Flakturm Humboldthain

Berlin, Deutschland

Flakturm Humboldthain

41 Tonnen Dynamit konnten diesen Geschützturm aus dem Zweiten Weltkrieg nicht abreißen. Halb im Kriegsschutt versunken, ist er heute Berlins schrägster kostenloser Aussichtspunkt.

1–2 Stunden
Kostenlos (Hügel); €17 / €13 ermäßigt (geführte Innenbesichtigung)
Nicht rollstuhlgerecht
Herbst–Frühling (freie Sicht ohne Laub; Führungen April–Oktober)

Einführung

Sowjetische Geschütze feuerten am 2. Mai 1945 1.000 Kilogramm Sprengstoff auf diesen Betonwürfel, und nichts geschah. Der Flakturm Humboldthain, eingekeilt in einen Trümmerhügel im Berliner Stadtteil Gesundbrunnen, ist der Rest eines bombensicheren Hochhauses, das das Dritte Reich in sechs Monaten errichtete und das die französische Armee drei Jahre später nicht abreißen konnte. Sie kommen hierher wegen einer Seltenheit in Berlin: ein Bau aus der NS-Zeit, der nie weichgespült, nie umgenutzt, nie zu Büros gemacht wurde.

Der Turm steht im Volkspark Humboldthain, einem 29 Hektar großen Park, zehn S-Bahn-Minuten nördlich vom Alexanderplatz. Zwei seiner vier Ecktürme fehlen. Zwei sind noch da, eingeschmolzen in einen Hügel aus 1,5 Millionen Kubikmetern von Berlins eigenem Bombenschutt. Sie steigen Treppen hinauf, die Einheimische für ihre Abendrunde nutzen, und oben stehen Sie auf einer Plattform, die einmal ein Flakstand für Geschütze gegen RAF-Lancaster war.

Die meisten Besucher gehen kostenlos um den Außenbereich herum. Das Innere gehört dem Berliner Unterwelten e.V., dem Verein für Untergrundgeschichte, der seit den frühen 2000er-Jahren die versiegelten Etagen freilegt. Die Führung — Helm, Stirnlampe, eisige Luft — ist der einzige Weg, den Ring des Geschützturms, die Krankenhausebene und die 21 Propagandareliefsteine zu sehen, die die Luftwaffe nie mehr einbauen konnte.

Kombinieren Sie das mit der Berliner Mauer für einen Vormittag aus hartem Material des 20. Jahrhunderts, oder mit dem übrigen Berlin, wenn Sie einen weicheren Kontrast möchten. Der Turm ist direkt, kalt und ehrlich. Genau das ist der Reiz.

Was es zu sehen gibt

Die Sprenglinie und die erhaltenen nördlichen Türme

Gehen Sie die gewundenen Wege auf die Humboldthöhe hinauf, und die Ruine zeigt sich in zwei Hälften. Zwei Betonecktürme stehen 39 Meter hoch auf einer Grundfläche von 70.5 mal 70.5 Metern, bei 3.5 Meter dicken Wänden — breiter, als ein Berliner U-Bahn-Wagen lang ist. Die gegenüberliegenden Ecken fehlen einfach.

Französische Pioniere zündeten 41 Tonnen Dynamit in drei Versuchen im Februar und März 1948. Die südlichen Ecken stürzten ein. Das nördliche Paar hielt stand, und die Sprengungen wurden gestoppt, als die Ingenieure sich um die nahen Ringbahngleise sorgten.

Stellen Sie sich an den Fuß des Bauwerks und lesen Sie die Asymmetrie wie eine Seite. Auf der einen Seite: blanker, verwitterter grauer Beton, über Jahrzehnte mit Graffiti über Schablonen aus den 1940er Jahren geschichtet. Auf der anderen: zerfetzter Bewehrungsstahl, gesprengter Schutt, die genaue Linie, an der die Zerstörung aufgab.

