Römische Zeit
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ca. 50 n. Chr.
Die Römer errichten das erste Kastell
Holz-Erdewälle ragen über die nasse Auenlandschaft, dort wo die Ruhr in den Rhein fließt. Der 400-km lange Niedergermanische Limes verläuft direkt durch das Lager; Soldaten hocken an Kohlenbecken und hören, wie schwarzes Wasser gegen ihre Versorgungskähne schlägt. Dieses Kastell, später Castrum Deutonis genannt, gibt dem Ort seinen ersten dauerhaften Namen.
Fränkische Zeit
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ca. 740
Karolingische Könige bauen einen Königshof
Die Verwalter König Childerichs wählen das hohe Flussufer für einen Königshof – Holzhallen, umgeben von Erdwällen, die noch heute unter dem Burgplatz liegen. Hier werden königliche Urkunden ausgefertigt, und Duisburg rückt in den Machtkreis der Franken. Aus dem Militärposten wird ein Verwaltungszentrum.
swords
883
Wikinger überwintern in der Stadt
Nordische Kriegertrupps durchbrechen die Palisade, verbrennen, was sich verbrennen lässt, und bleiben den Winter über. Ihre Langschiffe werden die Ruhr hinaufgezogen; Rauch hängt über gefrorenen Sümpfen. Als sie im Frühjahr wieder absegeln, hinterlassen sie die erste sicher datierte Erwähnung des Ortes – „Diuspargum“ – in einer erschrockenen Randnotiz eines Mönchs.
Ottonische Zeit
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1002
Kaiserwahl am Rhein
Duisburgs Königshalle füllt sich mit sächsischen Adeligen, die Heinrich II. auf ihren Schilden hochheben und zum König des deutschen Reiches ausrufen. Für einen kurzen Moment ist die Stadt das politische Zentrum des Reiches. Trompeten hallen von frischen Steinmauern wider; die Rheinfährleute verlangen den dreifachen Preis.
Hochmittelalter
public
ca. 1200
Der Rhein verlässt die Stadt
Nach Jahrhunderten verzweigter Wasserläufe verlagert sich der große Strom nach Westen und lässt Duisburgs Hafen trocken zurück. Der Handel bricht ein; Kaufleute ziehen nach Köln weiter. Zwischen den Kaianlagen wächst Gras, und die Stadt schrumpft für die nächsten dreihundert Jahre hinter ihre Mauern zurück.
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1279
Die Habsburger verpfänden Duisburg an Kleve
König Rudolf von Habsburg, knapp bei Kasse, verpfändet Duisburg an den Grafen von Kleve. Die freie Reichsstadt verliert ihre direkte Verbindung zur Krone. Bürgersinn kippt in Groll; die Ratsprotokolle werden fortan neben Latein auch in klevischem Niederländisch geführt.
Renaissance
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1512
Gerhard Mercator wird geboren
In einem flämischen Dorf, das später in Duisburgs Einflussbereich rückt, kommt der Junge zur Welt, der die Welt neu vermessen wird. Seine Zylinderprojektion – hier erstmals 1569 gedruckt – erlaubt Seefahrern, gerade Linien über Ozeane zu steuern. Er stirbt 1594 in Duisburg und korrigiert bis zuletzt Kupferplatten in seiner Werkstatt am Marktplatz.
science
1585
Das Wort „Atlas“ wird geprägt
Mercator veröffentlicht seinen „Atlas sive Cosmographicae Meditationes“ und benennt damit den Titanen, der den Himmel trägt. Auf der Titelseite kniet Atlas dort, wo Ruhr und Rhein zusammentreffen – Duisburg beansprucht seinen Platz im Zentrum der kartierten Welt.
Frühe Neuzeit
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1618
Der Dreißigjährige Krieg erreicht die Mauern
Kaiserliche Truppen werden in Fachwerkhäusern einquartiert; schwedische Reiter trinken die Keller leer. Mit den Armeen kommt die Pest; bis 1648 bleiben kaum zweitausend Seelen übrig. Die gotische Salvatorkirche steht ohne Dach da, ihre Glocken für Kanonen eingeschmolzen.
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1655
Eine calvinistische Universität öffnet
Der brandenburgische Kurfürst gründet eine reformierte Universität, um das „gelehrte Duisburg“ neu zu entfachen. Die Vorlesungen beginnen in einem ehemaligen Kloster; Studenten debattieren über Prädestination, während unter den Fenstern Ruhrkohle auf Kähnen vorbeiknarzt. Die Universität besteht bis 1818 und legt den Grundstein für die spätere technische Kompetenz der Stadt.
