Stolpersteine und eine Stolperschwelle verlegt, koordiniert von lokalen Organisationen wie dem Haus des Erinnerns und dem Verein für Sozialgeschichte Mainz e. V. (stolpersteine-mainz.de).
Eduard Epsteins Stolperstein
Biografie und historischer Kontext
Eduard Epstein wurde 1867 geboren und war ein angesehener Geschäftsmann in Mainz. Er und seine Frau Emma wohnten in der Bahnhofstraße 5. Im Jahr 1942 wurden sie nach Theresienstadt deportiert; Eduard kam dort ums Leben, während Emma überlebte. Ihre Stolpersteine, verlegt am 8. November 2017, markieren ihre letzte Adresse und bringen eine persönliche Erzählung in die kollektive Tragödie der jüdischen Gemeinde von Mainz (stolpersteine-mainz.de).
Installationsprozess
Die Verlegung eines Stolpersteins beinhaltet detaillierte Archivforschung, oft in Zusammenarbeit mit Angehörigen, Historikern und lokalen Behörden. Gunter Demnig oder seine Stellvertreter leiten in der Regel die Zeremonie, an der Gemeindemitglieder und manchmal überlebende Familienangehörige teilnehmen (mainz1933-1945.de). Diese öffentlichen Rituale unterstreichen die fortwährende Relevanz des Gedenkens.
Besucherinformationen
Ort, Zeiten und Zugänglichkeit
- Adresse Bahnhofstraße 5, Mainz Stadtzentrum, Nahe Mainz Hauptbahnhof (Mapcarta).
- Öffnungszeiten Der Stolperstein ist das ganze Jahr über 24 Stunden am Tag zugänglich. Es ist kein Eintrittsticket erforderlich.
- Zugänglichkeit Der Bürgersteig und die Zufahrt sind rollstuhlgerecht. Die zentralen Stadtviertel von Mainz bieten gut ausgebaute, begehbare Wege (Globe Trove).
- Nahegelegene Sehenswürdigkeiten Der Mainzer Dom, das Gutenberg-Museum, das Landesmuseum Mainz und die Altstadt sind alle bequem zu Fuß erreichbar (Happy to Wander Mainz).
Führungen und Bildungsressourcen
Lokale Organisationen wie das Haus des Erinnerns und der Verein für Sozialgeschichte Mainz e. V. bieten geführte Stolperstein-Touren an, insbesondere zu wichtigen Gedenktagen wie dem Holocaust-Gedenktag (27. Januar) und der Reichspogromnacht (9. November). Selbst geführte Touren sind mit digitalen Karten und Online-Biografien leicht zu organisieren (stolpersteine-mainz.de; beer-mainz.de).
Besucheretikette und Tipps
- Halte inne und lies die Inschrift; erwäge, einen kleinen Stein oder eine Blume als Zeichen des Respekts zu hinterlassen.
- Diskretion ist bei der Fotografie geboten; wahre stets die Feierlichkeit des Ortes.
- Trage bequeme Schuhe zum Laufen und achte auf unebene Gehwege in älteren Vierteln.
- Plane deinen Besuch in den Tageslichtstunden für beste Sichtbarkeit.
Einbindung des Besuchs: Mainzer historische Landschaft
Die Stolpersteine in Mainz lassen sich am besten im Rahmen einer breiteren Erkundung der reichen historischen und kulturellen Angebote der Stadt erleben:
- Mainzer Synagoge Ein modernes Zentrum jüdischen Lebens und Kultur.
- Landesmuseum Mainz Präsentiert Ausstellungen zum jüdischen Erbe von Mainz.
- Mainzer Dom und Altstadt Bieten einen breiteren historischen Kontext und architektonische Schönheit.
Interaktive Ressourcen, einschließlich virtueller Touren und detaillierter Karten, sind über die Website des Hauses des Erinnerns und die Audiala App verfügbar.
Gemeindearbeit und Gedenken
Die laufende Instandhaltung und Reinigung von Stolpersteinen in Mainz wird von lokalen Freiwilligen, Schulen und Organisationen übernommen. Die Patenschaft für einen Stolperstein kostet etwa 120 €, und Paten verpflichten sich oft zur regelmäßigen Pflege (folklife.si.edu). Gemeinsame Säuberungsaktionen, besonders an Gedenktagen, fördern den Dialog zwischen den Generationen und bekräftigen das Engagement der Stadt für lebendiges Gedenken.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist ein Stolperstein? Ein Stolperstein ist ein kleiner Gedenkstein mit Messingbeschichtung, der in Bürgersteige eingelassen wird, um Opfer der NS-Verfolgung an ihrem letzten frei gewählten Wohnort zu ehren.
Benötige ich Eintrittskarten oder spezielle Besuchszeiten? Nein. Stolpersteine sind öffentliche Gedenkstätten, die jederzeit und kostenlos zugänglich sind.
Gibt es geführte Touren? Ja. Lokale Organisationen bieten geführte Stolperstein-Touren an; erkundige dich beim Haus des Erinnerns oder beim Mainzer Touristenbüro nach Fahrplänen.
Sind Stolpersteine für Menschen mit Behinderungen zugänglich? Im Allgemeinen ja, da sie sich auf öffentlichen Bürgersteigen befinden, aber einige Bereiche können unebene Oberflächen aufweisen.
Darf ich Stolpersteine fotografieren? Ja, respektvolle Aufnahmen sind erwünscht.