Äußere Ruinen des Flakbunkers Humboldthain in Berlin, Deutschland, mit dem Gesundbrunnen-Center im Hintergrund
Denkmal für die Einheit Deutschlands (Einheitsmahnmal) auf dem Flakturm Humboldthain im Volkspark Humboldthain, Berlin, Deutschland

Die Dachplattform auf 85 Metern

Ungefähr 280 Stufen im erhaltenen Turminneren, kein Aufzug, kein bisschen Geländermilde. Sie kommen auf eine offene Terrasse hinaus, mit Picknicktischen und einem Wind, der Sie daran erinnert, dass dies einst eine 128-mm-Geschützplattform war, von der aus 26-Kilogramm-Granaten auf 14,800 Meter Höhe abgefeuert wurden.

Das ist einer der wenigen hohen Aussichtspunkte in Berlin, an denen der Fernsehturm am Alexanderplatz völlig aus dem Bild fällt. Fotografen kommen genau wegen dieser Abwesenheit — Wedding und Mitte rollen nach Norden, ohne die übliche Nadel, die die Skyline durchsticht.

Kommen Sie nach dem Laubfall. Im Sommer verschluckt das Blätterdach die Sichtlinien nach Süden; von November bis März bekommen Sie das klare Panorama, eisige Plattform inklusive. Sonnenuntergang ist hier der lokale Konsens, und die Leute vor Ort haben recht.

Innen mit Berliner Unterwelten — 10°C, völlige Dunkelheit, 250 Fledermäuse

Führungen finden nur von April bis Oktober statt. Von November bis März gehört der Turm ungefähr 250 Fledermäusen aus sechs Arten — Berlins drittgrößtem Fledermausquartier — die in den kältesten Räumen Winterschlaf halten. Buchen Sie Tour 2 (90 Minuten, €17) für drei Etagen; Tour E (€65, drei Stunden) ist alpines Gelände mit senkrechten Abstürzen.

Bringen Sie eine richtige Stirnlampe mit. Die Dunkelheit ist vollkommen, und wenn der Guide das Licht ausmacht, können Sie noch den schwachen Schimmer der Leuchtfarbe aus Kriegszeiten sehen — Leuchtfarbe, die in der Verdunkelungszeit Ausgänge markierte und geisterhaft auf dem Beton sichtbar bleibt. Originale deutsche Schablonen beschriften Räume in der Einsatzkurzschrift der 1940er Jahre, und Baumwurzeln von der Oberfläche drücken sich wie langsame grüne Fäuste durch die Stahlbetondecke.

Im Inneren herrschen das ganze Jahr 10°C. An einem 30-Grad-Nachmittag im Juli beschlägt Ihnen schon innerhalb einer Minute nach dem Abstieg der Atem. Geschlossene Schuhe, warme Jacke, keine Toiletten vor Ort — und eine Struktur, die gebaut wurde, um 15.000 Berliner vor dem Himmel zu schützen und nun von unten durch Wasser, Wurzeln und mineralische Stalaktiten zurückerobert wird.

Panoramablick auf Berlin vom Gipfel des Flakturm Humboldthain im Volkspark Humboldthain, Deutschland
Achten Sie darauf

Stellen Sie sich auf die Nordseite des Hügels und schauen Sie hinunter: Die zwei erhaltenen Ecktürme des G-Turms brechen durch den grasigen Hang — roher, von Explosionen gezeichneter Beton auf Bodenniveau, dort, wo der Trümmerhügel die unteren Etagen verschluckt hat. Die Schäden der Sprengversuche von 1948 sind auf den freiliegenden Flächen noch immer als tiefe Risse und abgesprengte Kanten zu sehen.