Industrieller Aufstieg
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1840
Der Binnenhafen entsteht
Dampfbaggger fressen sich durch den Schlamm und öffnen den Wasserweg wieder, den der Rhein sechs Jahrhunderte zuvor aufgegeben hatte. Die ersten Kohlekähne legen an neuen steinernen Kaianlagen an; Zollbeamte beginnen im Morgengrauen ihren Dienst. Duisburgs zweites wirtschaftliches Leben beginnt mit Dampfzischen und dem Klang eiserner Poller.
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1881
Wilhelm Lehmbruck erblickt das Licht
Geboren in einer Bergmannskate in Meiderich, wächst der Junge mit Koksdämpfen in der Nase auf und beobachtet, wie Stahl wie Sonnenaufgang gegossen wird. Seine Skulpturen – langgezogen, erschöpft, traurig – fangen die Müdigkeit des industriellen Europas ein. Die Kniende von 1911 scheint noch immer auf Nebelhörner vom Fluss zu lauschen.
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1905
Die Ruhrorter Hafenanlagen werden eingemeindet
Duisburg schluckt die rivalisierende Hafenstadt flussaufwärts und verdoppelt über Nacht die Länge seiner Kaikanten. Mit einem Schlag kontrolliert die Stadt den größten Binnenhafen der Erde – fast zwölf Kilometer Kaianlagen. Der Rathausbalkon wird vergrößert, damit der Bürgermeister vorbeifahrenden königlichen Yachten zuwinken kann, ohne sich seitlich drehen zu müssen.
Weimarer Krise
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1923
Belgische Truppen besetzen die Werke
Französische und belgische Soldaten marschieren mit umgehängten Gewehren in Thyssens Walzwerk ein und verlangen Kohle als Reparation. Deutsche Arbeiter leisten passiven Widerstand; Druckereien spucken wertlose Markscheine aus. Im November kostet ein Laib Brot 200 Milliarden – die Löhne der Stadt werden zu Papierziegeln für den Ofen.
Zweiter Weltkrieg
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14 Oct 1944
Ein Sturmangriff von 1.000 Bombern trifft die Stadt
In zwei Wellen werfen 2,000 RAF-Flugzeuge 4,500 Tonnen Sprengstoff ab. Der Himmel wird weiß; der Boden federt wie eine Trommel. Als der Morgen anbricht, sind achtzig Prozent der Stadt nur noch Kraterlandschaft – nur die Salvatorkirche aus dem 14. Jahrhundert steht, dachlos aber aufrecht, in einem Meer aus Feuer.
Wiederaufbau
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1964
Das Lehmbruck Museum eröffnet
Ein Tempel aus Beton und Glas erhebt sich neben dem Stadtpark am Bahnhof und beherbergt die bronzenen Figuren des Bildhauers, schwer von Trauer. Sonnenlicht fällt schräg über den „Stehenden Jüngling“; draußen glühen jenseits des Flusses noch die Hochöfen. Kunst und Industrie stehen sich gegenüber wie unruhige Geschwister in derselben Skyline.
Postindustrielle Zeit
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1985
Der letzte Hochofen erlischt
Das Werk in Meiderich – einst der Stolz des Ruhrgebiets – schließt seinen letzten Abstich. Zum ersten Mal seit einem Jahrhundert fließt kein Roheisen mehr. Die Arbeitslosigkeit steigt über zwanzig Prozent; leere Rangierbahnhöfe hallen von Wind und Krähen wider.
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1994
Der Landschaftspark bringt Licht in die Nacht
Statt Abriss tauchen Flutlichter die rostenden Hochöfen in elektrisches Blau. Kletterer sichern sich an Erzbunkern; Taucher steigen in den Gasometer hinab. Duisburg schreibt die Anleitung des Vergessens neu: Die Narben bleiben, aber sie beginnen zu singen.
21. Jahrhundert
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24 Jul 2010
Bei der Loveparade sterben 21 Menschen in der Menge
Technobeats hämmern von Lastwagen auf ein ehemaliges Bahngelände, doch ein einzelner Tunnel wird zur Todesfalle. Einundzwanzig Menschen ersticken, als der Polizeifunk im Lärm zusammenbricht. Die Stadt streicht künftige Paraden; die Bassboxen verstummen endgültig.
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2011
Tiger & Turtle kriecht in den Himmel
Eine Achterbahn für Fußgänger windet sich über eine Halde südlich der Stadt. In der Dämmerung schlängeln sich LEDs durch den Looping wie neu geborenes flüssiges Stahllicht. Von oben sehen Sie Fluss, Docks und das fragile Versprechen, dass Schwerindustrie schweben kann.
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2021
Der Niedergermanische Limes wird Welterbe
Die römische Grenze – jene ersten Holzforts – kommt auf die UNESCO-Liste. Heute folgen Besucher Steinmarkierungen im Pflaster dort, wo einst Legionäre patrouillierten. Zweitausend Jahre nach dem ersten Wachposten schlägt die Stadt endlich Kapital aus ihrem ältesten Pfund.