Ursprünge und Philosophie des Stolpersteine-Projekts
Gegründet 1992 vom Künstler Gunter Demnig, gedenkt das Stolpersteine-Projekt Personen, die vom NS-Regime verfolgt wurden. Jeder Stolperstein ist ein 10 x 10 cm großer Betonwürfel mit einer Messingplatte, auf der der Name des Opfers, sein Geburtsjahr, sein Schicksal und – wenn bekannt – sein Todesdatum und -ort eingraviert sind. Diese Steine sind in öffentliche Gehwege vor der letzten frei gewählten Wohnstätte der geehrten Person eingelassen.
Die Philosophie des Projekts fasst sich in Demnigs Motto zusammen: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Im Gegensatz zu traditionellen Denkmälern personalisieren Stolpersteine die Erinnerung und verbinden die Erinnerung an Holocaust-Opfer mit den Orten, an denen sie lebten, und den Leben, die sie in ihren Gemeinschaften führten.
Bis 2025 gibt es über 100.000 Stolpersteine in mehr als 1.200 Städten in über 30 Ländern, was dieses zum weltweit größten dezentralen Holocaust-Mahnmal macht. Die Steine erinnern an Juden, Roma und Sinti, politische Häftlinge, LGBTQ+-Personen, Zeugen Jehovas und andere, die von den Nazis ins Visier genommen wurden.
(stolpersteine.eu; pragueviews.com; folklife.si.edu)
Stolpersteine in Freiburg: Geschichte und Standorte
Freiburg trat dem Stolpersteine-Projekt 2002 bei, federführend durch die lokale Aktivistin Marlis Meckel. Der erste Stein in der Stadt wurde für Professor Dr. Robert Liefmann in der Goethestraße 33 verlegt. Heute sind in den Freiburger Stadtteilen – darunter Brühl, Ebnet, Günterstal, Mooswald und die Altstadt – über 500 Stolpersteine zu finden, die ein breites Spektrum der verfolgten Menschen gedenken.
Die Stolpersteine der Stadt werden von der lokalen Initiative erfasst und katalogisiert, was es den Besuchern ermöglicht, selbstgeführte Spaziergänge zu planen oder an Bildungstouren teilzunehmen. Das Projekt in Freiburg zeichnet sich durch umfangreiche Recherchen, gemeinschaftliches Engagement und Bildung auf lokaler Ebene aus, oft unter Einbeziehung von Schulen und Jugendorganisationen.
(stolpersteine-in-freiburg.de; wikipedia)
Der Stolperstein für Blandine Müller: Biografie und Bedeutung
Blandine Müller (geb. Mann, geb. 1890) lebte mit ihrer Familie in der Elsässer Straße 35a im Freiburger Stadtteil Mooswald. Im Jahr 1940 wurde sie in das Lager Gurs in Südfrankreich deportiert und 1942 in Auschwitz ermordet. Ihr Stolperstein, wie auch die ihrer Familie und Nachbarn, hält ihren Namen und ihre Geschichte in den Straßen lebendig, in denen sie einst lebte.
Die Anwesenheit des Steins erinnert an die lokalen und persönlichen Dimensionen der nationalsozialistischen Verfolgung und bietet Passanten einen Moment der Reflexion über die in ihren eigenen Gemeinschaften verlorenen Leben.
(stolpersteine-in-freiburg.de, S. 13; denkmalprojekt.org)
Praktische Besucherinformationen
Öffnungszeiten, Tickets und Zugänglichkeit
- Besuchszeiten Stolpersteine sind 24/7 zugänglich, da sie in öffentlichen Gehwegen eingelassen sind. Helle Tageslichtstunden sind für die Sichtbarkeit am besten.
- Tickets/Eintritt Kein Ticket oder Eintrittspreis erforderlich – der Besuch ist immer kostenlos.
- Zugänglichkeit Die meisten Stolpersteine sind bündig mit dem Gehweg und für Rollstühle und Kinderwagen zugänglich. Einige Bereiche sind jedoch mit Kopfsteinpflaster oder unebenen Oberflächen versehen, daher sollten Besucher mit eingeschränkter Mobilität die Zugänglichkeit im Voraus prüfen.
(Stolpersteine Initiative Freiburg)
Den Stolperstein finden
- Standort Der Stein für Blandine Müller befindet sich in der Elsässer Straße 35a im Stadtteil Mooswald in Freiburg.
- Karten und Verzeichnisse Die Website Stolpersteine Freiburg bietet eine durchsuchbare Karte und herunterladbare Listen.
- Geführte Touren Lokale Organisationen und das Freiburger Touristeninformationsbüro bieten geführte Touren an, die sich auf Stolpersteine und die Geschichte des Holocaust konzentrieren. Eine Buchung während der Hauptsaison wird empfohlen.
Etikette und Besuchertipps
- Respekt Halte inne, um die Inschrift zu lesen, nachzudenken oder einen kleinen Stein oder eine Blume als Zeichen des Gedenkens zu hinterlassen.
- Fotografie Dezentrats Fotografie ist erlaubt; bitte respektiere die Privatsphäre der Bewohner.
- Reinigung Das Mitbringen eines weichen Tuchs zur sanften Reinigung des Messings wird begrüßt und ehrt das Andenken des Opfers.
Reisetipps und nahegelegene Attraktionen
- Anreise Freiburgs hervorragendes Tram- und Busnetz bedient Mooswald und andere Stadtteile mit Stolpersteinen. Nutze öffentliche Verkehrsmittel oder Stadtfahrräder für Komfort.
- Nahegelegene Sehenswürdigkeiten Kombiniere deinen Besuch mit dem Freiburger Münster, dem Augustinermuseum oder jüdischen Gedenkstätten. Das geplante NS-Dokumentationszentrum wird vertiefte Informationen zur Nazi-Geschichte in Freiburg bieten.
Gemeinschaftliches Engagement und Veranstaltungen
Das Stolpersteine-Projekt in Freiburg lebt vom Mitwirken der Gemeinschaft. Lokale Schulen und Organisationen führen Recherchen durch, sponsern neue Steine und pflegen die bestehenden Denkmäler. Jährliche Gedenkfeiern finden am Holocaust-Gedenktag (27. Januar), dem Jahrestag der Deportation der badischen Juden (22. Oktober) und der Reichspogromnacht (9. November) statt, oft mit Zeremonien und Bildungsprogrammen.
Um einen Stein zu sponsern oder dich zu beteiligen, kontaktiere die Stolpersteine Initiative Freiburg.
FAQs
Kann ich Stolpersteine jederzeit besuchen? Ja. Sie sind öffentlich zugänglich, 24 Stunden am Tag.
Gibt es geführte Touren? Ja, informiere dich beim Tourismus-Informationsbüro oder bei lokalen Initiativen über die Fahrpläne.
Gibt es Eintrittspreise? Nein, der Besuch von Stolpersteinen ist immer kostenlos.
Sind sie für Menschen mit Behinderungen zugänglich? Die meisten sind es, obwohl einige Bereiche unebene Gehwege oder Kopfsteinpflaster haben können.
Wie kann ich das Projekt unterstützen? Durch das Sponsoring von Steinen, die Teilnahme an lokalen Veranstaltungen oder die Freiwilligenarbeit bei der Initiative. Mehr dazu auf stolpersteine-in-freiburg.de.