Austria Geprüft Mar 2026
Jeden April leuchten die Hügel westlich von Graz in Weiß auf, doch es ist kein Schnee, sondern ein Meer aus Kirschblüten, das die Grenzen zwischen Obstgarten und Wolke verschwimmen lässt. Hitzendorf, eine Marktgemeinde mit knapp 7.400 Einwohnern in der Steiermark, hat aus diesem kurzen Naturschauspiel ein Stück Identität gemacht und trägt nicht umsonst den Beinamen Kirschenhochburg. Nur zehn Kilometer von Graz entfernt, wirkt der Ort dennoch angenehm aus der Zeit gefallen.
Foto: Liuthalas · CC BY-SA 4.0
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Urkundlich taucht Hitzendorf um 1140 als Hizinchdorf auf, benannt nach einem Mann namens Hizo, dessen Name heute vor allem mit Kirschbäumen verbunden scheint. Zwischen 350 und 410 Metern Seehöhe ziehen sich Obstgärten über die sanften Rücken der Landschaft, und die Kirsche begegnet einem hier überall: als Strudel beim Kirschenfest im Juni, als Likör in den Buschenschänken oder als Kirsch-Prosecco in der Kirschenhalle. Die Kirschblütenwanderung, inzwischen in ihrer 36. Ausgabe, führt auf sechs, elf oder fünfzehn Kilometern durch die Blüte, mit Labestationen, an denen Familien aus der Umgebung regionale Spezialitäten auftischen.
Doch Hitzendorf lebt nicht nur von seinen Obstgärten. Auf dem acht Kilometer langen Schlösserweg liegen mit Altenberg, Reiteregg, Schütting und dem herrlich klingenden Tausendlust gleich vier Schlösser aus Barock und Renaissance an einer Runde, alle in Privatbesitz und nur von außen zu sehen, was ihren Reiz eher noch steigert. In Altreiteregg wiederum hat ein leidenschaftlicher Sammler Österreichs größte Kollektion fahrbereiter Porsche-Diesel-Traktoren aufgebaut: mehr als 46 Maschinen, die selbst Besucher ohne ausgeprägte Technikleidenschaft überraschen.
In seiner heutigen Form besteht Hitzendorf erst seit 2015, als sich Attendorf, Hitzendorf und Rohrbach-Steinberg zu einer gemeinsamen Marktgemeinde mit 26 Ortschaften auf rund 48 Quadratkilometern zusammenschlossen. Entstanden ist ein ländlicher Flickenteppich aus Dörfern, Buschenschänken, Reitbetrieben und Streusiedlungen, zusammengehalten von der stillen Gewissheit, dass Graz nah genug für einen Ausflug und weit genug für ein eigenes Leben ist. Dass es seit 2017 keinen eigenen Tourismusverband mehr gibt, passt erstaunlich gut zu einem Ort, der sich lieber zeigen als vermarkten lässt.
Wo es sich zu schlendern lohnt, Viertel für Viertel — jedes mit eigenem Rhythmus.
Bevor es losgeht
Wo Einheimische wirklich zum Abendessen einkehren — keine Touristenmenüs.
Kleine Dinge, die verändern, wie die Stadt dir begegnet.
Die Stadt, so wie sie wirklich aussieht.
Ja, vor allem als Ausflug von Graz aus. Hitzendorf ist kein Ort für eine ganze Urlaubswoche, aber für ein paar ruhige Stunden zwischen Kirschgärten, sanften Hügeln und kleinen Schlössern genau richtig. Dazu kommen echte bäuerliche Gastfreundschaft und mit dem Porsche-Traktormuseum eine ungewöhnliche Sehenswürdigkeit, die man so kaum erwartet. Besonders schön ist es zur Kirschblüte im April oder rund um das Kirschenfest im Juni.
Ein voller Tag reicht in der Regel gut aus. Morgens bietet sich der Schlösserweg an, am Nachmittag das Porsche-Traktormuseum, und zum Abschluss passt eine Jause in einem Buschenschank. Wer zur Kirschblütenwanderung kommt, kann die wichtigsten Höhepunkte ebenfalls bequem an einem langen Tag erleben.
Mit dem Auto fährt man von Graz aus in etwa 15 bis 20 Minuten nach Westen. Eine direkte Bahnverbindung gibt es nicht. Busse verbinden Graz mit Hitzendorf, am Wochenende sind die Intervalle jedoch dünner, deshalb ist ein Auto oder zumindest ein Fahrrad für Erkundungen in den verstreuten Ortschaften deutlich praktischer.
Die Kirschblüte fällt meist auf Mitte April, je nach Witterung kann sie sich aber um einige Tage nach vorne oder hinten verschieben. Am eindrucksvollsten erlebt man sie bei der Kirschblütenwanderung, die 2026 am Sonntag, dem 12. April, stattfindet. Dann führen die Wege mitten durch die weiß blühenden Obstgärten, dazu kommen Labestationen mit regionalen Spezialitäten.
Das Museum in Altreiteregg zeigt die größte Sammlung von Porsche-Diesel-Traktoren in Österreich. Zu sehen sind mehr als 46 betriebsfähige Fahrzeuge sowie weitere Modelle von Kaelble, Allgaier und Hofherr-Schrantz. Auch wer sich sonst nicht für Landmaschinen interessiert, findet hier ein überraschend spannendes Kapitel der Porsche-Geschichte vor dem Sportwagen-Mythos.
Das Kirschenfest findet jedes Jahr Ende Juni in der Kirschenhalle statt, der Eintritt ist frei. Aufgetischt werden Kirschstrudel, Marmeladen, Kirschlikör, Kirsch-Prosecco und die lokale Spezialität "Hitzendorf Mon Chéri". Die Stimmung ist die eines steirischen Dorffests: familiär, gesellig und sehr kirschenlastig.
Ja, der Schlösserweg ist ein markierter Rundweg von rund 8 Kilometern, der die Schlösser Altenberg, Reiteregg, Schütting und Tausendlust verbindet. Die Gebäude sind privat und können nur von außen besichtigt werden, doch der Weg selbst führt reizvoll durch Obstgärten und sanfte Hügellandschaft. Für die Runde sollte man in gemütlichem Tempo etwa zwei bis drei Stunden einplanen.
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