Einführung
Acht Tausend Tonnen Nachkriegsschutt, Schlacke und Teer lagen bis 2003 unsichtbar verrottend in diesem Moor, verborgen unter Sonnentau und Wollgras. Das Teufelsseemoor Köpenick im Südosten Berlins zeigt die deutsche Hauptstadt von ihrer wildesten Seite – ein weichselzeitlicher Toteiskessel, nie trockengelegt, mit Torf, der im tieferen östlichen Becken ungefähr dreizehn Meter hinabreicht. Kommen Sie für den Lärchensteg. Bleiben Sie wegen eines Ortes, den Sagen verfluchten, der für Sand ausgebeutet, von preußischen Kanonen beschossen, durch Nachkriegskippen vergiftet wurde und trotzdem weiteratmet.
Das Moor liegt zwischen Müggelsee und Langer See, am Nordhang der Müggelberge im Bezirk Treptow-Köpenick. Der Bus 169 setzt Sie an der Haltestelle Rübezahl ab; zum Steg sind es sechs Minuten durch Kiefernwald. Von Alexanderplatz aus sollten Sie von Tür zu Moor etwa eine Stunde einplanen.
Was Ihnen der 300 Meter lange Lärchensteg zeigt, sind 6.45 Hektar offenes Moor, die sich gerade noch halten. Kiefern und Birken drängen nach, weil das Grundwasser sinkt. Berliner Forsten schneidet sie alle paar Winter von Hand zurück, damit der Sonnentau weiter Licht bekommt – eine kleine, hässliche, notwendige Arbeit, erledigt in den kalten Monaten, wenn niemand zusieht.
Wenn Sie schon die Berliner Mauer und den Grunewaldturm gesehen haben, dann ist dies das andere Berlin: ein Feuchtgebiet, das preußische Artillerie, NS-Dynamit, DDR-Nachlässigkeit und die Bürokratie der Wiedervereinigungsjahre überlebt hat und heute als Natura-2000-Gebiet weiterlebt, über das außerhalb von Köpenick kaum jemand spricht.
Sehenswertes
Der 300 Meter lange Lärchenbohlensteg
Der Steg wurde im Dezember 2015 eröffnet, und die eigentliche Ingenieursarbeit bleibt dort verborgen, wo man sie nicht sieht – 240 Lärchenpfähle, bis zu 8 Meter tief in den Torf gerammt, also ungefähr so tief wie ein dreistöckiges Gebäude hoch ist, unsichtbar unter Ihren Füßen versenkt. Gehen Sie langsam. Die Bohlen federn und knarren auf eine Weise, die eher tragend als beunruhigend wirkt, eine leise Erinnerung daran, dass unter Ihnen nichts als Wasser, Moos und dreizehn Meter verdichtete organische Zeit liegen.
Schauen Sie erst nach links, dann nach rechts. Auf der einen Seite liegt stilles dunkles Wasser, gesprenkelt mit Seerosen; auf der anderen stehen tote Birken aufrecht im Torf, silberne Rinde, skelettartig, als weigerten sie sich umzufallen. Der Kontrast wirkt so abrupt, als hätte ihn jemand inszeniert.
Gehen Sie in der Mitte in die Hocke und spähen Sie durch die Spalten zwischen den Bohlen. Der Torf darunter hat die Farbe von starkem Tee, schichtet sich glänzend übereinander, und es gibt kein Hinweisschild dazu, weil keines nötig ist.
Sonnentau, Torfmoos und das Froschkonzert
Die meisten laufen den Steg in zehn Minuten ab und verpassen genau das, weshalb man herkommen sollte. Gehen Sie neben dem Moos in die Hocke und suchen Sie den Sonnentau – rote Tentakel, an deren Spitzen etwas wie Tau hängt, in Wahrheit aber Verdauungsflüssigkeit ist, eine Insektenfalle in voller Funktion, direkt auf Knöchelhöhe im Tageslicht. Dieses Rot auf Grün im Nahbereich wirkt verblüffend, sobald man es einmal gesehen hat.