Besucherlogistik

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Anreise

Nehmen Sie U8, U6 oder S1/S2/S25/S41/S42 bis Gesundbrunnen — von dort sind es etwa 7 Minuten zu Fuß (494m) bis zum Turm. Folgen Sie den blau-weißen Schildern von Berliner Unterwelten ab Brunnenstraße 105. Der Bus 247 hält näher am Parkeingang, falls Ihnen die Treppen im Bahnhof zu viel sind.

schedule

Öffnungszeiten

Der Park und der Aussichtspunkt auf dem Hügel sind das ganze Jahr über rund um die Uhr kostenlos geöffnet. Geführte Innenbesichtigungen finden nur von Mai bis Oktober statt — von November bis April beherbergt der Bunker Berlins drittgrößte Winterkolonie von Fledermäusen. Stand 2026 starten die Führungen wieder nach dem üblichen Zeitplan am 1. April.

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Benötigte Zeit

Außenbereich und Aussichtspunkt auf dem Gipfel: 30–60 Minuten. Die Führung Humboldthain Spezial dauert zusätzlich 2,5 Stunden. Für das volle Erlebnis mit Parkspaziergang und einem Dönerstopp in der Müllerstraße danach sollten Sie 3–4 Stunden einplanen.

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Kosten & Tickets

Der Außenbereich auf dem Hügel ist kostenlos. Stand 2026 kostet die Führung Humboldthain Spezial €55 (2,5 Std.); die Führung Humboldthain Extrem (€65, 3 Std.) bleibt wegen statischer Sicherungsarbeiten ausgesetzt, ein Neustarttermin ist nicht bekannt. Online-Buchung über berliner-unterwelten.de bis zu 30 Tage im Voraus — am Bunker selbst gibt es keinen Ticketverkauf.

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Barrierefreiheit

Nicht rollstuhlgerecht. Die Innenführung verlangt mehr als 150 Stufen, Gehen über Trümmergelände und Abstiege durch 60cm breite Schächte — Berliner Unterwelten verlangt, dass Besucherinnen und Besucher "bergwanderfähig" und strikt 18+ sind. Der spiralförmige Außenweg den Hügel hinauf ist asphaltiert und für die meisten Mobilitätsniveaus gut begehbar.

Tipps für Besucher

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Kleidung für 10°C im Inneren

Im Bunker herrschen ganzjährig 10°C/50°F, selbst in der Augusthitze. Nehmen Sie eine warme Schicht und knöchelhohe Wanderstiefel mit griffiger Sohle mit — Turnschuhe, Sandalen oder Absätze bedeuten Abweisung an der Tür.

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Keine Fotos im Inneren

Kameras und Handys sind bei der Innenführung verboten; das wird strikt durchgesetzt, um geliehene Zeitzeugenobjekte zu schützen. Außen und auf dem Gipfel dürfen Sie alles fotografieren — Kamera mitbringen, unten in der Tasche lassen.

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Zum Sonnenuntergang kommen

Berlin.de zählt den Hügel zu den besten Orten der Stadt für den Sonnenuntergang. Winter und Herbst liefern sogar die schärferen Blicke nach Süden Richtung Mitte und Fernsehturm, sobald die Bäume ihre Blätter verloren haben.

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Essen in der Müllerstraße

Lassen Sie das Gesundbrunnen-Einkaufszentrum aus. Gehen Sie fünf Minuten zu Imren Grill für Lamm-Dürüm oder zu Yildiz Gözleme (Müllerstraße 133) für türkisches Gebäck und schwarzen Tee — beides günstig, beides Wedding-Institutionen.

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Bahnhof, nicht Park

Der Park selbst ist tagsüber und abends sicher — Familien, Jogger, Picknicker. Achten Sie am Bahnhof Gesundbrunnen auf Ihre Taschen (übliche Vorsicht vor Taschendieben an Berliner Verkehrsknotenpunkten) und ignorieren Sie alle mit Klemmbrett, die Unterschriften für Petitionen wollen.

celebration
Aussichtspunkt zu Silvester

An Silvester steigen Einheimische auf den Hügel, um das Feuerwerk über dem Norden Berlins mit Panoramablick zu sehen — die Höhe von etwa 85m schlägt die meisten Dächer in Mitte. Bringen Sie Handschuhe und eine Thermoskanne mit und kommen Sie vor 23:00, wenn Sie einen guten Platz wollen.

