Ursprung und Konzept des Stolpersteine-Projekts
Das Stolpersteine-Projekt begann mit dem Wunsch von Gunter Demnig, die Auslöschung einzelner Opfer aus dem öffentlichen Gedenken entgegenzuwirken. Der erste inoffizielle Stein wurde 1996 in Köln verlegt, um die Deportationsrouten von Sinti und Roma zu markieren. Stolpersteine sind 10x10 cm große, mit Messing beschichtete Betonwürfel, die bündig in den Bürgersteig eingelassen sind und mit den Namen, Geburtsdaten, dem Schicksal und – sofern bekannt – dem Todesdatum und -ort der Opfer beschriftet sind. Ihre Platzierung am letzten frei gewählten Wohnort des Opfers restituiert Identität und Würde für die verlorenen Seelen (stolpersteine.eu; fabriziomusacchio.com).
Im August 2024 waren über 107.000 Stolpersteine in 21 europäischen Ländern installiert, die Juden, Sinti und Roma, behinderte Menschen, LGBTQ+-Personen, politische Dissidenten und andere vom NS-Regime verfolgte Personen ehrten (en.wikipedia.org).
Künstlerische und soziale Dimensionen
Jeder Stolperstein ist ein Werk der öffentlichen Kunst und eine "soziale Skulptur", die das Gedenken in das tägliche Stadtleben integriert (stolpersteine.eu). Die ebenerdige Platzierung der Steine zwingt Passanten, sich – buchstäblich und im übertragenen Sinne – vor den Opfern zu verbeugen, was einen spontanen Moment des Gedenkens schafft (bpb.de). Freiwillige in jeder Gemeinschaft übernehmen die Verantwortung für die Reinigung der Steine und halten so die Erinnerung lebendig und die Tafeln glänzend.
Stolpersteine in Baden-Baden: Standorte, Besuchszeiten und Eintrittspreise
Baden-Baden beteiligt sich seit 2008 aktiv am Stolpersteine-Projekt. Über 200 Steine erinnern an Bürger, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert oder ermordet wurden (stadtwiki-baden-baden.de). Stolpersteine sind in öffentlichen Gehwegen eingelassen und jederzeit kostenlos zugänglich – es sind keine Tickets oder Reservierungen erforderlich.
Geführte Spaziergänge, die Stolpersteine und andere jüdische Kulturerbestätten umfassen, werden von lokalen Organisationen und dem Tourismusverband Baden-Baden angeboten (baden-baden.com).
So findest du Stolpersteine in Baden-Baden
Stolpersteine sind über die gesamte Stadt verteilt, insbesondere in Vierteln, in denen einst jüdische und andere verfolgte Familien lebten. Das Baden-Baden Gedenkbuch listet Opfer und Adressen auf. Interaktive Karten und Apps wie Audiala bieten Optionen für selbstgeführte Touren und historischen Kontext.
Das Julius Stern Denkmal: Geschichte und Bedeutung
Historischer Hintergrund
Julius Stern, ein herausragender Philologe und Pädagoge, zog 1904 nach Baden-Baden und trug maßgeblich zum intellektuellen Leben der Stadt bei (goodnews4.de). Nach seiner Pensionierung im Jahr 1931 eskalierte die nationalsozialistische Verfolgung. Die Synagoge der Familie Stern wurde während der Pogrome von 1938 zerstört, und im August 1942, angesichts der drohenden Deportation, nahmen Julius und seine Frau Berta sich das Leben (goodnews4.de).
Der Stolperstein in der Hardäckerstraße 12, der 2009 verlegt wurde, trägt die Inschrift:
"HIER WOHNTE
JULIUS STERN
JG. 1865
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
17.8.1942"
Diese Tafel stellt Julius Sterns Leben und Schicksal wieder in einen historischen Kontext und verleiht ihm Identität und Würde.
Besucherinformationen: Öffnungszeiten, Barrierefreiheit und Führungen
- Standort Hardäckerstraße 12, Baden-Baden, Deutschland (goodnews4.de)
- Besuchszeiten täglich 24 Stunden; da Stolpersteine auf öffentlichen Gehwegen liegen, sind sie immer zugänglich.
- Tickets Nicht erforderlich; Besuche sind kostenlos.
- Barrierefreiheit Der Stolperstein ist bündig mit dem Bürgersteig verlegt und im Allgemeinen für Rollstühle zugänglich, obwohl einige ältere Bürgersteige uneben sein können. Kontaktiere die Touristeninformation Baden-Baden für Unterstützung.
- Führungen Obwohl es keine Führungen ausschließlich für den Stolperstein von Julius Stern gibt, beinhalten breitere Stadtführungen zu jüdischen Kulturerbestätten diesen nach vorheriger Absprache.
Kulturelle und erinnerungspolitische Bedeutung
Das Stolpersteine-Projekt integriert das Gedenken auf einzigartige Weise in den Alltag und erfordert Engagement und Reflexion von denen, die ihnen begegnen (stolpersteine.eu). In Baden-Baden stellen schulische und gemeinschaftliche Beteiligung bei der Erforschung von Opfern und der Pflege der Steine sicher, dass die Lehren der Geschichte weitergegeben werden (stadtwiki-baden-baden.de). Das Motto des Projekts, "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", untermauert seine pädagogische und erinnerungspolitische Philosophie (goodnews4.de).
Nahegelegene Attraktionen und Reisetipps
Neben dem Stolperstein für Julius Stern bietet Baden-Baden:
- Den ehemaligen Synagogenstandort (Stephanienstraße)
- Das Baden-Badener Museum (Ausstellungen zur lokalen jüdischen Geschichte)
- Das Kurhaus und Casino
- Die Lichtentaler Allee
- Das Fabergé Museum und das Frieder Burda Museum (mapcarta.com)
Öffentliche Verkehrsmittel und Stadtpläne sind bei der Touristeninformation Baden-Baden erhältlich.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wo befindet sich der Stolperstein von Julius Stern?
In der Hardäckerstraße 12, Baden-Baden.
Wann kann ich ihn besuchen?
Jederzeit, 24/7; es ist ein öffentliches Gehwegdenkmal.
Gibt es Eintrittsgebühren?
Nein, der Besuch ist kostenlos.
Gibt es geführte Touren?
Touren zu jüdischem Erbe und Stadtgeschichte sind verfügbar; erkundige dich bei der Touristeninformation Baden-Baden.
Ist die Gedenkstätte rollstuhlgerecht?
Generell ja, obwohl einige gepflasterte Straßen uneben sein können. Kontaktiere das Tourismusbüro für spezifische Auskünfte.
Kann ich bei der Pflege oder Gedenkveranstaltungen mitwirken?
Ja, lokale Gruppen reinigen die Steine häufig an Gedenktagen. Besucher können respektvoll reinigen oder Blumen/Steine hinterlassen.