Auch das Torfmoos hat nicht nur eine Farbe. Auf einem einzigen Quadratmeter gehen Grüntöne in tiefes Burgunderrot und Gelbocker über, und die Oberfläche federt nach, wenn man sie drückt, weil jede Zelle das 15- bis 30-Fache ihres Trockengewichts an Wasser hält. Von Mai bis Juni beginnt das Froschkonzert, sechs Amphibienarten überlagern sich in der Morgen- und Abenddämmerung, und die Männchen der Moorfrösche färben sich in der Paarungszeit in ein überraschend kräftiges Kobaltblau.
Kommen Sie an einem Werktag im Mai um 7 Uhr her, und Sie hören etwas, das die meisten Berliner nie gehört haben.
Lehrkabinett Teufelssee – die Wurzelhütte und der Fuchsbau
Wer die Waldschule auslässt, verpasst die seltsamste Konstruktion im Schutzgebiet. In der Wurzelhütte stehen Sie unter einer Buche und schauen hinauf in ihr komplettes Wurzelsystem – der Wald auf den Kopf gestellt, die verborgene Hälfte sichtbar gemacht. Daneben verläuft ein rekonstruierter Fuchsbau unter der Erde als Kriechtunnel, eigentlich für Kinder gedacht, für Erwachsene auf Händen und Knien im Dunkeln aber ehrlich gesagt ziemlich desorientierend. Geöffnet Mittwoch bis Sonntag, 10:00–16:00 Uhr, und gut mit dem Steg an einem einzigen Oktobervormittag zu verbinden.
Gehen Sie am Rand des Bohlenwegs in die Hocke und schauen Sie in die Torfmoosmatte - dort wächst Sonnentau, seine winzigen roten Klebehaare heben sich gegen das Grün ab. Die meisten laufen daran vorbei, ohne zu merken, dass sie auf eine fleischfressende Pflanze blicken.
Besucherlogistik
Anreise
Nehmen Sie die S-Bahn S3 nach Köpenick, dann den Bus 169 Richtung Alt-Müggelheim und steigen Sie an der Haltestelle Rübezahl aus (21 Min., 16 Haltestellen). Von dort führt ein 10-minütiger Spaziergang über die flache Breite Promenade durch Kiefernwald direkt zum Ausgangspunkt des Weges. Mit dem Auto: kostenloser informeller Parkplatz bei Rübezahl, Müggelheimer Damm 143–144.
Öffnungszeiten
Das Schutzgebiet selbst ist ganzjährig rund um die Uhr geöffnet – keine Tore, keine Tickets. Das Lehrkabinett Teufelssee vor Ort (Waldinfokabine) ist 2026 ungefähr Mi–So von 10:00–16:00 Uhr geöffnet, vor allem von Mai bis September; die Zeiten wechseln, daher vor einem gezielten Ausflug besser unter (030) 654 13 71 anrufen.
Benötigte Zeit
Nur ein kurzer Blick auf den Steg: 45 Minuten. Der komplette 3-km-Naturlehrpfad rund um den See: 1–1.5 Stunden. Mit dem Lehrkabinett sind Sie bei 2.5 Stunden. Wenn Sie die Tour auf die 9.5 km lange SO08-Route über den Müggelberg und hinunter zum Müggelsee ausdehnen, wird daraus ein halber Tag, ungefähr 2.5 Stunden Gehzeit plus Stopps.
Barrierefreiheit
Die Breite Promenade ab Rübezahl ist breit, eben und mit Kinderwagen oder Mobilitätsscooter gut machbar. Der 300 m lange Lärchensteg über das Moor ist schmal, uneben und bei Nässe glatt – nicht verlässlich rollstuhlgerecht. Keine Toiletten am Weg; das Lehrkabinett hat nur begrenzte Einrichtungen.
Kosten
Kostenlos. Weg, Steg, Lehrkabinett – alles 2026 null Euro. Kosten fallen nur für das BVG-AB-Ticket (~€3.80 einfach) und das an, was Sie bei Rübezahl ausgeben. Keine Buchung, kein Fast-Track – so etwas gibt es hier nicht.
Tipps für Besucher
Der falsche Teufelssee
Berlin hat zwei Teufelsseen. In Grunewald darf man schwimmen; in diesem Moor bei Köpenick nicht – es ist ein Natura-2000-Gebiet mit geschütztem Torfmoos und Sonnentau. Badesachen nehmen Sie stattdessen besser zum Müggelsee mit, 750 m nördlich.
Auf dem Steg bleiben
Wer den Steg verlässt, beschädigt Torf, der Jahrtausende gebraucht hat, um zu entstehen, und riskiert echte Bußgelder nach dem Naturschutzgesetz. Hunde müssen die ganze Zeit an kurzer Leine bleiben – besonders im Frühjahr während der Amphibienlaichzeit wird das kontrolliert.
Wann Sie kommen sollten
September bis Oktober für weniger Spaziergänger und Herbstfarben in den Birken, oder Juni für Wollgras und lange Abende. Meiden Sie Wochenenden im Juli und August. Vermeiden Sie die Dämmerung – es gibt keine Beleuchtung am Weg, und der Steg wird nach Regen oder Frost wirklich rutschig.
Essen bei Rübezahl
Rübezahl am Müggelsee (Müggelheimer Damm 143), seit 1876 in Betrieb, liegt direkt am Ausgangspunkt des Weges. Günstige Currywurst, frisch gezapftes Bier, Fischbrötchen, Biergarten mit Seeblick – €3.50–8. Täglicher Betrieb von Mai bis Oktober; von November bis April nur am Wochenende.
Keine Drohnen
Natura 2000 und die Berliner Luftraumregeln bedeuten, dass Drohnen vor dem Start eine Genehmigung der LUBB brauchen – die Strafen für Flüge ohne Erlaubnis sind empfindlich. Blitzfotografie ist legal, stört aber Amphibien; auf dem Steg sollten Sie darauf verzichten.
Ausrüstung fürs Moor
Wasserdichte Stiefel, keine Turnschuhe – die Bohlen sind glatt, der Boden daneben schwammig. Nehmen Sie von Mai bis September Insektenschutz mit; das hier ist ein Feuchtgebiet, und Mücken kennen den Ort gut. Eine Offline-Karte von Komoot hilft, wenn Sie Ihre Tour auf die SO08-Route über den Müggelberg ausdehnen.
Mit dem Müggelturm verbinden
Der 30 m hohe Müggelturm liegt einen kurzen Anstieg südlich – €4 Eintritt, 126 Stufen, Panoramablick über See, Moor und den brandenburgischen Wald. Zusammen mit der 3-km-Seerunde ergibt das einen halben Tag von etwa 4 Stunden, der am besten mit einem Bier bei Rübezahl endet.
Wegestatus prüfen
Der Lehrpfad bekam 2024–25 seine erste vollständige Überarbeitung seit 1970/71, mit neuen Bohlen und neuer Beschilderung. Die meisten Abschnitte waren bis Sommer 2025 wieder geöffnet, doch kurze Sperrungen können weiterhin auftauchen – prüfen Sie vor einem längeren Umweg berlin.de/forsten.
Wo essen
Das sollten Sie unbedingt probieren
Restaurant Asteria Köpenick
local favoriteBestellen: Die Moussaka ist cremig und gehaltvoll, mit Portionen, die sich wirklich authentisch anfühlen - genau so, wie Ihre Großmutter sie früher in Athen gemacht hätte. Ebenso zart und herzhaft sind die Calamari. Zum Schluss kommt das traditionelle Galaktoboureko (griechischer Milchkuchen), eine Seltenheit in Berlin.
Terrasse am Kanal mit bemalten Wandbildern und tadellosem Service - hier gehen die Köpenicker hin, wenn sie wirklich gutes griechisches Essen wollen. Gäste, die in Griechenland gegessen haben, ordnen es regelmäßig höher ein als die Originale.
Wieduwilt und Krause
fine diningBestellen: Der Schweinebraten und die Rippchen sind perfekt ausbalanciert - langsame Kohlenhydrate, Gemüse, Eiweiß, nie zu salzig. Jedes Gericht zeigt saisonale Präzision und eine durchdachte Komposition.
Elegante Alpenküche mit treuer Fangemeinde. Einheimische entdecken den Ort schon am Duft und werden dann Stammgäste fürs Leben. Der Cateringservice betreut alles von Familienessen bis Hochzeiten mit derselben akribischen Sorgfalt.
Zum Gletscher
local favoriteBestellen: Einige der besten Pizzen Berlins zu Preisen, die wirklich fair sind. Das Tiramisu ist genauso legendär - wer es auslässt, ist selbst schuld. Einheimische holen sich zweimal pro Woche etwas zum Mitnehmen und bestehen trotzdem darauf, dass der Laden sträflich unterschätzt wird.
Terrasse am Wasser mit Blick auf den See und einer echten Herzlichkeit, bei der man sich schon beim ersten Besuch wie ein Stammgast fühlt. Das ist ehrliche Kiezgastronomie - kein Theater, einfach gutes Essen an einem Ort, der seine Stammkundschaft respektiert.
Café Antoní Berlin
cafeBestellen: Die Waffeln - knusprig, gehaltvoll, herzhaft - sind eine Berliner Variante des Klassikers. Obenauf kommen Bacon und Ei, dazu ein interessantes würziges Dressing, das sie unvergesslich macht. Kräftiger Kaffee und ein Platz am Gehweg runden das Ganze ab.
Charme mit unverputztem Backstein im Herzen der Altstadt, dazu Sitzplätze auf dem Gehweg, die den Rhythmus des Viertels einfangen. Hervorragendes Frühstück und Waffeln ziehen ein lebhaftes, treues Publikum an. Am Wochenende besser reservieren oder früh kommen.
Restaurant-Tipps
- check Nehmen Sie Bargeld mit. Berlin ist bargeldlastiger als die meisten anderen europäischen Städte - viele Cafés, Bäckereien und Kneipen akzeptieren nur Bargeld. €20–40 sollten Sie dabeihaben.
- check Trinkgeld: 5–10% in lockeren Lokalen, 10–15% in Restaurants mit Service am Tisch. Nennen Sie dem Servicepersonal beim Bezahlen den Gesamtbetrag, statt Münzen auf dem Tisch liegen zu lassen.
- check Für Freitag- und Samstagabende empfiehlt sich in beliebten Lokalen eine Reservierung, besonders für Gruppen ab 4 Personen.
- check Viele Restaurants haben einen Ruhetag, meist Montag oder Dienstag. Prüfen Sie die Öffnungszeiten vor dem Besuch immer noch einmal.
- check Die Hauptzeit fürs Abendessen liegt zwischen 18:30 und 21:00 Uhr. Küchen schließen meist zwischen 22:00 und 23:00 Uhr; spät geöffnete Dönerläden bleiben deutlich länger offen.
- check Lokale Märkte: Wochenmarkt Schlossplatz (Dienstag & Donnerstag, 8:30–17:00) und Wochenmarkt am S-Bahnhof Köpenick (Mo-Fr 9:00–18:00, Sa 9:00–16:00). Frische Produkte, Brot, Käse, Fisch.
Restaurantdaten bereitgestellt von Google
Historischer Kontext
Verflucht, ausgebeutet, beschossen, vergiftet
Der Name kommt aus der Angst. Über Jahrhunderte erzählten die Dörfer südlich der Müggelberge von einem Teufel, der im Sumpf sein Unwesen trieb, von einer Prinzessin, die in seine Wasser verflucht wurde, von einem Altar, irgendwo im Schilf verborgen. Unpassierbar, düster, nicht trockenzulegen – das Moor blieb Wildnis, während der Wald ringsum gerodet wurde, und die Furcht schrieb sich in die Karten ein.
Der Schutz kam spät, und er kam aus dem Osten. Akten zeigen, dass die erste Verordnung zum Landschaftsschutzgebiet für die Müggelberge im Juli 1954 vom Magistrat von Ost-Berlin erlassen wurde, ein Jahrzehnt vor dem westberliner Gegenstück. Der Lehrpfad eröffnete 1965 als umweltpädagogisches Projekt der DDR. Natura 2000 und der formale Status als Naturschutzgebiet folgten am 12. September 2016 – ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung.
Der Architekt, der die Kabel durchschnitt
Walter Wichelhaus kaufte 1924 den hölzernen Müggelturm – den Aussichtsturm auf dem Höhenzug über dem Teufelsseemoor Köpenick. Er war Architekt und verbrachte die nächsten einundzwanzig Jahre seines Lebens damit, ihn zu einem Wahrzeichen umzubauen. 1926 eröffnete er darin eine vorgeschichtliche Ausstellung mit Funden aus Stein-, Bronze- und Eisenzeit, die bei den Bauarbeiten ans Licht gekommen waren. 1928 baute er eigenhändig eine Treppe mit 111 Stufen vom Ufer des Teufelsseemoor Köpenick hinauf zum Gipfel des Kleinen Müggelbergs – und verband so See und Turm ganz buchstäblich miteinander.
Ende April 1945, als sowjetische Truppen Müggelheim einen Kilometer südlich einnahmen und auf Köpenick vorrückten, stopften Volkssturmeinheiten zwei Zentner – ungefähr 200 Kilogramm – Dynamit in die untere Kammer des Turms. Der Plan war, den Müggelturm und die benachbarte Bismarckwarte zu sprengen, damit die Rote Armee sie nicht als Beobachtungsposten nutzen konnte. Wichelhaus ging hinein und kappte die elektrischen Kabel zu den Ladungen. Einundzwanzig Jahre eigener Arbeit standen gegen einen Sprengbefehl. Er entschied sich für die Arbeit.
Der Turm überstand den Krieg wegen ihm. Dann, am 19. Mai 1958, entzündeten bei einer Renovierung in der DDR Schweißfunken von Handwerkern, die gerade für den Tag nach Hause gegangen waren, das trockene Holz. Augenzeugen sagten, er habe „wie eine lodernde Fackel“ gebrannt und sei in weniger als einer Stunde verschwunden gewesen. Die Konstruktion, die Wichelhaus vor NS-Dynamit gerettet hatte, überstand keinen DDR-Klempner.
Acht Tausend Tonnen unter dem Steg
Nach 1945 kippten Arbeiter rund 8.000 Tonnen Bauschutt, Schlacke und Teer direkt ins Moor. Das lag dort durch die gesamte DDR-Zeit, durch die Wiedervereinigung, durch dreizehn Jahre eines vereinten Deutschlands. Akten belegen, dass die kontaminierte Ablagerung erst 2003 entfernt wurde, zu Kosten von 371.000 Euro. Der Lärchenbohlensteg, der im Dezember 2015 eröffnet wurde, verläuft über ein Feuchtgebiet, das noch vor gar nicht so langer Zeit eine industrielle Kippe war – ein Detail, das auf keiner einzigen Infotafel entlang des Weges auftaucht.
Das Tal, das erst Sandgrube und dann Schießplatz war
Die flache Senke zwischen dem Teufelssee und dem Höhenzug der Kanonenberge wirkt geologisch. Ist sie aber nicht. Von 1884 bis 1902 grub hier ein gewerblicher Unternehmer Sand ab und beförderte ihn mit einer Seilbahn zur Dahme, von wo aus er zu den Berliner Baustellen verschifft wurde. Öffentlicher Protest beendete die Konzession 1902. 1911 rückte die preußische Armee an und machte aus der Grube einen Artillerieschießplatz mit scharfer Munition, auf dem neue Kanonen vor dem Ersten Weltkrieg getestet wurden – Detonationen, laut genug, um in Köpenick Fabrikfenster klirren zu lassen. Nach 1933 sperrten die Nationalsozialisten das Gelände erneut für Waffentests. Den Namen „Kanonenberge“ trägt dieser Ort nicht ohne Grund.
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Häufig gefragt
Lohnt sich ein Besuch im Teufelsseemoor Köpenick? add
Ja, wenn Sie eine wirklich stille Ecke von Berlin suchen, die die meisten Touristen nie erreichen. Ein 300 Meter langer Lärchensteg über einem 12.000 Jahre alten Toteismoor, fleischfressender Sonnentau und ein Froschchor zwischen April und Juni – alles kostenlos, 45 Minuten vom Alexanderplatz entfernt. Lassen Sie es aus, wenn Sie Baden oder dramatische Ausblicke erwarten; das hier ist ein stiller Spaziergang, kein Strand.
