Grunewaldturm

Berlin, Deutschland

Grunewaldturm

Ein Aufstieg für 3 € über 204 Wendeltreppenstufen belohnt Sie mit Havel-Panoramen und vergessenen neo-byzantinischen Mosaiken, an denen die meisten Besucher achtlos vorbeigehen.

1-2 Stunden
3 €-4.50 Erwachsene / 1.50 Kinder 6-14 / Kostenlos unter 6 / Kostenlos für Berliner
Kein Aufzug; 204 steile Wendeltreppenstufen, nicht rollstuhlgerecht
Frühling–Herbst (April–Oktober)

Einführung

Der Lehrer von Hitlers Lieblingsbildhauer schuf 1902 einen marmornem Kaiser Wilhelm I. für diesen Turm — und niemand kann heute sagen, wo diese Statue geblieben ist. Der Grunewaldturm erhebt sich mit 55 Metern aus rotem Backstein über einem Wald am westlichen Rand von Berlin, Deutschland, getarnt als Aussichtsturm, aber gebaut als Kriegerdenkmal für die drei Konflikte, aus denen die deutsche Nation hervorging. Steigen Sie die 204 Wendeltreppenstufen hinauf, um den Blick über die Havel zu sehen. Bleiben Sie unten in der Kuppelhalle stehen, wenn Sie die seltsamere Geschichte suchen.

Die meisten Berliner nennen ihn einfach Grunewaldturm, und die meisten Besucher erwarten eine romantische Waldkulisse mit Café. Beides trifft nicht ganz. Franz Schwechten — derselbe Architekt, der die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche entwarf — plante diesen Turm zum Gedenken an einen toten Kaiser und an drei Einigungskriege, und das Gebäude trägt diesen Zweck noch immer in sich, wenn man weiß, worauf man achten muss.

Schon der Weg hilft. Vom S-Bahnhof Berlin-Grunewald laufen Sie fünfzehn Minuten durch ehemaligen königlichen Jagdwald, bevor zwischen den Kiefern die Silhouette eines backsteingotischen Turms auftaucht. Unten kreuzen Segelboote über die Havel. Die Luft riecht nach Harz und Seewasser. Dann treten Sie ein, und die Temperatur fällt in einer neo-byzantinischen Mosaikhalle, an der die meisten auf dem Weg zur Treppe einfach vorbeihasten.

Gehen Sie langsam. Die Decke ist der eigentliche Punkt. Ebenso die Doppeladler-Heraldik an den Außenwänden und eine Inschrift, die einem Bezirksausschuss die Ehre gibt statt dem Kaiser, dem sie eigentlich gelten sollte. Der Turm versteckt seine Politik in offen sichtbarem Backstein.

Sehenswertes

Die Gedenkhalle, die die meisten auf dem Weg nach oben übergehen

Alle stürmen direkt zur Treppe. Tun Sie das nicht. Treten Sie zuerst in die Gedenkhalle am Fuß des Turms und schauen Sie nach oben — August Oetkens neobyzantinische Mosaikdecke, 1902 von Puhl & Wagner ausgeführt (Berlins führender Glasmosiakbetrieb, dieselbe Werkstatt wie hinter der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche), leuchtet selbst an grauen Nachmittagen golden. Darunter steht Ludwig Manzels lebensgroße Figur Wilhelms I. aus Carrara-Marmor, in einer Contrapposto-Haltung erstarrt, hellweiß vor dem vergoldeten Gewölbe. Vier 1908 hinzugefügte Gusseisenreliefs besetzen die Ecken: Roon, Moltke, Bismarck, Prinz Friedrich Karl — das wilhelminische militärisch-politische Quartett in dunkel oxidiertem Eisen. Streichen Sie mit den Fingerspitzen über Bismarcks Profil; die Patina ist 117 Jahre alt und noch immer plastisch genug, um Schatten zu werfen. Für die Halle brauchen Sie fünf Minuten. Die meisten Besucher geben ihr dreißig Sekunden. Daran erkennen Sie Touristen und Leser.

Waldweg mit Wegweiser zum Grunewaldturm im Berliner Grunewald, Deutschland

204 Stufen und die Glasfenster, die fast niemand bemerkt

Die Wendeltreppe ist schmal, steil und enger, als man erwartet — die Backsteinwände rücken nah heran, die Geometrie zwingt zur ständigen Kreisbewegung, und die Luft wird beim Aufstieg spürbar kühler. Die meisten starren auf ihre Füße. Tun Sie das nicht. Franz Schwechten, der Architekt, der auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz entwarf, setzte auf mehreren Podesten Jugendstilfenster ein, und an hellen Nachmittagen sammelt sich farbiges Licht auf der gegenüberliegenden Backsteinwand. Halten Sie an jedem schmalen Fenster an. Die Landschaft zeigt sich in Höhenabschnitten — erst Havelwasser, dann Baumkronen, dann Himmel — und baut die Pointe auf, bevor Sie sie ganz sehen. Das eiserne Geländer ist von 126 Jahren voller Hände glatt geschliffen; die Akustik wirft jeden Schritt an der Steinsäule zu Ihnen zurück. Zehn Minuten hinauf, etwas länger hinunter, weil Ihre Beine protestieren werden. Kein Aufzug. Tragen Sie vernünftige Schuhe.

Die 36-Meter-Plattform und der Trick mit der goldenen Stunde

Schwechten setzte die Aussichtsplattform 36 Meter über den Boden und 86 Meter über die Havel — hoch genug, um das Blätterdach des Grunewalds vollständig zu überragen. An klaren Tagen sehen Sie im Nordosten den Fernsehturm und ungefähr 20 Kilometer südwestlich Potsdam; im Herbst brennt der Wald darunter in Gold, Orange und Rot in einer einzigen geschlossenen Kuppel von der Größe von 3,000 Fußballfeldern. Planen Sie Ihren Besuch sechzig Minuten vor Sonnenuntergang. Der Blick nach Westen über die Havel fängt das Licht flach ein, das Wasser wird zu flüssiger Bronze, und im Biergarten darunter ([[Kaisergarten]], wohl Berlins schönster) klirren die Gläser des Abends. Das Drahtsicherheitsnetz am Rand der Plattform wird Ihrer Kamera nicht gefallen — fotografieren Sie durch das Gitter oder schräg an den Eckpfosten vorbei. Gehen Sie vor dem Aufbruch unten an der Westfassade entlang und lesen Sie die Inschrift: "Der Kreis Teltow baute mich 1897" — der Kreis Teltow baute mich 1897. Der Turm spricht in der ersten Person zu dem Fluss, den er seit 128 Jahren beobachtet.

Achten Sie darauf

Schauen Sie in der kuppelüberwölbten Gedenkhalle am Fuß des Turms nach oben zu August Oetkens neo-byzantinischen Deckenmosaiken, bevor Sie das Treppengeländer berühren — die meisten Besucher laufen direkt an ihnen vorbei zur Spirale. Das Muster aus Gold und tiefem Blau ist ein unterschätztes Kleinod, ausgeführt von der Firma Puhl & Wagner.

Besucherlogistik

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Anreise

Mit der S-Bahn S3 oder S9 bis S Heerstraße (etwa 30 Minuten vom Alexanderplatz), dann mit dem Bus 218 Richtung Pfaueninsel bis zur Haltestelle Grunewaldturm — von dort sind es zwei Minuten zu Fuß. Der Bus 218 fährt alle 20–30 Minuten, also prüfen Sie vor dem Aufbruch die BVG-App. Mit dem Auto fahren Sie über die A115 (AVUS) zur Havelchaussee 61, 14193 Berlin; ein kostenloser Parkplatz liegt direkt am Fuß des Turms.

schedule

Öffnungszeiten

Stand 2026 ist die Aussichtsplattform täglich von 11:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, an Fr–So in der Hochsaison im Sommer oft bis 20:00 Uhr. Die Öffnungszeiten sind an das Kaisergarten-Restaurant darunter gebunden — wenn die Küche wegen des Wetters früh schließt, geht auch das Tor zu. Rufen Sie vor einem Winterbesuch unter +49 015165210827 an.

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Benötigte Zeit

Planen Sie 1,5–2 Stunden für den ganzen Besuch ein: 10–15 Minuten für den Aufstieg über die 204 Wendeltreppenstufen, 20 Minuten auf der Plattform, dann ein Bier auf der Terrasse des Kaisergarten. Daraus wird leicht ein halber Tag, wenn Sie den Turm mit einer Radtour auf der Havelchaussee oder einem Spaziergang zur Lieper Bucht verbinden.

payments

Tickets

Stand 2026 zahlen Erwachsene 5 €, Kinder von 6 bis 12 Jahren 3 €, und Hunde steigen kostenlos hinauf. Keine Online-Buchung — bezahlt wird am Tresen des Kaisergarten (bar oder mit Karte), dort wird Ihnen auch das Tor am Fuß der Treppe aufgeschlossen.

accessibility

Barrierefreiheit

Das Innere des Turms ist nicht rollstuhlgerecht: 204 steile, schmale Wendeltreppenstufen, kein Aufzug und eine enge Spirale, die selbst für trittsichere Besucher anspruchsvoll ist. Die Terrasse im Erdgeschoss und der Biergarten des Kaisergarten sind eben und stufenlos, sodass Rollstuhlfahrer den Blick auf die Havel trotzdem von unten genießen können.

Tipps für Besucher

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Mit dem historischen 218 fahren

Der Bus 218 durch den Grunewald ist schon für sich ein Erlebnis — gelegentlich fährt hier ein Traditionsbus aus den 1960er Jahren, in dem ein Schaffner die Haltestellen noch von Hand ausruft. Prüfen Sie den Fahrplan des Traditionsbusses, wenn Sie Ihren Besuch darauf abstimmen möchten.

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Trinken, nicht essen

Die Terrasse des Kaisergartens hat den besten Havelblick in Berlin, doch in jüngeren Bewertungen ist von kleinen Portionen und Apfelschorlen für 4 € die Rede. Bleiben Sie auf der Terrasse besser bei Bier und Brezel; für ein richtiges Essen gehen Sie ins Restaurant Scheune oder zurück nach Zehlendorf.

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Durch das Gitter fotografieren

Die Aussichtsplattform ist von einem Drahtschutzgitter umgeben, das Weitwinkelaufnahmen ruiniert. Drücken Sie ein 35–50-mm-Objektiv direkt an die Öffnungen, oder fotografieren Sie am späten Nachmittag, wenn das westliche Licht über der Havel das Gitter im Gegenlicht verschwinden lässt.

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Die Drohne zu Hause lassen

Der Grunewald ist geschützter Wald, und Berlin hat einige der strengsten Drohnenregeln Deutschlands — Flüge hier brauchen eine Genehmigung der Berlin Brandenburg Film Commission. Handkameras und Stative sind innen und auf der Plattform erlaubt, ohne Gebühr.

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In der Halle langsamer werden

Die meisten Besucher eilen am Fuß des Turms an der Gedenkhalle vorbei direkt zu den Stufen. Halten Sie für August Oetkens neobyzantinische Deckenmosaike und Ludwig Manzels Marmorstatue Wilhelms I. von 1902 an — die Gedenkhalle ist der eigentliche architektonische Höhepunkt, nicht die Aussicht.

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Zum Sonnenuntergang kommen

Die Plattform blickt nach Westen über die Havel, daher ist der späte Nachmittag bis zur goldenen Stunde der Moment, in dem der See aufleuchtet und der Wald kupferfarben wird. Im Herbst kommt das Laub dazu; im Winter kann ein früher Besuch vor verschlossenem Tor enden, wenn der Kaisergarten früh schließt.

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Eine Runde daraus machen

Einheimische sehen den Turm nicht als einziges Ziel — eher als einen Halt auf einer Runde entlang der Havelchaussee. Verbinden Sie ihn mit einem Bad an der Badestelle Kuhhorn, einem Spaziergang zur Lieper Bucht oder einer Weiterfahrt mit demselben 218 zur Pfaueninsel.

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Profil statt Absätze

Die 204 Wendeltreppenstufen sind schmal, glattgetreten und steil — Turnschuhe mit Profil sind besser als Ledersohlen. Der Waldweg ab S-Bahnhof Nikolassee (35 Minuten) wird abseits der Havelchaussee schnell matschig, also heben Sie sich die Sandalen lieber für die Terrasse auf.

Wo essen

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Das sollten Sie unbedingt probieren

Currywurst — Gegrillte Wurst mit würziger Tomaten-Curry-Sauce. Berlins Erfindung von 1949 durch Herta Heuwer. Döner Kebab — Berlin beansprucht die Erfindung für sich (1972, Kadir Nurman). Das beste Streetfood der Stadt. Eisbein — Gepökelte Schweinshaxe mit Sauerkraut und Erbsenpüree. Herzhaft und traditionell. Berliner Pfannkuchen — Mit Marmelade gefülltes Hefegebäck. Das ganze Jahr über in jeder Bäckerei zu finden. Königsberger Klopse — Kalbfleischklößchen in cremiger Kapernsauce. Ostpreußischen Ursprungs, in Berlin längst ein Klassiker. Berliner Weiße — Säuerliches Weizenbier mit Himbeer- oder Waldmeistersirup. Ein Sommerklassiker.

Trattoria Toscana Berlin im Grunewald

local favorite
Toskanisch-italienisch €€ star 4.8 (565)

Bestellen: Handgemachte Calzone mit frischen Zutaten. Besucher schwärmen vom authentischen florentinischen Brot ohne Salz — in Berlin eine Seltenheit — und von der Fischsuppe aus dem Holzofen.

Hier wurde die Toskana in den Grunewald versetzt. Das Personal spricht Italienisch, der Innenhof ist wirklich schön, und die Pasta wird täglich frisch gemacht. So ein Ort erinnert daran, warum europäisches Essen so geliebt wird.

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Öffnungszeiten

Trattoria Toscana Berlin im Grunewald

Montag Geschlossen, Dienstag
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Kaisergarten am Grunewaldturm

local favorite
Deutscher Biergarten €€ star 4.4 (252)

Bestellen: Ein kaltes Pils und alles, was vom Grill kommt — Currywurst, Schnitzel oder saisonaler Fisch. Biergartenklassiker, gut gemacht.

Wörtlich direkt unter dem Grunewaldturm, mit Blick über die Havel. Hier beenden Einheimische ihre Laufrunden, bringen am Wochenende die Familie mit und bleiben dann stundenlang sitzen. Kein Getue, einfach kaltes Bier und gute Gesellschaft.

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Öffnungszeiten

Kaisergarten am Grunewaldturm

Montag 11:00 – 18:00 Uhr, Dienstag
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Landhaus Grunewald

local favorite
Traditionell deutsch €€ star 4.4 (1407)

Bestellen: Schnitzel oder frischen Fisch. Die Küche kauft mit Bedacht ein, und bei den Portionen wird nicht gegeizt. Die italienische Weinkarte ist in einem so traditionellen Haus eine kleine Überraschung.

Von Frühstück bis Mitternacht geöffnet, in einem charmanten, altmodisch deutschen Ambiente. Die Gäste kommen wegen des verlässlichen Essens, des wirklich herzlichen Services und einer echten Terrasse, auf der man ausdrücklich länger sitzen darf, immer wieder.

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Öffnungszeiten

Landhaus Grunewald

Montag 8:00 – 0:00 Uhr, Dienstag
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Restaurant Scheune

local favorite
Deutsch €€ star 4.4 (2398)

Bestellen: Currywurst — Berlins Erfindung von 1949 — oder Schnitzel. Alles kommt dampfend heiß an den Tisch, die Portionen sind großzügig, und mit Gästen ohne Deutschkenntnisse geht man geduldig um.

Ein echtes Nachbarschaftslokal direkt an der U-Bahn, mit mehr als 2.300 Bewertungen von Stammgästen. Keine Touristenkulisse — einfach ehrliches deutsches Essen, effizienter Service und unterhaltsames Leute-Beobachten von der Terrasse aus.

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Öffnungszeiten

Restaurant Scheune

Montag 11:00 – 23:00 Uhr, Dienstag
map Karte language Web
info

Restaurant-Tipps

  • check Die meisten Restaurants haben montags Ruhetag. Prüfen Sie immer vorher nach, besonders wenn Sie ein besonderes Abendessen planen.
  • check In Restaurants mit Bedienung sind 10 % Trinkgeld üblich; eine Servicepauschale ist nie inbegriffen. Nennen Sie dem Servicepersonal einfach den Gesamtbetrag, den Sie zahlen möchten — das Wechselgeld wird entsprechend zurückgegeben. Das ist normal, nicht unhöflich.
  • check Barzahlung ist hier noch immer sehr wichtig, besonders in traditionellen Lokalen und Biergärten. Nehmen Sie sicherheitshalber Bargeld mit. Kartenzahlung ist zwar verbreiteter geworden, doch kleine familiengeführte Lokale akzeptieren oft nur Bargeld.
  • check Die Stoßzeit zum Abendessen liegt etwa gegen 20 Uhr. Ohne Reservierung kommen Sie am besten vor 19 Uhr oder nach 21 Uhr.
  • check In Deutschland bleibt man beim Essen gern länger sitzen — niemand drängt Sie zum Gehen. Sagen Sie vor dem Essen „Guten Appetit“; das gehört dazu.
Food-Viertel: Grunewald / Zehlendorf — Ruhiges Wohngebiet im Westen Berlins. Biergärten am Wasser und traditionelle Lokale, in denen Einheimische tatsächlich essen. Dahlem — Universitätsviertel mit ungezwungenen Cafés und familiengeführten Restaurants. Charlottenburg (Nordwesten) — Gepflegter und gehobener, passend für besondere Anlässe. Kreuzberg (Osten) — Die vielfältigste Gastroszene der Stadt: türkisch, koreanisch, nahöstlich, Streetfood, dazu die Street Food Thursday in der Markthalle Neun.

Restaurantdaten bereitgestellt von Google

Historischer Kontext

Drei Kriege, ein Turm, ein verschwundener Kaiser

Der Kreistag Teltow beschloss 1897, den hundertsten Geburtstag Kaiser Wilhelms I. mit einem Turm auf dem Karlsberg zu markieren, 78.5 Meter über der Havel. Schwechten zeichnete die Pläne, und Wilhelm II. genehmigte sie im März desselben Jahres. Noch im Sommer begann der Bau. Der Kaiser-Wilhelm-Turm wurde am 9. Juni 1899 eröffnet.

Die Akten zeigen, dass es bei dem Bau nie wirklich um einen toten König ging. Es ging darum, die Kriege zu legitimieren, die ihn dazu gemacht hatten — und die Männer, die diese Kriege führten, kamen noch lange nach dem Durchschneiden des Bandes an den Turm.

Ludwig Manzel und der verschwundene Kaiser

Ludwig Manzel kam 1902 an den Turm, um in der Gedenkhalle eine überlebensgroße Marmorstatue Wilhelms I. aufzustellen. Er war 44, ein aufstrebender Bildhauer, und der Auftrag passte genau zu seinem Register: große imperiale Figuren, ausgeführt mit der Politur der Preußischen Akademie. Von 1912 bis 1915 und erneut von 1918 bis 1920 war er Präsident der Preußischen Akademie der Künste. Sein folgenreichster Schüler, Josef Thorak, wurde der offizielle Bildhauer Adolf Hitlers. Manzels letzter dokumentierter Auftrag, kurz vor seinem Tod am 20. Juni 1936 vollendet, war ein Bronzereliefmedaillon von Joseph Goebbels.

Der marmorne Wilhelm, den er dort hinterließ, ist verschwunden. Kein Museumskatalog führt ihn. Kein erhaltenes Foto verortet ihn an einem späteren Ort. Zwischen den Kriegsschäden am Treppenhaus im Zweiten Weltkrieg und der sowjetischen Besatzung dieses Waldstreifens von 1945 bis 1948 geschah etwas mit der Statue: eingeschmolzen ist unwahrscheinlich (Marmor, nicht Bronze), entfernt ist möglich, in den unteren Räumen verlegt die Möglichkeit, von der Einheimische leise sprechen. Fachleute datieren die letzte verlässliche Erwähnung in Vorkriegsreiseführer.

Der Wendepunkt war nicht das Verschwinden der Statue. Es war der 15. September 1948, der Tag, an dem der West-Berliner Senat dem Bau offiziell den Namen des Kaisers nahm und ihn in Grunewaldturm umbenannte. Berliner nannten ihn schon seit den frühen 1930er Jahren so. Der Staat holte nur nach, was auf der Straße längst galt — mitten in der Blockade, mitten in der Luftbrücke, während entschieden wurde, was eine freie Stadt ehren und was sie still vergessen würde.

Schwechten, der Hausarchitekt des Kaiserreichs

Franz Schwechten (1841–1924) baute mit rotem Backstein ganze Imperien. Sein Anhalter Bahnhof eröffnete 1880 als größter Bahnhof Kontinentaleuropas. Es folgten 1895 die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, 1899 der Grunewaldturm, ab 1905 das Kaiserschloss Posen im besetzten polnischen Gebiet. Vier Monumente, eine Ideologie. Er starb am 11. August 1924, einen Tag vor seinem 83. Geburtstag, in einem Berlin der Weimarer Republik, das für seinen Stil keine Verwendung mehr hatte. Seine Türme überlebten das Regime, das sie in Auftrag gegeben hatte.

Die Reliefs, die alles verrieten

1908, neun Jahre nach der Eröffnung des Turms, kamen vier gusseiserne Reliefplatten an die Außenwände: Bismarck, Moltke, Roon und Prinz Friedrich Karl. Das waren die Männer, die den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864, den Deutschen Krieg von 1866 und den Deutsch-Französischen Krieg von 1870–71 planten und führten. Das Timing zählt. Die Spannungen in Europa nahmen stark zu, und Wilhelm II. befestigte das militaristische Erbe seines Großvaters als Botschaft an die Gegenwart, nicht als Ehrung für die Toten. Sechs Jahre später zog das Reich, das diese Reliefs feierten, in den Ersten Weltkrieg.

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Häufig gefragt

Lohnt sich ein Besuch des Grunewaldturms? add

Ja, wenn Sie den Besuch mit einem Waldspaziergang an der Havel oder einem Halt im Biergarten verbinden, statt ihn als einzelnes Ziel zu behandeln. Der 55 Meter hohe gotische Backsteinturm bietet einen der besten Panoramablicke in Berlin auf Wald und Wasser, und selbst Berlin.de führt ihn als Insidertipp. Lassen Sie ihn aus, wenn Sie Treppen oder die abgelegene Anfahrt abschrecken — vom Alexanderplatz sind es 30 Minuten und 204 enge Wendeltreppenstufen bis nach oben.

Wie komme ich von Berlin zum Grunewaldturm? add

Nehmen Sie die S-Bahn S3 oder S9 bis S Heerstraße, dann den Bus 218 Richtung Pfaueninsel bis zur Haltestelle Grunewaldturm. Die gesamte Fahrt dauert vom Alexanderplatz aus etwa 40 Minuten. Der Bus 218 fährt nur alle 20–30 Minuten, also prüfen Sie die BVG-App, bevor Sie zur Haltestelle gehen — wenn Sie ihn verpassen, warten Sie lange im Wald.

Wie viel Zeit braucht man am Grunewaldturm? add

Planen Sie für den kompletten Besuch 1.5 bis 2 Stunden ein — Turmaufstieg, Gedenkhalle plus ein Getränk im Biergarten Kaisergarten. Ein kurzer Stopp nur für das Äußere dauert 20 Minuten. Wenn Sie daraus einen Spaziergang oder eine Radtour entlang der Havelchaussee Richtung Wannsee machen, rechnen Sie mit 3 bis 5 Stunden.

Was kostet der Aufstieg auf den Grunewaldturm? add

Eintritt für Erwachsene kostet €5, Kinder von 6–12 zahlen €3, Hunde kommen kostenlos hinein. Bargeld und Karte werden am Restauranttresen des Kaisergartens akzeptiert — es gibt keine Online-Buchung und keine Option zum Überspringen der Warteschlange. Tickets kann man nur vor Ort kaufen; das Personal schließt dann das Treppentor auf.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch des Grunewaldturms? add

Eine Stunde vor Sonnenuntergang mit Blick nach Westen über die Havel — dann legt die goldene Stunde schräges Licht über Fluss und Wald. Im Herbst ist der Blick am dramatischsten, wenn sich das Blätterdach des Grunewalds unter der Aussichtsplattform gold- und rotfärbt. Im Winter ist die Sicht auf Potsdam und den Fernsehturm am besten, fast ohne Menschenmenge.

Was sollte ich am Grunewaldturm auf keinen Fall verpassen? add

August Oetkens neobyzantinische Goldmosaiken an der Decke der Gedenkhalle im Erdgeschoss — die meisten eilen auf dem Weg zur Treppe daran vorbei. Halten Sie auch an der Inschrift an der Westfassade an (der Turm spricht in der ersten Person: 'Der Kreis Teltow baute mich 1897') und achten Sie auf die zwei verschiedenen Adler: den roten brandenburgischen zur Havel hin, den schwarzen preußischen zum Wald hin.

Ist der Grunewaldturm rollstuhlgerecht? add

Nein. Die 204 steilen Wendeltreppenstufen haben keinen Aufzug, und das Treppenhaus ist für unterstütztes Hinaufkommen zu schmal. Die ebenerdige Terrasse des Kaisergartens ist jedoch flach und zugänglich, mit Blick auf die Havel und einem Selbstbedienungsbistro — also eine brauchbare Option ohne Aussichtsplattform.

Taugt das Restaurant am Grunewaldturm etwas? add

Zahlen Sie für den Blick, nicht für die Küche. Die Terrasse des Kaisergartens über der Havel ist tatsächlich sehr schön — die Charlottenburg-Wilmersdorf Zeitung nennt sie Berlins schönsten Biergarten — aber aktuelle Tripadvisor-Bewertungen sprechen von kleinen Portionen, hohen Preisen und langsamem Service. Bleiben Sie bei Bier und Brezel; für ein richtiges Essen fahren Sie weiter nach Dahlem oder Zehlendorf.

Quellen

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