Einleitung: Warum den Stolperstein für Mathilde Feist in Freiburg im Breisgau besuchen?
Der Besuch des Stolpersteins für Mathilde Feist in Freiburg bietet eine ergreifende Gelegenheit, sich mit der persönlichen Geschichte einer der vielen Opfer des NS-Regimes auseinanderzusetzen. Dieser Gedenkstein erinnert nicht nur an die Gräueltaten der Vergangenheit, sondern verleiht der Geschichte auch ein menschliches Gesicht, indem er den letzten freiwillig gewählten Wohnort von Mathilde Feist markiert. Ob Sie Freiburgs historische Stätten erkunden oder bedeutsame Gedenkstätten des Holocaust suchen, der Besuch dieses Stolpersteins ist sowohl lehrreich als auch nachdenklich stimmend.
Fotogalerie
Entdecke Stolperstein Für Mathilde Feist in Bildern
Historischer Hintergrund: Das Stolpersteine-Projekt
Ursprünge und Zweck
Das Stolpersteine-Projekt wurde 1992 vom Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen. Das Ziel des Projekts ist es, an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung zu erinnern, indem kleine, mit Messingplatten versehene Betonsteine vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der Opfer in den Bürgersteig eingelassen werden. Die Stolpersteine sind ein dezentrales Mahnmal, das die Erinnerung an diejenigen wachhalten soll, die vom NS-Regime verfolgt, deportiert, ermordet oder in den Selbstmord getrieben wurden. Bis 2025 sind über 100.000 Stolpersteine in mehr als 30 europäischen Ländern verlegt worden, was es zum größten dezentralen Mahnmal der Welt macht (Stolpersteine.eu). Das Projekt basiert auf der Idee, dass ein Mensch erst dann vergessen ist, wenn sein Name vergessen ist.
Künstlerische und materielle Merkmale
Jeder Stolperstein ist ein 10x10 cm großer und 10 cm hoher Betonwürfel, dessen Oberseite mit einer handgravierten Messingplatte versehen ist. Die Gravur beginnt typischerweise mit „Hier wohnte“ („Hier lebte“), gefolgt vom Namen des Opfers, seinem Geburtsdatum, dem Datum und Ort der Deportation sowie seinem Schicksal. Das Messing ist unbehandelt und muss regelmäßig gereinigt werden – ein symbolischer Akt der Pflege und Erinnerung. Die Steine werden bündig in den Gehweg eingelassen, so dass die Betrachter innehalten und den Kopf senken müssen, um die Inschrift zu lesen – eine Geste des Respekts.
Ausmaß und Reichweite
Das Stolpersteine-Projekt hat sich seit seiner Gründung zu einem europaweiten Phänomen entwickelt. In Freiburg im Breisgau wurden seit Beginn des Projekts im Jahr 2003 über 480 Stolpersteine verlegt, die an das Schicksal von Opfern erinnern (Stolpersteine-in-freiburg.de). Diese dezentrale Platzierung bringt die Erinnerung in den Alltag und macht sie für alle zugänglich.
Mathilde Feist: Leben und Verfolgung
Mathilde Feist (geb. Holländer) wurde am 15. August 1881 in Straßburg geboren. Trotz ihrer evangelischen Erziehung wurde sie von den Nazis aufgrund ihrer jüdischen Abstammung als „Mischling ersten Grades“ klassifiziert. Sie war mit Richard Feist verheiratet und lebte mit ihm in der Schöneckstraße 6 in Freiburg. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten sahen sich die Feists zunehmendem Druck und Diskriminierung ausgesetzt. Ihr Haus war wegen seiner attraktiven Lage begehrt, und nach ihrer Deportation im Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich übernahm ein Parteigenosse das Haus unter Zwang. Mathilde Feist starb 1940 im Lager Gurs an den dort herrschenden katastrophalen Bedingungen. Nach dem Krieg kämpfte sie um die Rückgabe ihres Eigentums, erhielt das Haus aber erst 1947 zurück, wobei der Großteil ihres Hausrats verloren war. Ihr Stolperstein an der Schöneckstraße 6 erinnert an dieses schmerzliche Kapitel ihres Lebens und des Lebens vieler Freiburger jüdischer Bürgerinnen und Bürger.
Der Stolperstein für Mathilde Feist
Standort und physische Beschreibung
Der Stolperstein für Mathilde Feist befindet sich in Freiburg im Breisgau, Schöneckstraße 6, 79100 Freiburg im Breisgau. Er ist im Bürgersteig vor ihrem ehemaligen Wohnhaus eingelassen. Der Stein ist ein 10x10 cm großer Betonwürfel mit einer Messingplatte, auf der die Inschrift die Geschichte von Mathilde Feist festhält: „Hier wohnte Mathilde Feist, Jg. 1875, Deportiert 1940, Gurs, Ermordet 1940“.
Symbolik und Bedeutung
Der Stolperstein für Mathilde Feist ist mehr als ein einfacher Gedenkstein; er ist ein Aufruf zur Erinnerung und persönlichen Reflexion. Die Platzierung an ihrem letzten frei gewählten Wohnort personalisiert die Tragödie und verwandelt eine abstrakte Zahl in eine individuelle Geschichte. Die Aufforderung, über den Stein zu „stolpern“, ist metaphorisch: Sie soll die Passanten dazu anregen, innezuhalten, die Inschrift zu lesen und über das Schicksal des Opfers nachzudenken. Die unscheinbare Präsenz des Steins im alltäglichen Stadtraum macht die Erinnerung präsent und greifbar.
Besucherinformationen
Zugang und Anfahrt
- Adresse: Schöneckstraße 6, 79100 Freiburg im Breisgau, Deutschland.