Wie viel Zeit braucht man im Teufelsseemoor Köpenick? add
Planen Sie 1 bis 1,5 Stunden für den 3 Kilometer langen Rundweg um den See ein, das ist der Kern des Besuchs. Rechnen Sie eine weitere Stunde für die Waldhütte Lehrkabinett hinzu (Mi–So 10:00–16:00 Uhr, kostenlos), oder dehnen Sie den Ausflug auf 4 bis 5 Stunden aus, wenn Sie noch hinauf zum Müggelturm mit seinem Panoramablick gehen.
Wie komme ich vom Berliner Zentrum zum Teufelsseemoor Köpenick? add
Nehmen Sie die S-Bahn S3 bis Bahnhof Köpenick, dann den Bus 169 Richtung Müggelheim und steigen Sie an der Haltestelle Rübezahl aus – insgesamt etwa 45 Minuten ab Alexanderplatz. Von der Haltestelle Rübezahl sind es 6 bis 10 Minuten zu Fuß durch den Wald. Ein BVG-Einzelfahrschein AB (~€3.50) deckt die ganze Strecke ab.
Kann man im Teufelssee Köpenick schwimmen? add
Nein. Dieser Teufelssee liegt in einem geschützten Natura-2000-Gebiet, und Baden ist verboten, um Torfmoose und den Lebensraum der Amphibien zu schützen. Besucher verwechseln ihn oft mit dem anderen Berliner Teufelssee im Grunewald, wo Baden erlaubt ist – das sind zwei völlig verschiedene Seen auf entgegengesetzten Seiten der Stadt.
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch im Teufelsseemoor Köpenick? add
Oktober an einem Werktagvormittag. Dann leuchtet der Buchenwald rund um das Moor gelb, die Mücken sind weitgehend verschwunden, und das Licht ist klar und tief. April bis Juni bringen den Froschchor und das Wollgras; Juli und August bedeuten viele Mücken und die meisten Besucher.
Ist der Besuch im Teufelsseemoor Köpenick kostenlos? add
Ja, komplett kostenlos – keine Tickets, keine Tore, rund um die Uhr geöffnet. Auch die benachbarte Waldhütte Lehrkabinett Teufelssee ist während ihrer Öffnungszeiten Mi–So 10:00–16:00 Uhr kostenlos zugänglich. Auch das Parken auf dem Platz bei Rübezahl kostet nichts.
Was sollte ich im Teufelsseemoor Köpenick auf keinen Fall verpassen? add
Gehen Sie auf dem Steg in die Hocke, um den Sonnentau zu sehen – rote fleischfressende Tentakel, glänzend von Verdauungsflüssigkeit, leicht zu übersehen. Schauen Sie auch durch die Spalten zwischen den Lärchenbohlen auf die dunklen Torfschichten darunter, und machen Sie Halt an der Wurzelhütte des Lehrkabinetts, wo Sie das komplette Wurzelsystem einer Buche von unten betrachten können.
Darf man einen Hund ins Teufelsseemoor Köpenick mitnehmen? add
Ja, aber immer an einer kurzen Leine – dies ist ein strenges Naturschutzgebiet mit brütenden Amphibien und bodenbrütenden Vögeln. Das Verlassen der markierten Wege oder Stege ist für Hunde wie für Menschen verboten, und die Regeln werden auch durchgesetzt.
Quellen
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verified
NSG Teufelsseemoor Köpenick — Berliner Senat für Umwelt
Offizieller Natura-2000-Schutzstatus, Ausweisung 2016, ökologische Daten
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Teufelsseemoor Köpenick — Wikipedia (DE)
Moortiefe, Bau des Bohlenwegs 2015, Entfernung von 8.000 Tonnen kontaminiertem Material 2003
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Teufelssee (Berlin-Köpenick) — Wikipedia (DE)
Abmessungen des Sees, Sagenwelt, geologische Entstehung als Kesselmoor
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Teufelssee — Koepenick.net
Lokalgeschichte, Legenden, Schicksal des Prinzessinnensteins
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Lehrkabinett Teufelssee — Berliner Forsten
Öffnungszeiten des Waldkabinetts, Ausstellungen der Wurzelhütte, Gründung 1972 in der DDR
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Lehrkabinett Teufelssee — Koepenick.net
Baugeschichte von 1981, Ursprünge in der DDR-Zeit, Pädagogik
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Waldschule Teufelssee — Berliner Forsten
Programme der Waldschule, saisonale Öffnungszeiten
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Lehrpfad Müggelberge und Teufelssee — Berliner Forsten
3 km langer Naturlehrpfad, Renovierungsstand 2024–25
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SO08-Route Teufelssee–Müggelberg — Berliner Forsten
Daten zur 9,5 km langen Wanderroute und Anreise
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SO07-Route Kanonenberge–Teufelssee
Verlängerte Rundtour über die Kanonenberge
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Berliner Moorböden — HU Berlin
Wissenschaftliche Daten zur Moortiefe, Zweibeckenstruktur, Klimaforschung
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Müggelturm — Veikkos-Archiv
Biografie von Walter Wichelhaus, Treppe von 1928, Geschichte um den Sprengdraht von 1945
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Müggelturm — Koepenick.net
Geschichte des Turms, Brand 1958, Wiederaufbau
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Müggelturm — Wikipedia (EN)
Militärische Nutzung im Zweiten Weltkrieg, Beton-Ersatzbau von 1961
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Müggelheimer Bote — Jahrestag des Müggelturm-Brandes
Augenzeugenberichte zum Brand von 1958
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75 Jahre Kriegsende — Berlin.de Museum Treptow-Köpenick
Sowjetischer Vormarsch durch Müggelheim im April 1945
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Kanonenberge — Koepenick.net
Sandabbau 1884–1902, Geschichte des Artillerieschießplatzes von 1911
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Kanonenberge — Altstadt-Koepenick
Militärische Nutzung und Genehmigungsdaten
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Kanonenberge — de-academic
Hintergrund zu den Artillerieerprobungen
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Teufelssee Köpenick — Dewiki
Details zur Zerstörung des Prinzessinnensteins
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Berliner Parlament — PDF der NSG-Schutzverordnung
Schutzgeschichte seit dem Magistrat der DDR von 1954
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Müggelberge — Wikipedia (EN)
Geografie und Geschichte der Müggelberge
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Warum heißt der Teufelssee „Teufelssee“? — Bedeutungonline
Namensetymologie, slawische/wendische Wurzeln
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Rübezahl am Müggelsee — Blog
Restaurant am Ausgangspunkt, Lokalgeschichte
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Rübezahl — Wanderung auf dem Lehrpfad Teufelssee
Routenbeschreibung ab dem Ausgangspunkt Rübezahl
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Rübezahl — Aktivitäten am Teufelssee
Praktische Besuchsinformationen
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Rübezahl — Mit Kindern durchs Teufelsseemoor
Hinweise für Familienbesuche, Ausstellungen im Lehrkabinett
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NaturFreunde Natura Trail PDF
15 km langer Rundweg zum Selbstentdecken, mehr als 30 Infostationen
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Natura Trail Teufelsseemoor — NaturFreunde
Programm mit geführten Wanderungen
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Projekt Gutenberg — Die Prinzessin vom Teufelssee (Jaedicke)
Vollständiger Sagentext, Erlösung in der Johannisnacht
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SAGEN.at — Miggelsberge bei Köpenick
Sage vom Altar des Teufels
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Literaturport — Die Hexe im Teufelssee
Literarischer Text zur Hexensage
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Literaturport — Der Spuk am Teufelssee
Text zur Spuküberlieferung
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Das Moor — ein unheimlicher Ort? (Waldentdecken Berlin)
Sinnliche Beschreibung des Moors, Flora, Atmosphäre
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VisitBerlin — Teufelsseemoor Köpenick
Offizieller Berliner Tourismusüberblick
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Umweltkalender Berlin — Führungen im Teufelsseemoor
Termine für geführte Amphibientouren mit Griesbaum/Pacher
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Unterwegs mit Kind — Wandern am Müggelsee
Hinweise für Familienwanderungen und sinnliche Details
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Mamilade — Naturlehrpfad Teufelssee
Familienorientierte Beschreibung des Lehrpfads
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Waldspielplatz Promenade Teufelssee
Spielplatz nahe dem Ausgangspunkt Rübezahl
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verified
Moovit — BVG-Buslinie 169
Fahrplan der Buslinie 169, Haltestelle Rübezahl, Anschluss an S Köpenick
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