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Keine Toiletten vor Ort

Am Turm und entlang der Führungsroute gibt es keine Toiletten. Nutzen Sie die Anlagen im Bahnhof Gesundbrunnen, bevor Sie hinaufgehen — die Spezialtour dauert 2.5 Stunden ohne Pause.

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Dienstagsumweg

Der Humboldthain Club am S-Bahnhof veranstaltet jeden Dienstag Open Decks & Table Tennis — seit acht Jahren, kostenlos, mit Techno-Schlagseite. Kombinieren Sie das mit dem Sonnenuntergang auf dem Hügel für einen kompletten Wedding-Abend. Oder gehen Sie nach Süden zum Alexanderplatz, wenn Sie die Touristenversion wollen.

Wo essen

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Das sollten Sie unbedingt probieren

Currywurst — geschnittene Bratwurst mit Currytomatensoße, seit den 1940er- bis 50er-Jahren Berlins bekanntestes Streetfood Döner Kebab — Berlin behauptet, der moderne Döner sei hier 1972 erfunden worden Königsberger Klopse — Kalbfleischklöße in cremiger Kapernsoße, klassisches Kneipenessen Eisbein — gepökelte Schweinshaxe mit Sauerkraut und Erbspüree Buletten — herzhafte Fleischklopse, traditionelles Berliner Streetfood Berliner Pfannkuchen — mit Marmelade gefüllter, frittierter Krapfen

Café Humboldthain

cafe
Modernes Café €€ star 4.9 (304)

Bestellen: Lassen Sie die normalen Kuchen aus und gehen Sie direkt zum Dubai-Schokoladenkuchen — dafür stehen die Leute hier an. Die Croissants sind wirklich buttrig und blättrig, Frühstück gibt es bis 14 Uhr.

Hier wollen Weddings Arbeiterklasse und Kreative tatsächlich sitzen. Gemütlich, wirklich freundliches Personal, starke vegetarische Karte und kein Versuch, etwas anderes zu sein, als es ist.

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Öffnungszeiten

Café Humboldthain

Mo-Mi 8:04–18:36 Uhr
map Karte language Web

Lichtburg

local favorite
Traditionell deutsch €€ star 4.5 (1283)

Bestellen: Bestellen Sie das Wiener Schnitzel — riesig, knusprig, sauber gemacht. Lassen Sie sich bei den deutschen Gerichten vom Personal beraten; die wissen, was funktioniert.

Echtes Kiezleben: Bankettbänke, rote Wände, eine Terrasse voller Stammgäste und eine Weinkarte, mit der man ernst machen kann. Gruppen kommen in Scharen, weil das Essen zuverlässig gut ist.

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Öffnungszeiten

Lichtburg

Mo-Mi 11:30–23:00 Uhr
map Karte language Web

Lobe Canteen

local favorite
Pflanzenbasiertes Café €€ star 4.6 (119)

Bestellen: Die wechselnde pflanzenbasierte Karte hält Sie auf Trab — aber Karottenkuchen und Zitronenkuchen lohnen sich immer. Gehen Sie wegen des Gartens; echte Hühner und Kaninchen machen den Ort auf die bestmögliche Weise angenehm seltsam.

Auch 2026 hat Berlin noch Orte wie diesen: großzügig, eigenwillig, ganz bei sich. Veganfreundlich ohne Predigt, cool ohne Pose.

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Öffnungszeiten

Lobe Canteen

Mo-Mi 12:00–16:00 Uhr
map Karte language Web

Cafe Latrio-Berlin

cafe
Kiezcafé €€ star 4.7 (2677)

Bestellen: Morgens ein Bagel mit Mozzarella und türkischem Tee. Alles schmeckt, als hätte es tatsächlich jemand für Sie gemacht und nicht eine Fabrik.

Stammgäste kommen jeden Tag hierher, weil es einfach funktioniert. Essen wie hausgemacht, ein Team, das wirklich zufrieden wirkt, und eine ruhige Lage fern vom Touristenlärm.

schedule

Öffnungszeiten

Cafe Latrio-Berlin

Mo, Di 7:30–18:00 Uhr; Mi 8:00–18:00 Uhr
map Karte
info

Restaurant-Tipps

  • check Bargeld ist Trumpf — viele Cafés in Wedding akzeptieren nur Barzahlung. Nehmen Sie 30–50 € für lockere Mahlzeiten mit.
  • check Frühstück wird in beliebten Cafés oft bis 14 Uhr serviert — kommen Sie früh, sonst sind einzelne Sachen schon aus.
  • check Trinkgeld geben Sie, indem Sie aufrunden oder beim Bezahlen den Gesamtbetrag nennen (Rechnung 16.30 € → sagen Sie „17“).
  • check Für lockere Cafés braucht man keine Reservierung, aber bei Gruppen ab 4 Personen in Restaurants lohnt sich ein kurzer Anruf vorher.
  • check Der Service ist gesetzlich im Menüpreis enthalten. Trinkgeld ist freiwillig, aber 5–10 % sind bei gutem Service üblich.
  • check Mittagessen läuft von 12–14 Uhr, Abendessen von 18–21 Uhr. In beliebten Lokalen geht der Abendservice oft bis 23 Uhr.
Food-Viertel: Wedding (wo der Humboldthain liegt) — rau, lokal, bezahlbar. Echte Kiezadressen statt Ketten. Müllerstraße und Seestraße sind die wichtigsten Achsen. Prenzlauer Berg (10–15 Min. südlich) — gehoben, kopfsteingepflastert, gentrifiziert. Spezialitätenröstereien für Kaffee, Biomärkte, ausgeprägte Brunchkultur. Kreuzberg (30+ Min. südlich) — türkische Dönerbuden, Punkbars, dichtes Streetfood-Angebot, Essen bis spät in die Nacht. Rauer, echter. Mauerpark (10–15 Min. zu Fuß) — Sonntagsmarkt mit 20–30 Streetfood-Ständen, Flohmarktware und bis zu 40,000 Besuchern am Wochenende.

Restaurantdaten bereitgestellt von Google

Historischer Kontext

Die Burg, die Hitler im Zorn befahl

In der Nacht des 25. August 1940 überquerten RAF-Bomber zum ersten Mal Berlin. Hitler soll außer sich gewesen sein. Innerhalb weniger Wochen unterzeichnete er einen Führerbefehl für drei Flakturmanlagen in der Hauptstadt — bombensichere Geschützplattformen, die zugleich als Schutzräume für Zivilisten dienten, gebaut in einer mittelalterlichen Burgästhetik, die er persönlich absegnete.

Humboldthain wurde Flakturm III. Aus den Akten geht hervor, dass der Bau von Oktober 1941 bis April 1942 lief — ungefähr sechs Monate, rund 800 Arbeiter, etwa 90 Millionen Reichsmark. Die Wände wurden 3,5 Meter dick. Das Dach 5 Meter. Diese Maße sind der Grund, warum der Turm noch steht.

Friedrich Tamms und die Fenster, die keinen Sinn ergaben

Der Architekt war Friedrich Tamms, ein 36-jähriger Brückenbauingenieur aus Schwerin, den Albert Speer 1938 in die Generalbauinspektion holte. Als Hitlers Flakturmbefehl im September 1940 eintraf, landete die Akte bei Tamms. Er musste einen 70 Meter hohen bombensicheren Wolkenkratzer entwerfen, die ballistischen Vorgaben der Luftwaffe erfüllen und dem Ganzen das Aussehen einer germanischen Burg geben — rechtzeitig zur nächsten Bombensaison. Für ihn persönlich stand ein Auftrag des Lebens auf dem Spiel: Diese Türme sollten nach dem deutschen Sieg zu Propagandadenkmälern des Luftkriegs werden, mit seinem Namen am Sockel jedes einzelnen.

Also schnitt er Fenster hinein. Echte Fenster, im Krieg mit Stahl verschlossen. Jeder Militäringenieur, der den Humboldthain betritt, bemerkt das und runzelt die Stirn. Fenster in einem Bunker ergeben keinen Sinn — es sei denn, das Gebäude soll den Krieg überdauern. Tamms entwarf für Germania, Speers geplante Welthauptstadt Berlin. Nach dem Sieg sollten die Geschützplattformen von den Ecken verschwinden und die Türme zu Wohnungen oder Luftwaffenbüros werden. Die Fenster sind der rauchende Colt dieser Fantasie.

Der Wendepunkt kam im Frühjahr 2014, als Berliner Unterwelten 21 Sandkalk-Reliefsteine übernahm, die für den Humboldthain gehauen, aber nie eingebaut worden waren — acht Ehrenkranzsteine, dreizehn Doppelschwertsteine, jeder bis zu 1,7 Tonnen schwer. Dekorative Fassadenteile für ein Denkmal der Luftwaffe, bestellt, während Berlin brannte. Tamms überlebte den Krieg, erfand sich als Stadtplaner in Düsseldorf neu und starb 1980 ohne ernsthafte Folgen der Entnazifizierung. Die von ihm in Auftrag gegebenen Steine lagen 69 Jahre im Depot. Heute können Sie sie auf Tour 2 sehen.

Die letzte Stellung in Berlin

Die Stadt kapitulierte am 2. Mai 1945. Humboldthain hielt noch einen weiteren Tag. Nach mehreren Quellen brachte die sowjetische 89. Schützendivision 203-mm-B-4-Haubitzen heran — dieselben Geschütze, die deutsche Festungen an der gesamten Ostfront geknackt hatten — und legte 1.000kg Sprengstoff am Fundament. Nichts drang durch. Im Inneren befanden sich ungefähr 1.000 Wehrmachtssoldaten, Hitlerjugend-Helfer im Alter von 16 bis 18 Jahren, weibliche Flakhelferinnen und Tausende Zivilisten. Die Besatzung hatte die 128-mm-Rohre waagrecht abgesenkt und als Panzerabwehrkanonen eingesetzt, mit Abschussringen auf dem Stahl. Gegen 1:00 Uhr am 3. Mai wurde die weiße Fahne gehisst. Es war die letzte organisierte deutsche Stellung in der Hauptstadt.

Die französische Sprengung, die sich weigerte zu sprengen

Das Gebiet um den Humboldthain lag nach 1945 im französischen Sektor. Französische Pioniere legten den kleineren L-Turm (Leitturm) am 13. Dezember 1947 sauber nieder. Der G-Turm (Geschützturm) war eine andere Geschichte. Eine erste Sprengung am 28. Februar 1948 scheiterte. Ein dritter Versuch am 13. März — insgesamt 41 Tonnen Dynamit — brachte die beiden südlichen Ecktürme zum Einsturz und ließ die beiden nördlichen gezeichnet, aber intakt zurück. Offiziell hieß es, die französischen Pioniere hätten zum Schutz der sowjetisch kontrollierten Ringbahn nördlich des Geländes aufgehört. Fachleute streiten, ob das echte Vorsicht des Kalten Krieges war oder ein gesichtswahrender Vorwand für ein technisches Scheitern. In den 1950er Jahren verschüttete Berlin die überlebende Hälfte einfach unter 1,5 Millionen Kubikmetern Kriegsschutt und schuf damit den Hügel, den Einheimische bis heute Mont Klamott nennen.