- Öffentliche Verkehrsmittel: Die Schöneckstraße ist vom Freiburger Hauptbahnhof gut mit der Straßenbahnlinie 3 (Richtung Vauban) bis zur Haltestelle „Johanneskirche“ oder durch andere Linien im Stadtteil Wiehre erreichbar. Von dort ist es ein kurzer Fußweg.
- Zu Fuß: Der Standort ist vom Stadtzentrum aus gut zu Fuß erreichbar (ca. 15-20 Minuten südlich des Bertoldsbrunnens).
Besuchszeiten und Eintritt
- Besuchszeiten: Der Stolperstein ist ein öffentliches Denkmal und kann jederzeit frei besichtigt werden.
- Eintritt: Es ist kein Eintrittsgeld oder Ticket erforderlich.
Führungen und Veranstaltungen
- Führungen: Lokale Initiativen wie die „Initiative Stolpersteine für Freiburg“ bieten Spaziergänge an, die den Stolperstein für Mathilde Feist einschließen. Diese Führungen bieten tiefere historische Einblicke und sind sehr empfehlenswert. Informationen zu Touren finden Sie auf Stolpersteine-in-freiburg.de.
- Gedenkveranstaltungen: An Gedenktagen wie dem Holocaust-Gedenktag (27. Januar) oder dem Jahrestag der Deportation nach Gurs (22. Oktober) finden oft Gedenkveranstaltungen statt, zu denen Besucher willkommen sind.
Barrierefreiheit und Besucheretikette
- Barrierefreiheit: Der Stolperstein befindet sich auf einem ebenerdigen Bürgersteig und ist somit für Rollstühle und Kinderwagen zugänglich. Achten Sie jedoch auf den unebenen Untergrund und die kleine Messingplatte.
- Besucheretikette: Bitte treten Sie nicht direkt auf den Stein. Halten Sie inne, lesen Sie die Inschrift und denken Sie über das Leben und Schicksal von Mathilde Feist nach. Das Ablegen kleiner Steine oder Blumen ist als Zeichen des Respekts üblich. Achten Sie auf diskrete Fotografie und stören Sie keine Anwohner oder Passanten.
Gemeinschaftliches Engagement und Gedenkpraktiken
Die Erhaltung der Stolpersteine liegt oft in den Händen der Gemeinschaft, mit Anwohnern und lokalen Organisationen, die für ihre Pflege zuständig sind. Das Sponsoring eines Stolpersteins oder die Teilnahme an Gedenkveranstaltungen sind Möglichkeiten, sich aktiv in der Erinnerungsarbeit zu engagieren und die Bedeutung dieser Gedenkstätten im öffentlichen Raum zu stärken. Das Polieren der Messingplatten wird als symbolischer Akt der Pflege und des Respekts verstanden.
Pädagogische und nachdenkliche Dimensionen
Stolpersteine fungieren als wichtige Bildungswerkzeuge. Schulen und Universitäten nutzen sie, um Schülerinnen und Schülern die Geschichte des Holocaust und die Verbrechen des Nationalsozialismus näherzubringen. Die Steine regen zur Auseinandersetzung mit Fragen der Erinnerung, Gerechtigkeit und der Verantwortung des Bürgers an. Die Greifbarkeit dieser individuellen Schicksale fördert Empathie und ein tieferes Verständnis der historischen Ereignisse. Die Stolpersteine-App (Stolpersteine.eu/en/app/) bietet zusätzliche Ressourcen für die vertiefte Auseinandersetzung.
Attraktionen in der Nähe und weitere Erkundungen
- Weitere Stolpersteine in Freiburg: Freiburg hat über 480 Stolpersteine in verschiedenen Stadtteilen. Erkunden Sie weitere Steine, beispielsweise in der Nähe der Schöneckstraße, um ein umfassenderes Bild der lokalen Geschichte und der Opferzahlen zu erhalten.
- Freiburger Münster: Ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt, das die Architektur und Geschichte Freiburgs widerspiegelt.
- Augustinermuseum: Bietet Einblicke in die Kunst und Geschichte der Region.
- Stadtteile Wiehre und Neuburg: Erkunden Sie die historischen Wohnviertel, in denen sich viele Stolpersteine befinden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist ein Stolperstein? Ein Stolperstein ist ein kleiner Betonwürfel mit einer Messingplatte, der im Bürgersteig vor dem letzten frei gewählten Wohnort eines Opfers des NS-Regimes platziert wird, um dessen Namen und Schicksal zu gedenken.
Wo befindet sich der Stolperstein für Mathilde Feist? Er befindet sich in der Schöneckstraße 6, 79100 Freiburg im Breisgau, Deutschland.
Gibt es Besuchszeiten oder Eintritt? Nein, der Stolperstein ist frei zugänglich und kann jederzeit besichtigt werden.
Sind Führungen verfügbar? Ja, lokale Organisationen bieten geführte Rundgänge an, die den Stolperstein für Mathilde Feist einschließen.
Ist die Stelle barrierefrei? Der Standort ist auf einem ebenerdigen Bürgersteig und damit für Rollstühle zugänglich.
Kann ich den Stein polieren? Ja, das Polieren des Messings mit einem weichen Tuch ist als Geste des Respekts üblich und erwünscht.
Hören Sie die ganze Geschichte in der App
Ihr persönlicher Kurator, in Ihrer Tasche.
Audioguides für 1.100+ Städte in 96 Ländern. Geschichte, Geschichten und lokales Wissen — offline verfügbar.
Audiala App
Verfügbar für iOS und Android
Werde Teil von 50.000+ Kuratoren
Quellen
- verified
- verified
- verified
- verified
- verified
- verified
- verified
- verified
- verified
Zuletzt überprüft: