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Einleitung
Das IG Farben Gebäude, auch bekannt als Poelzig-Gebäude, ist eines der bedeutendsten architektonischen und historischen Wahrzeichen Frankfurts. Erbaut zwischen 1928 und 1931 als Hauptsitz der IG Farben, damals der größten Chemiefirma der Welt, ist das Gebäude ein beeindruckendes Beispiel modernistischer Architektur des frühen 20. Jahrhunderts. Heute ist es Teil des Westend-Campus der Goethe-Universität und bietet Besuchern die Möglichkeit, einen Ort zu erkunden, an dem industrieller Ehrgeiz, architektonische Innovation und die komplexe Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert zusammenlaufen. Dieser Leitfaden bietet einen umfassenden Überblick über die Geschichte des IG Farben Gebäudes, seine architektonischen Besonderheiten, Besucherinformationen – einschließlich Besuchszeiten und Tickets – sowie Tipps für alle, die einen Besuch planen.
Historischer Hintergrund
Ursprünge und Kontext
Das IG Farben Gebäude befindet sich am Grüneburggelände, einem im 19. Jahrhundert von der Familie Rothschild erworbenen Gebiet. Die Gegend entwickelte sich von Ackerland zu einer psychiatrischen Klinik im späten 19. Jahrhundert und wurde später, nach dem Ersten Weltkrieg, zum Standort des monumentalen Bürokomplexes (Vielfalt der Moderne).
Die Rolle der IG Farben und die Konzeption des Gebäudes
Die IG Farben entstand 1925/1926 durch den Zusammenschluss wichtiger deutscher Chemieunternehmen wie BASF, Bayer und Hoechst (United States Holocaust Memorial Museum). Auf der Suche nach einer Zentrale, die ihre industrielle Macht widerspiegelte, erwarb die IG Farben 1927 das Grüneburger Gut. Ein Designwettbewerb führte zur Auswahl des Architekten Hans Poelzig, dessen modernistische Vision eines der innovativsten Unternehmensgebäude der Ära wurde (Goethe University Frankfurt).
Architektonische Bedeutung
Hans Poelzigs Vision
Hans Poelzigs Entwurf verkörpert die Bewegung der Neuen Sachlichkeit, die Funktionalität, Klarheit und zurückhaltende Eleganz bevorzugt. Das Gebäude erstreckt sich über 250 Meter, ist neun Stockwerke hoch und verfügt über ein Stahlskelett, das mit Travertinmarmor verkleidet ist (Vielfalt der Moderne). Seine Hauptachse wird von sechs Flügeln flankiert, die das natürliche Licht maximieren und eine effiziente Zirkulation durch über 2.000 Fenster ermöglichen.
Gestaltungsmerkmale und Innovationen
- Strukturelle Innovationen: Der Stahlrahmen ermöglichte Großraumbüros und riesige Dimensionen, was es bis in die 1950er Jahre zum größten Bürogebäude Europas machte (Vielfalt der Moderne).
- Fassade und Materialien: Die hellfarbene Travertinfassade und das Walzkuppeldach unterstreichen seinen technischen und ästhetischen Anspruch.
- Innendetails: Fortschrittliche Annehmlichkeiten umfassten Aktenaufzüge, seltene Paternosteraufzüge, mechanische Belüftung und von der IG Farben hergestellte Linoleumböden, wobei die Handwerkskunst in Bronzetüren und Marmorwänden sichtbar wird.
- Landschaftsintegration: Max Bromme und Mitarbeiter gestalteten die umliegenden Parkanlagen, integrierten geometrische Gärten und Wasserspiele mit dem angrenzenden Grüneburgpark (Vielfalt der Moderne).
- Künstlerische Elemente: Zu den bemerkenswerten Kunstwerken gehören Fritz Klimschs „Nymphenskulptur“ und Gerhard Marcks’ Skulptur „Empedocles“ in der Eingangshalle.
Die Nazi-Ära und Kriegsgeschichte
Aktivitäten der IG Farben
Ab 1930 wurde das Gebäude zum Kommandozentrum für die umfangreichen Operationen der IG Farben. Unter dem NS-Regime spielte die IG Farben eine berüchtigte Rolle bei Kriegsverbrechen – Herstellung von synthetischen Materialien für die Kriegsanstrengungen und von Zyklon B, dem Gas, das in den Vernichtungslagern des Holocaust verwendet wurde (United States Holocaust Memorial Museum). Das Gebäude verwaltete auch die Monowitz-Anlage bei Auschwitz, die Zwangsarbeit ausbeutete (Frankfurt Tourism).
Alliierte Besetzung und Entnazifizierung
HQ der US-Armee und der IG Farben Prozess
Das IG Farben Gebäude, das von den Alliierten verschont blieb – der Legende nach aufgrund seiner erwarteten Nachkriegsnutzung –, wurde 1945 zum Hauptquartier des Oberbefehlshabers der Alliierten Streitkräfte der US-Armee. General Dwight D. Eisenhower arbeitete hier, und das Gebäude war zentral für den Nachkriegsaufbau und die Entnazifizierung (Frankfurt Tourism, U.S. Army Europe). Von 1947 bis 1948 beherbergte es den IG Farben Prozess, bei dem 24 Führungspersönlichkeiten wegen Kriegsverbrechen angeklagt wurden und Präzedenzfälle für die unternehmerische Rechenschaftspflicht schufen (Harvard Law School Library).
Transformation und Gedenken
Goethe-Universität und Erinnerungskultur
Nachdem die US-Armee das Gebäude 1995 verlassen hatte, wurde es restauriert und 2001 als Teil des Westend-Campus der Goethe-Universität wiedereröffnet (Goethe University Frankfurt). Heute beherbergt es Fakultäten, Verwaltung und öffentliche Räume für akademische und kulturelle Veranstaltungen, um den Dialog über seine komplexe Vergangenheit zu fördern.
Wichtige Gedenkstätten und Skulpturen
- Wollheim Denkmal: Dieses Denkmal erinnert an den Holocaust-Überlebenden und Zwangsarbeiter Norbert Wollheim, es befindet sich in der Nähe des Gebäudes und enthält Informationstafeln (Wollheim Memorial).
- „Am Wasser“ Skulptur: Eine Nymphenstatue, die während der US-Besatzung entfernt und 1995 zurückgebracht wurde, steht neben einem Brunnen (operasandcycling.com).
Besucherinformationen
Adresse, Öffnungszeiten und Tickets
- Standort: Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main, Deutschland (trip.com)
- Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9:00–18:00 Uhr. Besuche an Wochenenden sind nach Vereinbarung oder bei Sonderveranstaltungen möglich (Goethe University Frankfurt).
- Eintritt: Kostenlos für öffentliche Bereiche und Gedenkstätten. Führungen erfordern eine Voranmeldung und können eine geringe Gebühr kosten.
Führungen und Barrierefreiheit
- Touren: Angeboten von der Goethe-Universität und lokalen Gesellschaften, bieten Touren Einblicke in Architektur und Geschichte. Vorab buchen (Goethe University Frankfurt).
- Barrierefreiheit: Das Gebäude ist rollstuhlgerecht, aber die historischen Paternosteraufzüge sind für Personen mit eingeschränkter Mobilität nicht geeignet. Rampen und Aufzüge sind in den öffentlichen Bereichen vorhanden.
Praktische Tipps & Nahegelegene Attraktionen
- Transport: Leicht erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln; die nächstgelegene Haltestelle ist „Bockenheimer Warte“ (Frankfurt Public Transport).
- Nahegelegene Sehenswürdigkeiten: Erkunden Sie den Grüneburgpark, den Botanischen Garten Palmengarten, das Naturkundemuseum Senckenberg und das Museumsufer-Viertel.
- Fotografie: In öffentlichen Bereichen erlaubt; bitte respektieren Sie Gedenkbereiche und vermeiden Sie das Fotografieren von Studenten oder Mitarbeitern ohne Erlaubnis.
FAQ
F: Was sind die Öffnungszeiten des IG Farben Gebäudes? A: Montag bis Freitag, 9:00–18:00 Uhr; Wochenenden nach Vereinbarung.
F: Ist der Eintritt frei? A: Ja, der Eintritt zu öffentlichen Bereichen und Gedenkstätten ist frei. Spezielle Touren können kostenpflichtig sein.
F: Sind Führungen verfügbar? A: Ja, Führungen sind nach Voranmeldung verfügbar.
F: Ist das Gebäude rollstuhlgerecht? A: Öffentliche Bereiche sind zugänglich; Paternosteraufzüge sind für Personen mit eingeschränkter Mobilität nicht geeignet.
F: Darf ich fotografieren? A: Ja, in öffentlichen Bereichen, aber bitte mit Respekt in Gedenk- und akademischen Zonen.
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