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Häufig gefragt

Lohnt sich ein Besuch des Flakturms Humboldthain? add

Ja — besonders für Menschen mit Interesse an der Geschichte des Zweiten Weltkriegs, Berlin-Kenner oder alle, die einem kostenlosen Sonnenuntergangsblick nachjagen. Der Außenbereich auf dem Hügel ist rund um die Uhr ohne Ticket zugänglich, und die geführte Innenbesichtigung gehört zu den eindringlichsten Geschichtserlebnissen der Stadt. Auslassen sollten Sie ihn nur, wenn Sie in Ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder sich überhaupt nicht für Architektur aus der NS-Zeit interessieren.

Wie komme ich vom Berliner Zentrum zum Flakturm Humboldthain? add

Nehmen Sie die U8 oder U6 bis Gesundbrunnen und gehen Sie dann etwa 7 Minuten (494m) nach Süden in den Volkspark Humboldthain. Auch S1, S2, S25, S41 und S42 halten in Gesundbrunnen. Der Bus 247 fährt direkt zum Park. Keine Parkplätze — nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Kann man den Flakturm Humboldthain kostenlos besuchen? add

Ja. Der Park, der Trümmerhügel und die Aussichtsplattform auf dem Dach kosten nichts und sind rund um die Uhr geöffnet. Nur die geführte Innenbesichtigung mit Berliner Unterwelten erfordert ein Ticket (€55 für das 2,5-stündige Humboldthain Spezial, nur Mai–Oktober).

Wie viel Zeit braucht man am Flakturm Humboldthain? add

Planen Sie 30–60 Minuten für den Außenbereich und das Dach ein, oder 2,5 Stunden, wenn Sie die Innenführung Humboldthain Spezial buchen. Zusammen mit einem Spaziergang durch den Park wird daraus schnell ein halber Tag. Rechnen Sie danach noch Zeit für einen Dürüm in der Müllerstraße ein.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch des Flakturms Humboldthain? add

Zum Sonnenuntergang an einem Wochentag zwischen April und Oktober — dann fängt das Dach das goldene Licht über Nordberlin ein und es sind weniger Leute da. Im Herbst und Winter sind die Sichtachsen auf die Stadt sogar besser, weil kahle Bäume den Blick nach Süden zum Fernsehturm freigeben. Innenführungen gibt es nur von Mai bis Oktober; im Winter schließt der Turm wegen der Fledermaus-Winterruhe.

Kann man in den Flakturm Humboldthain hineingehen? add

Ja, aber nur im Rahmen einer Führung mit Berliner Unterwelten und nur von Mai bis Oktober. Das Humboldthain Spezial dauert 2,5 Stunden und kostet €55; gezeigt werden 3 der 7 Etagen sowie die Ruinen des Mutter-Kind-Bunkers. Teilnahme erst ab 18 Jahren, online vorab buchen — vor Ort gibt es keinen Verkauf. Wanderstiefel und Taschenlampe sind Pflicht; Fotografieren ist drinnen verboten.

Warum ist die Hälfte des Flakturms Humboldthain zerstört? add

Ingenieure der französischen Besatzungsmacht sprengten 1947–48 in drei Versuchen 41 Tonnen Dynamit, um ihn zu beseitigen. Die erste Sprengung am 28. Februar 1948 scheiterte vollständig. Die dritte am 13. März 1948 brachte die beiden südlichen Ecktürme zum Einsturz — die nördliche Hälfte blieb stehen und wurde offiziell verschont, um die nahe, von der Sowjetunion kontrollierte Ringbahn zu schützen.

Was sollte ich am Flakturm Humboldthain auf keinen Fall verpassen? add

Der Aussichtspunkt auf dem Dach bei Sonnenuntergang — einer der wenigen Orte in Berlin, an denen der Fernsehturm Ihr Foto nicht ruiniert. Im Inneren sollten Sie den Guide bitten, die Taschenlampen auszuschalten, damit Sie die schwach leuchtende Leuchtfarbe aus dem Zweiten Weltkrieg an den Wänden sehen können. Draußen lohnt sich der Abstieg über den Serpentinenweg zum Rosarium darunter — Rosen am Fuß eines Geschützturms, Berlin verdichtet an einem Ort.

Quellen

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